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Australische Hunderassen: Diese Rassen kommen ursprünglich aus dem Outback

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Australische Hunderassen: Diese Rassen kommen ursprünglich aus dem Outback Quelle: eigene · Canva Pro Content License
Inhalt
  1. Australische Hunderassen im Überblick
  2. Australian Cattle Dog – Der Rinderprofi mit Dingo-Wurzeln
  3. Australian Kelpie – Der Ausdauerläufer unter den Hütehunden
  4. Australian Stumpy Tail Cattle Dog – Der Treibhund mit der kurzen Rute
  5. Tenterfield Terrier – Der kleine Sattelspringer
  6. Murray River Retriever – Der Wasserspezialist vom grossen Fluss
  7. Dingo & Kangaroo Dog: Zwei besondere Kapitel der australischen Hundegeschichte
  8. Australian Shepherd: Der „Australier“, der keiner ist

Wer an australische Hunderassen denkt, dem fällt meist zuallererst der Australian Cattle Dog ein. Tatsächlich hat Australien aber eine ganze Reihe eigenständiger Rassen und Hundetypen hervorgebracht.

Heisses Klima, riesige Weideflächen, grosse Schaf- und Rinderherden, weite Distanzen: Daraus entwickelten sich Hunde, die nicht nur ausdauernd und arbeitswillig sein mussten, sondern auch selbstständig Entscheidungen treffen konnten.

Australische Hunderassen im Überblick

Der Australian Cattle Dog ist wohl der bekannteste Hund aus Australien. Doch er ist längst nicht der einzige. Auf dem australischen Kontinent entstanden im Laufe der Zeit zahlreiche Hunde für ganz unterschiedliche Aufgaben. Sie trieben Rinder und Schafe, hielten Farmen frei von Schädlingen, apportierten Wild oder begleiteten ihre Menschen als Wach- und Jagdhunde.

Dabei lohnt sich ein Blick über die bekannten FCI-Rassen hinaus. Einige australische Hunde sind international als eigenständige Rasse anerkannt, andere werden bislang nur von nationalen Zuchtverbänden oder eigenen Zuchtorganisationen geführt. Hinzu kommen Hundetypen, die zwar eine lange Geschichte in Australien haben, aber keinen einheitlichen internationalen Rassestandard besitzen.

Die folgende Übersicht zeigt Hunderassen, die in Australien entstanden sind oder dort gezielt über lange Zeit zu einem eigenständigen Hundetyp weiterentwickelt wurden.

Hunderasse bzw. Hundetyp Ursprüngliche Aufgabe Typische Verwendung heute
Australian Cattle Dog Rinderarbeit Arbeitshund, Begleithund
Australian Kelpie Hütearbeit an Schafen Arbeitshund, Sport, Begleithund
Australian Stumpy Tail Cattle Dog Rinderarbeit Arbeitshund, Begleithund
Australian Terrier Schädlingsbekämpfung, Jagd Begleit- und Familienhund
Australian Silky Terrier Schädlingsbekämpfung Begleit- und Familienhund
Tenterfield Terrier Jagd auf Ratten, Kaninchen und andere Kleinsäuger Begleit- und Arbeitshund
Murray River Retriever Apportieren von Wasservögeln Apportier- und Begleithund
Australian Koolie Hütearbeit Arbeitshund
Miniature Fox Terrier Schädlingsbekämpfung Begleithund
Australian Bulldog Wach- und Begleithund Begleit- und Familienhund
Australasian Bosdog Wach- und Begleithund Begleithund
Bull Arab Jagd auf Wildschweine Jagdhund
Australian Labradoodle Begleit-, Therapie- und Assistenzhund Begleit-, Therapie- und Assistenzhund
Australian Cobberdog Begleit-, Therapie- und Assistenzhund Begleit-, Therapie- und Assistenzhund

Australian Cattle Dog – Der Rinderprofi mit Dingo-Wurzeln

Wenn wir über australische Hunderassen sprechen, darf der Australian Cattle Dog nicht fehlen. Er wurde im 19. Jahrhundert gezielt für eine Aufgabe gezüchtet, die unter den damaligen Bedingungen Australiens besonders anspruchsvoll war: das Treiben und Kontrollieren von Rindern über grosse Distanzen und durch unwegsames Gelände. Dafür brauchte es keinen gewöhnlichen Hütehund, sondern einen ausdauernden, robusten und eigenständig arbeitenden Hund.

Bei seiner Entstehung wurden verschiedene Hunde miteinander gekreuzt. Als wichtige Grundlage gelten britische Collies und der Dingo. Später kamen unter anderem Dalmatiner und Kelpie-Blut hinzu. Die genaue Zusammensetzung lässt sich allerdings nicht mehr lückenlos nachvollziehen, weil die frühen Züchter nur wenige Aufzeichnungen hinterliessen.

Das Ergebnis war ein Hund, der auch mit grossen und schwer kontrollierbaren Rinderherden zurechtkam. Der Australian Cattle Dog musste dabei nicht nur Anweisungen seines Menschen befolgen, sondern in schwierigen Situationen auch selbst Entscheidungen treffen.

