01Kurzfazit
In einem Absatz
Wenn du nur 30 Sekunden Zeit hast.
Der Havaco ist eine Kreuzung aus Bichon Havanais und English Cocker Spaniel, für die kein Zuchtverband einen Standard führt. Weil die Elternrassen in Grösse, Fell und Arbeitsanlage weit auseinanderliegen, reicht die dokumentierte Spanne von 23 bis 41 Zentimetern Widerristhöhe und 4 bis 14 Kilogramm. Vom Cocker kommt eine Arbeitsanlage, die der FCI-Standard „hauptsächlich beim Folgen einer Spur“ verortet, vom Havaneser die enge Menschenbindung und ein Haarkleid, das ohne wöchentliches Bürsten verfilzt. Wer diesen Mix zu sich holt, plant für Nasenarbeit, für konsequente Ohrenkontrolle und für zwei komplette Gesundheitstest-Sätze, weil sich die Risiken beider Rassen addieren statt sich aufzuheben.
02Einleitung
Was den Havaco ausmacht
Der Havaco ist eine nicht FCI-anerkannte Kreuzung aus Bichon Havanais und English Cocker Spaniel, Widerristhöhe je nach Elternanteil 23 bis 41 cm, mit Hängeohren und ausgeprägter Stöberanlage.
03Steckbrief
Eckdaten und Eignung
- Ursprüngliche Aufgabe
- Begleithund (Bichon Havanais × English Cocker Spaniel)
- Schulterhöhe
- 23–41 cm
- Gewicht
- 4–14 kg
- Felltyp
- Langhaar
- Sportarten
- Nasenarbeit · Dummytraining · Obedience
04Wesen
So zeigt sich der Havaco im Alltag
Der FCI-Standard beschreibt den Bichon Havanais als „speziell aufgeweckt und leicht zum alarmgebenden Hund zu erziehen“, als „liebevoll und fröhlich“ und „sogar etwas närrisch“. Der VDH ergänzt, Havaneser seien „bei richtiger Erziehung keine Kläffer“. Die Anlage zum Melden ist also vorhanden; was daraus wird, entscheiden die ersten Monate.
Die andere Hälfte arbeitet. Der Standard für den English Cocker Spaniel nennt ein „fröhliches Wesen“, das sich „hauptsächlich beim Folgen einer Spur“ zeigt, „unerschrocken in unwegsamem Dickicht“. Der VDH formuliert es als Auftrag: „Stöbern, spurlautes Jagen, Apport und Schweissarbeit sind die eigentlichen Stärken.“ Ein Havaco, der diese Anlage geerbt hat, sucht: im Wald, im Garten und im Wohnzimmer unter dem Sofa.
Zusammen ergibt das einen Hund, der Anschluss braucht und dabei die Nase nicht abschaltet. Menschenbezogenheit von der einen Seite, Sucharbeit von der anderen: Wer den Havaco als reinen Schosshund plant, bekommt einen unterbeschäftigten Stöberhund in einem kleinen Körper. Das zeigt sich selten als Aggression, meist als Unruhe, als Bellen und als selbst gesuchte Beschäftigung an Türrahmen und Teppichkanten.
Für das sogenannte „Cocker Rage“, also plötzliche, scheinbar grundlose Aggression, gibt es keine Evidenz für ein erbliches Syndrom. Die dokumentierten Ursachen sind medizinisch, etwa Epilepsie oder Schmerz, oder sie liegen in Frustration und fehlendem Training. Verhaltensauffälligkeiten gehören deshalb zuerst in die Tierarztpraxis, nicht in die Rassekunde.
Die Bellneigung ist die Stellschraube, an der sich der Alltag entscheidet. Der Havaneser meldet, der Cocker gibt auf der Spur laut, und in einer Etagenwohnung addiert sich beides. Melden von Anfang an unterbrechen und die Ruhe danach belohnen kostet in den ersten sechs Monaten Konsequenz; wer es laufen lässt, verhandelt später mit den Nachbarn statt mit dem Hund.
05Bedürfnisse
Was diese Rasse täglich benötigt
Wie viele Minuten Bewegung ein Havaco täglich braucht, sagt keine belastbare Quelle. Es gibt keine Erhebung an dieser Kreuzung, und die Elternrassen liegen zu weit auseinander, als dass sich eine Zahl mitteln liesse. Belegt ist nur die Richtung: Der VDH nennt beim English Cocker Spaniel „ein hohes Bewegungsbedürfnis“ als ebenso rassetypisch „wie der Wunsch nach abwechslungsreicher Beschäftigung“. Plane nach dem Elternteil, dem Dein Hund körperlich folgt, nicht nach seiner Schulterhöhe.
Sicher benennen lässt sich der Bedarf nach Sucharbeit. Stöbern ist beim Cocker keine Marotte, sondern die im Standard beschriebene Arbeitsanlage. Nasenarbeit, Dummytraining und Futtersuchspiele bedienen das auch auf kleinem Raum, und sie wirken stärker als eine zusätzliche Runde an der Leine: Zwanzig Minuten Suchen setzen diesen Hund verlässlicher herunter als eine Stunde Gehweg.
