Der Cavalier King Charles Spaniel ist einer der beliebtesten Familienhunde Europas – sanft, kinderfreundlich, anpassungsfähig. Er ist auch eine der Rassen mit dem deutlichsten Qualzucht-Problem der FCI-Gruppe 9. Zwei Erbkrankheiten betreffen nahezu die gesamte Cavalier-Population: Syringomyelie (SM) und Mitral Valve Disease (MVD). Das ist kein Randproblem – es ist der genetische Zustand einer ganzen Rasse. Wer einen Cavalier kauft, muss das wissen.
Syringomyelie: Was steckt dahinter?
Syringomyelie beim Cavalier entsteht durch eine zu kleine Schädelöffnung (Chiari-ähnliche Malformation, CM), die das Kleinhirn einengt und den Liquorfluss stört. Das Ergebnis sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Rückenmark (Syringomyelie), die Schmerzen, Kratzen ohne erkennbare Ursache, Taumelgang und neurologische Ausfälle verursachen. Mehrere Studien schätzen, dass über 90 % aller Cavaliers MRT-Veränderungen aufweisen, die mit CM vereinbar sind – ein Anteil, der durch intensive Selektion auf flachen Schädelbau erzeugt wurde. In Norwegen schränkte ein Gerichtsurteil 2022 die Zucht schwer betroffener Cavaliers ein – ein Präzedenzfall für die europäische Hundezucht.
Mitral Valve Disease (MVD)
Mitral Valve Disease – eine degenerative Erkrankung der Mitralklappe des Herzens – betrifft nahezu 100 % aller Cavaliers im Laufe ihres Lebens. Der Beginn ist rassetypisch früh: Während bei anderen Rassen MVD überwiegend im Seniorenalter auftritt, entwickeln viele Cavaliers erste Herzgeräusche bereits mit vier bis sechs Jahren. Seriöse Züchter führen jährliche Herzuntersuchungen durch und nehmen betroffene Hunde frühzeitig aus der Zucht. Das MVD-Zuchtprogramm des Internationalen Cavalier-Verbandes empfiehlt ein Mindestzuchtalter von 2,5 Jahren, kombiniert mit jährlichen Herzuntersuchungen.
King Charles Spaniel
Der King Charles Spaniel ist die ältere Variante und vom Cavalier durch einen kleineren, runderen Schädel und eine noch flachere Nasenpartie zu unterscheiden. Sein Brachyzephaliegrad ist ausgeprägter als beim Cavalier – BOAS-Probleme sind in dieser Rasse häufiger.
Häufige Fehler – und was wirklich hilft
Cavalier-Käufer lassen sich von der Sanftheit dieser Hunde leiten – und übersehen dabei, dass ein Cavalier ohne jährliche Herzuntersuchung und ohne Kenntnis seiner SM-Geschichte ein Risikokauf ist. Was hilft: Züchter wählen, die das MVD-Zuchtprogramm nachweislich befolgen und MRT-Untersuchungen auf CM/SM durchführen.
Wann benötigst du professionelle Unterstützung?
Die jährliche Herzauskultation durch einen Tierarzt mit Erfahrung in Cavaliers ist ab dem zweiten Lebensjahr Standard. Zeigt ein Hund Scratching-Verhalten ohne erkennbare Ursache, sollte das sofort neurologisch abgeklärt werden. Spezialisierte Tierärzte findest du in unserem Verzeichnis.
Häufig gestellte Fragen
Kann man Syringomyelie beim Cavalier behandeln?
Medikamentös lässt sich die Erkrankung mit Schmerzmitteln und drucksenkenden Präparaten behandeln; in schweren Fällen kommt eine chirurgische Dekompression in Frage. Eine vollständige Heilung ist nicht möglich – das Ziel ist Schmerzreduktion. Die Behandlung ist langfristig und kostenintensiv.
Sollte man noch einen Cavalier kaufen?
Das ist eine ethische Frage, die jeder Käufer selbst beantworten muss. Wer sich für einen Cavalier entscheidet, sollte ausschliesslich bei Züchtern mit nachgewiesenem MVD- und CM/SM-Zuchtprogramm kaufen. Wer unsicher ist, findet in Tierschutzorganisationen eine Alternative.























