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Herzgeräusch

6 Min Lesezeit
Herzgeräusch
Inhalt
  1. Was ist ein Herzgeräusch?
  2. Arten von Herzgeräuschen
  3. Ursachen von Herzgeräuschen bei Hunden
  4. Symptome, die mit Herzgeräuschen verbunden sein können
  5. Diagnose von Herzgeräuschen bei Hunden
  6. Behandlung von Herzgeräuschen bei Hunden
  7. Prognose

Ein Herzgeräusch bei Hunden – das klingt erstmal beunruhigend. Gemeint ist damit ein ungewöhnliches Geräusch, das der Tierarzt beim Abhören mit dem Stethoskop wahrnimmt, irgendwo zwischen den normalen Herzschlägen. Entstehen kann es immer dann, wenn der Blutfluss im Herzen oder in den grossen Gefässen in Turbulenzen gerät statt gleichmässig zu strömen. Manche Herzgeräusche sind völlig harmlos, andere können ein erstes Zeichen einer ernsthaften Herzerkrankung sein. In Lautstärke und Zeitpunkt im Herzrhythmus unterscheiden sie sich erheblich – und genau das sagt dem Tierarzt meist schon viel über die mögliche Ursache.

Was ist ein Herzgeräusch?

Wer schon einmal ein gesundes Herz abgehört hat, kennt das typische „Lub-Dub“ – zwei saubere Töne, erzeugt vom Öffnen und Schliessen der Herzklappen. Sobald aber der Blutfluss durch das Herz unruhig wird, gesellt sich ein zusätzliches Geräusch dazu. Das kann ein kaum wahrnehmbares, leises Rauschen sein oder ein deutlich turbulenter Klang, der selbst ohne viel Übung auffällt.

Arten von Herzgeräuschen

Tierärzte ordnen Herzgeräusche nach drei Kriterien ein: Lautstärke, Zeitpunkt im Herzzyklus und Dauer.

  1. Lautstärke: Die Einstufung läuft auf einer Skala von Grad 1 (kaum hörbar) bis Grad 6 (sehr laut, teils sogar mit der Hand spürbar). Ein leises Geräusch ist schwieriger zu erfassen und deutet häufig – aber nicht immer – auf weniger gravierende Ursachen hin. Ein lautes Geräusch gibt dagegen oft Anlass zu einer gründlicheren Abklärung.
  2. Zeitpunkt:
    • Systolische Herzgeräusche: Sie entstehen während der Herzkontraktion, wenn Blut aus den Kammern in die grossen Gefässe gepumpt wird.
    • Diastolische Herzgeräusche: Sie treten in der Entspannungsphase auf, wenn das Blut in die Herzkammern einströmt.
    • Kontinuierliche Herzgeräusche: Sie sind über den gesamten Herzzyklus hinweg hörbar und weisen häufig auf schwerwiegendere Befunde hin.
  3. Dauer: Manche Geräusche sind kurz, andere ziehen sich durch den gesamten Herzschlagzyklus. Längere Geräusche deuten in der Regel auf stärkere Turbulenzen im Blutfluss hin.

Ursachen von Herzgeräuschen bei Hunden

Die Bandbreite möglicher Ursachen ist gross – von harmlosen Funktionsgeräuschen bis hin zu behandlungsbedürftigen Herzerkrankungen.

Physiologische (funktionelle) Herzgeräusche:

  • Gerade bei Welpen und jungen Hunden tauchen solche Geräusche recht häufig auf, ohne dass eine Erkrankung dahintersteckt. In aller Regel verschwinden sie, sobald das Herz vollständig ausgereift ist.
  • Sie sind meist leise (Grad 1 oder 2) und haben keinerlei Auswirkung auf die Gesundheit des Tieres.

Herzklappenerkrankungen:

  • Mitralklappeninsuffizienz: Die Mitralklappe schliesst nicht mehr dicht, sodass Blut vom linken Ventrikel in den linken Vorhof zurückfliesst. Bei älteren Hunden – besonders kleiner Rassen – ist das die häufigste Ursache für ein Herzgeräusch.
  • Aorten- und Pulmonalklappenstenose: Verengte Aorten- oder Pulmonalklappen zwingen das Herz, mehr Druck aufzubauen, um das Blut hindurchzupressen – und das erzeugt typische Geräusche.

Angeborene Herzfehler:

  • Persistierender Ductus arteriosus (PDA): Ein Gefäss, das sich nach der Geburt eigentlich verschliessen sollte, bleibt offen. Das führt zu einem charakteristischen kontinuierlichen Herzgeräusch.
  • Vorhof- oder Ventrikelseptumdefekte: Löcher in den Trennwänden zwischen den Herzkammern lassen Blut unkontrolliert zwischen den Kammern strömen – und das hört man.

Kardiomyopathien:

  • Dilatative Kardiomyopathie: Vor allem bei grossen Rassen bekannt. Der Herzmuskel verliert an Kraft, was den Blutfluss beeinträchtigt und Geräusche erzeugen kann.
  • Hypertrophe Kardiomyopathie: Hier verdickt sich der Herzmuskel, was den Blutfluss einengt und ebenfalls zu einem Herzgeräusch führen kann.

