Kromfohrländer (FCI 9/10): Deutschlands seltene Eigenrasse erklärt

Der Kromfohrländer gehört zu den seltensten anerkannten Hunderassen der Welt – und er ist die einzige deutsche Rasse, die nach dem Zweiten Weltkrieg neu entstanden und von der FCI anerkannt worden ist. Ilse Schleifenbaum, eine Hundezüchterin aus dem Siegerland, entwickelte ihn in den 1940er Jahren aus einem zufällig aufgefundenen Foxterrier-Mischling und einem Grossen Griffon Vendéen. Herausgekommen ist ein mittelgrosser, anpassungsfähiger Familienhund mit einer sehr kleinen Weltpopulation – deren genetische Vielfalt züchterisch ernsthaft unter Druck steht.

Geschichte: eine Rasse aus Zufall

1945 gelangte ein verletzter Hund unbekannter Herkunft – vermutlich ein Grand Griffon Vendéen-Mix – zu Ilse Schleifenbaum im Siegerland (Nordrhein-Westfalen). Den Hund nannte sie „Original Peter“ und kreuzte ihn mit der glatten Fox Terrier-Hündin Betina. Der Typ, der daraus hervorging, wurde von Schleifenbaum durch konsequente Selektion zur eigenständigen Rasse entwickelt. 1955 erkannte der VDH den Kromfohrländer an; die FCI folgte im selben Jahr. Der Name leitet sich von „Krom Fohr“ ab – einem alten Begriff für das wellige Terrain der Heimatregion.

Zwei Fellvarianten

Der Kromfohrländer tritt in zwei Fellvarianten auf: glatthaarig (ähnlich dem Fox Terrier) und rauhhaarig mit Bart. Im Wesen sind beide Varianten identisch; die Pflege unterscheidet sich geringfügig.

Charakter und Haltung

Kromfohrländer sind freundlich, neugierig und familienbezogen – ausgeprägte Fremdenaggressivität kennt die Rasse kaum. Gegenüber vielen Terrier-Verwandten zeigen sie sich kooperativer und gelten als gut erziehbar. Der Beschäftigungsbedarf ist moderat: mehr als beim Bichon, weniger als beim Border Collie. Im Agility und bei der Nasenarbeit laufen sie zur Hochform auf.

Das genetische Vielfalt-Problem

Die weltweite Kromfohrländer-Population liegt schätzungsweise unter 2.000 Hunden – ein genetischer Flaschenhals, der Inzuchtprobleme erzeugt. Hyperurikosie (erhöhter Harnsäurespiegel, ähnlich wie beim Dalmatiner) und Epilepsie sind in der Rasse dokumentiert. Seriöse Züchter führen Zuchtprogramme zur Erhaltung genetischer Vielfalt durch, teils in internationaler Zusammenarbeit.

Häufig gestellte Fragen

Wie findet man einen Kromfohrländer-Züchter?

Der Anlaufpunkt ist der Rasseverein – der Klub für Kromfohrländer e.V. Züchter sind rar; Wartelisten von ein bis zwei Jahren sind üblich. Wer einen Kromfohrländer möchte, muss Zeit mitbringen.

Sind Kromfohrländer stadtgeeignet?

Ja – ihr Beschäftigungsbedarf ist für einen Stadthaushalt gut handhabbar, wenn tägliche Spaziergänge und regelmässiges Training möglich sind.

Rassen in FCI Gruppe 9

32 Rassen eingetragen