Ausflugsziel · Nordrhein-Westfalen · Leicht

Hamm (Kreisfreie Stadt)

Hamm (Kreisfreie Stadt) Bild: Wikimedia Commons – Hamm, Germany - panoramio (1459).jpg · CC BY-SA 4.0
Schwierigkeit
Leicht
Eintritt
Kostenlos

Hund in Hamm: Was hier wirklich gilt

Hamm liegt genau dort, wo das Ruhrgebiet in das Münsterland übergeht. Die Lippe durchzieht das Stadtgebiet von West nach Ost, die Lippeauen zählen zu den ökologisch wertvollsten Auenlandschaften Westfalens. Im Süden beginnen die Wälder des Arnsberger Bereichs, im Norden öffnet sich die Münsterländer Parklandschaft. Hamm ist kreisfreie Stadt, Nordrhein-Westfalen gilt als Rechtsrahmen, das Landeshundegesetz NRW (LHundG NRW) setzt den Standard, den Hamm kommunal konkretisiert.

Was diese Stadt für Hundehalter interessant und zugleich anspruchsvoll macht: Hamm kombiniert dichte Wohngebiete, Industrieflächen aus der Bergbauzeit und wertvolle Naturschutzgebiete auf vergleichsweise kleinem Raum. Die Lippe als Band durch die Stadt zieht Hunde wie Halter an, und genau dort liegt auch die größte rechtliche Grauzone. Wer das kennt, kommt vorbereitet.

Leinenpflicht in Hamm: Was kommunal gilt

In Nordrhein-Westfalen regelt das Landeshundegesetz NRW seit dem 1. Januar 2003 das Halten und den Umgang mit Hunden. Das LHundG NRW setzt den Rahmen, die Stadt Hamm konkretisiert ihn durch ihre Straßen- und Anlagenordnung sowie das kommunale Ordnungsrecht.

Innenstadt und öffentliche Flächen

Die Hammer Fußgängerzone an einem Samstagnachmittag: Einkaufswagen, Kinderwagen, Schulklassen. Hier ist die Leine kein Diskussionsthema. Hunde müssen in NRW in Fußgängerzonen, Haupteinkaufsbereichen und anderen innerörtlichen Bereichen mit starkem Publikumsverkehr, in öffentlichen Park-, Garten- und Grünanlagen einschließlich Kinderspielplätzen (außer besonders ausgewiesener Hundeauslaufbereiche), bei öffentlichen Versammlungen und Volksfesten sowie in öffentlichen Gebäuden, Schulen und Kindergärten an der Leine geführt werden.

Hunde ab 40 cm Widerristhöhe oder 20 kg Gewicht müssen auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen innerhalb bebauter Ortsteile immer angeleint sein. Das trifft fast jeden mittelgroßen Hund. Ein Labrador, ein Schäferhund, ein Dalmatiner, alle in diese Kategorie. Die Leine gilt, sobald ihr in den bebauten Bereich einbiegst.

Kinderspielplätze, Bolzplätze und Friedhöfe sind für Hunde generell verboten. Das gilt auch in Hamm ohne Ausnahme.

Wald: Landesforstgesetz schlägt Stadtrecht

Südlich der Innenstadt, im Bereich Bockum-Hövel und Uentrop, gibt es Waldflächen. Hier gilt nicht das kommunale Recht, sondern das Landesforstgesetz NRW. § 2 des Landesforstgesetzes schreibt im Wald außerhalb von Wegen Leinenpflicht vor. Auf Waldwegen dürfen viele Hunde ohne Leine laufen, wenn sie sicher kontrollierbar sind. Abseits der Wege dürfen Hunde im Wald dagegen nur angeleint mitgeführt werden.

Wichtig: In einem Beschluss des OVG NRW (Az: 5 A 2601/10) wurde festgestellt, dass der Landesbetrieb Wald und Holz die zuständige Behörde für Waldflächen ist, nicht die Stadt. Städte dürfen keine Verbote für Waldwege aussprechen, bestehende kommunale Anleinge­bote für Wälder sind nichtig. Für dich heißt das: Im Hammer Stadtwald gilt auf dem Weg Freilauf, sofern dein Hund kontrollierbar bleibt.

