Kaufbeuren (Kreisfreie Stadt)
Hund in Kaufbeuren: Was wirklich gilt
Die Wertach tritt bei Kaufbeuren aus den Tälern des Allgäuer Voralpenlandes in eine hügelige Beckenlandschaft. Die Stadt wächst um diesen Fluss herum, als hätte sie sich nie entschieden, ob sie lieber Natur oder Geschichte sein möchte. Kaufbeuren liegt am nordöstlichen Rand des bayerischen Allgäus, an einem 141 km langen Lech-Zufluss. Nach Süden öffnet sich das Stadtgebiet zum Bärensee, einem Stausee mit schattigen Uferwegen. In der Altstadt ragen mittelalterliche Wecktürme in den Himmel. Der Klosterberggarten des Crescentia-Klosters liegt so still, dass man den Stadtrummel kaum hört. Kaufbeuren ist kreisfreie Stadt in Bayern. Das bedeutet für Hundehalter: Die Stadt setzt ihre eigenen Regeln. Die sind weder besonders streng noch besonders lax. Es lohnt sich, sie zu kennen.
Rund 45.000 Einwohner, überschaubare Größe, kurze Wege. Du kommst mit Hund zu Fuß von der Altstadt an den See, ohne einmal ins Auto zu steigen. Der Bärensee liegt in einem seit 1987 ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet. Das ist gut für die Landschaft. Aber es bedeutet auch: Wer hier mit Hund unterwegs ist, hat Regeln im Gepäck.
Leinenpflicht in Kaufbeuren: Was kommunal gilt
Eine allgemeine Leinenpflicht für alle Hunde gibt es in Bayern nicht. Der Freistaat überlässt diese Regelung den einzelnen Gemeinden. Kaufbeuren macht von dieser Kompetenz Gebrauch, aber mit Augenmaß. Was das in der Praxis heißt, hängt vom Ort ab.
Kaufbeuren Innenstadt und öffentliche Grünflächen
Frühmorgens, wenn die Metzgerei in der Fußgängerzone noch die Rollläden hochzieht: Genau da liegt die Grenze zwischen Freilauf und Leinenpflicht. Die Diskussion über eine Leinenpflicht veranlasste die Stadt Kaufbeuren, ihre seit 2005 geltende Grünflächensatzung zu überarbeiten. Die Stadträte beschlossen, auf eine eigenständige Hundeverordnung zu verzichten. Das Mitführen von Hunden regelt stattdessen die Grünflächensatzung. Spielplätze und intensiv genutzte Liegewiesen sind damit für Hunde tabu.
Für große Hunde und Kampfhunde (Schulterhöhe ab 50 cm) gilt eine schärfere Regel. Die Kommune darf ihnen den freien Lauf auf öffentlichen Plätzen verbieten. Im Altstadtbereich kam es laut der zuständigen Sachgebietsleiterin des Amts für Öffentliche Sicherheit besonders häufig zu Konfliktsituationen. Konkret: Großhunde und Kampfhunde müssen im Altstadtbereich an die Leine. Kontrolliert wird laut Ordnungsamtsleiter Florian Martin nur auf Beschwerde hin.
Wald und Jagdrevier
Die bewaldeten Höhenzüge rund um Kaufbeuren und die Wege Richtung Bärensee führen durch Jagdrevier. In Bayern darf ein Hund in Jagdrevieren nicht unbeaufsichtigt frei laufen. Das gilt auch ohne Schild vor Ort (Art. 56 Abs. 2 Nr. 9 BayJG). Wer seinen Hund ins Gebüsch schickt und dabei Wild aufscheucht, riskiert ein Bußgeld. Zwischen dem 1. März und dem 31. Juli gilt das mit besonderer Schärfe. Das ist die Brut- und Setzzeit. In dieser Zeit schaut der Jäger nicht weg, wenn ein wildernder Hund im Revier ist.
Landschaftsschutzgebiet Bachtel- und Bärensee
Das Landschaftsschutzgebiet ist kein Naturschutzgebiet. Das ist ein wichtiger Unterschied. In Naturschutzgebieten gilt in Bayern per Schutzgebietsverordnung häufig generelle Leinenpflicht (§§ 23 Abs. 2, 24 Abs. 3 BNatSchG). Im Landschaftsschutzgebiet richtet sich die Leinenpflicht nach den Wegegeboten der Schutzgebietsverordnung und kommunalen Satzungen. Der Bärensee liegt überwiegend im Landschaftsschutzgebiet Bachtel- und Bärensee. Die Beschilderung vor Ort gibt verbindlich Auskunft, ob im konkreten Uferbereich Leinenpflicht gilt. Wer morgens früh dort ankommt, hat das Seeufer oft fast für sich. Die Chance, den Hund auf nicht ausgeschilderten Abschnitten kontrolliert laufen zu lassen, ist dann größer als am Sonntagmittag mit 200 Spaziergängern.
