Subduralraum
Der Subduralraum ist ein potentieller Raum zwischen der harten Hirnhaut (Dura mater) und der Spinngewebshaut (Arachnoidea), die das Gehirn umgeben.
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Der Subduralraum ist ein potenzieller Spaltraum zwischen der harten Hirnhaut (Dura mater) und der Spinngewebshaut (Arachnoidea). Beide Hirnhäute umgeben das Gehirn und liegen normalerweise so eng aneinander, dass kein ausgeprägter freier Raum vorhanden ist.
Der Begriff wird für Hundehalter vor allem dann relevant, wenn nach einem Kopftrauma von einer subduralen Blutung oder einem Subduralhämatom die Rede ist. Dabei sammelt sich Blut im Bereich zwischen Dura mater und Arachnoidea.
Was passiert bei einer Verletzung im Subduralraum?
Bei einem Kopftrauma können Blutgefässe im Bereich zwischen den Hirnhäuten verletzt werden. Tritt Blut aus, kann sich ein Subduralhämatom bilden. Je nach Menge und Lage der Blutung kann das Hämatom Druck auf das Gehirn ausüben und dadurch neurologische Symptome verursachen.
Ein Subduralhämatom gehört zu den sogenannten extraaxialen Blutungen. Damit sind Blutungen ausserhalb des eigentlichen Hirngewebes gemeint. Bei Hunden treten nach einem Schädel-Hirn-Trauma verschiedene Formen intrakranieller Blutungen auf. In einer Untersuchung von Hunden mit akutem Kopftrauma gehörte eine subdurale Blutung zu den häufigsten extraaxialen Blutungen.
Die Auswirkungen hängen unter anderem von der Grösse und Lage des Hämatoms sowie von möglichen Begleitverletzungen ab. Durch die Raumforderung kann sich das Gehirn verschieben. In schweren Fällen können dadurch lebensbedrohliche Komplikationen wie eine Einklemmung des Gehirns entstehen.
Ist ein Subduralhämatom immer die Folge eines Traumas?
Nein. Ein Trauma ist eine mögliche und wichtige Ursache, aber nicht die einzige. Subdurale Blutungen können auch ohne nachweisbares Kopftrauma auftreten. Als mögliche Ursachen kommen beispielsweise Erkrankungen infrage, die die Blutgerinnung oder die Blutgefässe beeinflussen. Auch andere Erkrankungen des Gehirns können mit einer spontanen intrakraniellen Blutung verbunden sein.
Ein aktueller Fallbericht beschreibt beispielsweise ein chronisches Subduralhämatom bei einem Hund mit nekrotisierender Enzephalitis, ohne dass ein Trauma bekannt war. Der mögliche Zusammenhang wurde dabei ausdrücklich als unsicher bewertet.
Deshalb lässt sich aus der Diagnose „Subduralhämatom“ allein nicht auf die Ursache schliessen.
Welche Symptome können auftreten?
Die Symptome hängen stark davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist und wie stark das Gehirn durch die Blutung oder eine begleitende Schwellung beeinträchtigt wird.
Mögliche neurologische Anzeichen sind unter anderem:
- verändertes Bewusstsein oder starke Benommenheit
- unsicherer oder unkoordinierter Gang
- Gleichgewichtsstörungen
- Krampfanfälle
- auffällige Kopfhaltung oder eine Kopfdrehung
- abnorme Augenbewegungen
- Schwäche oder Lähmungserscheinungen
- verändertes Verhalten
- zunehmende Teilnahmslosigkeit
- Bewusstlosigkeit
Bei schweren Hirnverletzungen können Bewusstseinsstörungen bis hin zu Stupor oder Koma auftreten. Auch Krampfanfälle sind möglich.
Die Symptome müssen dabei nicht unmittelbar nach einem Unfall auftreten. Bei traumatischen Verletzungen können sich neurologische Veränderungen auch verzögert entwickeln. Deshalb werden Tiere nach einem relevanten Trauma häufig über einen längeren Zeitraum überwacht. Das Merck Veterinary Manual weist darauf hin, dass sich die Folgen bestimmter Verletzungen erst innerhalb von bis zu 48 Stunden zeigen können.
Wann muss ich mit meinem Hund zum Tierarzt?
Nach einem deutlichen Kopftrauma sollte dein Hund zeitnah tierärztlich untersucht werden, auch wenn er zunächst weitgehend normal wirkt. Bei einem Trauma können neben einer möglichen Hirnverletzung auch innere Blutungen, Knochenbrüche oder andere Verletzungen vorliegen.
Besonders dringend ist eine Untersuchung, wenn neurologische Veränderungen auftreten. Sofort in eine Tierklinik solltest du fahren, wenn dein Hund:
- das Bewusstsein verliert oder kaum noch reagiert
- Krampfanfälle bekommt
- plötzlich nicht mehr sicher stehen oder laufen kann
- starke Gleichgewichtsstörungen zeigt
- auffällige oder unkontrollierte Augenbewegungen entwickelt
- deutlich benommen oder ungewöhnlich teilnahmslos wirkt
- eine ausgeprägte Kopfdrehung oder andere ungewöhnliche Kopfhaltung zeigt
- sich sein Zustand nach einem Trauma zunehmend verschlechtert.
