Englische Toy-Spaniels (FCI 9/7): Cavalier King Charles erklärt

Zu den 1 Rassen

Inhalt
  1. Rassen in FCI 9/7
  2. Was diese Sektion zusammenhält
  3. Wesen: der Hund, der niemanden ablehnt
  4. Die Herzerkrankung, die fast alle betrifft
  5. Syringomyelie: der Befund, der ein MRT braucht
  6. Was du beim Kauf verlangst
  7. Häufig gestellte Fragen

Die englischen Toy Spaniels sind die Schosshunde des britischen Hochadels, und sie tragen diesen Ursprung bis heute im Wesen: Sie wurden nicht zum Arbeiten gezüchtet, sondern zum Dabeisein. Ein Hund dieser Sektion sucht Körperkontakt, folgt seinem Menschen von Raum zu Raum und hat kaum Anlagen, die man auslasten müsste.

Genau diese Sanftmut hat die Rasse in ein Problem geführt. Der Cavalier King Charles Spaniel ist so beliebt, dass er in grossem Stil vermehrt wird, und er trägt zwei Erbkrankheiten, die ohne konsequente Zuchtauslese fast jeden Hund erreichen. Wer sich hier für den falschen Anbieter entscheidet, kauft sehr wahrscheinlich Leiden mit.

Was diese Sektion zusammenhält

Die FCI führt in dieser Sektion zwei eng verwandte Rassen: den Cavalier King Charles Spaniel und den kleineren, kurznasigeren King Charles Spaniel. Beide gehen auf dieselben höfischen Schosshunde des 16. bis 18. Jahrhunderts zurück, wie man sie auf Gemälden von Tizian bis Van Dyck sieht.

Auseinander gingen sie erst im 20. Jahrhundert. Über Jahrzehnte hatte die Zucht die Nase immer kürzer und den Schädel immer runder gemacht; der ursprüngliche Typ mit der längeren Schnauze war praktisch verschwunden. In den 1920er-Jahren setzte ein amerikanischer Liebhaber ein Preisgeld für Hunde aus, die dem alten Bild wieder entsprachen. Aus dieser Rückzüchtung entstand der Cavalier, während der King Charles Spaniel den kurznasigen Typ behielt.

Praktisch heisst das: Der Cavalier ist der grössere der beiden, mit deutlicher Schnauze und weniger Atemproblemen. Er ist heute die mit Abstand häufigere Rasse der Sektion.

Wesen: der Hund, der niemanden ablehnt

Ein Cavalier begegnet Menschen und meist auch fremden Hunden ohne Misstrauen. Er meldet selten, verteidigt nicht und lässt sich von Kindern mehr gefallen, als gut für ihn ist. Das macht ihn zu einem der unkompliziertesten Familienhunde überhaupt und zugleich zu einem, der Schutz vor Zumutungen braucht statt Erziehung gegen Aggression.

Die Kehrseite ist die Bindung. Diese Hunde sind ausgesprochen schlecht darin, allein zu bleiben. Ein Cavalier, der acht Stunden wartet, wartet nicht gelassen, sondern hechelt, jault und dreht Runden. Vier Stunden sind mit Training erreichbar, mehr ist bei den meisten Tieren eine Überforderung, die man ihnen nicht ansieht, weil sie nicht zerstören, sondern leiden.

Anlagen zum Jagen sind vorhanden, aber schwach ausgeprägt. Der Spaniel-Ursprung zeigt sich beim Stöbern im Unterholz; ein Cavalier, der Wild anschaut und dann zurückkommt, ist der Normalfall, nicht die Ausnahme.

Die Herzerkrankung, die fast alle betrifft

Die Mitralklappenendokardiose ist die häufigste Todesursache der Rasse. Die Herzklappe zwischen linkem Vorhof und linker Kammer verdickt sich und schliesst nicht mehr dicht, Blut fliesst zurück, das Herz vergrössert sich, irgendwann versagt es. Beim Cavalier beginnt dieser Prozess um Jahre früher als bei anderen kleinen Rassen.

Die Zahlen sind eindeutig: Etwa die Hälfte aller Cavaliere hat mit fünf Jahren ein hörbares Herzgeräusch, mit zehn Jahren nahezu alle. Das ist keine Nebenerscheinung des Alters, sondern eine Rassedisposition mit erblichem Anteil.

Genau deshalb existiert ein Zuchtprotokoll, das in mehreren Ländern verbindlich ist: Zuchttiere werden frühestens mit zweieinhalb Jahren und nur mit herzgesundem Befund eingesetzt, und ihre eigenen Eltern müssen mit fünf Jahren noch ohne Geräusch gewesen sein. Wo dieses Protokoll eingehalten wird, verschiebt sich der Krankheitsbeginn messbar nach hinten. Wo es ignoriert wird, verschiebt er sich nach vorn, und Hunde entwickeln mit zwei Jahren, was sie mit acht entwickeln sollten.

Syringomyelie: der Befund, der ein MRT braucht

Die zweite Erkrankung betrifft den Schädel. Bei vielen Cavalieren ist die hintere Schädelgrube zu klein für das Kleinhirn. Der Abfluss des Nervenwassers wird behindert, und im Rückenmark bilden sich flüssigkeitsgefüllte Hohlräume. Betroffene Hunde kratzen sich in der Luft am Hals, meiden Berührungen an Kopf und Nacken, jaulen beim Aufstehen oder bei Wetterwechseln.