Naturschutzgebiete in Hamm

Die Lippeauen südlich der Lippe sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Hier gelten schärfere Regeln. In Naturschutzgebieten müssen Hunde generell angeleint werden, Wege dürfen nicht verlassen werden. Entscheidend sind die jeweilige Schutzgebietsverordnung und die Beschilderung vor Ort. Die Beschilderung im NSG Lippeaue ist verbindlich, auch wenn kein Aufseher zu sehen ist.

Wer in der Brutzeit (März bis Juli) durch Auenflächen läuft: Während der Setzzeit brauchen die Tiere ein besonders ungestörtes Umfeld, da sie viel Energie auf die Aufzucht ihres Nachwuchses verwenden müssen, entsprechend reagieren sie sehr empfindlich auf Störungen in ihrem Lebensraum. Ein Hund, der durch die Röhrichtzone rennt, richtet in dieser Zeit echten Schaden an.

Listenhunde in Hamm: NRW-Rasseliste plus kommunale Erlaubnispflicht

Das LHundG NRW unterscheidet zwischen gefährlichen Hunden, Hunden bestimmter Rassen und großen Hunden. Die Details zur NRW-Rasseliste findest du in unserer Übersicht zu Nordrhein-Westfalen.

Für Hamm gilt: Als gefährlich gelten aufgrund der Rassezugehörigkeit Hunde der Rassen Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier sowie deren Kreuzungen.

Hunde bestimmter Rassen gemäß § 10 LHundG sind Hunde der Rassen Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Mastiff, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, Rottweiler und Tosa Inu sowie deren Kreuzungen untereinander sowie mit anderen Hunden.

Die Haltung muss bei der Ordnungsbehörde angezeigt und genehmigt werden. Die Erlaubnisgebühr beträgt nach der Allgemeinen Verwaltungsgebührenordnung NRW 100,00 Euro. Für gefährliche Hunde gilt außerdem Maulkorb- und Leinenpflicht außerhalb des eigenen Grundstücks, ohne Ausnahme.

Für den Umgang mit gefährlichen Hunden stellt das Gesetz strenge Anforderungen: Erlaubnispflicht für die Haltung, Volljährigkeit, Sachkundebescheinigung, Zuverlässigkeitsnachweis durch Führungszeugnis, ausbruchssichere Unterbringung, Haftpflichtversicherung mit Mindestdeckungssumme sowie Kennzeichnung des Hundes mit einem Mikrochip.

Hundesteuer und Anmeldung in Hamm

Neu in Hamm, neuer Hund, die Uhr läuft sofort. Jeder Hund ist steuerpflichtig und muss innerhalb von zwei Wochen beim Amt für Finanzen und Controlling angemeldet werden. Das geht online über die Hundesteueranmeldung, schriftlich oder persönlich in einem stadtteilbezogenen Bürgeramt.

Die Steuermarke, die du für deinen Hund erhältst, ist der sichtbare Nachweis, dass der Hund ordnungsgemäß in Hamm gemeldet ist. Außerhalb einer Wohnung oder eines Grundstücks muss der Hund die sichtbar befestigte und gültige Steuermarke tragen.

Die genaue Höhe der Hundesteuer legt die Stadt Hamm in ihrer Hundesteuersatzung fest, zuletzt geändert durch die 6. Änderungssatzung vom 11.04.2022. Den aktuellen Steuersatz erfragst du direkt beim Amt für Finanzen und Controlling der Stadt Hamm, die Sätze können jährlich angepasst werden. Die Höhe richtet sich nach der Anzahl der im Haushalt lebenden Hunde und nach deren Art; für als gefährlich eingestufte Hunderassen gibt es einen Aufschlag.

Die Hundehaltung ist bei bestimmten Voraussetzungen steuerfrei, zum Beispiel bei Besitz eines Schwerbehindertenausweises mit den Merkzeichen aG, B, Bl, Gl oder H. Ermäßigt, um die Hälfte, wird die Steuer unter anderem für Hundehalter, die Grundsicherungsleistungen beziehen.

