Alles Wissenswerte über die Buntzecke
Die Buntzecke unterscheidet sich durch ihre gelblich-rötliche Färbung von der grauen gemeinen Zecke und lebt bevorzugt in der Nähe von Igelnestern. Sie kann Anaplasmose übertragen und sitzt fester am Hund als andere Zeckenarten.
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Dein Hund kratzt sich nach dem Spaziergang auffällig oft – und dann entdeckst du am Ohr eine Zecke, die irgendwie… anders aussieht. Gelblich-rötlich, fast ein bisschen honigfarben, nicht das gewohnte Graubraun. Gute Chance, dass du es hier mit einer Buntzecke (Ixodes hexagonus) zu tun hast. Viele Hundehalter kennen sie kaum, dabei kann sie durchaus Krankheiten übertragen – auch wenn sie nicht dasselbe Risikoprofil wie die gemeine Zecke hat.
Wo lebt die Buntzecke – und wann hat sie Saison?
Die Buntzecke ist keine Freiflächenjägerin. Sie hängt sich ans Leben der Igel – buchstäblich. Wo ein Igel sein Nest baut, da ist die Buntzecke nicht weit. In der Praxis heißt das: Laubhaufen in der Gartenecke, der halbverfaulte Haufen unter der alten Hecke, der vernachlässigte Kompost am Zaun. Diese Ecken, die man gerne vergisst, sind ihr Revier.
Hochsaison ist zweimal im Jahr: April bis Juni, dann wieder September bis November. Kein Zufall – das deckt sich mit den aktivsten Phasen der Igel, ihres Hauptwirts. Ein einzelner Igel kann übrigens bis zu hundert Buntzecken gleichzeitig tragen, ohne dass man ihm das ansieht. Für uns und unsere Hunde ist das eine unangenehme Vorstellung.
Geographisch findet man sie vor allem in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz – allerdings nicht überall. Trockene Regionen meidet sie, und über etwa 800 Meter Höhe wird sie deutlich seltener.
Woran erkenne ich eine Buntzecke bei meinem Hund?
Nüchtern ist sie mit 2–3 mm ziemlich unscheinbar, aber die Färbung verrät sie: gelblich-rötlich bis bräunlich, manchmal mit einem leicht unregelmässigen Muster auf dem Rücken – daher der Name. Die gemeine Zecke wirkt dagegen regelrecht blass.
Vollgesogen sieht das anders aus. Dann wächst sie auf 8–10 mm an und wird dunkelrot bis fast schwarz. Zu dem Zeitpunkt verwechseln Hundehalter sie erfahrungsgemäß oft mit der gemeinen Zecke. Das entscheidende Merkmal, das bleibt: die Mundwerkzeuge. Bei der Buntzecke sind sie länger und spitzer – und sie hält damit deutlich beharrlicher fest als ihre graue Verwandte.
Bevorzugte Verstecke am Hund sind überall dort, wo es warm und geschützt ist: Ohren, Achseln, Leiste, zwischen den Zehen. Wer nach dem Spaziergang absucht, sollte genau dort anfangen.
Welche Krankheiten kann die Buntzecke übertragen?
Das relevanteste Risiko ist die Anaplasmose – eine bakterielle Infektion, die bei Hunden Fieber, Gelenkschmerzen und spürbare Schwäche auslöst. Zwischen dem Stich und den ersten Symptomen vergehen meist ein bis zwei Wochen. Früh erkannt, lässt sie sich gut behandeln.
Bei Borrelien ist die Situation differenzierter. Die gemeine Zecke bleibt der klare Hauptüberträger. Einzelne Buntzecken können zwar Borrelien in sich tragen, aber die Übertragungsrate liegt deutlich niedriger – grob geschätzt bei 5–10 % gegenüber 20–30 % bei der gemeinen Zecke. Kein Freifahrtschein, aber kein Grund zur Panik.