Nachweisen lässt sich das nur im Magnetresonanztomogramm, nicht im Ultraschall und nicht durch Abtasten. Ein Züchter, der einen MRT-Befund der Elterntiere vorlegt, hat Geld und Aufwand investiert, den man ihm bezahlen muss. Ein Züchter, der die Frage mit «bei uns gab es das noch nie» beantwortet, hat nicht gemessen.

Zwei weitere Erkrankungen sind per Gentest sicher bestimmbar: das episodische Fallsyndrom und das Curly-Coat-Trockenaugen-Syndrom. Beide werden rezessiv vererbt, beide sind durch die richtige Verpaarung vollständig vermeidbar. Für sie gibt es keine Entschuldigung.

Was du beim Kauf verlangst

Lass dir für beide Elterntiere vorlegen: einen kardiologischen Befund von einem Tierarzt mit Herz-Schwerpunkt, nicht älter als ein Jahr, ein MRT-Ergebnis zu Chiari-Malformation und Syringomyelie, sowie die Gentests auf episodisches Fallsyndrom und Curly Coat. Frag zusätzlich nach dem Alter der Elterntiere und nach dem Herzstatus der Grosseltern. Diese Rasse ist einer der wenigen Fälle, in denen die Gesundheit der Grosseltern die konkretere Auskunft gibt als die der Eltern.

Der Cavalier gehört zu den am stärksten nachgefragten Rassen im deutschsprachigen Raum, und das macht ihn zu einem Hauptartikel des illegalen Welpenhandels. Angebote aus Osteuropa mit sofortiger Verfügbarkeit, mehreren Rassen im selben Inserat, Übergabe auf einem Parkplatz oder an der Autobahn betreffen fast immer Welpen, die zu früh von der Mutter getrennt wurden und keine der genannten Untersuchungen im Hintergrund haben. Der niedrige Preis ist dabei nicht das Lockmittel, sondern die Ansage: Was diese Untersuchungen kosten, kann in dem Preis nicht enthalten sein.

Sieh die Mutter mit dem Wurf in der Wohnung, in der die Welpen aufwachsen. Achte auf ihre Atmung in Ruhe und darauf, ob sie sich am Hals kratzt, ohne dass etwas da ist.

Häufig gestellte Fragen

Bekommt jeder Cavalier eine Herzerkrankung?

Nahezu jeder Cavalier entwickelt im Lauf seines Lebens ein Herzgeräusch, aber nicht jedes Herzgeräusch führt zu Herzversagen. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Beginnt die Veränderung mit acht oder zehn Jahren, bleibt sie oft ohne Folgen für die Lebenserwartung. Beginnt sie mit zwei oder drei Jahren, ist sie die Todesursache. Konsequente Zuchtauslese nach dem Herzprotokoll verschiebt den Beginn nach hinten, und genau darum ist die Frage nach den Befunden der Vorfahren keine Formalität.

Was kostet ein Cavalier vom seriösen Züchter?

Deutlich mehr als die Angebote, die man online zuerst findet. Ein MRT der Elterntiere, jährliche kardiologische Untersuchungen und Gentests summieren sich zu vierstelligen Beträgen pro Zuchttier, bevor ein einziger Welpe geboren ist. Wer im Preis nach unten geht, kauft nicht denselben Hund günstiger, sondern einen Hund ohne diese Untersuchungen im Hintergrund. Die Rechnung kommt später beim Tierarzt.

Kann ein Cavalier tagsüber allein bleiben?

Nur begrenzt. Die Rasse ist extrem menschenbezogen und erträgt Alleinsein schlechter als fast jede andere. Mit sorgfältigem Aufbau von Welpenalter an sind vier Stunden bei einem erwachsenen Hund machbar. Ein Vollzeitjob ohne Betreuung passt nicht. Das Problem zeigt sich häufig nicht durch Zerstörung, sondern durch Dauerstress, den man dem Hund erst ansieht, wenn er körperlich reagiert.

Ist der Cavalier ein guter Familienhund für kleine Kinder?

Vom Wesen her ja, er ist geduldig und ohne Aggression. Das Risiko liegt in der anderen Richtung: Er wehrt sich kaum, wenn ihm etwas zu viel wird, und zeigt Unwohlsein nur in feinen Signalen. Ein Cavalier braucht deshalb Rückzugsorte, die für Kinder tabu sind, und Erwachsene, die eingreifen, bevor der Hund es tun müsste. Dazu kommt seine geringe Grösse, die ihn bei rauem Spiel verletzlich macht.

Wie viel Fellpflege braucht ein englischer Toy Spaniel?

Mehr als man einem kleinen Hund zutraut. Das seidige Haar an Ohren, Brust, Läufen und Rute verfilzt, wenn es nicht regelmässig durchgekämmt wird, besonders hinter den Ohren und in den Achseln. Zwei- bis dreimal pro Woche gründlich kämmen reicht aus. Geschoren wird die Rasse nicht. Die Ohren mit ihrem langen Behang brauchen zusätzlich eine regelmässige Sichtkontrolle, weil sie den Gehörgang abdecken und Entzündungen begünstigen.