Abgegebene, getötete, verendete oder entlaufene Hunde sind innerhalb von zwei Wochen online oder schriftlich unter Rückgabe der Hundesteuermarke beim Amt für Finanzen und Controlling oder in einem stadtteilbezogenen Bürgeramt abzumelden.

Die besten Routen in Hamm, mit korrekter Rechtslage

Lippeauen: Wasser, Weite, Wachsamkeit

Im April riecht die Lippe nach nassem Schilf und Lehm. Die Auen stehen unter Wasser, das Gras drückt sich flach an den Boden. Reiher stehen reglos im Flachwasser. Das ist die Lippeaue, wie sie sein soll, und genau deshalb gilt hier besondere Sorgfalt.

Die Lippeauen entlang der Lippe bieten ausgedehnte Uferwege. Weite Abschnitte sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Dort gilt: Leine an, Wege nicht verlassen. In Naturschutzgebieten gelten häufig strengere Regeln; oft besteht dort eine Pflicht, auf den Wegen zu bleiben, Hunde besonders eng zu führen oder sie anzuleinen. Die Beschilderung vor Ort ist verbindlich. Nicht ausgewiesene Uferbereiche können anders behandelt werden, vor Ort auf Schilder achten. Aktuelle Routen-Empfehlungen für die Lippeauen findest du bei Tourismus NRW.

Stadtwald und Grünzüge: Forstrecht als Verbündeter

Der Boden unter Kiefern ist trocken, die Nadeln knirschen. In den Waldgebieten im Bereich Hamm-Uentrop und südlich des Datteln-Hamm-Kanals beginnt das Landesforstgesetz NRW zu wirken, nicht das Stadtrecht. Auf Waldwegen ist Freilauf möglich, sofern dein Hund kontrollierbar bleibt und nicht ins Unterholz ausschert. Verlässt der Hund den Weg, stöbert im Unterholz oder jagt Wild hinterher, kann es rechtlich und praktisch schnell problematisch werden.

In der Brut- und Setzzeit (März bis Juli) gilt besondere Zurückhaltung, auch auf Waldwegen. Rehkitze liegen im Gras, Bodenbrüter nisten auf dem Waldboden. Kein Gesetz zwingt dich zur Leine auf dem Weg, aber dein Hund zwingt das Wild zur Flucht. Wer das kennt, leint freiwillig an.

Maximilianpark: Klare Kante, gute Alternative

Der Glaselefant leuchtet im Oktober, wenn das Herbstleuchten die Wege illuminiert. Der Maximilianpark ist ein echtes Wahrzeichen Hamms. Aber hier gilt eine klare Regel: Hunde, ausgenommen Blindenführhunde und Therapiehunde, dürfen nicht in den Park mitgebracht werden. Vor dem Haupteingang befinden sich zwei abschließbare Hundeboxen zur kostenlosen Benutzung. Nutze sie, geh allein rein, hol deinen Hund danach ab.

Für den Freilauf rund um den Maximilianpark gibt es Alternativen entlang des Geithe-Bachs und im angrenzenden Gelände. Ob dort Freilauf erlaubt ist, klärst du auf der offiziellen Seite der Stadt Hamm zu Hundeauslaufflächen.

Datteln-Hamm-Kanal: Langes Band, flaches Licht

Im Frühjahr läuft die Sonne flach über den Kanal, das Wasser glänzt metallisch. Der Datteln-Hamm-Kanal durchzieht das Stadtgebiet auf über 20 Kilometern. Die Uferwege sind breit, der Boden oft befestigt. Das macht sie zu einem Klassiker für Hundehalter, die einfach eine lange gerade Strecke brauchen.

Rechtlich: Die Uferwege liegen im bebauten Stadtgebiet. Große Hunde (ab 40 cm / 20 kg) müssen also anleinen. Für kleine Hunde gelten die Grundregeln des LHundG NRW. Ob einzelne Kanalabschnitte als Freilauffläche ausgewiesen sind, erfährst du bei der Stadtverwaltung Hamm. Vor Ort auf Beschilderung achten.

