Augsburg (Kreisfreie Stadt)
Bild: Wikimedia Commons – Plaza del Ayuntamiento, Augsburgo, Alemania, 2021-06-04, DD 32-34 HDR.jpg · CC BY-SA 4.0 Hund in Augsburg: Was wirklich gilt
Augsburg liegt dort, wo Lech und Wertach sich vereinigen. Zwei Flüsse, die das Stadtbild seit Jahrhunderten prägen und heute die beliebtesten Gassi-Reviere einrahmen. Mit rund 300.000 Einwohnern ist Augsburg nach München und Nürnberg die drittgrößte Stadt Bayerns. Der Siebentischwald, die Lechauen und der Stadtwald grenzen direkt ans Wohngebiet. Der Naturpark Westliche Wälder beginnt wenige Kilometer westlich der Stadtgrenze.
Für Hundehalter ist Augsburg in Bayern ein Sonderfall. Eine generelle Leinenpflicht gibt es nicht, Ausnahmen stehen auf Schildern. Das klingt einfach, ist in der Praxis aber differenzierter: Einzelne Parks wurden nachträglich mit Leinenpflicht belegt, der Stadtwald ist Naturschutzgebiet mit eigenen Regeln, und Kampfhunde unterliegen stadtweiter Anleinpflicht. Wer die Beschilderung ignoriert, riskiert ein Bußgeld.
Leinenpflicht in Augsburg: Was kommunal gilt
Bayern schreibt keine landesweite Leinenpflicht für alle Hunde vor. Der Freistaat setzt den rechtlichen Rahmen. Die konkreten Vorgaben entstehen auf kommunaler Ebene, durch städtische Satzungen oder Regeln für einzelne Bereiche. Augsburg nutzt diesen Spielraum großzügiger als die meisten bayerischen Großstädte.
Stadtgebiet allgemein
Ein sonniger Samstag im Stadtpark, kein Schild in Sicht: Dein Hund darf frei laufen. Augsburg hat keine generelle Leinenpflicht. Wo angeleinnt werden muss, steht auf Schildern. Diese kommunale Linie ist seit Jahren die offizielle Haltung der Stadt. Augsburg setzt auf gegenseitige Rücksichtnahme und hat in Zusammenarbeit mit der „IG WAUXburg“ eine Kampagne mit #BitteDanke-Schildern erarbeitet.
Eine wichtige Ausnahme: Im Flößerpark gilt Leinenpflicht. Die Stadt reagierte auf konkrete Vorfälle und Beschwerden. Sie gilt in der Grünanlage zwischen der Ulrichsbrücke und dem Wasserspielplatz. Wer sie ignoriert, zahlt ein Bußgeld. Das Prinzip ist klar: Wo Konflikte eskalieren, setzt die Stadt ein Schild.
Kampfhunde: stadtweite Anleinpflicht
Für als Kampfhunde eingestufte Rassen gilt eine eigene Verordnung. Du führst sie auf allen öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen und in allen öffentlichen Anlagen im gesamten Stadtgebiet an der Leine, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Die Leine muss reißfest und maximal zwei Meter lang sein. Sie gehört an ein schlupfsicheres Halsband oder Brustgeschirr.
Stadtwald und Naturschutzgebiet
Im Frühsommer liegt Morgenfeuchtigkeit auf den Waldwegen des Stadtwalds. Rehe stehen manchmal noch im offenen Bereich. Der Stadtwald südlich des Siebentischwalds ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Eine formelle Leinenpflicht per Verordnung gibt es dort bisher nicht, ein entsprechender Stadtratsbeschluss wurde knapp abgelehnt. Der Wildbestand ist hoch. Fangen oder hetzen Hunde ein Wildtier, drohen empfindliche Geldbußen, im Extremfall auch Freiheitsentzug. Das ist kein theoretisches Risiko. Freiwilliges Anleinen und Kot mitnehmen gelten als Standard.
Seen, Flüsse, Bäche
Augsburg ist eine Wasserstadt. In Lech und Wertach dürfen Hunde ganzjährig schwimmen. An Autobahnsee, Kuhsee, Ilsesee und Bergheimer Baggersee sind Hunde und andere Haustiere dagegen ganzjährig verboten. Vom 1. April bis 31. Oktober gilt das Verbot zusätzlich auf einigen Liegewiesen. Die Beschilderung vor Ort ist verbindlich.
Listenhunde in Augsburg: Bayerische Rasseliste und kommunale Auflagen
Bayern hat eine der strengsten Rasselisten Deutschlands. Die Grundlage bildet die Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit (Kampfhundeverordnung), zuletzt geändert 2002. Sie teilt Kampfhunde in drei Kategorien ein.
Hunde der Kategorie I, Pitbull (auch American Pitbull Terrier), Bandog, Staffordshire Bullterrier, American Staffordshire Terrier, Tosa-Inu sowie alle Kreuzungen, darfst du nur mit Genehmigung halten. Der Maßstab „berechtigtes Interesse“ liegt sehr hoch. Bayernweit gibt es nur vereinzelte Erlaubnisse. Wer einen Kategorie-I-Hund ohne Erlaubnis hält, riskiert eine Geldbuße bis zu 10.000 Euro.
