Ausflugsziel · Tessin · Mittel

Distretto di Riviera

Distretto di Riviera Karte: Wikipedia Commons, Tschubby, CC BY-SA 3.0. Quelle: commons.wikimedia.org
Schwierigkeit
Mittel
Eintritt
Kostenlos

Hund im Bezirk Riviera: Was wirklich gilt

Die Riviera ist ein Talabschnitt des Flusses Ticino, der sich im Kanton Tessin von Biasca bis nach Bellinzona erstreckt, rund 15 Kilometer in Nord-Süd-Richtung. Das Tal ist geprägt von alpenquerenden Verkehrsverbindungen: der Gotthardbahn und der Autobahn A2. Wer hier mit dem Hund unterwegs ist, fährt also durch einen Korridor, der den Rest der Schweiz mit dem Süden verbindet. Viel Durchgangsverkehr, aber daneben stille Seitentäler, in denen der Kies am Flussufer knirscht und das Wasser nach Granit riecht.

Die Gemeinde Riviera bildet seit dem 2. April 2017 zusammen mit Biasca den Bezirk Riviera. Der Bezirk hat seinen Hauptort in Biasca und umfasst eine Fläche von 166,4 km². Nachbarbezirke sind Bellinzona im Süden und Blenio im Norden. Der Bezirk grenzt an den Kanton Graubünden, relevant, wenn du mit einem Listenhund aus einem anderen Kanton zu Besuch bist. Dazu später mehr.

Leinenpflicht im Bezirk Riviera: Was kommunal gilt

Der Kanton Tessin setzt den Rahmen, die Gemeinden konkretisieren. Seit 2008 gilt im gesamten Tessin das kantonale Hundegesetz, das vorschreibt, dass Hunde in öffentlichen Räumen an der Leine geführt werden müssen. Der Wortlaut ist bewusst weit gefasst: An öffentlichen Orten, die von Personen und/oder Tieren frequentiert sind, oder deren Präsenz im Voraus nicht ausgeschlossen werden kann, sind Hunde an der Leine und, sofern angezeigt, mit Maulkorb zu führen (Art. 7 Abs. 4 Legge sui cani/TI). Das ist keine Schönwetterregel. Das gilt auf der Dorfstrasse, am Bahnhof, am Flussufer, auf dem Marktplatz.

Biasca – Hauptort des Bezirks

Im September liegt die Piazza Nosetto noch in der Nachmittagssonne, wenn der Rest der Schweiz schon friert. Biasca ist ein kompakter Ort, der trotzdem lebt. Doch genau das macht die Leinenpflicht hier konsequent: Wo Leute sind, gilt Leine. Das kantonale Hundegesetz Tessin schreibt vor: An öffentlichen Orten, die frequentiert sind oder deren Nutzung durch Personen und Tiere nicht ausgeschlossen werden kann, sind Hunde an der Leine zu führen. Ob eine bestimmte Gasse, ein Platz oder ein Grünbereich in Biasca eine kommunale Verschärfung kennt, erfährst du direkt beim Municipio Biasca. Lokale Durchführungsverordnungen können Zonen mit verstärkter Kontrolle festlegen, ein Muster, das andere Tessiner Gemeinden bereits umgesetzt haben.

Wald und Seitentäler – Jagdrecht greift

Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen des Tessins sind die steilen Berghänge der Riviera unbesiedelt. Das klingt nach Freilauf-Potential. Die Realität ist anders. Streunende Hunde und Katzen sowie andere verwilderte Haustiere, die sich mehr als dreihundert Meter von bewohnten Gebäuden entfernen, dürfen von Beauftragten der Jagdpolizei gefangen oder getötet werden, ohne dass eine Entschädigungspflicht durch den Kanton besteht (Art. 11 Abs. 1 Regolamento sulla caccia/TI). Ein Hund, der im Val di Lodrino oder im Val d’Iragna unkontrolliert dem Wild nachläuft, ist damit in einem echten Graubereich. Leine im Wald, immer. Auch ausserhalb des Dorfs gilt: lieber anlegen, als riskieren.

