Schweizweit erstes Tollwut-Quarantäne-Zentrum in Berg TG
Inhalt
Nach jahrelanger Vorarbeit ist in der Ostschweiz ein Projekt Realität geworden, das für viele Tiere eine echte Überlebenschance bedeutet: In Berg im Kanton Thurgau entsteht das erste professionelle Tollwut-Quarantäne-Zentrum der Schweiz. Bis zu 48 Hunde sollen dort künftig eine artgerechte und sichere Unterbringung finden, wenn sie behördlich wegen eines Tollwutverdachts beschlagnahmt wurden. Einen Beitrag dazu hat auch TVO Online.
Warum dieses Zentrum dringend benötigt wird
In der Schweiz gelten strenge Regeln zur Verhinderung der Einschleppung der Tollwut, einer tödlichen Virusinfektion, die beim Menschen und Tier praktisch immer zum Tod führt, sobald Symptome auftreten.
Jedes Jahr werden etwa 80 Tiere euthanasiert, weil ein amtlicher Tollwutverdacht ausgesprochen wurde. Hinzu kommen rund 400 behördliche Anordnungen, bei denen Tiere beschlagnahmt werden und entweder in Quarantäne müssen oder ins Herkunftsland zurückgeschafft werden sollen. Bei einer Rückschaffung endet das Schicksal dieser Tiere in den allermeisten Fällen ebenfalls mit dem Tod, sei es durch die Rückreise selbst oder durch euthanasierende Massnahmen im Herkunftsland.
Der Kern des Problems: Die Schweiz verfügte bislang über keine einzige professionelle Quarantäneeinrichtung, in der Tiere fachgerecht betreut, sozialisiert und beobachtet werden können. Ohne solche Strukturen entscheiden Behörden aus Sicherheits- oder Kostengründen oft für Euthanasie oder eine Quarantäne zu Hause, die aber oft unzureichend kontrolliert ist und weder dem Tierwohl noch dem Schutz der Bevölkerung optimal dient.
Wie die Quarantänestation funktioniert
Das Konzept für die Station wurde gemeinsam mit Fachpersonen aus Tiermedizin, Tierschutz und Veterinärbehörden entwickelt, auf einer wissenschaftlichen Grundlage, die Tierwohl und Sicherheit gleichermassen ernst nimmt. Tiere, die in Quarantäne aufgenommen werden, bleiben über die gesetzlich vorgeschriebene Beobachtungszeit (typischerweise 120 Tage) in sicheren, strukturierten Räumen. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass soziale Kontakte, Entwicklungsförderung und artgemässe Haltung möglich sind, damit insbesondere Welpen keine irreversiblen Verhaltens- oder Entwicklungsstörungen erleiden.
Ein Kernpunkt: Das Personal ist gegen Tollwut geimpft und speziell geschult, um Erkrankungszeichen früh zu erkennen und sowohl Tierwohl als auch Sicherheit für Mensch und Umwelt zu gewährleisten.
Was das Projekt leistet
Das Projekt löst zwei konkrete Probleme. Es reduziert das Leid von Tieren, die bislang wegen gesetzlicher Vorgaben pauschal getötet werden, obwohl bei vielen der Tollwutverdacht später nie bestätigt wird. Und es schafft eine verlässliche Alternative für Behörden, die heute oft zwischen unzureichender Heimquarantäne oder Euthanasie entscheiden müssen.
Dass das Konzept auf einer wissenschaftlichen Grundlage steht und praktisch umsetzbar ist, macht es zu einem möglichen Vorbild für die ganze Schweiz.
Die Initianten
Dr. med. vet. Lisa Goldinger, Präsidentin des Trägervereins und ausgewiesene Tierärztin mit langjähriger Erfahrung, hat das Projekt massgeblich vorangetrieben. Gemeinsam mit Fachpersonen aus Veterinärmedizin und Tierschutz hat sie ein Problem angegangen, das in der Schweiz lange als kaum lösbar galt.
Unterstützung
Das Projekt ist auf Spenden und Unterstützer angewiesen, um den Bau und Betrieb der Station zu finanzieren. Weitere Informationen finden sich auf https://tollwut.ch/