Training & Erziehung

Fiddeln bei Hunden: Was es bedeutet und wie Du damit umgehst

4 Min Lesezeit
Fiddeln bei Hunden: Was es bedeutet und wie Du damit umgehst
Inhalt
  1. Woran erkennt man Fiddeln?
  2. Was bedeutet Fiddeln für den Hund?
  3. Studien und Forschung zu Fiddeln
  4. Wann sollte man Fiddeln laufen lassen und wann eingreifen?
  5. Mythen ums Fiddeln

„Fiddeln“ beschreibt in der Verhaltensforschung ein Konfliktverhalten bei Hunden: eine Mischung aus spielerisch wirkenden Bewegungen und Anzeichen von Stress oder Unsicherheit. Es tritt auf, wenn ein Hund überfordert ist, die Situation aber nicht als eindeutig bedrohlich wahrnimmt. Der Hund weiss nicht genau, wie er reagieren soll.

Woran erkennt man Fiddeln?

Fiddeln zeigt sich durch verschiedene Verhaltensweisen, die Stress und spielerische Ablenkung verbinden:

  1. Übermässiges Schwanzwedeln: Der Hund wedelt schneller und unregelmässiger als gewöhnlich, oft kombiniert mit gesenkter Körperhaltung.
  2. Schnelle, übertriebene Bewegungen: Plötzliches Hüpfen, Drehen oder Bellen ohne klaren Zweck.
  3. Beschwichtigungsgesten: Belecken der Lippen, Gähnen oder Vermeiden von Augenkontakt.
  4. Spielsprünge oder Spielaufforderungen: Der Hund senkt die Vorderbeine und hebt das Hinterteil, jedoch in einem Kontext, der nicht nach Spiel aussieht.
  5. Unsicheres, hastiges Verhalten: Der Hund wirkt nervös, unentschlossen, bewegt sich hastig und schaut sich immer wieder um.

Was bedeutet Fiddeln für den Hund?

Fiddeln zeigt einen emotionalen Konflikt. Der Hund fühlt sich unsicher, versucht Stress abzubauen und eine angespannte Situation zu entschärfen, er will verhindern, dass eine Interaktion eskaliert.

Ein Beispiel: Ein Hund befindet sich in der Nähe eines anderen Hundes oder einer Person, von der er sich bedroht fühlt, kann sich aber nicht zurückziehen oder will nicht aggressiv reagieren. Stattdessen zeigt er Spielverhalten als Form von Stressabbau.

Studien und Forschung zu Fiddeln

In der Verhaltensforschung gilt Fiddeln als Ausdruck eines ambivalenten Zustands: Der Hund empfindet sowohl Anziehung als auch Angst. Hunde zeigen dieses Verhalten häufiger in neuen oder unvorhersehbaren Situationen.

Eine Studie von Beerda et al. (1997) stellte fest, dass Hunde in stressigen Situationen vermehrt Verhaltensweisen zeigen, die beschwichtigend oder spielähnlich wirken – ein Hinweis auf Konfliktlösung.

Wann sollte man Fiddeln laufen lassen und wann eingreifen?

Laufen lassen:

  • Milde Unsicherheiten: Wenn das Fiddeln in einer Situation ohne direkte Bedrohung auftritt und der Hund sich allmählich entspannt, gib ihm Zeit, sich selbst zu beruhigen.
  • Vertraute Umgebung: Wenn dein Hund in bekannter Umgebung fiddelt, aber keine Zeichen von Aggression oder übermässigem Stress zeigt, kann er in der Situation lernen, damit umzugehen.

