Ein Hund als Weihnachtsgeschenk
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Am Weihnachtsabend öffnet sich ein Karton mit Luftlöchern, ein welpiges Fiepen ertönt, und Kinderaugen strahlen. Ein Hund zu Weihnachten gilt vielen als der grösste Liebesbeweis überhaupt. Die Realität sieht meist anders aus.
Jedes Jahr warnen Tierschutzverbände, Tierheime und Fachleute vor genau diesem Moment. Dennoch füllen sich die Tierheime erfahrungsgemäss im Januar und Februar mit den „Geschenken“, die mehr Arbeit machen als erwartet oder schlicht nicht „funktioniert“ haben. Wir von rundum.dog erklären dir, warum die Weihnachtszeit der schlechteste Zeitpunkt für den Einzug eines Tieres ist, und wie du den Traum vom Hund trotzdem verantwortungsvoll schenken kannst.
Weihnachten ist Stress pur – für Mensch und Tier
Ein Welpe, der an Heiligabend in eine völlig fremde Umgebung kommt, erlebt: blinkende Lichter, intensive Essensgerüche, laute Musik, schreiende Kinder und ständige Berührungen von Fremden.
Die Ankunft benötigt Ruhe:
Ein Hund benötigt beim Einzug Ruhe, Routine und Sicherheit, um anzukommen. Die Festtage bieten das Gegenteil. Hektik, Besucherverkehr und emotionale Ausnahmezustände machen eine sanfte Eingewöhnung unmöglich. Das Ergebnis ist oft ein traumatisierter oder überdrehter Welpe, der vor Stress Durchfall erhält oder schnappt.
Die Gefahr des „Überraschungseffekts“
Ein Tier darf niemals eine Überraschung sein. Die Entscheidung für einen Hund verändert das Leben für 10 bis 15 Jahre. Sie betrifft Urlaubsplanung, Finanzen, Berufstätigkeit und Wohnsituation.
Wird ein Tier verschenkt, wird der Beschenkte überrumpelt. Vielleicht freut sich das Kind riesig, aber sind die Eltern bereit, die nächsten 15 Jahre bei Wind und Wetter Gassi zu gehen, wenn das Kind das Interesse verliert? Beobachtungen aus der Tierschutzpraxis deuten darauf hin, dass Tiere, die als Überraschung verschenkt wurden, deutlich häufiger abgegeben werden als solche, deren Einzug monatelang geplant wurde.
Vorsicht: Die Falle des illegalen Welpenhandels
Seriöse Züchter und verantwortungsvolle Tierheime vermitteln in der Regel nicht direkt zu Weihnachten. Oft existiert ein Vermittlungsstopp ab Mitte Dezember, um Impulskäufe zu verhindern.
Wer kurz vor dem 24. Dezember noch schnell einen Welpen sucht, landet oft im Internet auf dubiosen Kleinanzeigen-Portalen. Hier lauert die „Wühltisch-Mafia“:
- Kranke Tiere: Diese Welpen stammen oft aus tierquälerischen Vermehrungsstationen im Ausland. Sie sind häufig krank, ungeimpft und viel zu früh von der Mutter getrennt worden.
- Gefälschte Papiere: Pässe und Stammbäume sind oft das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind.
- Das Leid dahinter: Mit jedem Kauf aus Mitleid oder Zeitdruck finanziert man dieses System weiter.
Nach den Feiertagen kommt der Kater
Zwischen Weihnachten und Neujahr haben viele Menschen frei. Man hat Zeit für den Welpen. Doch was passiert am 6. Januar? Der Alltag kehrt zurück, die Schule beginnt, die Arbeit ruft. Ein Hund kann nicht von heute auf morgen alleine bleiben. Das Training für das Alleinsein dauert Wochen, manchmal Monate.
Ist der Hund plötzlich stundenlang allein, weil der „Urlaub“ vorbei ist, entstehen Trennungsängste und Verhaltensprobleme. Eine verantwortungsvolle Adoption plant den Einzug so, dass eine längere Betreuungsphase gesichert ist, etwa durch versetzten Urlaub der Partner.
Die bessere Alternative: Vorfreude schenken
Du darfst den Traum vom Hund zu Weihnachten thematisieren. Schenke aber nicht das Tier, sondern die Vorbereitung darauf. Das zeigt Verantwortung und steigert die Vorfreude.
Geschenkideen für angehende Hundehalter:
- Fachliteratur: Gute Bücher über Welpenerziehung oder Rassekunde.
- Gutscheine: Für die Erstausstattung (Leine, Bettchen) oder den Besuch einer guten Hundeschule.
- Der „Symbolische Hund“: Ein Plüschhund mit einem Gutschein für den gemeinsamen Besuch im Tierheim nach dem Feiertagsstress (z.B. Mitte Januar). So kann sich das Tier den Menschen aussuchen.
- Tierpatenschaft: Für Kinder, die sich ein Tier wünschen, wo es aber (noch) nicht passt, ist eine Patenschaft für einen Tierheimhund ein guter Einstieg, um Verantwortung zu lernen.
Liebe heisst Verantwortung
Ein Hund ist ein fühlendes Lebewesen, kein Gegenstand, den man bei Nichtgefallen zurückgibt. Wer wirklich tierlieb ist, legt keinen Hund unter den Weihnachtsbaum. Nutze die Zeit lieber, um gemeinsam zu besprechen, ob und welcher Hund im neuen Jahr in dein Leben passt.
Ein geplanter Einzug im Januar oder Frühling, wenn Ruhe eingekehrt ist, ermöglicht dem Hund einen guten Start. Denn Tierschutz fängt bei der Entscheidung an.