Wachstumslenkungen
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Wachstumslenkungen sind tierchirurgische Verfahren, die bei jungen Hunden genutzt werden, um Fehlstellungen der Gliedmassen während des Wachstums gezielt zu korrigieren. Dabei wird das natürliche Knochenwachstum über die Wachstumsfugen (Epiphysenfugen) gesteuert, ohne dass eine vollständige Korrekturosteotomie nötig ist. Diese Technik nutzt die Tatsache, dass die Knochen in der Wachstumsphase noch formbar sind.
Prinzip der Wachstumslenkung
Die Methode basiert auf dem gesteuerten Verlangsamen oder Beschleunigen des Wachstums in bestimmten Bereichen einer Wachstumsfuge:
- Hemmung: Durch temporäres Blockieren einer Seite der Wachstumsfuge wächst der Knochen auf der Gegenseite stärker – die Achse richtet sich aus.
- Förderung: Bei einseitig geschlossenen Wachstumsfugen kann durch einen Eingriff auf der Gegenseite ein gleichmässigeres Wachstum erreicht werden.
Methoden
Je nach Fehlstellung und Alter des Hundes kommen verschiedene Techniken zum Einsatz:
- Temporäre Epiphysiodese: vorübergehendes Hemmen des Wachstums mit Platten, Schrauben oder Klammern.
- Dauerhafte Epiphysiodese: vollständiges Ausschalten einer Wachstumsfuge, wenn ein übermässiges Wachstum korrigiert werden soll.
- Führung durch Implantate: moderne Systeme (z. B. T-Platten) ermöglichen eine dynamische Anpassung an das natürliche Wachstum.
Indikationen
Wachstumslenkungen werden v. a. eingesetzt bei:
- Achsabweichungen der Vorder- oder Hintergliedmassen, z. B. Radius-curvus-Syndrom.
- Asymmetrischem Wachstum nach frühzeitigem Fugenverschluss.
- Fehlstellungen durch Traumata oder genetisch bedingte Deformitäten.
Vorteile gegenüber Korrekturosteotomien
- Schonender: weniger invasiv, da keine Knochen durchtrennt werden müssen.
- Kürzere Heilungszeit: da das natürliche Wachstum genutzt wird.
- Frühzeitige Korrektur: Fehlstellungen können im Wachstumsverlauf kontinuierlich ausgeglichen werden.
Grenzen und Risiken
- Nur möglich, solange die Wachstumsfugen noch offen sind.
- Exaktes Timing entscheidend – Eingriffe zu früh oder zu spät können die Korrekturwirkung vermindern.
- Risiko von Über- oder Unterkorrekturen, wenn das Wachstum schwer vorhersagbar ist.
- Erfordert regelmässige Kontrollen per Röntgen, um die Korrektur rechtzeitig anzupassen.
Durchführung und Nachsorge
Die frühe Diagnose ist entscheidend. Spezialisierte Tierärzt planen den Eingriff auf Basis von Röntgenaufnahmen und dem aktuellen Wachstumsstadium. Nach der Operation sind engmaschige Röntgenkontrollen notwendig, um das Fortschreiten der Korrektur zu überwachen. Bei temporären Implantaten müssen diese nach Abschluss der Korrektur wieder entfernt werden.
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