Ulcus
Inhalt
Ulcus (Plural: Ulzera) ist der medizinische Begriff für ein Geschwür – also eine tiefe Gewebeschädigung, bei der die obersten Schichten regelrecht aufgebrochen sind. Bei Hunden betrifft das vor allem den Magen-Darm-Trakt, die Hornhaut des Auges oder die Haut. Solche Läsionen tun weh, heilen nicht von selbst und gehören unbedingt in tierärztliche Hände – je früher, desto besser.
Was ist ein Ulcus?
Ein Ulcus ist eine offene, tief reichende Wunde: Die oberflächlichen Gewebeschichten sind abgetragen oder zerstört, darunter liegendes Gewebe liegt frei. Anders als eine gewöhnliche Schürfwunde heilt ein Geschwür kaum auf eigene Faust. Es kann durch Erkrankungen, Infektionen oder Verletzungen entstehen – und je nachdem, wo es sitzt, sieht das klinische Bild sehr unterschiedlich aus.
Magenulcus (Magengeschwür)
Beim Magenulcus hat die schützende Schleimhaut des Magens einen Defekt – Magensäure greift das freigelegte Gewebe an und hinterlässt eine offene Wunde, die sich ohne Behandlung vergrössern kann. In den meisten Fällen steckt entweder eine Grunderkrankung oder eine längere Medikamenten-Therapie dahinter.
Ursachen eines Magenulcus
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs) – darunter Carprofen, Meloxicam und Aspirin – sind bei Hunden weit verbreitet zur Schmerztherapie. Sie können jedoch die Magenschleimhaut angreifen und Geschwüre begünstigen. Auch länger anhaltender Stress ist kein harmloser Faktor: Er kann die Magensäureproduktion ankurbeln und die Schleimhaut unter Druck setzen.
Chronische Erkrankungen wie Nierenversagen, Lebererkrankungen oder bestimmte Tumore – zum Beispiel Mastzelltumore, die vermehrt Histamin ausschütten – erhöhen das Risiko für Magengeschwüre spürbar. Und ja, auch das Bakterium Helicobacter pylori kommt bei Hunden vor und kann zur Geschwürbildung beitragen.
Symptome eines Magenulcus
- Erbrechen, zum Teil mit Blut (Hämatemesis)
- Schwarzer, teerartiger Stuhl – ein deutlicher Hinweis auf Blutungen im Verdauungstrakt
- Appetitlosigkeit
- Gewichtsverlust
- Blutarmut (Anämie) infolge chronischer Blutungen
- Schmerzen im Bauchbereich
- Lethargie und Schwäche
Diagnose und Behandlung eines Magenulcus
Zur Diagnose kombiniert der Tierarzt in der Regel Blutuntersuchungen, Kotproben (auf okkultes Blut im Stuhl) und bildgebende Verfahren – Ultraschall oder Endoskopie. Letztere ist besonders aussagekräftig: Sie erlaubt einen direkten Blick auf die Magenschleimhaut und die Entnahme von Biopsien für die Feingewebsuntersuchung.
Die Behandlung dreht sich im Kern darum, die Schleimhaut zu schützen und die Säureproduktion zu dämpfen. Typische Massnahmen sind:
- Protonenpumpenhemmer (z.B. Omeprazol) zur Senkung der Magensäure
- H2-Rezeptorblocker (z.B. Famotidin), die ebenfalls die Säureproduktion bremsen
- Antazida zur Symptomlinderung
- Sofortiges Absetzen von NSAIDs, wenn diese die Ursache sind
- Schonkost – leicht verdauliche Diäten, die den Magen nicht zusätzlich belasten
Hornhautulcus (Augengeschwür)
Ein Hornhautulcus sitzt auf der Hornhaut – der glasklaren Schicht an der Augenvorderseite. Solche Geschwüre entstehen häufig durch Verletzungen, Infektionen oder ein Austrocknen der Augenoberfläche. Sie sind ausgesprochen schmerzhaft; betroffene Hunde zeigen das meist unmissverständlich.
Ursachen eines Hornhautulcus
Mechanische Verletzungen stehen oft am Anfang: ein Kratzer, ein Fremdkörper wie Staub oder Gras, ein Raufhandel oder andere äussere Einwirkungen können die empfindliche Hornhautoberfläche beschädigen. Bakterielle oder virale Infektionen – etwa durch das canine Herpesvirus – sind ebenfalls mögliche Auslöser.
