Ausflugsziel · Tessin

Distretto di Leventina

Distretto di Leventina Karte: Wikipedia Commons, Tschubby, CC BY-SA 3.0. Quelle: commons.wikimedia.org
Eintritt
Kostenlos

Hund im Bezirk Leventina: Was wirklich gilt

Die Valle Leventina ist ein Tal im Kanton Tessin, das sich von Airolo am Südende des Gotthardpasses bis nach Biasca erstreckt. Zusammen mit der Val Bedretto im Westen bildet sie den Distretto di Leventina. Durch das Tal verliefen nacheinander die alte Gotthardstrasse, später die Gotthardbahn und schliesslich die Autobahn A2, die Chiasso mit Basel verbindet. Das macht die Leventina zu etwas Besonderem: Sie ist kein abgelegenes Wanderparadies, sondern eine der meistbefahrenen Nord-Süd-Achsen der Schweiz, und trotzdem, sobald du die Hauptstrasse verlässt, bist du in wenigen Minuten allein mit dem Fluss, dem Wald und dem Gebirge über dir.

Geographisch umfasst der Bezirk das Tal des Flusses Tessin bis Biasca, namentlich die Täler Val Bedretto und Valle Leventina. Hauptort ist Faido. Der obere Teil des Tals liegt oberhalb der Piottino-Schlucht und wird Alta Leventina genannt. Zur Alta Leventina gehören die Gemeinden Airolo, Quinto, Dalpe sowie die in der westlich gelegenen Val Bedretto liegende Gemeinde Bedretto. Für Hundehalter bedeutet das grosse Höhenunterschiede, wechselnde Vegetationszonen und, je nach Saison, sehr unterschiedliche Regeln auf denselben Wegen.

Leinenpflicht im Bezirk Leventina: Was kommunal gilt

Der Kanton Tessin setzt den Rahmen, die Gemeinden konkretisieren. Das kantonale Hundegesetz (Legge sui cani/TI) schreibt vor, dass an öffentlichen Orten, die von Personen und/oder Tieren frequentiert sind, oder deren Präsenz im Voraus nicht ausgeschlossen werden kann, Hunde an der Leine und, sofern angezeigt, mit Maulkorb zu führen sind (Art. 7 Abs. 4 Legge sui cani/TI). Das klingt nach einem Generalvorbehalt, und ist es auch. Konkrete Leinenpflichten für Wege, Parks und öffentliche Anlagen legen die Gemeinden selbst fest. Vor Ort gilt die Beschilderung.

Airolo und Faido: Die kommunale Schicht

Am nördlichen Ende des Bezirks liegt Airolo im oberen Leventinatal, am Südeingang des Gotthardpasses, umgeben von imposanten Alpen. Die Gemeinden Airolo und Faido verwalten ihren öffentlichen Raum – Dorfkerne, Plätze, Spielanlagen, eigenständig über Polizeireglements. Ob und wo konkret Leinenpflicht besteht, erfährst du direkt bei der jeweiligen Gemeindeverwaltung oder über die Beschilderung vor Ort. Die kantonale Regel gilt überall als Mindeststandard: belebte Orte bedeuten Leine.

Wald: Jagdrecht und Brut-/Setzzeit

Im Wald gelten im Tessin keine explizit festgelegten saisonalen Leinenpflicht-Fristen nach Muster anderer Kantone. Was aber gilt: Streunende Hunde und Katzen sowie andere verwilderte Haustiere, die sich mehr als dreihundert Meter von bewohnten Gebäuden entfernen, dürfen von Beauftragten der Jagdpolizei gefangen oder getötet werden, ohne dass eine Entschädigungspflicht durch den Kanton besteht (Art. 11 Abs. 1 Regolamento sulla caccia/TI). Ein freilaufender Hund im Bergwald der Leventina ist also kein Kavaliersdelikt. Besonders im Frühjahr, wenn Rehkitze in den Wäldern zwischen Airolo und Faido liegen, ist Freilauf auf dicht bewaldeten Hängen problematisch.