Naturschutzgebiete im Bezirk

Das Rivieratal und seine Seitenäste haben Abschnitte unter Naturschutz. Das Val d’Ambra steht unter Naturschutz. Wo offizielle Schutzgebiete beginnen, ist die Beschilderung vor Ort massgebend. Ob und unter welchen Bedingungen Hunde in geschützten Zonen mitdürfen, klärst du vor dem Ausflug beim Dipartimento del territorio des Kantons Tessin. Pauschalaussagen dazu sind nicht möglich, Schutzgebiets-Regelungen variieren nach Gebietstyp und Saison.

Listenhunde im Bezirk Riviera: Tessin führt die längste Rasseliste der Schweiz

Wer mit einem grossen oder einschüchternd wirkenden Hund in den Bezirk Riviera fährt, sollte die Tessiner Rasseliste kennen. Die längste Rasseliste in der Schweiz besitzt der Kanton Tessin mit 30 Rassen. Seit dem 1. April 2009 ist im Kanton Tessin für 30 Rassen eine Bewilligungspflicht vorgesehen.

Die Liste umfasst unter anderem: Rottweiler, American Bulldog, Deutsche Dogge, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, Mastiff, Mastino Napoletano, Dogue de Bordeaux, Bullmastiff, Tosa Inu, Cane Corso, Deutscher Schäferhund, die vier belgischen Schäferhunde, Holländischer Schäferhund, Tschechoslowakischer Wolfshund, Bull Terrier, Bull Terrier Miniature, American Pitbull, Staffordshire Bull Terrier, American Staffordshire Terrier, Dobermann und ihre Mischlinge (Art. 11 Regolamento sui cani/TI).

Für Halter dieser Rassen gilt: Die Bewilligung muss vor der Anschaffung eines entsprechenden Hundes beim kantonalen Veterinäramt eingeholt werden (Art. 13 Regolamento sui cani/TI). Wer eine Bewilligung beantragen will, muss einen Strafregisterauszug vorlegen und gleich wie alle übrigen Halter auch über einen Sachkundenachweis verfügen (Art. 9 und Art. 14 Regolamento sui cani/TI).

Wichtig für Besucher aus anderen Kantonen: Die Vorschriften über die Bewilligungspflicht gelten auch für Hunde, die sich länger als 30 Tage pro Jahr im Kanton aufhalten, das betrifft vor allem Ferienhaus- oder Zweitwohnungsbesitzer (Art. 12 Regolamento sui cani/TI). Wer für eine Woche zu Besuch ist, fällt noch nicht darunter. Wer aber regelmässig im Sommer in die Riviera kommt und dabei die 30-Tage-Grenze überschreitet, muss die Bewilligung organisieren.

Im öffentlichen Raum gilt zusätzlich: Hunde der Rasseliste sind im öffentlichen Raum ausschliesslich einzeln zu führen (Art. 8 Regolamento sui cani/TI). Zwei bewilligungspflichtige Hunde gleichzeitig an der Leine, das ist im Kanton Tessin nicht erlaubt.

Mehr zur kantonalen Hundegesetzgebung im Tessin findest du in der Übersicht Tessin für Hundehalter auf rundum.dog.

Hundesteuer und Anmeldung im Bezirk Riviera

Hunde im Alter von mehr als drei Monaten müssen registriert werden, und es ist eine jährliche Steuer zu entrichten (Art. 4 Legge sui cani/TI). Die Steuer wird auf Gemeindeebene erhoben. Biasca und die Gemeinde Riviera legen ihre Tarife selbst fest. Aktuelle Beträge erfährst du direkt beim Municipio der jeweiligen Gemeinde. Die kantonale Gesetzgebung bildet den Rahmen, die konkrete Höhe variiert.

Darüber hinaus schreibt das kantonale Recht vor: Wer einen Hund hält, hat eine Privathaftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von mindestens 3 Millionen Franken abzuschliessen, die auch allfällige Hilfspersonen mitversichert (Art. 5 Legge sui cani/TI). Das gilt im ganzen Kanton, also auch im Bezirk Riviera. Prüfe deinen aktuellen Haftpflichtvertrag, bevor du in den Tessin ziehst oder Zweitwohnsitz nimmst.

