Kromfohrländer (FCI 9/10): Deutschlands seltene Eigenrasse erklärt

Zu den 1 Rassen

Inhalt
  1. Rassen in FCI 9/10
  2. Woher der Kromfohrländer kommt
  3. Wesen: der Terrier, der keiner ist
  4. Rauhaar und Glatthaar
  5. Der Flaschenhals: warum Gesundheit hier eine Zuchtfrage ist
  6. Was du beim Kauf verlangst
  7. Häufig gestellte Fragen

Der Kromfohrländer ist eine der jüngsten deutschen Hunderassen und geht auf einen einzigen Fund zurück: einen herrenlosen Rüden, den amerikanische Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg im Siegerland mitführten und der bei einer Züchterin blieb. Aus seinen Nachkommen entstand eine Rasse, benannt nach einer Flur namens Krumme Furche.

Die Sektion trägt seinen Namen, weil sie für ihn angelegt wurde. Wer ihn heute sucht, sucht einen freundlichen, mittelgrossen Familienhund ohne Jagdtrieb, und findet eine der kleinsten Zuchtpopulationen Europas mit den Problemen, die daraus folgen.

Woher der Kromfohrländer kommt

Die Rasse entstand aus einem Zufall, nicht aus einem Zuchtplan. Der Gründerrüde war ein Mischling unbekannter Herkunft, vermutlich mit Anteilen von Foxterrier und einem französischen Griffon-Typ. Verpaart wurde er mit einer Foxterrier-Hündin, und aus dieser Linie entwickelte eine Züchterin aus dem Siegerland über Generationen einen einheitlichen Typ, der später als eigene Rasse anerkannt wurde.

Diese Entstehungsgeschichte erklärt zwei Dinge, die im Alltag zählen. Erstens das Aussehen: Der Kromfohrländer sieht aus wie ein Terrier und ist keiner. Er wurde nie auf Jagd am Bau, auf Schärfe oder auf Selbstständigkeit selektiert, sondern von Anfang an als Begleithund gezüchtet. Zweitens die genetische Lage: Eine Rasse, die auf sehr wenige Gründertiere zurückgeht, startet mit einem schmalen Genpool und behält ihn.

Wesen: der Terrier, der keiner ist

Der Kromfohrländer ist ein ausgesprochen menschenbezogener Hund, der die Nähe seiner Familie sucht und schlecht damit zurechtkommt, allein gelassen zu werden. Fremden gegenüber ist er zunächst zurückhaltend und meldet Besuch deutlich, taut aber auf, sobald die Lage geklärt ist. Aggression gegen Menschen ist in der Rasse selten.

Der grosse Unterschied zu den Terriern, mit denen er verwechselt wird, liegt beim Jagdverhalten. Der Kromfohrländer bringt wenig eigenständigen Jagdtrieb mit und lässt sich in der Regel gut abrufen. Er ist damit einer der wenigen mittelgrossen Hunde mit Terrier-Optik, bei denen Freilauf im Wald keine Dauerbaustelle ist.

Empfindlich ist er im Umgang. Harte Ansprache, Schimpfen oder ruckartige Leinenführung verunsichern ihn nachhaltig, ohne dass er dabei aufmüpfig wirkt. Er zieht sich zurück und arbeitet weniger mit. Wer ihn freundlich und konsequent führt, bekommt einen sehr kooperativen Hund; wer ihn unter Druck setzt, bekommt einen gehemmten.

Rauhaar und Glatthaar

Es gibt zwei Haararten, die als eine Rasse geführt werden. Der Rauhaar trägt ein rauhes Deckhaar mit Bart und buschigen Augenbrauen, der Glatthaar ein kürzeres, anliegendes Haar ohne Bartbildung. Beide sind im Wesen gleich; die Wahl ist eine Frage der Pflege und des Geschmacks.

Der Pflegeaufwand ist bei beiden überschaubar. Der Rauhaar braucht regelmässiges Durchkämmen und je nach Linie gelegentliches Trimmen von Hand, der Glatthaar kommt mit Bürsten aus. Geschoren wird keine der beiden Formen. Der Bart des Rauhaars nimmt Futter und Wasser auf und sollte nach den Mahlzeiten abgewischt werden, sonst riecht er.

Der Flaschenhals: warum Gesundheit hier eine Zuchtfrage ist

Die weltweite Population wird auf wenige tausend Tiere geschätzt. Bei dieser Grösse ist jeder Zuchthund mit jedem anderen verwandt, und Erbkrankheiten verschwinden nicht von selbst aus dem Bestand. Die Rasse ist deshalb einer der Fälle, in denen die Frage nach den Gentests der Elterntiere nicht optional ist.

Zwei Erkrankungen stehen im Vordergrund. Die familiäre Fusspolsten-Hyperkeratose führt zu stark verhornten, rissigen und schmerzhaften Ballen, meist ab dem Welpenalter. Sie wird rezessiv vererbt, was bedeutet: Ein Hund kann Anlageträger sein, ohne je zu erkranken, und erst die Verpaarung zweier Träger bringt betroffene Welpen. Ein Gentest trennt beides zuverlässig.