Jagdbanngebiete Campo Tencia und Greina

Die eidgenössische Verordnung über die Jagdbanngebiete (VEJ, SR 922.31) schreibt Leinenpflicht in bestimmten Gebieten vor (Art. 5 Abs. 1c VEJ). Im Kanton Tessin betrifft das konkret die Gebiete Campo Tencia und Greina (Anhang 1 VEJ). Beide Gebiete liegen im weiteren Umfeld des Bezirks Leventina. Campo Tencia grenzt direkt an das Gebiet der Alta Leventina. Wer mit dem Hund in diese Hochlagen geht, muss die Leine einplanen, nicht optional, sondern eidgenössisch vorgeschrieben. Die Beschilderung vor Ort zeigt die Grenzen.

Listenhunde im Bezirk Leventina: Tessiner Rasseliste gilt

Seit dem 1. April 2009 ist im Kanton Tessin für 30 Rassen eine Bewilligungspflicht vorgesehen. Das Tessin führt damit die längste Rasseliste aller Schweizer Kantone. Zur Liste gehören unter anderem: Rottweiler, American Bulldog, Deutsche Dogge, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, Mastiff, Masino napoletano, Dogue de Bordeaux, Bullmastiff, Tosa Inu, Cane Corso, Deutscher Schäferhund, die vier belgischen Schäferhunde, Dobermann, Bull Terrier, American Pitbull, Staffordshire Bull Terrier, American Staffordshire Terrier sowie deren Mischlinge (Art. 11 Regolamento/TI).

Die Bewilligung muss vor der Anschaffung eines entsprechenden Hundes beim kantonalen Veterinäramt eingeholt werden (Art. 13 Regolamento sui cani/TI). Wer eine Bewilligung beantragen will, muss einen Strafregisterauszug vorlegen und wie alle übrigen Halter auch über einen Sachkundenachweis verfügen (Art. 9 und Art. 14 Regolamento sui cani/TI).

Zu Besuch im Tessin? Die Bewilligungsvorschriften gelten auch für Hunde, die sich länger als 30 Tage pro Jahr im Kanton aufhalten, was vor allem Ferienhaus- oder Zweitwohnungsbesitzer betrifft (Art. 12 Regolamento sui cani/TI). Wer weniger als 30 Tage bleibt, ist von der Bewilligungspflicht ausgenommen, aber Hunde der Rasseliste sind im öffentlichen Raum ausschliesslich einzeln zu führen. Mehr zur kantonalen Rechtslage für ganz Tessin findest du in unserem Artikel zum Kanton Tessin.

Wer einen Hund hält, muss ausserdem eine Privathaftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von mindestens 3 Millionen Franken abschliessen, die auch allfällige Hilfspersonen mitversichert (Art. 5 Legge sui cani/TI).

Hundesteuer und Anmeldung im Bezirk Leventina

Hunde ab dem Alter von drei Monaten müssen registriert werden, und es ist eine jährliche Steuer zu entrichten (Art. 4 Legge sui cani/TI). Die Hundetaxe ist im Kanton Tessin kantonal einheitlich festgelegt (CHF 120 pro Jahr) und wird von der Gemeinde eingezogen. Ob einzelne Gemeinden im Bezirk Leventina darüber hinaus kommunale Aufschläge erheben, erfährst du direkt bei der Gemeindeverwaltung von Airolo, Faido, Airolo oder Giornico.

Die Registrierung läuft über die nationale Datenbank AMICUS. Seit 2006 gilt in der ganzen Schweiz eine nationale Kennzeichnungspflicht: Jeder Hund muss im Welpenalter durch einen Tierarzt mit einem Chip versehen und in AMICUS registriert werden. Melde deinen Hund bei der Gemeindeverwaltung deines Wohnorts an.