Blutarmut (Anämie):

  • Bei schwerer Anämie pumpt das Herz schneller, um den Sauerstoffmangel im Blut zu kompensieren. Dieser beschleunigte, turbulente Fluss kann ein funktionelles Herzgeräusch auslösen – das mit der Anämie wieder verschwindet, wenn sie behandelt wird.

Tumoren oder Wucherungen:

  • Herztumoren oder Wucherungen an den Herzklappen können den normalen Blutfluss mechanisch stören und so ein Geräusch verursachen.

Symptome, die mit Herzgeräuschen verbunden sein können

Nicht jedes Herzgeräusch macht sich im Alltag des Hundes bemerkbar. Bei harmlosen Formen bleibt der Hund völlig beschwerdefrei. Anders sieht es aus, wenn ein ernsthaftes Herzproblem dahintersteckt – dann können folgende Zeichen auftreten:

  1. Atemnot oder Husten: Beides kann auf eine Linksherzinsuffizienz hindeuten, bei der sich Flüssigkeit in der Lunge ansammelt und das Atmen erschwert.
  2. Leistungsschwäche und Müdigkeit: Betroffene Hunde sind schneller erschöpft, toben weniger und wirken insgesamt schlapper als gewohnt.
  3. Ohnmachtsanfälle (Synkopen): Bei Aortenstenose beispielsweise kann das Herz zeitweise zu wenig Blut ins Gehirn pumpen – mit der Folge, dass der Hund kurz wegkippt.
  4. Bauchwassersucht (Aszites): Flüssigkeit im Bauchraum ist ein deutliches Warnsignal für eine Rechtsherzinsuffizienz, die mit bestimmten Herzgeräuschen einhergehen kann.
  5. Blaufärbung der Schleimhäute: Eine bläuliche Verfärbung der Schleimhäute (Zyanose) zeigt, dass der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird – ein ernstes Zeichen, das sofortige tierärztliche Hilfe erfordert.

Diagnose von Herzgeräuschen bei Hunden

Am Anfang steht immer das sorgfältige Abhören mit dem Stethoskop. Was danach folgt, hängt davon ab, was der Tierarzt dabei feststellt.

  1. Auskultation (Abhören): Der Tierarzt lauscht, wo genau das Geräusch am lautesten ist, wie laut es ist und wann im Herzschlag es auftritt. Das allein gibt schon wertvolle erste Hinweise.
  2. Echokardiographie (Herzultraschall): Das aussagekräftigste Verfahren. In Echtzeit sind Herzklappen, Blutfluss und Muskelbewegung sichtbar – eine entscheidende Grundlage für jede weitere Behandlungsentscheidung.
  3. Röntgenaufnahmen: Röntgenbilder des Brustkorbs zeigen, ob das Herz vergrössert ist und ob sich bereits Flüssigkeit in der Lunge angesammelt hat.
  4. EKG (Elektrokardiogramm): Das EKG misst die elektrischen Impulse des Herzens und deckt Herzrhythmusstörungen auf, die manchmal parallel zu Herzgeräuschen auftreten.

Behandlung von Herzgeräuschen bei Hunden

Ob und wie behandelt wird, richtet sich nach der Ursache und der Schwere des zugrundeliegenden Problems. Funktionelle Herzgeräusche brauchen oft gar keine Therapie. Bei ernsteren Befunden gibt es verschiedene Wege:

Medikamentöse Therapie:

  • ACE-Hemmer: Sie senken den Blutdruck und entlasten das Herz – besonders bei Herzklappenproblemen eingesetzt.
  • Diuretika: Helfen, überschüssige Flüssigkeit auszuschwemmen, was vor allem bei Herzinsuffizienz wichtig ist.
  • Betablocker: Können die Herzfrequenz drosseln und so das Herz stabilisieren.

Chirurgische Eingriffe:

  • In schwereren Fällen ist ein Eingriff nötig – etwa eine Ballonvalvuloplastie bei Pulmonal- oder Aortenstenose oder der operative Verschluss eines Ductus arteriosus. Das klingt nach viel, ist aber bei rechtzeitiger Diagnose oft mit guten Aussichten verbunden.

Lebensstil-Anpassungen:

  • Hunde mit Herzerkrankungen profitieren davon, wenn man sie vor übermässiger körperlicher Belastung schützt. Eine angepasste Ernährung und regelmässige Kontrolltermine beim Tierarzt gehören zum festen Programm.

Prognose

Wie es langfristig läuft, hängt stark von der Ursache ab. Funktionelle Herzgeräusche lösen sich häufig von selbst auf, ohne das Leben des Hundes je zu beeinträchtigen. Geräusche, die auf eine ernsthafte Herzerkrankung hinweisen, erfordern zwar meist eine lebenslange Behandlung und regelmässige Kontrollen – mit der richtigen Therapie aber behalten viele Hunde eine gute Lebensqualität, teils über viele Jahre.