Vom Züchter nach Hause
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Gut vorbereitet auf die erste Autofahrt mit dem Welpen
Der Abholtag ist für viele zukünftige Welpeneltern einer der Tage, auf die sie wochenlang hingefiebert haben. Für den Welpen selbst bedeutet dieser Tag allerdings etwas ganz anderes: Er verlässt seine bisher vertraute Umgebung, seine Geschwister und seine Mutterhündin und fährt mit Menschen, die er noch nicht lange kennt, in ein völlig neues Zuhause.
Manche Welpen verschlafen einen Großteil der Heimfahrt. Andere sitzen zunächst aufmerksam da, suchen Nähe, werden unruhig oder ihnen wird während der Fahrt übel. All das sollten wir nicht vorschnell bewerten. Diese erste Fahrt ist keine Prüfung dafür, wie „gut“ ein Welpe später Auto fahren wird.
Vor allem bei längeren Strecken gilt deshalb: Gute Vorbereitung nimmt Stress aus einer Situation, die für alle Beteiligten ohnehin aufregend genug ist.
Schon vor dem Abholtag
- Fahrtdauer und Strecke prüfen. Baustellen, erwartbare Staus und mögliche Umfahrungen bereits vorher anschauen. Bei einer langen Strecke können geeignete, ruhige Pausenmöglichkeiten vorab herausgesucht werden.
- Bei großer Entfernung eine Übernachtung erwägen. Gerade wenn am Abholtag extreme Hitze vorhergesagt ist, kann es sinnvoll sein, bereits am Vortag anzureisen und morgens früh mit dem Welpen aufzubrechen.
- Transport mit dem Züchter besprechen. Soll der Welpe in einer Transportbox fahren, lohnt es sich, das rechtzeitig mitzuteilen. Je nach Möglichkeiten des Züchters kann die Box bzw. eine vergleichbare Transportsituation bereits vorher positiv kennengelernt werden. Auch veterinärmedizinische Reiseempfehlungen raten dazu, Hunde vor längeren Fahrten schrittweise an Transport und Autofahren zu gewöhnen. (Merck Veterinary Manual)
- Fütterung absprechen. Der Welpe sollte nicht unmittelbar vor einer langen Autofahrt eine ungewöhnlich große Mahlzeit bekommen. Gleichzeitig würde ich bei einem jungen Welpen keine pauschalen langen Nüchternzeiten empfehlen. Das Vorgehen sollte mit dem Züchter entsprechend Alter, bisheriger Fütterung, Fahrtdauer und Erfahrungen des Welpen abgestimmt werden.
- Wenn möglich zu zweit fahren. Einer fährt, einer kümmert sich um den Welpen. Wenn das nicht möglich ist, muss die sichere Transportmöglichkeit umso sorgfältiger vorbereitet werden.
- Die Betreuung während der Fahrt gehört in erwachsene Hände. Kinder dürfen natürlich dabei sein. Die Verantwortung für Sicherung, Beobachtung und Versorgung des Welpen sollte aber ein Erwachsener übernehmen – idealerweise eine zukünftige Hauptbezugsperson.
Das gehört griffbereit ins Auto
- Wasser und ein kleiner Wassernapf
- eine kleine Portion des gewohnten Futters als Reserve
- saugfähige Unterlagen
- Küchenrolle/Zewa
- Handtücher
- Müllbeutel
- Kotbeutel
- Leine
- passend eingestelltes Halsband oder Geschirr
- eine Decke
- ein geeignetes Kauangebot, sofern der Welpe es bereits kennt
- ein vertrautes Tuch oder Kuscheltier mit Geruch aus der bisherigen Umgebung
- im Winter gegebenenfalls eine geeignete Wärmequelle
- Smartphone und Ladekabel
- Telefonnummer des Züchters
Alles so verstauen, dass der Beifahrer drankommt, ohne während der Fahrt im Kofferraum nach der Küchenrolle suchen zu müssen.