Auch eine scheinbar kleine Verhaltensänderung sollte nach einem Kopftrauma ernst genommen werden. Ein Hund, der plötzlich ungewöhnlich ängstlich, desorientiert oder aggressiv wirkt, kann neurologisch beeinträchtigt sein.
Eine solche Veränderung beweist allerdings keine Hirnverletzung. Auch Schmerzen, Stress oder andere Folgen des Unfalls können das Verhalten verändern.
Wie wird ein Subduralhämatom diagnostiziert?
Am Anfang steht eine gründliche neurologische und allgemeine Untersuchung. Dabei beurteilt die Tierärztin unter anderem Bewusstseinszustand, Bewegungsabläufe, Reflexe und weitere neurologische Funktionen. Nach einem Trauma werden ausserdem mögliche Verletzungen ausserhalb des Nervensystems untersucht. Je nach Situation können zusätzlich Blut- und Urinuntersuchungen notwendig sein.
Um eine Blutung oder andere Veränderungen im Schädel sichtbar zu machen, kommen vor allem Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz.
Ein CT arbeitet mit Röntgenstrahlung und erstellt Querschnittsbilder des Körpers. Es kann unter anderem Blutungen, Veränderungen der Gewebedichte und Schädelknochenverletzungen darstellen. Ein wichtiger Vorteil ist die vergleichsweise schnelle Untersuchung.
Das MRT arbeitet dagegen mit einem starken Magnetfeld und Radiowellen. Es liefert besonders detaillierte Bilder des Gehirns und anderer Weichteilgewebe. Bei traumatischen Hirnverletzungen können verschiedene MRT-Sequenzen unterschiedliche Veränderungen sichtbar machen.
Welches Verfahren eingesetzt wird, hängt deshalb unter anderem vom Zustand des Hundes, der vermuteten Verletzung und der Verfügbarkeit der Untersuchung ab.
CT und MRT sind keine konkurrierenden Untersuchungen, bei denen eines grundsätzlich immer besser ist.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, der Grösse und Lage der Blutung sowie dem neurologischen Zustand des Hundes. Auch Begleitverletzungen spielen eine wichtige Rolle.
Bei einem Schädel-Hirn-Trauma besteht die Behandlung zunächst darin, die lebenswichtigen Körperfunktionen zu stabilisieren und weitere Schäden am Gehirn zu verhindern. Dazu können unter anderem Sauerstoffversorgung, Flüssigkeitstherapie, Schmerzbehandlung und eine intensive Überwachung gehören. Bei erhöhtem Hirndruck können Medikamente eingesetzt werden, die den Druck im Schädel reduzieren. Bei Krampfanfällen kommen gegebenenfalls krampfhemmende Medikamente zum Einsatz.
Ein grösseres oder raumforderndes Subduralhämatom kann eine chirurgische Behandlung erforderlich machen. Dabei wird das Hämatom operativ entlastet oder entfernt.
Eine Operation ist jedoch nicht bei jedem Subduralhämatom notwendig. Ob eine konservative Behandlung und Überwachung ausreichen oder ein chirurgischer Eingriff erforderlich ist, hängt vom individuellen Befund ab.
Wie sind die Heilungschancen?
Die Prognose lässt sich bei einem Subduralhämatom nicht allein anhand der Diagnose beurteilen. Entscheidend sind unter anderem die Ursache und Schwere der Hirnverletzung, die Lage und Ausdehnung der Blutung, mögliche Begleitverletzungen sowie der neurologische Zustand des Hundes.
Bei traumatischen Hirnverletzungen spielt ausserdem eine schnelle Stabilisierung eine wichtige Rolle. Die Prognose einzelner Hunde lässt sich allerdings nur eingeschränkt aus allgemeinen Studien ableiten.
In einer retrospektiven Untersuchung von 40 Hunden mit traumatischer Hirnverletzung überlebten 30 Tiere bis zur Entlassung. Die Autoren konnten allerdings keine einzelnen frühen CT-Merkmale identifizieren, die zuverlässig mit dem kurzfristigen Überleben verbunden waren.
Einzelne Fallberichte zeigen zudem, dass Hunde nach der Behandlung eines Subduralhämatoms eine vollständige Erholung erreichen können. Das lässt sich jedoch nicht auf jeden Fall übertragen.
Was sollte ich nach einem Kopftrauma beachten?
Nach einem Kopftrauma sollte dein Hund möglichst ruhig gehalten und bis zur tierärztlichen Untersuchung vor weiteren Belastungen geschützt werden. Bei schweren Verletzungen sollte der Transport möglichst schonend erfolgen.
Während der Fahrt solltest du insbesondere darauf achten, dass die Atemwege frei bleiben und der Hund nicht unnötig bewegt wird. Bei einem bewusstlosen Tier oder einem Hund mit schweren neurologischen Symptomen solltest du vor dem Transport telefonisch mit der Tierklinik Rücksprache halten. Bei Notfällen werden zunächst Bewusstsein, Atmung und Kreislauf beurteilt und stabilisiert.
Auch wenn sich dein Hund nach einem Unfall scheinbar schnell wieder normal verhält, solltest du eine Verschlechterung in den folgenden Stunden aufmerksam beobachten. Neu auftretende Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen, Bewegungsprobleme oder andere neurologische Veränderungen sind ein Grund für eine sofortige erneute Untersuchung.
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