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Sexualzyklus

5 Min Lesezeit
Inhalt
  1. Phasen des Sexualzyklus bei Hunden
  2. Sexualzyklus bei Rüden
  3. Häufigkeit des Sexualzyklus
  4. Anzeichen des Sexualzyklus bei Hunden
  5. Fortpflanzung und Paarung
  6. Scheinträchtigkeit
  7. Kastration und Sterilisation

Der Sexualzyklus bei Hunden beschreibt, wie sich Hormone und Körper einer Hündin im Wechsel verändern – und wann sie bereit ist, sich fortzupflanzen. Wer eine Hündin hält, kennt das Thema spätestens beim ersten Mal, wenn auf einmal die Vulva anschwillt und ein blutiger Ausfluss auftaucht. Der Zyklus wiederholt sich in regelmässigen Abständen und läuft in vier klar unterscheidbaren Phasen ab, die das Verhalten der Hündin von Grund auf beeinflussen.

Phasen des Sexualzyklus bei Hunden

Vier Phasen bilden das Grundgerüst: Proöstrus, Östrus, Diöstrus und Anöstrus. Jede hat ihr eigenes Hormonprofil – und wer sie kennt, kann das Verhalten seiner Hündin viel besser einordnen.

Proöstrus (Vorbrunst)

  • Dauer: Rund 7 bis 10 Tage.
  • Was passiert: Der Zyklus startet. Die Vulva schwillt sichtbar an, und es zeigt sich ein blutiger Scheidenausfluss – das ist für viele Halter das erste echte Warnsignal. Die Hündin interessiert sich zwar zunehmend für Rüden, lässt sich aber noch nicht decken.
  • Verhalten: Oft ist die Hündin jetzt unruhiger als sonst, schnüffelt intensiver und sucht Kontakt – weist einen aufdringlichen Rüden aber durchaus scharf ab. Das ist normal und kein Grund zur Sorge.
  • Hormone: Der Östrogenspiegel steigt an und bereitet den Körper Schritt für Schritt auf die fruchtbare Phase vor.

Östrus (Brunst / Läufigkeit)

  • Dauer: 5 bis 14 Tage – eine grosse Spanne, die je nach Hündin variiert.
  • Was passiert: Jetzt ist die Hündin empfänglich. Der Ausfluss wird heller, wässriger oder leicht rosa – ein verlässliches Zeichen. Die Vulva bleibt geschwollen. Das ist die eigentliche fruchtbare Phase.
  • Verhalten: Klassisches Paarungsverhalten: Die Hündin steht mit leicht zur Seite geschobenem Schwanz ruhig, wenn sich ein Rüde nähert. Sie flirtet aktiv, ist aufmerksam und weicht dem Rüden nicht mehr aus.
  • Hormone: Östrogen fällt ab, Progesteron beginnt zu steigen. Der Eisprung tritt meist innerhalb von 48 Stunden nach Beginn des Östrus auf.

Diöstrus (Nachbrunst)

  • Dauer: Etwa 60 bis 90 Tage.
  • Was passiert: Die Läufigkeit ist vorbei – egal ob die Hündin gedeckt wurde oder nicht. Der Ausfluss hört auf, die Vulva normalisiert sich wieder.
  • Verhalten: Kein Interesse mehr an Rüden, kein Brunstverhalten. Die Hündin kehrt zu ihrem gewohnten Alltag zurück.
  • Hormone: Progesteron bleibt erhöht, um eine eventuelle Trächtigkeit zu unterstützen. Auch ohne Deckakt kann es zur Scheinträchtigkeit kommen – der Körper reagiert auf das Hormonsignal, als wäre eine Befruchtung erfolgt.

Anöstrus (Ruhephase)

  • Dauer: 4 bis 6 Monate, je nach Rasse und Individuum teils deutlich länger.
  • Was passiert: Das Fortpflanzungssystem ist inaktiv. Kein Ausfluss, keine Schwellung, kein auffälliges Interesse an Rüden. Die Hündin wirkt schlicht wie immer.
  • Hormone: Östrogen und Progesteron sind auf einem niedrigen Niveau. Der Körper erholt sich und bereitet sich still auf den nächsten Zyklus vor.