Die besten Routen im Bezirk Leventina, mit korrekter Rechtslage

Val Bedretto: Das stille Seitental

Wer das Bedretto zum ersten Mal hochfährt, versteht sofort, warum Einheimische es als ihr Geheimnis hüten. Das Tal endet in All’Acqua auf rund 1600 Metern, der Nufenenpass schimmert darüber. Im Juni liegt noch Schnee an den Nordhängen, der Talbach rauscht über nasse Steine. Hunde fressen sich an Gerüchen fest, die sie hier und sonst nirgends finden.

Im Val Bedretto gilt die kantonale Grundregel: belebte Orte bedeuten Leine. Auf wenig frequentierten Wiesenpfaden abseits der Dörfer ist die Situation offener, aber das Jagdbanngebiet Campo Tencia grenzt an diese Hochlagen. Beachte die Beschilderung und halte dich an Art. 5 Abs. 1c VEJ in den markierten Bannzonen. Aktuelle Routen-Empfehlungen findest du bei SchweizMobil.

Piottino-Schlucht und Media Leventina

Die Piottino-Schlucht trennt Alt- und Mittelleventina. Der Fluss Ticino zwingt sich durch enge Felsen, das Wasser ist im Mai kalt und türkisblau. Der historische Saumweg an der Schlucht entlang ist schmal, teilweise feucht von der Gischt – Hundepfoten bekommen hier Halt auf dem Stein, Menschen manchmal weniger.

Die Media Leventina ist der mittlere Teil des Tales von der Piottino-Schlucht bis zur Biaschina-Schlucht südöstlich von Lavorgo. Nach den Gemeindefusionen bildet Faido die einzige Gemeinde der Media Leventina. In Faido selbst gilt im Dorfkern die kantonale Leinenpflicht für frequentierte öffentliche Orte. Die Wanderwege ausserhalb des Siedlungsgebiets unterliegen keiner generellen kantonalen Leinenpflicht, die Beschilderung vor Ort entscheidet.

Bassa Leventina: Giornico und das Tessiner Flusstal

Unten, wo das Tal breiter wird und die Kastanienwälder anfangen, ändert sich alles. Der Teil unterhalb der Biaschina-Schlucht bis Biasca wird Bassa Leventina genannt und hat rein südlichen Charakter. Zur Bassa Leventina zählen die Gemeinden Giornico, Bodio, Pollegio und Personico. Die Luft riecht anders. Im Oktober fallen die Kastanien auf die Wege. Hunde wühlen in Laub, das noch feucht von der Nacht ist.

Giornico hat romanische Kirchen aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Ob Hunde in die Kirchenanlage mitdürfen, klärst du auf der offiziellen Tessiner Tourismusseite oder direkt vor Ort. Die Flussauen des Ticino bei Giornico bieten weite Kiesbänke. Hier gilt: Beschilderung vor Ort beachten, besonders bei Badestellen in den Sommermonaten.

Alta Leventina: Airolo und der Gotthardraum

Die strategische Lage am Südfuss des Gotthards machte Airolo zu einem wichtigen Knotenpunkt. Heute kommen die meisten Besucher im Auto durch, nicht mit dem Hund. Das ist ihr Fehler. Die Wanderrouten aus dem Dorf hinaus, Richtung Lago di Sella, ins Val Canaria oder über die alten Saumwege zum Pass, sind ruhig und gut markiert.

In der Zona Gottardo und im Bereich des alten Festungsmuseums gilt: ob Hunde mitdürfen, prüf vor deinem Besuch auf der jeweiligen offiziellen Seite. Der Wanderweg Richtung Gotthardpass ist Teil des historischen Alpenwegs. Die Talsohle der Alta Leventina liegt zwischen 950 Meter bei Rodi-Fiesso und 1150 Meter bei Airolo, das bedeutet kurze Sommer, späten Schnee und ein Klima, das Mensch und Hund fordert.

