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Polyurie

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Polyurie
Definition

Polyurie beschreibt eine abnorm hohe Urinproduktion beim Hund – meist über 50 ml pro Kilogramm Körpergewicht täglich.

Inhalt
  1. Welche Krankheiten verursachen Polyurie?
  2. Welche Medikamente lösen Polyurie aus?
  3. Wann wird Polyurie gefährlich?
  4. Wie misst du die Trinkmenge richtig?
  5. Was erwartet dich beim Tierarzt?
  6. Wie wird Polyurie behandelt?

Polyurie beschreibt eine abnorm hohe Urinproduktion beim Hund – meist über 50 ml pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Ein 20-Kilo-Hund produziert also mehr als einen Liter Urin am Tag.

Das Symptom tritt selten allein auf. Du bemerkst vermutlich zuerst das häufigere Wasserlassen – oder dass dein stubenreiner Hund plötzlich in der Wohnung Urin absetzt. Dahinter können harmlose Ursachen stecken, aber auch ernste Erkrankungen.

Welche Krankheiten verursachen Polyurie?

Diabetes mellitus führt die Liste an. Der hohe Blutzucker „zieht“ Wasser in den Urin – der Körper versucht, den überschüssigen Zucker loszuwerden. Betroffene Hunde trinken deshalb extrem viel.

Das Cushing-Syndrom geht mit einer übermässigen Cortisolproduktion einher. Das Stresshormon bringt den Wasserhaushalt durcheinander. Hunde mit Cushing entwickeln oft einen Hängebauch und hecheln mehr.

Niereninsuffizienz macht sich durch verdünnten Urin bemerkbar. Die geschädigten Nieren können den Harn nicht mehr konzentrieren – grosse Mengen wässrigen Urins sind die Folge.

Diabetes insipidus ist selten, aber dramatisch. Hier fehlt das Hormon Vasopressin, oder die Nieren reagieren nicht darauf. Betroffene Hunde können täglich 10 bis 15 Liter trinken.

Blasenentzündungen verursachen zwar häufiges, aber meist geringvolumiges Wasserlassen. Echte Polyurie liegt dabei nicht vor – trotzdem verwechseln Halter die Symptome oft.

Welche Medikamente lösen Polyurie aus?

Cortison-Präparate ahmen das Cushing-Syndrom nach. Schon nach wenigen Behandlungstagen trinken und urinieren Hunde mehr. Nach dem Absetzen normalisiert sich das in der Regel wieder.

Diuretika (Entwässerungstabletten) fördern bewusst die Harnproduktion. Bei Herzpatienten ist das erwünscht – kann aber zu Dehydrierung führen.

Antiepileptika wie Phenobarbital belasten die Leber. Eine geschädigte Leber filtert Giftstoffe nicht mehr zuverlässig – der Körper versucht, sie über den Urin auszuscheiden.

Wann wird Polyurie gefährlich?

Sofort zum Tierarzt, wenn dein Hund innerhalb von 24 Stunden mehr trinkt als sein Körpergewicht in Millilitern. Ein 25-Kilo-Hund also über 2,5 Liter.

Alarmsignale sind: Apathie trotz Durst, blasses Zahnfleisch, Erbrechen oder eine Hautfalte, die sich nur langsam zurückbildet. Das deutet auf gefährliche Dehydrierung hin.

Besonders kritisch wird es bei Welpen und Senioren. Ihr Wasserhaushalt entgleist schneller als bei gesunden erwachsenen Hunden.

Wie misst du die Trinkmenge richtig?

Fülle morgens eine abgemessene Wassermenge in den Napf. Abends misst du den Rest – die Differenz zeigt die Trinkmenge. In Mehrhunde-Haushalten jeden Hund einzeln beobachten.

Gesunde Hunde trinken täglich 20 bis 70 ml pro Kilogramm Körpergewicht. Ein 15-Kilo-Hund sollte also maximal etwa einen Liter trinken.

Ab 100 ml pro Kilo spricht man von Polydipsie – übermässigem Trinken. Das führt automatisch zur Polyurie.

Was erwartet dich beim Tierarzt?

Die Urinuntersuchung steht an erster Stelle. Verdünnter Urin mit einem spezifischen Gewicht unter 1.020 bestätigt die Polyurie. Zucker im Urin weist auf Diabetes hin.

Das Blutbild deckt Nierenprobleme, Blutzucker und Leberenzyme auf. Bei Verdacht auf Cushing folgen Hormontests wie der ACTH-Stimulationstest.

Bildgebung kommt bei unklaren Befunden dazu. Ultraschall zeigt Nierenveränderungen, Röntgen kann Blasensteine aufdecken.

Wie wird Polyurie behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung. Diabetes benötigt Insulin und Diätfutter. Cushing-Patienten erhalten Trilostan oder Vetoryl.

Bei Niereninsuffizienz unterstützt spezielles Nierendiätfutter mit reduziertem Phosphorgehalt die Nierenfunktion. Blasenentzündungen klingen in vielen Fällen nach einer einwöchigen Antibiotikabehandlung ab.

Medikamentenbedingte Polyurie verschwindet nach dem Absetzen – falls medizinisch möglich. Bei lebenswichtigen Medikamenten muss die erhöhte Trinkmenge akzeptiert werden.