Seine Kombination aus Ausdauer und Arbeitswillen ist deshalb bis heute ein prägendes Merkmal der Rasse.

Australian Kelpie – Der Ausdauerläufer unter den Hütehunden

Auch der Australian Kelpie entstand aus den Anforderungen der australischen Landwirtschaft. Sein ursprüngliches Arbeitsgebiet waren vor allem grosse Schafherden. Auf weitläufigen Farmen musste ein Hund teilweise über enorme Distanzen arbeiten und dabei auch dann aufmerksam bleiben, wenn sein Mensch weit entfernt war.

Der Kelpie wurde deshalb auf Beweglichkeit, Ausdauer und selbstständiges Arbeiten selektiert. Dogs Australia beschreibt ihn als aussergewöhnlich aufmerksamen und intelligenten Arbeitshund mit nahezu unerschöpflicher Energie.

Bis heute ist diese Arbeitsorientierung ein wesentlicher Teil des Kelpies. Während viele Hunde im Laufe ihrer Geschichte immer stärker zum Familien- und Begleithund wurden, wird der Kelpie in Australien nach wie vor als Arbeitshund eingesetzt.

Sein Name steht damit wie kaum ein anderer für die australische Schafhaltung und die enorme Arbeitsleistung, die auf den Farmen des Landes gefragt war.

Australian Stumpy Tail Cattle Dog – Der Treibhund mit der kurzen Rute

Der Australian Stumpy Tail Cattle Dog ist eine Besonderheit unter den australischen Arbeitshunden und historisch sogar älter als der Australian Cattle Dog. Dogs Australia bezeichnet ihn als den ursprünglichen australischen Arbeitshund und führt seine Entwicklung auf den sogenannten Smithfield zurück, einen schwarz-weissen, rauhaarigen Hund mit natürlicher kurzer beziehungsweise Stummelrute.

Die Smithfields stammten ursprünglich aus England und wurden zum Hüten verschiedener Nutztiere eingesetzt. In Australien wurden diese Hunde ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gezielt weiterentwickelt. Dabei entstand ein robuster, ausdauernder Treibhund, der für die Bedingungen des Landes besser geeignet war.

Sein auffälligstes Merkmal trägt er bereits im Namen: Die Rute ist von Natur aus sehr kurz. Zusammen mit seinem eher kantigen, wetterfesten Erscheinungsbild lässt der Stumpy Tail Cattle Dog noch heute erkennen, wofür er ursprünglich gezüchtet wurde: harte Arbeit mit Rindern unter anspruchsvollen Bedingungen.

Tenterfield Terrier – Der kleine Sattelspringer

Der Tenterfield Terrier gehört zu den weniger bekannten australischen Hunderassen. Seine Vorfahren waren kleine Terrier, die mit den europäischen Siedlern nach Australien kamen und dort vor allem zur Bekämpfung von Ratten und anderem Ungeziefer eingesetzt wurden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus in Australien ein eigener, besonders agiler Arbeitsterrier.

Eine amüsante Besonderheit erzählt viel über die ursprüngliche Aufgabe dieser kleinen Hunde: Bei der Jagd konnten sie auf den Pferdesattel springen oder in den Satteltaschen mitgeführt werden, falls die Verfolgung zu Pferd weiterging. Frühere Berichte und Fotografien werden als Beleg dafür angeführt, dass die kleinen Terrier auf diese Weise zur Jagd mitgenommen wurden. Ihre geringe Grösse war dabei ein praktischer Vorteil.

Auch abseits der Jagd waren die Hunde auf australischen Farmen vielseitige Helfer. Sie wurden zum Ratten- und Kaninchenfangen eingesetzt und waren gleichzeitig beliebte Begleithunde. Der kleine, wendige Terrier musste also sowohl bei der Arbeit als auch im Alltag zurechtkommen.

Seinen heutigen Namen erhielt der Tenterfield Terrier erst viel später. Zuvor waren diese Hunde vor allem als Mini Foxies bzw. Miniature Fox Terriers bekannt. Als in den 1990er-Jahren die offizielle Anerkennung als eigenständige australische Rasse angestrebt wurde, setzte sich nach einer Abstimmung unter den Haltern der Name Tenterfield Terrier durch. Er erinnert an George Woolnough, einen bekannten Sattler aus Tenterfield, der selbst zahlreiche dieser kleinen Terrier besass und als „Tenterfield Saddler“ bekannt wurde.

Damit steckt im Namen des Tenterfield Terriers gleich eine kleine australische Geschichte: ein Sattler, seine Terrier und eine Hunderasse, die einst tatsächlich mit Pferd und Reiter unterwegs war.

