Morbidität
Morbidität beschreibt, wie viele Hunde einer Gruppe an einer bestimmten Krankheit erkranken. Sie ist eine Häufigkeitsangabe und sagt nichts darüber aus, wie schwer die Krankheit verläuft oder wie viele daran sterben.
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Morbidität beschreibt, wie viele Hunde einer Gruppe an einer bestimmten Krankheit erkranken. Sie ist eine Häufigkeitsangabe, sie sagt aber nichts darüber aus, wie schwer die Krankheit verläuft oder wie viele Hunde daran sterben.
Wie unterscheidet sich Morbidität von Sterblichkeit?
Morbidität zählt Erkrankungen, Mortalität zählt Todesfälle. Zwingerhusten hat eine hohe Morbidität (viele Hunde erkranken), aber niedrige Mortalität (wenige sterben daran). Tollwut zeigt das Gegenteil: niedrige Morbidität dank Impfung, aber hohe Mortalität bei Erkrankung.
Diese Unterscheidung ist der häufigste Stolperstein beim Lesen von Gesundheitszahlen, auch Fachtexte vermischen die beiden regelmässig. Ein Beispiel zeigt es gut: Bei der Parvovirose erkranken fast alle ungeimpften Welpen nach Kontakt mit dem Erreger. Das ist die Morbidität, und sie ist sehr hoch. Von den erkrankten Tieren sterben ohne Behandlung bis zu 91 Prozent, das ist die Letalität (Prittie, Journal of Veterinary Emergency and Critical Care 2004; bestätigt bei Mylonakis et al., Veterinary Medicine: Research and Reports 2016). Mit sofortiger intensiver Therapie überleben dagegen 80 bis 95 Prozent (ebd.). Drei völlig verschiedene Zahlen zur selben Krankheit, jede beantwortet eine andere Frage.
Warum ist die Morbidität für dich als Hundehalter relevant?
Morbiditätsdaten helfen dir einzuschätzen, womit du überhaupt rechnen musst. Ist eine Krankheit in deiner Region oder bei deiner Rasse häufig, lohnt sich Vorsorge, auch wenn sie selten tödlich verläuft. Umgekehrt gilt: Eine seltene, aber gefährliche Krankheit rechtfertigt eine Impfung genauso, auch wenn die Morbidität niedrig ist.
Bei welchen Krankheiten ist die Morbidität hoch?
Atemwegsinfekte in Gruppenhaltung gehören dazu. In dokumentierten Ausbrüchen in Tierheimen und Zwingern erkrankten bis zu 70 Prozent der Hunde (Chalker et al. 2003). In einer US-Tierheimstudie zeigte nach zwei Wochen rund die Hälfte der Hunde Husten oder Niesen (Protopopova et al., PLoS ONE 2019). Gestorben ist dabei praktisch keiner, hohe Morbidität, niedrige Mortalität, genau wie oben beschrieben.
Giardien sind ein zweites Beispiel. In einer Auswertung von Kotproben aus vielen Ländern liessen sie sich bei rund 15 Prozent aller Hunde nachweisen (Bouzid et al., Veterinary Parasitology 2015). Bei Hunden unter einem Jahr sind es 18 Prozent gegenüber 4 Prozent bei älteren Hunden (Kurnosova et al., Veterinary World 2024). In einem Zuchtzwinger waren 53 Prozent der Welpen positiv (Horejs und Koudela 1994).
Arthrose zeigt, wie stark die Zahl davon abhängt, wie man misst. Diagnostiziert wird sie pro Jahr bei rund 2,5 Prozent aller Hunde (VetCompass, 455’557 Hunde). Im Röntgenbild findet man Anzeichen bei deutlich mehr: bei über Achtjährigen mit Gelenkbeschwerden je nach Gelenk bei 36 bis 57 Prozent (Roitner et al., The Veterinary Journal 2024). Die Lücke dazwischen ist die eigentliche Nachricht, die meisten Arthrosen werden nie erkannt.
Welche Faktoren beeinflussen das Erkrankungsrisiko deines Hundes?
Alter, Rasse und Umgebung. Junge Welpen sind vor Abschluss der Grundimmunisierung besonders gefährdet, weil der Schutz der Mutter nachlässt, bevor der eigene aufgebaut ist. Bestimmte Rassen bringen erhöhte Risiken mit: kurzköpfige Hunde für Atemprobleme, grosse Rassen für Gelenkerkrankungen. Und wo viele Hunde auf engem Raum zusammenkommen, steigt das Infektionsrisiko messbar. In einer Tierheimstudie nahm das Hustenrisiko mit jedem Aufenthaltstag um drei Prozent zu (Edinboro et al., Preventive Veterinary Medicine 2004).
Wie kannst du das Erkrankungsrisiko deines Hundes senken?
Impfen, entwurmen, Parasiten fernhalten, Gewicht halten, das ist die Reihenfolge nach Wirkung. Am deutlichsten zeigt es die Parvovirose: Vor Einführung der Impfung war sie eine der häufigsten Todesursachen bei Welpen, heute ist sie bei geimpften Hunden selten geworden. Bei Auslandsreisen in den Mittelmeerraum kommt der Schutz vor Sandmücken dazu, die Leishmaniose übertragen. Übergewicht ist der eine Risikofaktor, den du täglich selbst in der Hand hast: Schon 6 bis 9 Prozent weniger Körpergewicht bessern eine bestehende Lahmheit messbar (Marshall et al., Veterinary Research Communications 2010).
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