Ovariohysterektomie
Die Ovariohysterektomie ist die chirurgische Entfernung von Eierstöcken und Gebärmutter bei der Hündin – der umfassendste Eingriff zur dauerhaften Unfruchtbarmachung.
Inhalt
Die Ovariohysterektomie ist die chirurgische Entfernung von Eierstöcken und Gebärmutter bei der Hündin. Anders als bei der reinen Ovariektomie (nur Eierstöcke) werden beide Organsysteme komplett entfernt.
Warum wird die Gebärmutter mit entfernt?
Die Gebärmutter produziert keine Hormone, bleibt aber nach einer reinen Ovariektomie im Körper zurück. Viele Tierärzte bevorzugen trotzdem die Ovariohysterektomie, weil sie spätere Gebärmuttererkrankungen ausschliesst.
In den USA ist dieser Eingriff Standard. In Europa setzen sich minimal-invasivere Methoden durch: Die reine Ovariektomie erreicht dieselbe hormonelle Wirkung bei kleinerem Operationsaufwand.
Welche Erkrankungen werden verhindert?
Eine vor der ersten Läufigkeit durchgeführte Ovariohysterektomie senkt das Brustkrebsrisiko um 99,5 Prozent. Nach der ersten Läufigkeit sinkt dieser Schutz auf 92 Prozent, nach der zweiten auf 74 Prozent.
Gebärmutterentzündungen (Pyometra) treffen etwa 25 Prozent aller unkastrierten Hündinnen bis zum zehnten Lebensjahr. Nach einer Ovariohysterektomie kann diese Erkrankung nicht mehr auftreten.
Eierstockzysten und Gebärmuttertumore werden ebenfalls verhindert. Scheinträchtigkeiten entfallen.
Ablauf des Eingriffs
Der Eingriff dauert 45 bis 90 Minuten unter Vollnarkose. Der Tierarzt öffnet die Bauchhöhle durch einen 8 bis 15 Zentimeter langen Schnitt zwischen Nabel und Beckenknochen.
Die Eierstockgefässe werden mehrfach ligiert (abgebunden), bevor sie durchtrennt werden. Die Gebärmutter wird an ihrer Basis nahe der Scheide abgetrennt.
Der Bauchraum wird gespült, die Schichten einzeln verschlossen. Viele Kliniken verwenden selbstauflösende Fäden für die Hautnaht.
Kosten
Die Kosten liegen zwischen 350 und 800 Euro, abhängig von Hundegrösse, Klinikausstattung und Region. Universitätskliniken verlangen oft mehr, bieten aber spezialisierte Narkoseüberwachung.
Zusatzkosten entstehen für Voruntersuchungen (50-120 Euro), Schmerzmittel (30-60 Euro) und Nachkontrollen. Bei Komplikationen können weitere 200 bis 500 Euro anfallen.
Kleinere Tierarztpraxen sind meist günstiger als Kliniken mit 24-Stunden-Betreuung.
Alternativen zur Ovariohysterektomie
Die reine Ovariektomie entfernt nur die Eierstöcke. Hormonell identische Wirkung, aber kleinerer Schnitt und etwa 20 Prozent weniger Operationszeit. In Deutschland wird diese Methode bevorzugt.
Die laparoskopische Kastration erfolgt über 2-3 kleine Schnitte mit einer Kamera. Weniger schmerzhaft, aber nicht alle Tierärzte bieten das an. Kostet 100 bis 200 Euro mehr.
Chemische Kastration mit Suprelorin-Chip wirkt 6 bis 12 Monate reversibel. Für Hundesportler oder als Testlauf vor dem endgültigen Eingriff.
Mögliche Langzeitfolgen
Gewichtszunahme ist die häufigste Folge. Der Energiebedarf sinkt um 20 bis 30 Prozent. Ohne Futterreduktion nehmen etwa 80 Prozent der kastrierten Hündinnen zu.
Inkontinenz entwickeln etwa 20 Prozent der Hündinnen, besonders grosse Rassen. Das liegt an der fehlenden Östrogenwirkung auf den Blasenschliessmuskel. Medikamente können helfen.
Das Fellkleid wird bei manchen Rassen weicher und länger. Golden Retriever und Cocker Spaniel entwickeln manchmal dauerhaft „Welpenfell“.
Optimaler Zeitpunkt
Zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat, idealerweise vor der ersten Läufigkeit. Bei grossen Rassen warten manche Tierärzte bis nach dem ersten Geburtstag, um die Knochenentwicklung abzuschliessen.
Nach dem 5. Lebensjahr steigt das Narkoserisiko. Bei gesunden älteren Hündinnen ist der Eingriff aber noch gut durchführbar, besonders wenn bereits Gebärmutterprobleme vorliegen.
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