Der Kanton Tessin kennt in seinem aktuellen Hundegesetz keine pauschale kantonale Hundekurspflicht für alle Hundehalter, ausser für Listenhunde. Wer keinen Listenhund hat, ist also von der Kurspflicht ausgenommen.

Die besten Routen im Bezirk Riviera, mit korrekter Rechtslage

Sentiero Riviera, dem Ticino entlang

Der Sentiero Riviera ist eine Route, die dem Fluss Ticino von Biasca nach Bellinzona folgt. Der Weg führt an den Ufern des Ticino entlang, meistens durch Auenwald, oft auch auf einem Flussdamm aus grossen Granitsteinen. Im Juli ist die Luft über dem Kiesbett flirrend heiss. Im Oktober liegt Nebel über dem Auenwald, und der Fluss riecht nach frischem Regen und Granit. Das ist die Zeit, wenn der Weg fast leer ist.

Rechtlich gilt: Der Sentiero verläuft durch bewohnte und öffentliche Zonen. Das kantonale Leinengebot greift überall dort, wo Menschen und Tiere präsent sein können, also auf dem gesamten Weg. Vor Ort die Beschilderung beachten. Aktuelle Routen-Detailinfos gibt es bei SchweizMobil, wo der Weg als Teil des nationalen Wanderwegnetzes geführt wird.

Via Crucis und Grotti di Biasca

Die Via Crucis liegt am Fuss einer eindrucksvollen Felswand bei Biasca. Ein Sentiero folgt der rechten Friedhofmauer, überquert einen Kanal und führt entlang des Waldrands zu den Grotti di Biasca, vier Grotten, von denen jedenfalls in der warmen Jahreszeit mindestens eine geöffnet ist, eingebettet im schattigen Wald am Fuss der steilen Felswände. Ein kurzer Ausflug, auch für stadterfahrene Hunde geeignet. Ob Hunde in den Grottis selbst willkommen sind, klärst du vor Ort direkt beim jeweiligen Betreiber.

Val di Lodrino und Val d’Iragna – Seitentäler mit Wildaufkommen

Die Seitentäler des Bezirks sind das Val di Lodrino im Westen und die Täler Valle di Cresciano, Valle d’Osogna sowie das Val d’Iragna im Osten. Im Frühjahr liegen Rehkitze im hohen Gras. Die Wege werden enger, der Boden feuchter. Hier ist das Jagdrecht besonders relevant: Wer den Hund freilässt und dieser Wildtieren nachläuft, riskiert nicht nur eine Busse, sondern nach kantonalem Jagdrecht auch schlimmere Konsequenzen. Leine an, konsequent, nicht nur da, wo ein Schild steht.

Routen durch diese Seitentäler findest du über SchweizMobil. Aktuelle Wegzustände und allfällige Sperrzonen erfragst du vor Ort bei den Gemeinden Riviera oder beim Municipio Biasca.

Cresciano – Granit-Dorf mit Aufstieg

Der Granitabbau, der hier seit Ende des 19. Jahrhunderts im grossen Stil betrieben wurde, ist bis heute eine Einnahmequelle der Gemeinde. Der Aufstieg von Cresciano in die Seitentäler ist kurz, aber steil. Im Herbst, wenn die Kastanienwälder bräunen, ist der Geruch nach verrottenden Blättern und Erdfeuchte unverwechselbar. Auch hier gilt: Wildgebiet beginnt schnell. Leine ist Standard, Freilauf nur in klar einsehbaren, unbewohnten Gebieten ohne Wildzeichenbeschilderung.

Was im Bezirk Riviera anders ist als im Rest des Kantons

Der Bezirk Riviera ist kein Tourismusmagneten im klassischen Sinn. Er ist Durchgangszone. Die Gotthardbahn rauscht durch, die A2 liegt daneben. Das macht ihn unaufgeregt, aber genau das schätzen Hunde und ihre Halter. Keine grossen Touristenströme im Hochsommer, kein Gedränge auf den Flusswegen. Dafür: Industrie. Der Weg verläuft entlang eines riesigen Kies- und Zementwerks mit Bauhof, Baggern und Kränen. Das ist nicht jeden Hund unbeeindruckt, wer einen lärmsensiblen Hund hat, sollte das im Kopf behalten.