Listenhunde in Kaufbeuren: Bayern-Rasseliste und kommunale Schicht
Bayern teilt Kampfhunde nach der Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit in drei Kategorien ein. Hunde der Kategorie I, darunter Pitbull, American Pitbullterrier, Bandog, Staffordshire Bullterrier, American Staffordshire Terrier und Tosa-Inu sowie alle Kreuzungen, dürfen in Bayern nicht gehalten werden. Die Verordnung schreibt ihnen eine gesteigerte Gefährlichkeit zu. Eine Haltungsgenehmigung ist erforderlich.
Hunde der Kategorie II, darunter Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Bullterrier, Cane Corso, Dogo Argentino, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Mastiff, Mastín Español, Mastino Napoletano, Perro de Presa Canario, Perro de Presa Mallorquin und Rottweiler, gelten nicht als Kampfhunde, wenn ein Sachverständigengutachten nachweist, dass das Tier keine gesteigerte Aggressivität zeigt. Die Behörde stellt dann ein sogenanntes Negativzeugnis aus.
Auf kommunaler Ebene hat Kaufbeuren die Steuerpflicht für Kategorie-II-Hunde verschärft. Der Verwaltungsausschuss empfahl einstimmig: Neben Kampfhunden der Kategorie I sollen auch jene der Kategorie II jährlich 500 Euro Hundesteuer zahlen. Außerdem gilt: Außerhalb eines befriedeten Besitztums sowie in Fluren, Aufzügen, Treppenhäusern und auf Zuwegen von Mehrfamilienhäusern müssen große und gefährliche Hunde an einer geeigneten Leine geführt werden. Das gilt auch in Jagdrevieren. Mehr zu den bayernweiten Regelungen für Listenhunde findest du in der Übersicht der Bayerischen Polizei zu gefährlichen Hunden.
Hundesteuer und Anmeldung in Kaufbeuren
In der bundesweiten Kommunal-Datenbank des Steuerzahlerbundes 2024 wird Kaufbeuren mit einem Hundesteuersatz von 50 Euro pro Hund gelistet. Das ist einer der niedrigsten Sätze im bundesweiten Vergleich. Seit der Hundesteuersatzung von 2006 zahlst du als Hundehalter in Kaufbeuren jährlich 50 Euro pro Tier. Dieser Satz gilt unabhängig davon, wie viele Hunde im Haushalt leben.
Für Kampfhunde sieht die überarbeitete Satzung deutlich höhere Beträge vor: 500 Euro pro Jahr, unterschieden nach Kategorie I und II. Die Änderung der Hundesteuersatzung sollte 2023 in Kraft treten. Du meldest deinen Hund direkt beim Stadtservice Kaufbeuren an. Die Frist beträgt zwei Wochen nach Anschaffung oder Zuzug. Aktuelle Tarife und eventuelle Satzungsänderungen erfragst du direkt beim Stadtservice.
Die besten Routen in Kaufbeuren, mit korrekter Rechtslage
Wertach-Wanderweg: Flussrauschen durch die Stadt
Ein Dienstagmorgen im März: Der Boden unter den Wertach-Auen ist noch frosthart, die Erlen stehen kahl, und der Fluss führt so viel Wasser, dass man ihn vom Weg aus rauschen hört. Genau dann ist der Wertach-Wanderweg am schönsten. Er verläuft durch das Kaufbeurer Stadtgebiet und verlässt dabei nur an wenigen Stellen den Flusslauf. Dichter Baumbestand säumt den Weg auf beiden Seiten. Der Verlauf führt vom Bärensee bei Kaufbeuren-Hirschzell bis zum Parkplatz am Wertach-Freizeitpark an der Buronstraße.
Seit 2016 stehen fünf mannshohe Stelen in der Nähe der Ulrichbrücke. Sie zeigen die fünf Säulen des Gesundheitskonzepts von Sebastian Kneipp. Rechtlich gilt hier: Der Weg führt teilweise durch Jagdrevier. Den Hund nicht ins Gebüsch schicken, in Sichtweite halten. Im Stadtgebiet selbst gelten die kommunalen Regelungen der Grünflächensatzung. Aktuelle Routendetails findest du bei Kaufbeuren Tourismus.