Was im Bezirk Leventina anders ist als im Rest des Kantons Tessin

Die Leventina ist kein typischer Tessiner Bezirk. Lugano, Locarno, der Lago Maggiore, dort denken die meisten, wenn sie ans Tessin denken. Hier oben denken sie ans Gotthard-Massiv. Durch das Tal führte zuerst die alte Gotthardstrasse, später die Gotthardbahn und schliesslich die Autobahn A2, die Chiasso mit Basel verbindet. Das prägt: Die Leventina ist Transitland. Touristen halten kurz an, fahren weiter. Wer bleibt, hat das Tal für sich.

Für Hundehalter ergibt sich daraus ein konkreter Vorteil: Die Wege sind weniger überlaufen als im unteren Tessin. Die Kontrolldichte auf abgelegenen Alpwegen ist gering. Trotzdem: In Bodio liegt das Südportal des Gotthard-Basistunnels, des längsten Eisenbahntunnels der Welt. Die Infrastruktur ist präsent, Bahnhöfe und Haltestellen fallen unter die kantonale Leinenpflicht. Ein weiterer Unterschied: die Hochwild-Dichte ist in den Hochlagen der Leventina erheblich. Steinböcke, Gämsen, Hirsche, nicht als Kulisse, sondern als jagdrechtlich geschützte Fauna. Ein freilaufender Hund in den Bannzonen ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Verstoss gegen eidgenössisches Recht.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich meinen Hund im Wald der Leventina an der Leine führen?

Im Kanton Tessin gibt es keine generelle saisonale Waldleinenpflicht nach dem Muster anderer Kantone. Die kantonale Grundregel (Art. 7 Abs. 4 Legge sui cani/TI) gilt: An belebten Orten muss der Hund an die Leine. In den eidgenössischen Jagdbanngebieten Campo Tencia und Greina gilt ganzjährig Leinenpflicht (Art. 5 Abs. 1c VEJ, SR 922.31). Beachte die Beschilderung vor Ort und halte deinen Hund in der Brut- und Setzzeit (März bis Juli) auf Wegen.

Darf ich mit meinem Listenhund in die Leventina reisen?

Ja, Kurzaufenthalte unter 30 Tagen pro Jahr sind ohne kantonale Bewilligung möglich. Die Leinenpflicht für Listenhunde im öffentlichen Raum gilt aber trotzdem. Ab 30 Tagen Aufenthalt pro Jahr wird eine Bewilligung des kantonalen Veterinäramts Tessin nötig (Art. 12 Regolamento sui cani/TI). Die vollständige Rasseliste (30 Rassen) findest du unter: Legge sui cani/TI.

Wie hoch ist die Hundetaxe im Bezirk Leventina?

Im Kanton Tessin beträgt die Hundetaxe kantonal einheitlich CHF 120 pro Jahr (Art. 4 Legge sui cani/TI). Sie wird von der jeweiligen Wohngemeinde eingezogen. Ob Airolo, Faido oder Giornico darüber hinaus kommunale Beiträge erheben, erfährst du direkt bei der Gemeindeverwaltung deines Wohnorts.

Welche Haftpflichtversicherung brauche ich als Hundehalter im Tessin?

Du benötigst eine Privathaftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von mindestens 3 Millionen Franken. Die Police muss auch allfällige Hilfspersonen mitversichern, die deinen Hund führen (Art. 5 Legge sui cani/TI). Diese Pflicht gilt für alle Hundehalter mit Wohnsitz im Kanton und für Besucher gleichermassen.

Was gilt bei Badestellen am Fluss Ticino?

Badestellen entlang des Ticino in der Leventina haben unterschiedliche Regelungen, kommunal und saisonal. Ob Hunde an einem bestimmten Flussufer oder einer Badezone erlaubt sind, zeigt die Beschilderung vor Ort. Im Zweifel bei der Gemeindeverwaltung (Faido, Giornico, Airolo) nachfragen oder die aktuelle Signalisation lesen.

Quellen

Saisonale Hinweise

Beste Jahreszeit: Sommer