Der wichtigste Unterschied gegenüber anderen Tessiner Bezirken: Die kommunale Durchsetzung ist weniger sichtbar als etwa in touristischen Gemeinden wie Ascona oder Lugano, aber das kantonale Recht gilt mit gleicher Kraft. Wer die Leinenpflicht im Bezirk Riviera ignoriert, zahlt eine Busse. Die fehlende touristische Infrastruktur bedeutet auch: weniger ausgewiesene Hundeauslaufzonen, weniger öffentliche Beschilderung. Die Eigenverantwortung liegt bei dir.

Ein weiterer Faktor: Der Bezirk grenzt an Graubünden. Das ändert nichts an den Regeln im Tessin, aber es erklärt, warum Hundehalter aus dem Bündnerland oder dem Wallis mit Listenhunden hier häufig vorbeifahren und sich fragen, welche Regeln gelten. Antwort: Im Kanton Tessin gelten die Tessiner Regeln, für alle, die sich auf dem Kantonsgebiet aufhalten.

Häufig gestellte Fragen

Gilt im Bezirk Riviera eine generelle Leinenpflicht für alle Hunde?

Das kantonale Hundegesetz Tessin (in Kraft seit 2008) schreibt vor: Überall dort, wo die Anwesenheit von Personen oder Tieren nicht ausgeschlossen werden kann, musst du deinen Hund anleinen (Art. 7 Abs. 4 Legge sui cani/TI). Das gilt auf Strassen, Plätzen, an Flusswegen und in Waldnähe. Eine kommunale Verschärfung durch Biasca oder die Gemeinde Riviera ist möglich, prüfe die aktuelle Gemeindeordnung direkt beim Municipio.

Ich bringe meinen Deutschen Schäferhund mit. Brauche ich im Tessin eine Sonderbewilligung?

Ja. Der Deutsche Schäferhund steht auf der Tessiner Rasseliste (Art. 11 Regolamento sui cani/TI). Für den dauerhaften Aufenthalt im Kanton, oder für Aufenthalte über 30 Tage pro Jahr, ist eine Bewilligung des kantonalen Veterinäramts nötig (Art. 12 und 13 Regolamento sui cani/TI). Dazu braucht es einen Strafregisterauszug und einen Sachkundenachweis. Für einen kurzen Ferienaufenthalt unter 30 Tagen greift die Bewilligungspflicht nicht, aber die allgemeinen Verhaltensregeln (Leine, Einzelführung im öffentlichen Raum) gelten trotzdem.

Was kostet die Hundesteuer in Biasca oder der Gemeinde Riviera?

Die Hundesteuer legt jede Gemeinde selbst fest. Einen aktuellen Betrag für Biasca oder die Gemeinde Riviera ohne direkten Behördennachweis zu nennen, wäre irreführend. Bitte erfrage die aktuellen Tarife direkt beim Municipio Biasca oder beim Municipio Riviera (Gemeindeverwaltung in Osogna). Die kantonale Gesetzgebung schreibt lediglich vor, dass Hunde ab drei Monaten angemeldet und besteuert werden müssen (Art. 4 Legge sui cani/TI).

Kann mein Hund am Ticino-Flussufer im Bezirk Riviera frei laufen?

Das kannst du nicht pauschal bejahen. Das kantonale Hundegesetz Tessin macht die Leinenpflicht davon abhängig, ob am jeweiligen Ort Menschen oder Tiere anwesend sein könnten, und an einem Flussufer kann das fast immer der Fall sein. Dazu kommt das Jagdrecht: Streunende Hunde, die sich mehr als 300 Meter von bewohnten Gebäuden entfernen, können von der Jagdpolizei eingefangen oder getötet werden (Art. 11 Abs. 1 Regolamento sulla caccia/TI). Beachte vor Ort die Beschilderung und führe deinen Hund im Zweifel an der Leine.

Quellen

Saisonale Hinweise

Beste Jahreszeit: Sommer