Das vertraut riechende Tuch oder Kuscheltier würde ich nicht unterschätzen. Es macht aus dem neuen Auto zwar keine vertraute Umgebung – bringt aber wenigstens etwas Bekanntes mit auf diese Reise.
Sicherheit geht vor
So verständlich der Wunsch nach möglichst viel Nähe auf dieser ersten Fahrt ist: Der Welpe muss im Auto sicher transportiert werden. Ein ungesicherter Hund kann bereits bei einer starken Bremsung oder einem Ausweichmanöver sowohl selbst schwer verletzt werden als auch für die Insassen zum erheblichen Verletzungsrisiko werden. Nach der Straßenverkehrsordnung gelten Hunde hinsichtlich der Sicherung als Ladung. Geeignete Transportboxen oder entsprechende Rückhaltesysteme sind deshalb die bessere Lösung. (ADAC)
Vor der Abfahrt gemeinsam mit dem Züchter noch einmal kontrollieren, ob Halsband bzw. Geschirr wirklich passen. Gerade ein junger Welpe kann aus einem zu locker eingestellten System erstaunlich schnell herausschlüpfen.
Meine Faustregel beim Aussteigen: Erst sichern, dann die Tür öffnen. Niemals umgekehrt.
An einem unbekannten Ort würde ich einen kleinen Welpen zunächst gesichert aus dem Fahrzeug nehmen und ihn erst mit ausreichend Abstand zum Straßenverkehr absetzen.
Und falls das Auto konstruktionsbedingt Bereiche besitzt, durch die ein Welpe beispielsweise unter einen Sitz oder in Richtung Fahrer gelangen könnte: Diese Bereiche müssen zuverlässig unzugänglich gemacht werden. Ein Welpe hat während der Fahrt nichts an Pedalen, Schaltknauf oder im Bewegungsbereich des Fahrers verloren.
Während der Fahrt: weniger ist oft mehr
Radio und andere unnötige Geräuschquellen dürfen auf dieser besonderen ersten Fahrt gerne ausgeschaltet bleiben. Der Welpe bekommt ohnehin genügend neue Informationen.
Die Klimaanlage sollte für eine angenehme Innenraumtemperatur sorgen, aber nicht dauerhaft direkt auf den Welpen blasen. Entscheidend ist die Temperatur dort, wo der Welpe tatsächlich transportiert wird, nicht nur auf Höhe der Erwachsenen.
Und dann gilt für mich eine ziemlich einfache Regel:
Wenn der Welpe schläft, wird gefahren.
Ein friedlich schlafender Welpe muss nicht nach einem starren Zeitplan geweckt werden, nur weil auf dem Papier jetzt eine Pause vorgesehen war. Gleichzeitig bedeutet dieser Satz natürlich nicht, eine achtstündige Fahrt grundsätzlich ohne Unterbrechung durchzufahren. Bei längeren Reisen müssen Fahrtdauer, Temperatur, Trinkmöglichkeit, Ausscheidungsbedürfnis und Zustand des Welpen berücksichtigt werden. Veterinärmedizinische Reiseempfehlungen nennen für längere Fahrten regelmäßige sichere Pausen als Orientierung. (Merck Veterinary Manual)
Schläft er, darf er schlafen. Er muss nicht gestreichelt, angesprochen oder beschäftigt werden.
Sitzt er zunächst ruhig da und orientiert sich, muss daraus ebenfalls kein Trainingsprogramm entstehen.
Die erste Heimfahrt ist keine Hundeschulstunde.
Wenn der Welpe unruhig wird
Unruhe bedeutet nicht automatisch: „Der hat Angst vorm Autofahren.“
Achten Sie zunächst genauer hin. Muss er sich vielleicht lösen? Ist ihm warm? Wird ihm übel? Benötigt er eine Pause?