Die zweite ist die Hyperurikosurie, eine Störung im Harnsäurestoffwechsel, die zu Harnsteinen führen kann. Dasselbe Prinzip gilt hier: rezessiv vererbt, per Gentest bestimmbar, durch kluge Verpaarung vermeidbar. Wer zwei Träger miteinander verpaart, produziert vermeidbares Leiden.

Daneben werden in der Rasse Epilepsie und Kniescheibenprobleme beobachtet. Für Epilepsie gibt es keinen einfachen Test, wohl aber Zuchtbuchdaten. Ein Züchter, der auf die Frage nach Krampfanfällen in der Verwandtschaft ausweichend antwortet, beantwortet sie damit.

Was du beim Kauf verlangst

Lass dir für beide Elterntiere die Gentestergebnisse zu Fusspolsten-Hyperkeratose und Hyperurikosurie schriftlich zeigen. Zwei Anlageträger dürfen nicht miteinander verpaart werden; ein Träger mit einem freien Tier ist züchterisch vertretbar und ergibt keine erkrankten Welpen. Frag ausserdem nach dem Inzuchtkoeffizienten des Wurfs und nach Krampfanfällen in der Linie.

Wartezeiten sind bei dieser Rasse normal. Eine kleine Population bedeutet wenige Würfe pro Jahr, und ein Anbieter, der sofort mehrere Welpen verfügbar hat, ist genau deshalb ein Warnsignal. Besonders gilt das für Angebote aus dem Ausland ohne Anbindung an einen Zuchtverband: Was dort als Kromfohrländer verkauft wird, ist häufig ein Mischling mit ähnlichem Aussehen, ohne Papiere und ohne die Gesundheitsuntersuchungen, die bei dieser Rasse den Unterschied machen.

Sieh dir die Mutter mit dem gesamten Wurf in den Räumen an, in denen die Welpen aufwachsen, und achte auf die Ballen der Welpen. Eine Verhornung ist bereits in den ersten Lebenswochen sichtbar.

Häufig gestellte Fragen

Ist der Kromfohrländer ein Terrier?

Nein, auch wenn er so aussieht und Foxterrier unter seinen Vorfahren hat. Er wurde nie auf jagdliche Arbeit selektiert und wird als Gesellschafts- und Begleithund geführt, nicht in der Terriergruppe. Praktisch heisst das: deutlich weniger eigenständiger Jagdtrieb, bessere Abrufbarkeit, geringere Schärfe. Wer Terrier-Optik mag, aber kein Terrier-Temperament will, ist bei dieser Rasse richtig.

Wie viel kostet ein Kromfohrländer, und warum ist die Wartezeit so lang?

Die Rasse hat eine sehr kleine Zuchtpopulation, entsprechend wenige Würfe fallen pro Jahr. Wartezeiten von mehreren Monaten bis über ein Jahr sind normal und ein gutes Zeichen, kein schlechtes. Wer sofort mehrere Welpen liefern kann, züchtet entweder ohne Verbandsanbindung oder verkauft etwas anderes. Der Preis liegt im Rahmen anderer Rassen mit umfangreichen Gesundheitsuntersuchungen.

Welche Gesundheitstests muss der Züchter vorlegen?

Mindestens die Gentests auf familiäre Fusspolsten-Hyperkeratose und auf Hyperurikosurie, und zwar für beide Elterntiere. Beide Erkrankungen werden rezessiv vererbt: Zwei Anlageträger dürfen nicht miteinander verpaart werden, ein Träger mit einem freien Tier ergibt keine betroffenen Welpen. Frag zusätzlich nach Kniegelenksbefunden und nach Epilepsiefällen in der Verwandtschaft, für die es keinen Test gibt, wohl aber Zuchtbuchwissen.

Kann ein Kromfohrländer allein bleiben?

Nur begrenzt und nur, wenn es von klein auf geübt wurde. Die Rasse ist stark auf ihre Menschen bezogen und neigt bei längerem Alleinsein zu Unruhe, Bellen und Zerstörung. Vier bis fünf Stunden sind bei einem erwachsenen, sorgfältig trainierten Hund erreichbar. Ein Vollzeitjob ohne Betreuung oder Hundesitter passt nicht zu dieser Rasse.

Rauhaar oder Glatthaar: was ist pflegeleichter?

Der Glatthaar. Er wird gebürstet und braucht kein Trimmen, und ihm fehlt der Bart, der bei jedem Napfgang Futter und Wasser aufnimmt. Der Rauhaar braucht regelmässiges Durchkämmen, je nach Linie gelegentliches Trimmen von Hand und ein Abwischen des Barts nach den Mahlzeiten. Im Wesen unterscheiden sich die beiden Haararten nicht.