Perfusion
Perfusion bezeichnet den Blutfluss durch die Gewebe des Hundes.
Inhalt
- Warum ist Perfusion beim Hund anders als beim Menschen?
- Wie erkenne ich schlechte Durchblutung bei meinem Hund?
- Was passiert bei Schock oder Kreislaufversagen?
- Welche Hunderassen haben häufiger Durchblutungsprobleme?
- Was kann ich als Halter bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen tun?
- Wie misst der Tierarzt die Perfusion?
Perfusion bezeichnet den Blutfluss durch die Gewebe des Hundes. Das Blut transportiert Sauerstoff und Nährstoffe zu den Zellen und führt Abfallstoffe ab.
Beim gesunden erwachsenen Hund liegt die Herzfrequenz zwischen 70–160 Schlägen pro Minute, der normale Blutdruck bei 110–160 mmHg (systolisch). Diese Werte schwanken je nach Hundegröße – kleine Rassen haben tendenziell höhere Herzfrequenzen als große.
Warum ist Perfusion beim Hund anders als beim Menschen?
Das Herz-Kreislauf-System des Hundes arbeitet deutlich schneller als das menschliche. Ein Beagle pumpt sein gesamtes Blutvolumen etwa einmal pro Minute durch den Körper – beim Menschen dauert das dreimal so lange.
Große Hunde wie Deutsche Doggen haben ein proportional kleineres Herz als kleine Rassen und sind anfälliger für Herzprobleme. Windhunde besitzen ein überdurchschnittlich großes Herz und niedrigere Ruheherzfrequenzen.
Wie erkenne ich schlechte Durchblutung bei meinem Hund?
Die Kapillarfüllzeit zeigt dir sofort den Perfusionsstatus: Drücke sanft auf das Zahnfleisch deines Hundes. Die normale rosige Farbe kehrt binnen 1–2 Sekunden zurück. Dauert es länger als 3 Sekunden, stimmt etwas nicht.
Weitere Alarmzeichen: blasses oder weißliches Zahnfleisch, schwacher Puls (den du an der Innenseite des Oberschenkels fühlst), schnelle oder flache Atmung. Manche Hunde werden auffallend ruhig oder apathisch.
Bei Brachyzephalen (Mops, Bulldogge) sind die Symptome oft subtiler – sie können schlechter hecheln und überhitzen schneller.
Was passiert bei Schock oder Kreislaufversagen?
Schock bedeutet: Das Gewebe bekommt zu wenig Sauerstoff. Beim Hund entwickelt sich das oft dramatisch schnell.
Hypovolämischer Schock entsteht durch Blutverlust oder starke Dehydration. Der Hund wirkt schwach, das Zahnfleisch ist blass, der Puls schwer fühlbar. Die Körpertemperatur kann unter 37°C fallen.
Septischer Schock durch schwere Infektionen zeigt sich anders: Der Hund kann zunächst heiß werden, dann abrupt kollabieren. Die Gliedmaßen fühlen sich warm an, trotzdem ist die Perfusion gestört.
Bei kardiogenem Schock versagt die Herzleistung. Das erkennst du an gestauten Halsvenen und oft auch an einem aufgeblähten Bauch durch Flüssigkeitseinlagerung.
Welche Hunderassen haben häufiger Durchblutungsprobleme?
Cavalier King Charles Spaniel leiden überdurchschnittlich oft an Mitralklappenerkrankungen, die die Perfusion verschlechtern. Bei Dobermännern tritt dilatative Kardiomyopathie gehäuft auf.
Windhunde haben von Natur aus niedrigere Herzfrequenzen (50–90 Schläge/Minute) und dickeres Blut – das ist normal für sie. Deutsche Doggen und andere Riesenrassen entwickeln früher Herzprobleme als kleinere Hunde.
Kurznasige Rassen kämpfen zusätzlich mit Atemproblemen, die die Sauerstoffaufnahme behindern und damit indirekt die Perfusion belasten.
Was kann ich als Halter bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen tun?
Überprüfe zuerst die Kapillarfüllzeit und fühle den Puls. Ist beides verlangsamt, halte den Hund warm und ruhig. Lagere ihn so, dass der Kopf leicht tiefer liegt als der Körper – das verbessert den Blutrückfluss zum Herzen.
Bei Verdacht auf Dehydration biete lauwarmes Wasser an, aber zwinge nicht zum Trinken. Elektrolytlösungen aus der Tierapotheke können helfen, wenn der Hund sie annimmt.
Entferne enge Halsbänder oder Geschirre. Bei Überhitzung kühle die Pfotenballen mit feuchten Tüchern – nie den ganzen Körper kalt abspülen.
Fahre sofort zum Tierarzt wenn: das Zahnfleisch weiß oder bläulich wird, der Puls nicht fühlbar ist, der Hund kollabiert oder die Atmung aussetzt.
Wie misst der Tierarzt die Perfusion?
Neben Kapillarfüllzeit und Puls nutzen Tierärzte die Pulsoximetrie. Der kleine Sensor am Ohr oder der Zunge misst die Sauerstoffsättigung – normal sind 95–100% beim Hund.
Blutdruckmessungen erfolgen meist an der Vorderpfote oder am Schwanz. Doppler-Ultraschall zeigt, ob das Blut gleichmäßig fließt oder stockt. Bluttests verraten, ob genug rote Blutkörperchen vorhanden sind (Hämatokrit beim Hund: 37–55%).
Bei akuten Fällen verwendet der Tierarzt oft Laktat-Messungen. Erhöhte Laktatwerte zeigen Sauerstoffmangel im Gewebe an, noch bevor äußere Symptome auftreten.
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