Reisekrankheit kann bei Hunden unter anderem mit Speicheln, Lippenlecken, Unruhe, Lautäußerungen, Mattigkeit, Durchfall oder Erbrechen einhergehen. Auch Stress und negative Assoziationen mit dem Autofahren können eine Rolle spielen. (Merck Veterinary Manual)
Bei ausgeprägter oder bereits bekannter Reiseübelkeit gehört eine mögliche medikamentöse Unterstützung vorher mit dem Tierarzt besprochen. Bitte einem jungen Welpen nicht auf eigene Faust irgendwelche Reise- oder Humanmedikamente geben.
Wenn eine Pipipause nötig wird
Gerade bei einem noch nicht vollständig aufgebauten Impfschutz würde ich nicht ausgerechnet die stark frequentierte Hundewiese einer Autobahnraststätte als erste Wahl nehmen.
Wenn es die Verkehrssituation zulässt, lieber einen ruhigen, sicheren Platz wählen und unnötigen Kontakt zu Kot fremder Hunde bzw. stark frequentierten Hundelöseflächen vermeiden. Dabei geht es nicht darum, einen Welpen von der Außenwelt fernzuhalten, sondern vermeidbare Infektionsrisiken vernünftig zu reduzieren. Auch Impfempfehlungen der WSAVA betonen diese Abwägung zwischen notwendiger früher Umwelterfahrung und dem Vermeiden unnötig hoher Exposition gegenüber Infektionserregern. (WSAVA)
Und auch hier wieder:
Leine dran. Sicherung kontrollieren. Dann erst die Autotür öffnen.
Sommer und Winter mitdenken
Bei großer Hitze beginnt die Planung bereits einige Tage vorher. Wenn 35 oder 37 Grad angekündigt sind, würde ich versuchen, die Fahrt möglichst in die kühleren Morgenstunden zu legen. Ein Welpe gehört selbstverständlich niemals alleine in ein abgestelltes, sich aufheizendes Fahrzeug. (Merck Veterinary Manual)
Wasser muss ausreichend vorhanden sein. Zusätzlich gehören für mich Tücher und Waschlappen zur Reiseausstattung. Bei Kühlmaßnahmen würde ich allerdings nicht improvisieren oder einen Welpen großflächig eiskalt einpacken. Entscheidend sind eine angemessene Fahrzeugtemperatur, Luftzirkulation, Wasser und eine vernünftige Reiseplanung.
Im Winter gilt das Gegenteil: Decke und eine sichere Wärmequelle können gerade bei längeren Fahrten oder einer unerwarteten Panne sinnvoll sein. Wärmequellen dürfen natürlich niemals so heiß sein oder so eingesetzt werden, dass Verbrennungs- oder Überhitzungsgefahr besteht.
Und dann: ankommen
Nach mehreren Stunden Autofahrt braucht ein Welpe nicht noch ein Begrüßungskomitee.
Nicht Oma, Opa, Nachbarn und Freunde müssen an der Haustür warten, weil „der Kleine endlich da ist“.
Lassen Sie ihn zunächst ankommen.
Lösen. Orientieren. Wasser anbieten. Neues Zuhause kennenlernen. Ruhe finden.
Der Tag war bereits aufregend genug.
Mein Schlussgedanke
Die Fahrt vom Züchter nach Hause ist für uns Menschen der Beginn von etwas, auf das wir uns vielleicht monatelang gefreut haben.
Für den Welpen ist sie gleichzeitig ein Übergang: weg von allem bisher Vertrauten und hinein in ein Leben, das er noch überhaupt nicht kennt.
Deshalb muss auf dieser Fahrt nichts bewiesen werden. Ein Welpe muss nicht sofort ruhig schlafen, darf Nähe benötigen und darf eine Autofahrt auch einmal ziemlich blöd finden. Und wenn er die ersten 300 Kilometer verschläft, müssen wir ihn genauso wenig wecken, damit er endlich etwas erlebt.
Planen Sie gut. Sichern Sie gut. Beobachten Sie Ihren Welpen – und machen Sie aus dieser ersten Fahrt nicht mehr, als sie sein muss: eine möglichst sichere und ruhige Reise nach Hause.