Was oft untergeht: FSME übertragen Buntzecken seltener als die gemeine Zecke – dafür verursachen ihre längeren Mundwerkzeuge tiefere Stichkanäle, die sich leichter sekundär entzünden können. Die Stichstelle verdient also Aufmerksamkeit, auch wenn der Hund ansonsten fit bleibt.
Schützen normale Zeckenmittel auch gegen Buntzecken?
Grundsätzlich ja – aber mit einem Haken. Buntzecken reagieren weniger sensibel auf repellierende Wirkstoffe. Sie lassen sich nicht so leicht abschrecken und müssen häufiger direkt abgetötet werden, statt sich einfach vom Wirt fernzuhalten.
In der Praxis haben sich Permethrin-basierte Spot-Ons als besonders wirksam erwiesen. Halsbänder mit Deltamethrin funktionieren ebenfalls – allerdings brauchen sie rund zwei Wochen, bis der Schutz richtig greift. Wer also weiß, dass im eigenen Garten Igel unterwegs sind, sollte das im Hinterkopf behalten.
Dazu kommt eine Massnahme, die unbequem klingt, aber tatsächlich hilft: Laubhaufen regelmässig beseitigen und bodennah wachsende Vegetation zurückschneiden. Igel werden seltener, wenn es keine guten Nestplätze gibt – und damit auch Buntzecken. Das ist kein Plädoyer gegen Igel, aber wenn der Hund ständig befallen ist, lohnt es sich.
Wie entferne ich eine Buntzecke richtig?
Buntzecken sitzen hartnäckiger als andere Zeckenarten – das merkt man beim Entfernen sofort. Spitze Pinzette, so nah wie möglich an der Haut ansetzen, dann gerade und gleichmässig ziehen. Keine Drehbewegungen, kein Quetschen. Der Kopf bricht bei Buntzecken häufiger ab als bei gemeinen Zecken, das ist leider keine Seltenheit.
Falls der Kopf stecken bleibt: Ruhe bewahren, nicht nachbohren. Stelle desinfizieren, beobachten. In den meisten Fällen wird der verbliebene Fremdkörper nach wenigen Tagen vom Körper selbst abgestossen.
Foto und Datum notieren – das klingt pedantisch, ist aber sinnvoll. In manchen Regionen Deutschlands besteht Meldepflicht, wenn eine Buntzecke nachweislich eine Krankheit übertragen hat.
Wann muss ich nach einem Buntzeckenstich zum Tierarzt?
Zeigt dein Hund in den ein bis drei Wochen nach dem Stich Fieber über 39,5 °C, dann ab zum Tierarzt – ohne langes Abwarten. Anaplasmose ist behandelbar, aber der Zeitpunkt macht den Unterschied.
Können Buntzecken auch Menschen befallen?
Ja, aber das ist seltener als beim Hund. Buntzecken bevorzugen Wirte mit dichtem Fell. Menschen kommen meist nur in Kontakt, wenn sie direkt mit befallenen Igeln hantieren.
Sind Buntzecken gefährlicher als gemeine Zecken?
Nicht gefährlicher – aber anders. Weniger Krankheitsübertragungen, dafür ein höheres Risiko für Sekundärinfektionen an der Stichstelle, einfach weil der Biss tiefer geht. Ein anderes Risikoprofil, kein dramatisch schlimmeres.
Kann ich eine Buntzecke von der gemeinen Zecke unterscheiden?
An der Farbe schon: gelblich-rötlich statt graubraun. Und wer genau hinschaut, sieht die längeren, spitzeren Mundwerkzeuge. Im Zweifel hilft ein Foto und der Vergleich mit einer Bestimmungshilfe.
Wann sind Buntzecken besonders aktiv?
April bis Juni und September bis November – jeweils wenn die Igel unterwegs sind. Im Hochsommer und im Winter halten sich Buntzecken überwiegend in Igelnestern auf und sind kaum anzutreffen.