Hunde der Kategorie II, darunter Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Bullterrier, Cane Corso, Dogo Argentino, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Mastiff, Mastin Español, Mastino Napoletano, Perro de Presa Canario, Perro de Presa Mallorquin und Rottweiler, gelten nicht als Kampfhunde, wenn ein Sachverständigengutachten die fehlende gesteigerte Aggressivität belegt. Das Ergebnis heißt „Negativzeugnis“.
In Augsburg läuft das Erlaubnisverfahren über das Ordnungsamt. Den Kontakt findest du direkt auf der Stadtwebseite des Ordnungsamts Augsburg. Die bayerische Rasseliste insgesamt beschreibt die Übersicht Bayern auf rundum.dog.
Hundesteuer und Anmeldung in Augsburg
Kaum bist du mit deinem neuen Hund in Augsburg angekommen, tickt die Uhr. Du meldest deinen Hund innerhalb von zwei Wochen an. Das gilt beim Zuzug in die Stadt genauso wie beim Neuerwerb. Die Anmeldung ist kostenlos. Du erledigt sie online, persönlich im Amt für Finanzen und Stiftungen oder im Bürgerbüro.
Die Steuersätze sind klar: Der erste Hund kostet 84 Euro jährlich, jeder weitere 120 Euro. Für als Kampfhunde eingestufte Rassen gilt ein erhöhter Satz von 840 Euro pro Hund. Geregelt ist das in der Hundesteuersatzung der Stadt Augsburg. Die Steuer ist bis zum 1. Februar eines jeden Jahres fällig. Wer nach Fristablauf anmeldet, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die Geldbuße kann bis zu 10.000 Euro betragen.
Das Steueramt erreichst du unter: augsburg.de, Hundesteuer, E-Mail hundesteuer@augsburg.de, Telefon 0821 324-9060.
Die besten Routen in Augsburg, mit korrekter Rechtslage
Wolfzahnau – Lech trifft Wertach
Am südwestlichen Stadtrand vereinen sich Lech und Wertach. Das Unterholz riecht im Frühherbst nach feuchtem Laub, die Wurzelpfade auf der Auenwaldinsel schlängeln sich durch dichtes Gesträuch. Kein Schild, keine Leinenpflicht. Wasserbegeisterte Hunde brauchen hier keine Überredung. Der Wasserspiegel ist meist niedrig genug, dass Hunde sicher stehen können.
Rechtlich ist die Wolfzahnau als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Wege bleiben Wege. Abkürzungen durch Schutzzonen vermeidest du. Die Beschilderung an den Zugängen ist verbindlich. Freilauf auf den Pfaden ist kein Problem. Aktuelle Routenhinweise für die Region bietet Bayern Tourismus.
Siebentischwald und Hochablass
Westlich von Pfersee beginnt der Siebentischwald. Die Bäche frieren im Winter kaum ein, im Sommer bleiben sie eisig kalt. In den Kanälen und Bächen dürfen Hunde plantschen. Auf der Runde liegen Biergarten Parkhäusl, Slalom-Kanu-Strecke und das Lechwehr Hochablass.
Im Süden grenzt der Siebentischwald an den Stadtwald als Naturschutzgebiet. Der Übergang ist fließend. Halte deinen Hund aus dem hohen Wildgras heraus und achte auf Hinweistafeln. Wer den Schuttberg mitnimmt, bekommt Augsburgs höchste Erhebung samt Gipfelkreuz, der Weg führt durch die Firnhaberauheide und am Europaweiher vorbei.
Wittelsbacher Park – Stadtpark mit Freilaufmöglichkeit
Der Wittelsbacher Park im Nordwesten der Altstadt ist einer der ältesten Stadtparks Augsburgs. An einem Dienstagmorgen im November gehört er fast dir und deinem Hund allein. Die Kastanienalleen tropfen, der Rasen ist von Frost leicht geschwärzt. Bei schönem Wetter ist mehr los, vormittags und in den kühlen Jahreszeiten findet sich aber fast immer ein freies Wiesenstück für den Freilauf. Keine generelle Leinenpflicht, kein Eintritt. Es gilt die übliche Augsburger Beschilderungsregel.
Dompark – Freilauffläche in der Innenstadt
Mitten in der Innenstadt, direkt neben dem Augsburger Dom, liegt der Dompark. Wer hier seinen Hund zum ersten Mal von der Leine lässt, staunt, wie weit das Gelände reicht. Hunde können miteinander toben, Statuen und Blumenbeete liegen in der Nähe, der Dom im Rücken. Der Park ist ausreichend von Parkplatz und Straße abgezäunt. Der benachbarte Hofgarten ist eine andere Sache, dort sind Hunde nicht erlaubt.