Bärensee und Bachtelsee: Stausee mit Schutzgebiets-Label
Im Hochsommer glitzert das Wasser im Bärensee tiefblau. Der Holzweg am Ufer wird warm unter den Pfoten. Die Versuchung ist groß: Leine losmachen, Hund plantschen lassen. Die Versuchung ist real. Die Konsequenz auch. Die Rundtour Bärensee und Bachtelsee gilt als moderat, dauert etwa 2 bis 2,5 Stunden bei 214 m Höhenunterschied. Der Weg führt am Bachtelseewehr mit Fischtreppe vorbei, durch dichten Wald, entlang der Wertach.
Der Bärensee liegt überwiegend im Landschaftsschutzgebiet Bachtel- und Bärensee, ausgewiesen seit 1987. Eine pauschale gesetzliche Leinenpflicht gibt es im Landschaftsschutzgebiet nicht. Aber die Beschilderung vor Ort ist verbindlich. Im Zweifel: Hund anleinen. Startpunkt der Wanderung ist südlich von Kaufbeuren am östlichen Ufer des Bärensees, an der Segelgemeinschaft Bärensee in der Bärenstraße.
Spitalwaldrunde: Höhenzug über Oberbeuren
Wer den Hund vor dem Frühstück erschöpfen will, ohne weit zu fahren, nimmt die Spitalwaldrunde. Der Weg riecht nach nassem Laub, wenn man ihn im November geht. Die Stiefelsohlen sinken leicht in den lehmigen Untergrund. Die Runde führt aus dem Ortsteil Oberbeuren heraus auf den bewaldeten Höhenzug südwestlich von Kaufbeuren. Ein Teilstück verläuft auf gleicher Trasse wie der Allgäu-Schwäbische Weitwanderweg von Augsburg nach Sonthofen. Im Süden lohnt ein kurzer Abstecher zu einem Mammutbaum aus dem 19. Jahrhundert.
Der Höhenzug liegt im Jagdrevier. Hund nicht freilaufen lassen, besonders von März bis Juli. Nach Regen wird der Boden lehmig. Mit festen Sohlen kommst du problemlos durch.
Historische Altstadt und Stadtmauerweg
Kopfsteinpflaster, das die Pfoten des Hundes in unregelmäßigem Rhythmus knirschen lässt. Mittelalterliche Türme, die aus dem Bodennebel eines Herbstmorgens auftauchen. Der Stadtmauerweg um Kaufbeurens Altstadt ist kurz, aber dicht. Du schlüpfst durch ein Tor der alten Stadtmauer und stehst direkt unter dem Hexenturm, einem Befestigungsturm aus der Zeit um 1420. Der Klosterberggarten des Crescentiaklosters bietet ruhige Grünflächen für eine Pause. Ob Hunde dort zugelassen sind, prüfst du auf der offiziellen Seite von Kaufbeuren Tourismus.
In der Altstadt gilt: Große Hunde ab 50 cm Schulterhöhe müssen an die Leine. Für alle anderen Hunde empfiehlt sich die Leine in belebten Gassen schon aus Rücksicht. Der Bäcker kommt um die Ecke, der Kinderwagen aus der Türe, die engen Gassen lassen wenig Spielraum.
Was in Kaufbeuren anders ist als im Rest Bayerns
Kaufbeuren erschlägt Hundehalter nicht mit Verboten. Der Stadtrat votierte gegen eine eigenständige Hundeverordnung und regelte das Mitführen von Hunden stattdessen innerhalb der Grünflächensatzung. Das macht Kaufbeuren im Bayern-Vergleich liberal. Städte wie Augsburg oder München haben deutlich detailliertere Regelwerke. Was Kaufbeuren dafür hat: ein Landschaftsschutzgebiet direkt vor der Haustür, das seine eigene Logik mitbringt. Im Jahr 2016 waren 1.689 Hunde in Kaufbeuren gemeldet, fünf Jahre später bereits 1.952. Die Dichte wächst. Mit ihr wächst der Druck auf die beliebten Uferwege am Bärensee.
Der Hundesteuersatz von 50 Euro pro Tier ist im bundesweiten Vergleich ausgesprochen niedrig. Viele vergleichbare bayerische Städte liegen zwischen 80 und 120 Euro. Die Lage zwischen dem Ostallgäu (Königsschlösser bei Füssen, ca. 40 km) und dem Unterallgäu macht Kaufbeuren zu einem guten Ausgangspunkt für Tagestouren in anspruchsvolleres Gelände. Das städtische Regelwerk ist dabei vergleichsweise entspannt. Weiterführende Touren-Ideen für die Region findest du bei Erlebe Bayern.