Trockene Augen (Keratokonjunktivitis sicca) entstehen, wenn die Tränenproduktion nicht ausreicht. Die Hornhaut trocknet aus, wird gereizt und kann Geschwüre entwickeln. Besonders gefährdet sind Rassen mit hervorstehenden Augen wie Möpse oder Französische Bulldoggen – ihre Anatomie macht sie schlicht anfälliger für Hornhautverletzungen.
Symptome eines Hornhautulcus
- Blinzeln oder Zusammenkneifen des betroffenen Auges (Blepharospasmus)
- Ständiges Reiben des Auges mit der Pfote oder am Boden
- Rötung und Schwellung
- Tränenfluss
- Trübung oder ein weisser Fleck auf der Hornhaut
- In schweren Fällen: Eiterausfluss aus dem Auge
Diagnose und Behandlung eines Hornhautulcus
Für die Diagnose nutzt der Tierarzt die Fluoreszeinfärbung: Ein spezieller Farbstoff wird ins Auge gegeben und macht das Geschwür sichtbar – einfach, aber sehr treffsicher. Zusätzlich kann ein Augendrucktest sinnvoll sein, um ein begleitendes Glaukom auszuschliessen.
Bei der Behandlung kommt es auf den Schweregrad an:
- Antibiotische Augentropfen oder -salben, um eine Infektion zu verhindern oder zu bekämpfen
- Schmerzmittel oder pupillenerweiternde Augentropfen zur Schmerzlinderung
- Bei tiefen oder sich verschlimmernden Geschwüren kann ein operativer Eingriff nötig werden – etwa ein Hornhauttransplantat oder eine Deckung der Hornhaut mit Bindegewebe
Hautulcus
Hautulzera bei Hunden sind tiefer reichende Wunden oder Geschwüre, die häufig aus Traumata, chronischen Druckstellen, Infektionen oder systemischen Erkrankungen resultieren. Sie heilen nicht von allein und können sich ohne Behandlung rasch ausweiten.
Ursachen eines Hautulcus
Bisswunden, Unfälle oder anhaltender Druck auf bestimmte Körperstellen – zum Beispiel bei Hunden, die viel liegen – können Hautulzera auslösen. Bakterielle oder pilzartige Infektionen durch Erreger wie Staphylokokken oder Malassezien greifen die Haut an und hinterlassen mitunter tiefe Defekte.
Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes oder Pemphigus können die Haut von innen heraus schädigen und ebenfalls Ulzera hervorrufen. Auch manche Hautkrebsarten – allen voran Plattenepithelkarzinome – zeigen sich als nicht heilende Geschwüre.
Symptome eines Hautulcus
- Offene, nicht heilende Wunden
- Schwellung und Rötung rund um die betroffene Stelle
- Eiteraustritt oder übelriechender Ausfluss
- Schmerzen bei Berührung
- Gelegentlich Haarausfall im Bereich des Geschwürs
Diagnose und Behandlung eines Hautulcus
Der Tierarzt untersucht die betroffene Hautregion klinisch und entnimmt bei Bedarf Gewebsproben für eine Biopsie oder eine mikrobiologische Kultur, um der eigentlichen Ursache auf den Grund zu gehen.
Die Behandlung richtet sich nach dem Befund:
- Reinigung und Desinfektion der Wunde als Grundlage jeder Therapie
- Antibiotika oder Antimykotika, sobald eine Infektion nachgewiesen ist
- In schwereren Fällen kann ein chirurgischer Eingriff nötig sein, um abgestorbenes Gewebe zu entfernen und die Heilung zu ermöglichen
Mehr aus dem Wiki
Alle Wiki-Einträge →Giftnotruf für Hunde, DACH-Übersicht
Was tun bei Verdacht auf Vergiftung beim Hund: Sofortmaßnahmen, was du nicht tun solltest, Notfall-Nummern für …
Pflege
Wie erkenne ich, ob ein Welpe gesund ist?
Ein gesunder Welpe zeigt spezifische körperliche und verhaltensbasierte Merkmale, die du systematisch überprüfen kannst, bevor ein …