Basiswissen zu Wagenrennen (Carting)
Carting verbindet moderne Hundesportart mit jahrhundertealter Tradition – dein Hund zieht dich im speziellen Wagen über Feld- und Waldwege.
Inhalt
Dein Hund zerrt am Geschirr und würde am liebsten den ganzen Kinderwagen ziehen? Dann ist Wagenrennen – auch Carting genannt – vielleicht genau das Richtige. Bei diesem Hundesport spannst du deinen Vierbeiner vor einen speziellen Wagen, und ihr arbeitet als Team zusammen. Die Wurzeln liegen in der Arbeitswelt von Hunden; heute ist es schlicht ein Sport, der beiden Spass macht.
Wie ist Carting als Hundesport entstanden?
Wagenrennen mit Hunden gab es schon, bevor Menschen Autos fuhren. Bäcker, Milchhändler und Landwirte nutzten Hunde jahrhundertelang als Zugkraft – eine Praxis, die mit dem Aufkommen motorisierter Fahrzeuge verschwand.
Der moderne Carting-Sport entwickelte sich in den 1970er Jahren als schneelose Alternative zum Schlittenhunderennen. Hundeführer wollten ihre Tiere auch im Sommer trainieren können. Was als Notlösung begann, ist heute eine eigenständige Disziplin mit eigenen Regeln und Wettkämpfen.
Heute organisiert der Deutsche Schlittenhundesport-Verband (DSSV) bundesweite Carting-Rennen. Die Distanzen reichen von 2 bis 10 Kilometern, je nach Hundeanzahl und Kategorie.
Welche Ausrüstung benötigst du für den Einstieg?
Ein vernünftiger Cart kostet zwischen 800 und 1.500 Euro – eine Investition, die sich lohnt, wenn du ernsthaft einsteigen willst. Billige Wagen haben oft unzureichende Bremsen oder brechen unter Belastung. Bewährte Hersteller sind Kicksled-Shop (Norwegen) oder Nansen (Deutschland).
Das Zuggeschirr unterscheidet sich grundlegend vom Spaziergeschirr. Es muss die Zugkraft gleichmässig auf Brust und Schultern verteilen, ohne die Bewegung einzuschränken. Ein gutes Geschirr von Howling Dog Alaska oder Non-stop Dogwear kostet 60 bis 120 Euro pro Hund. Der Brustbereich sollte gepolstert sein, die Bauchgurte dürfen nicht zu eng sitzen.
Für dich selbst ist ein Fahrradhelm Pflicht – stürzt der Wagen, fliegst du mit. Handschuhe mit Grip helfen beim Bremsen. Eine kleine Erste-Hilfe-Tasche gehört in jeden Cart, ein Wasserbehälter für deinen Hund ebenfalls.
Wie gewöhnst du deinen Hund ans Wagenziehen?
Lass deinen Hund zuerst das Geschirr ohne Anhang tragen. Manche Hunde reagieren auf das ungewohnte Gefühl mit Panik oder versuchen, das Geschirr abzustreifen. Erst wenn er entspannt damit läuft, kommt die nächste Stufe.
Verbinde den Hund zunächst mit einem leeren Cart – ohne dass du darin sitzt. Der Wagen soll rollen, aber kein Gewicht haben. Viele Hunde erschrecken beim ersten Mal über das Geräusch der Räder hinter sich. Bleib ruhig und belohne jeden entspannten Schritt.
Erst nach mehreren erfolgreichen Trainings ohne Belastung steigst du in den Wagen. Beginne mit sehr kurzen Strecken – 100 Meter reichen für den Anfang. Die meisten Hunde benötigen 4 bis 6 Wochen, bis sie sicher mit dem Cart umgehen.
Kommandos wie „Links“, „Rechts“ und vor allem „Stop“ sind entscheidend. Ohne zuverlässiges Stopp-Kommando wird jeder Abhang zur echten Gefahr.
Wo finden offizielle Carting-Rennen statt?
Der DSSV veranstaltet jährlich etwa 15 offizielle Carting-Rennen in Deutschland. Die Hauptsaison läuft von April bis Oktober, mit Schwerpunkt im Herbst, wenn die Temperaturen wieder angenehmer werden.
Bekannte Austragungsorte sind der Harz, die Eifel und verschiedene Standorte in Bayern. Die Deutsche Meisterschaft wechselt jährlich den Austragungsort. Für Einsteiger existieren spezielle „Fun-Klassen“ ohne Zeitdruck.
In Österreich organisiert der Österreichische Schlittenhundesport-Verband ähnliche Events, in der Schweiz der Schweizerische Schlittenhunde Sport Club. Eine aktuelle Rennliste findest du auf den jeweiligen Vereinswebseiten.
Welche Hunderassen eignen sich für Carting?
Klassische Zughunde wie Huskys oder Malamutes sind naheliegend, aber nicht zwingend. Entscheidend sind Grösse, Kondition und Charakter deines Hundes. Ein 15-Kilo-Beagle wird keinen 80-Kilo-Menschen ziehen können – ein 35-Kilo-Labrador schon.
Dein Hund sollte mindestens 18 Monate alt sein, bevor er nennenswerte Lasten zieht. Jüngere Hunde können das Training beginnen, aber nur mit leerem Cart. Die Gelenke müssen vollständig entwickelt sein.
Brachyzephale Rassen (Mops, Bulldogge) sind ungeeignet – sie überhitzen zu schnell. Auch Hunde mit Hüft- oder Ellbogenproblemen sollten nicht am Carting teilnehmen.
Wie erkennst du Überforderung beim Training?
Übermässiges Hecheln, auch bei moderaten Temperaturen, ist ein Warnsignal. Dein Hund sollte nach 5 Minuten Pause wieder normal atmen.
Gibt es Alternativen zum klassischen Cart?
Ja – Bikejöring oder Scootering funktionieren nach ähnlichen Prinzipien, sind aber günstiger im Einstieg.
Wie lange dauert es, bis ein Hund wettkampfbereit ist?
Mit regelmässigem Training etwa 6 bis 12 Monate, abhängig von Kondition und Vorerfahrung des Hundes.
Welche Strecken eignen sich für Anfänger?
Breite Wald- oder Feldwege ohne starke Steigungen. Asphalt ist für die Pfoten zu hart, loser Sand zu anstrengend.
Was kostet Carting als Hobby insgesamt?
Für die Grundausstattung (Cart, Geschirr, Helm) rechnest du mit 1.200 bis 2.000 Euro. Laufende Kosten entstehen hauptsächlich durch Benzin zu den Trainingsplätzen.