Eingreifen:

  • Starke Unsicherheit oder Angst: Wenn das Fiddeln durch intensive Unsicherheit ausgelöst wird und dein Hund sich nicht zurückziehen kann, greife ein. Ein beruhigender Rückruf oder das Verlassen der Situation helfen.
  • Bedrohliche Situationen: Wenn das Fiddeln auf eine potenzielle Bedrohung oder Eskalation hinweist, deeskaliere die Situation.
  • Dauerhaftes Fiddeln ohne Entspannung: Wenn dein Hund regelmässig fiddelt und sich nicht entspannt, ist die Situation zu stressig. Identifiziere den Auslöser, beseitige ihn, oder hol dir professionelle Hilfe.

Mythen ums Fiddeln

Das Verhalten wird oft missverstanden. Hier sind gängige Mythen und die Realität dahinter.

Mythos 1: Fiddeln ist immer ein Zeichen von Freude und Spielverhalten.

Realität: Fiddeln kann spielerische Elemente enthalten, ist aber in der Regel ein Zeichen für Unsicherheit oder Stress. Hunde setzen es ein, um eine unklare Situation zu entschärfen. Berücksichtige immer den Kontext und die Körpersprache des Hundes.

Mythos 2: Fiddeln bedeutet, dass ein Hund sozial und kontaktfreudig ist.

Realität: Fiddeln zeigt nicht unbedingt, dass ein Hund kontaktfreudig ist. Oft versucht der Hund damit, einen potenziell unangenehmen sozialen Kontakt zu entschärfen oder zu vermeiden, und signalisiert, dass er keine Bedrohung darstellt.

Mythos 3: Hunde, die fiddeln, sind dominant und versuchen, die Kontrolle zu übernehmen.

Realität: Fiddeln ist kein Zeichen von Dominanz. Es ist ein Beschwichtigungsverhalten: Der Hund will Stress abbauen oder eine potenzielle Bedrohung deeskalieren. Hunde, die fiddeln, zeigen häufig Zeichen von Unterwürfigkeit oder Unsicherheit.

Mythos 4: Man sollte das Fiddeln ignorieren, weil der Hund damit allein zurechtkommt.

Realität: Fiddeln lässt manchmal von selbst nach, wenn der Hund sich an die Situation gewöhnt. Wenn es aber aus Unsicherheit oder Stress resultiert und regelmässig auftritt, solltest du nicht wegsehen. Unterstütze den Hund, indem du die Stressquelle entfernst oder ihn auf andere Weise beruhigst.

Mythos 5: Ein Hund, der fiddelt, wird niemals aggressiv.

Realität: Fiddeln ist zwar ein Beschwichtigungsverhalten, das eine Eskalation vermeiden soll, doch es bedeutet nicht, dass ein Hund nicht aggressiv werden könnte, wenn er sich weiter bedroht oder gestresst fühlt. Erfährt ein Hund in einer unangenehmen Situation wiederholt keine Erleichterung, kann sich sein Verhalten verschlechtern. Sieh Fiddeln als frühen Hinweis auf Stress und handle entsprechend.

Mythos 6: Fiddeln ist ein Zeichen von schlechtem Training oder schlechter Erziehung.

Realität: Fiddeln ist kein Zeichen von schlechtem Training. Es ist ein natürliches Verhalten, das viele Hunde in verschiedenen Situationen zeigen, besonders wenn sie sich unsicher oder gestresst fühlen. Selbst gut erzogene und trainierte Hunde können fiddeln, wenn sie auf neue oder unangenehme Situationen stossen. Das Verhalten spiegelt den momentanen emotionalen Zustand des Hundes wider.

Mythos 7: Man sollte Fiddeln immer unterbrechen, um den Hund nicht in seinem Verhalten zu bestärken.

Realität: Fiddeln ist ein Bewältigungsmechanismus und kein schlechtes Verhalten, das man sofort korrigieren muss. Beobachte die Situation und beurteile, ob der Hund wirklich Unterstützung benötigt oder ob er in der Lage ist, sich selbst zu beruhigen. Vorschnelles Eingreifen kann den Hund noch mehr stressen, ein behutsamer, unterstützender Ansatz hilft ihm, sich sicherer zu fühlen.