Häufig gestellte Fragen
Darf mein Hund am Bärensee frei laufen?
Der Bärensee liegt im Landschaftsschutzgebiet Bachtel- und Bärensee, ausgewiesen seit 1987. Im Landschaftsschutzgebiet gilt in Bayern keine pauschale gesetzliche Leinenpflicht wie in Naturschutzgebieten. Aber die Beschilderung vor Ort ist verbindlich. Wer den Hund am Ufer freilaufen lässt und dabei Wildtiere stört oder in Jagdrevier gerät, riskiert ein Bußgeld. Leine anlegen und die Schilder beachten, besonders zwischen März und Juli.
Wie hoch ist die Hundesteuer in Kaufbeuren und wo melde ich an?
In Kaufbeuren beträgt die Hundesteuer laut Satzung 50 Euro pro Hund und Jahr, unabhängig davon, wie viele Hunde im Haushalt leben. Für Kampfhunde der Kategorie I und II fallen laut überarbeiteter Satzung jeweils 500 Euro an. Aktuelle Tarife erfragst du direkt beim Stadtservice. Du meldest deinen Hund beim Stadtservice Kaufbeuren an, die Frist beträgt zwei Wochen nach Anschaffung oder Zuzug. Direkt-Link: www.kaufbeuren.de
Gilt im Kaufbeurer Stadtwald Leinenpflicht?
Eine allgemeine Leinenpflicht für alle Hunde im Wald gibt es in Bayern nicht. Aber in Jagdrevieren darf der Hund nicht unbeaufsichtigt frei laufen (Art. 56 Abs. 2 Nr. 9 BayJG). Die bewaldeten Höhenzüge rund um Kaufbeuren und die Wege Richtung Bärensee verlaufen überwiegend durch Jagdrevier. Große Hunde ab 50 cm Schulterhöhe und Kampfhunde müssen auf öffentlichen Flächen im Stadtgebiet angeleint werden. Die Brut- und Setzzeit von März bis Juli erhöht die Anforderungen zusätzlich.
Habe ich einen Listenhund der Kategorie II, darf ich ihn in Kaufbeuren halten?
Ja, unter Auflagen. Hunde der Kategorie II, zum Beispiel Rottweiler, Cane Corso, American Bulldog oder Bullmastiff, kannst du in Bayern und damit in Kaufbeuren halten, wenn ein Sachverständigengutachten nachweist, dass das Tier keine gesteigerte Aggressivität zeigt. Die Behörde stellt dann ein Negativzeugnis aus. Trotz Negativzeugnis fällt in Kaufbeuren die erhöhte Hundesteuerpflicht von 500 Euro an. Das sollte vor der Anschaffung bekannt sein. Zuständig ist das Ordnungsamt der Stadt Kaufbeuren.
Gibt es in Kaufbeuren eine Hundefreilauffläche?
Eine offiziell ausgewiesene Hundefreilauffläche ist in Kaufbeuren aktuell nicht bekannt. Ob und wo die Stadt entsprechende Flächen plant oder ausgewiesen hat, erfährst du direkt beim Stadtservice oder Ordnungsamt der Stadt Kaufbeuren. Auf dem Wertach-Wanderweg gibt es außerhalb des engeren Stadtbereichs Abschnitte, die von Hundehaltern erfahrungsgemäß für Freilauf genutzt werden. Rechtlich gilt dort jedoch das Jagdrevier-Gebot der Sichtweite.
Quellen
- Stadt Kaufbeuren – Hundesteuer, An- und Abmeldung (kaufbeuren.de)
- Bayerische Polizei – Gesetzliche Regelungen zu gefährlichen Hunden in Bayern (LStVG, Art. 37)
- Naturerlebnis Bayern – Rechtliche Hinweise zum Hundeausführen in der freien Natur (BayJG, BayNatSchG)
- Kaufbeuren Tourismus – Wandern: Wertach-Wanderweg, Spitalwaldrunde und weitere Routen
- Kreisbote – Finanzausschuss Kaufbeuren empfiehlt Änderung der Hundesteuersatzung (Januar 2022)
Saisonale Hinweise
Beste Jahreszeit: Sommer|Winter
Bild: Wikimedia Commons –