Murray River Retriever – Der Wasserspezialist vom grossen Fluss

Der Murray River Retriever ist wahrscheinlich eine der unbekanntesten australischen Hunderassen auf dieser Liste. Sein Name verweist bereits auf seine Heimat: den Murray River, einen der wichtigsten Flüsse Australiens. Der Hundetyp soll dort bereits seit dem 19. Jahrhundert bestehen und wurde ursprünglich für die Jagd auf Enten eingesetzt.

Seine Aufgabe beschränkte sich allerdings nicht auf das Apportieren: Die Hunde wurden auch zum Aufstöbern und Anzeigen von Vögeln sowie zum Aufspüren von anderem Wild eingesetzt.

Seine Anpassung an die Arbeit am Wasser ist bis heute deutlich erkennbar. Der Murray River Retriever besitzt unter anderem Schwimmhäute zwischen den Zehen und ein dichtes, lockiges Fell, das ihn beim Arbeiten im kalten Wasser schützen soll. Auch die einheitlich leberbraune Fellfarbe wird mit seiner ursprünglichen Arbeit in Verbindung gebracht: Sie soll beim Warten am Flussufer möglichst wenig auffallen.

Heute wird der Murray nicht nur als Jagdhund eingesetzt. Laut Dogs Australia wurden Vertreter der Rasse unter anderem für die Suche und Rettung, als Assistenzhunde und sogar für die Sprengstoffsuche ausgebildet.

Damit zeigt der Murray River Retriever besonders eindrucksvoll, wie aus einem spezialisierten australischen Jagdhund ein vielseitiger Arbeitshund geworden ist.

Dingo & Kangaroo Dog: Zwei besondere Kapitel der australischen Hundegeschichte

Nicht jeder australische Hund lässt sich einfach als klassische Hunderasse einordnen. Der Dingo entwickelte sich weitgehend unabhängig in der australischen Umwelt, während der Kangaroo Dog durch die gezielte Nutzung und Kreuzung von Haushunden durch Menschen entstand. Beide gehören deshalb in die Geschichte australischer Hunde – auch wenn nur einer von ihnen überhaupt als historischer australischer Hundetyp aus menschlicher Zucht bezeichnet werden kann.

Der Dingo ist kein Haushund und keine von Menschenhand gezüchtete Rasse. Er gelangte vor mehreren tausend Jahren nach Australien und entwickelte sich dort über lange Zeit weitgehend unabhängig. Die ältesten eindeutig datierten archäologischen Funde sind rund 3.250 Jahre alt.

Heute gilt der Dingo als wichtiger Beutegreifer der australischen Ökosysteme. Gleichzeitig gibt es eine lange Geschichte der Beziehung zwischen Dingos und den First Nations. (Quelle: Australian Museum: Dingo)

Auch für die Entwicklung einiger australischer Haushunde spielte der Dingo eine Rolle. Beim Australian Cattle Dog beispielsweise gehört er zu den Hunden, die nachweislich in die Entstehungsgeschichte der Rasse einbezogen wurden.

Der Kangaroo Dog, auch Kangaroo Hound oder Australian Staghound genannt, entstand dagegen im kolonialen Australien als Jagdhundtyp. Unter dieser Bezeichnung wurden verschiedene grosse und schnelle Jagdhund-Kreuzungen zusammengefasst. Ziel war ein Hund, der Kängurus über grössere Distanzen verfolgen konnte. Einen einheitlichen Rassestandard gab es jedoch nicht. (Quelle: Western Australian Department of Biodiversity, Conservation and Attractions – historische Informationen zum Kangaroo Dog und zur australischen Jagdhundgeschichte)

Australian Shepherd: Der „Australier“, der keiner ist

Und nun zu einem Hund, der eigentlich auf den ersten Blick ganz selbstverständlich in unsere Liste gehören müsste: dem Australian Shepherd. Schliesslich steht „Australian“ sogar im Namen.

Nur: Der Australian Shepherd stammt nicht aus Australien!

Die heute bekannte Rasse wurde in den USA entwickelt, insbesondere im Westen des Landes. Dort wurden Hunde zum Hüten grosser Schafherden eingesetzt und über Generationen zu dem Australian Shepherd weiterentwickelt, den wir heute kennen.

Warum also „Australian“? Ganz eindeutig geklärt ist die Namensgeschichte nicht. Eine verbreitete Erklärung führt zu Schafherden und ihren Hirten, die aus Europa über Australien in die USA kamen. Mit diesen Menschen gelangten auch verschiedene Hütehunde in die Vereinigten Staaten. Der Name „Australian Shepherd“ bezog sich offenbar auf diese Verbindung zu Australien und nicht auf den tatsächlichen Entstehungsort der Rasse.

Auch genetische Untersuchungen passen zu diesem Bild: Der Australian Shepherd steht genetisch näher bei britischen Hütehunden wie Collie, Border Collie und Shetland Sheepdog als bei australischen Hunderassen.

Damit ist der Australian Shepherd für diesen Artikel der perfekte Namens-Schwindler: Er klingt australisch, wurde aber in Amerika entwickelt. Und genau deshalb gehört er nicht in unsere Liste der ursprünglich in Australien entstandenen Hunderassen.

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