Sexualzyklus bei Rüden

Rüden funktionieren ganz anders. Sie haben keinen festen Zyklus – sie sind das ganze Jahr über fortpflanzungsfähig. Was sie in Aufruhr versetzt, sind die Pheromone einer läufigen Hündin. Sobald eine Hündin im Östrus ist, reagieren Rüden in der Nähe mit gesteigerter Aufmerksamkeit, Unruhe und ausgeprägt Paarungsverhalten. Das erklärt, warum ein unkastrierter Rüde in der Nähe einer läufigen Hündin kaum stillzuhalten ist.

Häufigkeit des Sexualzyklus

Wie oft eine Hündin läufig wird, hängt stark von der Rasse ab. Als grobe Faustregel gilt: ein- bis zweimal im Jahr. Aber die Spanne ist beachtlich.

  • Kleinere Rassen: Läufigkeit alle 4 bis 6 Monate.
  • Grössere Rassen: Oft nur einmal jährlich, manche sogar noch seltener.

Wer eine junge Hündin hat, sollte wissen: Der erste Zyklus setzt meist zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat ein, bei grossen Rassen auch erst mit 18 bis 24 Monaten.

Anzeichen des Sexualzyklus bei Hunden

Die wichtigsten Zeichen, besonders im Proöstrus und Östrus, lassen sich gut beobachten – man muss nur wissen, worauf man achtet:

  1. Schwellung der Vulva: Eines der ersten und auffälligsten Signale. Oft gut sichtbar, auch für ungeübte Augen.
  2. Vaginaler Ausfluss: Zu Beginn blutig, im Östrus heller oder wässrig-rosa. Die Veränderung der Farbe ist ein wichtiger Hinweis auf den Wechsel zur fruchtbaren Phase.
  3. Verändertes Verhalten: Mehr Schnüffeln, gesteigertes Interesse an Rüden, manchmal Unruhe oder ungewöhnliche Anhänglichkeit gegenüber dem Halter.
  4. Paarungsverhalten: Im Östrus nimmt die Hündin den Deckakt aktiv an und zeigt die typische Duldungshaltung.

Fortpflanzung und Paarung

Für gezielte Züchtungen ist der Zeitpunkt entscheidend. Der optimale Deckzeitpunkt liegt in der Regel 10 bis 14 Tage nach Beginn des Proöstrus – also mitten im Östrus, wenn der Eisprung stattfindet. Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt den Progesteronspiegel beim Tierarzt messen. Das ist besonders bei geplanten Verpaarungen sinnvoll, weil die fruchtbare Phase von Hündin zu Hündin teils erheblich variiert.

  • Trächtigkeit: Wird die Hündin erfolgreich gedeckt, dauert die Trächtigkeit rund 63 Tage.

Scheinträchtigkeit

Ein Phänomen, das viele Halter überrascht: die Scheinträchtigkeit. Sie tritt im Diöstrus auf – auch dann, wenn die Hündin gar nicht gedeckt wurde. Der Körper verhält sich hormonell so, als wäre eine Befruchtung erfolgt. Die Hündin kann geschwollene Zitzen bekommen, Milch einschießen und anfangen, ein Nest zu bauen oder Stofftiere zu „adoptieren“. Typischerweise klingt das nach einigen Wochen von selbst ab. Hält es länger an oder leidet die Hündin sichtlich, ist ein Tierarztbesuch angebracht.

Kastration und Sterilisation

Die Kastration ist der sicherste Weg, den Sexualzyklus dauerhaft zu beenden und ungewollte Trächtigkeiten auszuschliessen. Dabei werden chirurgisch die Eierstöcke – und je nach Methode auch die Gebärmutter – entfernt. Die Folge: keine Hormonproduktion mehr, keine Läufigkeit.

Darüber hinaus senkt die Kastration das Risiko einer Gebärmutterentzündung (Pyometra) und verringert die Wahrscheinlichkeit bestimmter hormonabhängiger Tumoren, darunter Gesäugetumoren. Ob und wann eine Kastration sinnvoll ist, sollte man mit dem Tierarzt des Vertrauens besprechen – die Antwort hängt von Rasse, Alter und individuellem Gesundheitszustand der Hündin ab.