Bichons sind die älteste Gruppe der FCI-Gesellschaftshunde: kleine, lockig- oder seidigfellige Hunde, die seit Jahrhunderten als Begleit- und Schosskunde des europäischen Adels gehalten wurden. Malteser, Havaneser, Bichon Frisé, Coton de Tuléar und Bolonka teilen ein Grundprofil: menschenzugewandt, fröhlich, weniger triebgesteuert als Terrier oder Jagdhunde. Trotzdem sind es echte Hunde – mit Erziehungsbedarf, Pflegeaufwand und einem Wesen, das ohne klare Grenzen zur Tyrannei neigt.
Was Bichons von anderen Gesellschaftshunden unterscheidet
Bichons wurden über Jahrhunderte primär auf Menschenbezogenheit und Anpassungsfähigkeit selektiert – nicht auf Jagd, Schutz oder Arbeit. Das macht sie zu den sozialsten Hunden der Gruppe 9. Kehrseite dieser Selektion: Einsamkeit vertragen sie schlecht. Trennungsangst tritt in dieser Sektion nach Einschätzung vieler Verhaltensspezialisten häufiger auf als bei jagdlich geprägten Rassen. Die enge menschliche Bindung, auf die sie gezüchtet wurden, wird im städtischen Alltag zur Belastung – für Hunde, deren Halter acht Stunden täglich ausser Haus arbeiten.
Die wichtigsten Rassen
Malteser
Der Malteser gehört zu den ältesten dokumentierten Hunden der Welt – auf griechischen Vasen und in Texten aus dem Altertum belegt. Sein weisses, fliessendes Seidenhaarfell ist sein Erkennungsmerkmal; sein Charakter ist lebhafter und selbstbewusster, als sein Erscheinungsbild vermuten lässt. Gesundheitlich sind Patellaluxation und Zahnprobleme durch die kleine Kiefergrösse rassetypisch. Das Fell benötigt tägliche Pflege oder einen kurzen Schnitt.
Havaneser
Kubas Nationalhund ist der zugänglichste Vertreter der Sektion: neugierig, lernbereit, kooperativ und mit einer Anpassungsfähigkeit, die ihn für verschiedenste Haushaltssituationen geeignet macht. In D-A-CH wächst seine Beliebtheit – was die Frage nach seriöser Zucht aufwirft. Augenerkrankungen (Katarakt, PRA) und Patellaluxation sind durch Gentests überprüfbar; seriöse Züchter tun das.
Bichon Frisé
Der Bichon Frisé stammt aus dem Mittelmeerraum und wurde am französischen Königshof zur Mode. Sein lockiges, weisses Fell fällt nicht aus – es wächst kontinuierlich und benötigt professionelles Pflegen alle 6–8 Wochen. Im Wesen ist er fröhlich, verspielt und sehr sozial; allein lassen ist für diese Rasse problematischer als für viele andere.
Bolonka (Französisch und Russisch)
Der Bolonka Franzuska und die Bolonka Zwetna sind in D-A-CH selten, aber stabil. Beide sind typische Bichon-Charaktere in etwas rustikalerem Fell und gelten als etwas robuster in der Gesundheit als Malteser oder Bichon Frisé. Ihre Seltenheit schützt sie vor Massenzucht.
Häufige Fehler – und was wirklich hilft
Bichons werden infantilisiert – getragen, nie auf dem Boden gesetzt, nie mit anderen Hunden interagieren lassen. Das erzeugt Hunde, die fremde Menschen anspringen, bellen und Besuch vertreiben. Konsequente Erziehung ab dem ersten Tag hilft: Sozialkontakte mit anderen Hunden einplanen, den Hund konsequent absetzen, sobald er bellt.
Wann benötigst du professionelle Unterstützung?
Bei beginnender Trennungsangst – erkennbar an Bellattacken, wenn der Halter die Wohnung verlässt, oder an destruktivem Verhalten während der Abwesenheit – ist ein verhaltenssensibles Vorgehen gefragt. Klassisches Gehorsamkeitstraining greift hier nicht. Geeignete Trainer findest du in unserem Verzeichnis.
Häufig gestellte Fragen
Sind Bichons allergikerfreundlich?
Sie produzieren weniger Streuhaar als andere Hunderassen, weil ihr Fell nicht saisonal fällt. Das Allergen (Can f 1) steckt jedoch im Speichel und der Haut – keine Rasse ist vollständig hypoallergen. Individuelle Tests vor dem Kauf sind notwendig.
Wie viel Bewegung benötigen Bichons täglich?
Tägliche 45–60 Minuten aktive Beschäftigung sind für Malteser und Bichon Frisé realistisch; Havaneser benötigen etwas mehr. Die Körpergrösse ist kein Indikator für geringen Bewegungsbedarf.