Was in Hamm anders ist als im Rest von NRW

Hamm ist keine typische Ruhrgebietsstadt, und kein typisches Münsterland. Es ist beides gleichzeitig. Das Stadtgebiet ist für eine kreisfreie Stadt mit rund 179.000 Einwohnern außergewöhnlich groß und grün. Die Lippeauen, der Kanal, Waldgebiete im Südosten: Viel Raum für Hunde, aber auch viele Schutzgebietsgrenzen, die sich nicht immer sofort erschließen.

Ein konkreter Unterschied: Hunde dürfen nicht in den Maximilianpark. Das ist bei einem Park dieser Größe und Bekanntheit in NRW keine Selbstverständlichkeit, und überrascht viele Besucher. Wer mit Hund kommt, plant die Tour besser ohne diesen Anlaufpunkt.

Hamm liegt außerdem im Übergang zwischen Ruhrgebiet und Münsterland, was naturräumlich bedeutet: Mehr Feuchtgebiete und Auen als weiter westlich, mehr ökologisch sensible Flächen. Die Zahl der Naturschutzgebiete im Stadtgebiet ist entsprechend hoch. Wer aus Dortmund oder Bochum kommt und vergleicht, merkt schnell: Der Spielraum für Freilauf ist in Hamm enger, die Schutzgebietsdichte höher. Das Bewusstsein dafür macht den Unterschied.

Häufig gestellte Fragen

Gilt in Hamm eine generelle Leinenpflicht für alle Hunde?

Nein, eine generelle stadtweite Leinenpflicht für alle Hunde wäre nach NRW-Rechtsprechung unverhältnismäßig. Es gilt: In Fußgängerzonen, Parks, öffentlichen Grünanlagen, bei Veranstaltungen und in öffentlichen Gebäuden müssen alle Hunde an der Leine (§ 2 LHundG NRW). Große Hunde ab 40 cm Widerristhöhe oder 20 kg Gewicht müssen zusätzlich auf allen öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen innerhalb bebauter Ortsteile angeleint werden (§ 11 LHundG NRW). In Naturschutzgebieten gilt Leinenpflicht. Auf Waldwegen gilt Landesforstgesetz NRW, dort ist Freilauf auf dem Weg möglich, wenn der Hund kontrollierbar bleibt.

Darf ich mit meinem Hund in die Lippeauen?

Teile der Lippeauen sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Dort gilt Leinenpflicht und Wegegebot. Nicht ausgewiesene Abschnitte können anders geregelt sein. Entscheidend ist die Beschilderung vor Ort. In der Brutzeit (März bis Juli) solltest du deinen Hund auch auf nicht ausgewiesenen Flächen freiwillig anleinen, Bodenbrüter und Rehkitze reagieren auf Hunde extrem empfindlich.

Wo muss ich meinen Hund in Hamm anmelden?

Beim Amt für Finanzen und Controlling der Stadt Hamm, online, schriftlich oder persönlich im stadtteilbezogenen Bürgeramt. Die Frist beträgt zwei Wochen nach Aufnahme des Hundes. Der Hund erhält dann eine Steuermarke, die er außerhalb des Grundstücks sichtbar tragen muss. Aktuelle Formulare findest du auf der städtischen Website unter „Hundesteuer“.

Ich halte einen Rottweiler. Was gilt in Hamm?

Der Rottweiler zählt in NRW zu den „Hunden bestimmter Rassen“ nach § 10 LHundG NRW. Die Haltung ist in Hamm anzeige- und erlaubnispflichtig beim Ordnungsamt. Du brauchst Mikrochip-Nachweis, Sachkundenachweis, Zuverlässigkeitsnachweis und Haftpflichtversicherung. Die Erlaubnisgebühr beträgt 100 Euro (Stand: Allgemeine Verwaltungsgebührenordnung NRW). Außerhalb des eigenen Grundstücks gilt Leinenpflicht. Ob zusätzlich Maulkorb vorgeschrieben ist, hängt von der behördlichen Feststellung im Einzelfall ab. Details erfährst du beim Ordnungsamt Hamm.

Quellen

Saisonale Hinweise

Beste Jahreszeit: Sommer|Winter