Naturpark Westliche Wälder, für halbe Tage hinter der Stadtgrenze
Direkt westlich der Stadtgrenze beginnt der Naturpark Westliche Wälder. Über 1.000 Quadratkilometer Mischwälder, Streuobstwiesen und stille Talzüge. Im Frühling füllt Vogelkonzert die Auen. Das Wanderwegenetz ist gut markiert. Hunde an der Leine sind Standard, auf breiten Forstwegen ist Freilauf aber möglich. Für Halbtages- und Tagestouren ist das der naheliegendste Ausflug aus Augsburg. Die Brut- und Setzzeit von März bis Juli schränkt das Verlassen befestigter Wege ein, das bayerische Waldrecht gilt uneingeschränkt. Saisonale Bedingungen und Routen findest du bei Erlebe Bayern.
Was in Augsburg anders ist als im Rest Bayerns
Augsburg geht einen anderen Weg. München, Nürnberg und Regensburg regeln das deutlich restriktiver. In München gilt Leinenpflicht in Fußgängerzonen, auf allen Wegen städtischer Grünanlagen und innerhalb des Altstadtrings. Augsburg setzt stärker auf die Eigenverantwortung der Hundehalter. Einzelne Parks wie der Flößerpark haben nachgerüstet. Die generelle Linie hat die Stadt bisher nicht aufgegeben.
Zweiter Unterschied: Im Stadtgebiet stehen über 300 Hundetoiletten mit kostenlosen Tüten. Für eine bayerische Großstadt ist das ein ungewöhnlich dichtes Netz. In den Verkehrsmitteln des AVV fährt ein angeleinter Hund kostenlos mit, jeder weitere braucht ein Kinderticket. Günstiger als in vielen anderen Städten.
Dritter Punkt: Lech und Wertach verlaufen mitten durch das Stadtgebiet. Hunde dürfen dort offiziell schwimmen, ohne Einschränkung. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Die Badeseen sind eine andere Geschichte, dort gilt striktes Hundeverbot, das auch kontrolliert wird.
Häufig gestellte Fragen
Gilt in Augsburg wirklich keine generelle Leinenpflicht?
Ja, das ist offiziell so. Augsburg hat keine stadtweite Leinenpflicht. Was gilt, steht auf Schildern vor Ort. Ausnahmen gibt es, etwa im Flößerpark zwischen Ulrichsbrücke und Wasserspielplatz. Kampfhunde müssen im gesamten Stadtgebiet angeleint sein. Im Stadtwald wird freiwilliges Anleinen empfohlen, weil er als Naturschutzgebiet gilt und der Wildbestand hoch ist.
Wo darf mein Hund in Augsburg schwimmen, und wo ist es verboten?
In Lech und Wertach dürfen Hunde ganzjährig schwimmen. Auch in den Kanälen und Bächen des Siebentischwalds ist Baden erlaubt. Verboten ist der Zugang zu Autobahnsee, Kuhsee, Ilsesee und Bergheimer Baggersee, das Verbot gilt ganzjährig. Auf einigen Liegewiesen sind Hunde vom 1. April bis 31. Oktober nicht erlaubt. Die Beschilderung vor Ort beachten.
Wie hoch ist die Hundesteuer in Augsburg und wo melde ich an?
Der erste Hund kostet 84 Euro jährlich, jeder weitere 120 Euro. Für als Kampfhunde eingestufte Rassen gilt 840 Euro. Du meldest innerhalb von zwei Wochen nach Haltungsbeginn an, persönlich im Bürgerbüro oder Amt für Finanzen und Stiftungen (Rathausplatz 2a), online unter augsburg.de oder per E-Mail an hundesteuer@augsburg.de. Die Anmeldung ist kostenlos.
Ich halte einen Rottweiler, was muss ich in Augsburg beachten?
Der Rottweiler zählt in Bayern zur Kategorie II der Kampfhundeverordnung. Die Kampfhundeigenschaft wird vermutet, lässt sich aber durch ein Sachverständigengutachten (Wesenstest) widerlegen. Nach erfolgreichem Wesenstest stellt das Augsburger Ordnungsamt ein Negativzeugnis aus, damit entfällt die Erlaubnispflicht. Bis dahin gilt stadtweite Anleinpflicht. Ob die erhöhte Hundesteuer von 840 Euro auch mit Negativzeugnis entfällt, liegt im Ermessen der Stadt. Kontakt: Ordnungsamt Augsburg, augsburg.de/kampfhunde.
Darf mein Hund mit in den Augsburger Zoo?
Ob Hunde im Zoologischen Garten Augsburg oder im Botanischen Garten zugelassen sind und welche Bedingungen gelten, klärst du direkt auf der offiziellen Seite des Augsburger Zoos, Regelungen und Preise können sich ändern.
Quellen
- Stadt Augsburg – Hunde in Augsburg (Übersichtsseite, augsburg.de)
- Stadt Augsburg – Verordnung über das freie Umherlaufen von Kampfhunden (Stadtrecht 3103)
- Stadt Augsburg – Hundesteuer (Amt für Finanzen und Stiftungen)
- Stadt Augsburg – Ordnungsamt: Kampfhunde und Negativzeugnis
- Stadt Augsburg – Verordnung Landschaftsschutzgebiet Wolfzahnau
Saisonale Hinweise
Beste Jahreszeit: Sommer