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Brunstzyklus

4 Min Lesezeit
Brunstzyklus
Inhalt
  1. Die vier Phasen des Brunstzyklus
  2. Häufigkeit und Dauer – was ist normal?
  3. Woran erkennt man den Beginn der Läufigkeit?
  4. Paarung und Trächtigkeit
  5. Läufigkeit verhindern: Kastration
  6. Scheinträchtigkeit

Der Brunstzyklus – oft einfach Läufigkeit oder Östruszyklus genannt – ist der Fortpflanzungsrhythmus der Hündin. Wer eine Hündin hält, begegnet ihm früher oder später: Hormonelle Veränderungen machen sie fruchtbar, bereiten den Körper auf eine mögliche Paarung vor, und das Ganze wiederholt sich in der Regel ein- bis zweimal pro Jahr.

Die vier Phasen des Brunstzyklus

Der Zyklus der Hündin läuft in vier klar unterscheidbaren Abschnitten ab: Proöstrus, Östrus, Metöstrus und Anöstrus. Jede Phase hat ihr eigenes hormonelles Profil – und eigene Verhaltenszeichen, die Halter kennen sollten.

Proöstrus:

  • Dauer: Typischerweise 7 bis 10 Tage, in Einzelfällen aber auch nur 3 oder bis zu 17 Tage.
  • Die Vulva schwillt sichtbar an, dazu tritt blutiger Ausfluss auf – das erste klare Signal für viele Halter.
  • Rüden werden angelockt, doch die Hündin selbst lässt noch kein Decken zu.
  • Hormonell dominiert jetzt der steigende Östrogenspiegel.
  • Verhalten: Interesse an Rüden ist spürbar, aber wer zu früh aufdringlich wird, wird abgewiesen – mitunter recht deutlich.

Östrus (Läufigkeit im engeren Sinne):

  • Dauer: Rund 5 bis 9 Tage, in seltenen Fällen bis zu 21 Tage.
  • Jetzt ist die Hündin fruchtbar und empfängnisbereit. Der Ausfluss wird heller und wässriger.
  • Die Vulva bleibt geschwollen, der blutige Anteil im Ausfluss nimmt aber ab.
  • Der Progesteronspiegel steigt, der Östrogenspiegel sinkt – und der Eisprung findet statt.
  • Verhalten: Die Hündin sucht aktiv den Kontakt zu Rüden, dreht den Schwanz zur Seite und lässt das Decken zu. Das ist die entscheidende Phase, in der eine Befruchtung möglich ist.

Metöstrus (auch Diöstrus):

  • Dauer: Etwa 60 bis 90 Tage, sofern die Hündin nicht trächtig geworden ist.
  • Der Progesteronspiegel bleibt erhöht – unabhängig davon, ob eine Trächtigkeit besteht oder nicht. Das ist biologisch bedeutsam und erklärt, warum es zur Scheinträchtigkeit kommen kann.
  • Trächtige Hündinnen befinden sich nun mitten in der Trächtigkeit; bei nicht trächtigen klingt der Zyklus langsam ab.
  • Verhalten: Kein Interesse mehr an Rüden. Manche Hündinnen entwickeln trotzdem eine Scheinträchtigkeit – mit Symptomen wie Milchproduktion oder intensivem Nestbauverhalten.

Anöstrus:

  • Dauer: Etwa 4 bis 5 Monate, je nach Hündin und Rasse.
  • Ruhephase. Die Hündin ist sexuell inaktiv, die Hormonspiegel liegen auf einem niedrigen Grundniveau.
  • Verhalten: Keinerlei Fortpflanzungsverhalten, keine Empfängnisbereitschaft – für Rüden in der Umgebung also uninteressant.

Häufigkeit und Dauer – was ist normal?

  • Erste Läufigkeit: Die meisten Hündinnen kommen erstmals zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat in die Läufigkeit. Kleine Rassen sind dabei oft früher dran als grosse.
  • Häufigkeit: Bei den meisten Hündinnen tritt der Zyklus alle 6 bis 12 Monate auf. Kleine Rassen kommen häufig zweimal jährlich in die Läufigkeit, grosse Rassen oft nur einmal.
  • Gesamtdauer: Von Proöstrus bis zum Ende des Anöstrus vergehen insgesamt etwa 4 bis 6 Monate – der individuelle Takt variiert aber erheblich.

Woran erkennt man den Beginn der Läufigkeit?

Es gibt einige Zeichen, die kaum zu übersehen sind – vorausgesetzt, man schaut hin:

  • Anschwellen der Vulva: Besonders im Proöstrus gut sichtbar, manchmal schon Tage vor dem ersten Ausfluss.
  • Blutiger Vaginalausfluss: Beginnt rötlich, wird im Lauf des Östrus heller und wässriger.
  • Verändertes Verhalten: Mehr Interesse an Rüden, mitunter aufgeregteres oder anhänglicheres Wesen als gewohnt.
  • Häufigeres Markieren: Viele Hündinnen setzen in der Läufigkeit öfter kleine Duftmarken – ein klares Signal an Rüden in der Umgebung.

Paarung und Trächtigkeit

Im Östrus ist die Hündin am empfänglichsten. Der Eisprung liegt meist 24 bis 48 Stunden nach Beginn dieser Phase, und die Fruchtbarkeit hält einige Tage an.

  • Trächtigkeitsdauer: Im Durchschnitt rund 63 Tage, mit leichten Schwankungen je nach Hündin und Wurfgrösse.
  • Zuchtzeitpunkt bestimmen: Das Verhalten der Hündin gibt oft gute Hinweise – wer ganz sichergehen will, lässt beim Tierarzt einen Progesterontest machen, um den Eisprung präzise einzugrenzen.

Läufigkeit verhindern: Kastration

Wer keine Würfe möchte, hat mit der Kastration eine dauerhafte Option. Dabei werden Eierstöcke und in der Regel auch die Gebärmutter entfernt. Die Eingriff bringt mehrere Vorteile mit sich:

  • Keine ungewollten Würfe mehr.
  • Geringeres Risiko für hormonbedingte Erkrankungen wie Mammatumoren oder Gebärmutterentzündung (Pyometra).
  • Keine wiederkehrenden Verhaltensveränderungen während der Läufigkeit.

Scheinträchtigkeit

Manche Hündinnen entwickeln nach der Läufigkeit eine Scheinträchtigkeit – auch wenn gar keine Befruchtung stattgefunden hat. Auslöser ist der anhaltend hohe Progesteronspiegel, der dem Körper signalisiert, dass eine Trächtigkeit vorliegt. Mögliche Symptome:

  • Milchproduktion
  • Nestbauverhalten
  • Anschwellen der Zitzen
  • Verhaltensveränderungen wie gesteigerter Schutztrieb, Anhänglichkeit oder Unruhe

In den meisten Fällen ist die Scheinträchtigkeit harmlos und klingt nach einigen Wochen von selbst ab. Bei ausgeprägten Beschwerden sollte allerdings ein Tierarzt hinzugezogen werden.