Das Haarkleid braucht einen festen Platz im Wochenplan. Der Havaneser trägt 12 bis 18 Zentimeter langes Deckhaar bei schwacher bis fehlender Unterwolle, und der FCI-Standard verbietet das Trimmen ausdrücklich. Der Cocker bringt seidiges, gut befedertes Haar mit, das der VDH weder geschnitten noch geschoren sehen will. Wöchentliches Bürsten ist das Minimum der Havaneser-Seite, der Cocker wird zwei- bis dreimal pro Woche durchgearbeitet, und beim Mix gilt der höhere Wert, weil weiches langes Haar an Ohren, Achseln und Hosen zuerst verfilzt.
Die Ohren verlangen bei diesem Mix die meiste Aufmerksamkeit. Beide Elternrassen tragen Hängeohren, und Hängeohren erhöhen in einer Auswertung von 905’554 Hunden das Risiko für eine Entzündung des äusseren Gehörgangs um den Faktor 1,76 gegenüber Stehohren. Für den English Cocker Spaniel selbst wurde Ohrenausfluss mit einer Odds Ratio von 14,66 erfasst, bei einem Konfidenzintervall von 7,73 bis 30,80. Ein Kontrollintervall in Tagen nennt keine dieser Studien; die belegbare Vorgabe lautet hinsehen, riechen, und bei Kopfschütteln, Kratzen oder Geruch am selben Tag in die Praxis statt nächste Woche.
Wie lange ein Havaco allein bleiben kann, ist nicht belegt, weder für die Kreuzung noch als rassespezifischer Wert für eine der Elternrassen. Fest steht, dass beide Ausgangsrassen auf enge Zusammenarbeit mit dem Menschen gezüchtet wurden, die eine als Begleithund, die andere als Jagdhelfer. Alleinbleiben ist bei diesem Hund kein Rassemerkmal, sondern Trainingsarbeit in kleinen Schritten, und sie beginnt am ersten Tag, nicht am ersten Bürotag.
Bewegung
Hoch
Kopfarbeit
Viel
Sozialbedarf
Hoch
Erziehung
Mittel
06Sport & Auslastung
Wozu sich der Havaco sportlich eignet
Realistisch nach Physiologie und Genetik — nicht jede Rasse passt zu jedem Sport.
Strukturell-physiologisch passend: Mantrailing, Dummy-Arbeit, Schweißarbeit geeignet.
07Schnell-Check
08Eignung
Für wen passt diese Rasse — und für wen nicht
✓Passt zu
Für Menschen, die einen kleinen bis mittelgrossen Hund wollen und Beschäftigung nicht als Kür verstehen. Der Havaco passt in eine Stadtwohnung, weil er wenig Platz braucht; er passt nicht in einen Alltag, in dem Suchspiele ausfallen, sobald es regnet.
Für Familien mit Kindern, die einem Hund Ruhe lassen können. Die Havaneser-Seite ist auf Menschen ausgerichtet, die Cocker-Seite auf Zusammenarbeit, und beides macht diesen Mix ansprechbar. Kinder im Schulalter, die einen Rückzugsort respektieren, sind der einfachere Fall als Kleinkinder, die einen langhaarigen Hund als Kuscheltier lesen.
Für Halter mit Hundeerfahrung oder mit der Bereitschaft, sie sich zu holen. Der Cocker gilt beim VDH nicht als Anfängerhund, und diese Anlage verschwindet beim Kreuzen nicht. Eine Hundeschule ab der Welpenzeit ist bei diesem Mix kein Extra, sondern Teil der Grundausstattung.
Für Menschen, die Fellpflege einplanen statt sie zu delegieren. Wer den Kamm zweimal pro Woche in die Hand nimmt und die Ohren dabei mit ansieht, hält den Aufwand klein. Wer erst reagiert, wenn Filz sitzt, zahlt ihn beim Hundesalon nach.
Für Stadtbewohner mit Zugang zu Wiesen, Waldrand oder Hundewiese. Suchen braucht Untergrund, nicht Distanz: Ein Havaco, der täglich in hohem Gras stöbern darf, ist in einer Zweizimmerwohnung ausgeglichener als einer, der zweimal um den Häuserblock geführt wird.
×Passt nicht zu
Nicht für Allergiker. Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie hält fest, dass es hypoallergene Hunderassen nicht gibt und mit dem Begriff nicht mehr geworben werden sollte; eine Untersuchung an 60 Rassen fand für die elf als „hypoallergen“ vermarkteten keinen Vorteil. Dass die Havaneser-Hälfte wenig Unterwolle trägt, ändert daran nichts.
Nicht für Haushalte, in denen der Hund den Grossteil des Arbeitstags allein bleiben soll. Beide Elternrassen sind auf ständigen Kontakt gezüchtet, und keine Quelle beziffert eine Zeitspanne, ab der das unproblematisch wäre. Wer neun Stunden ausser Haus ist und keine Betreuung organisiert, sollte diesen Mix nicht wählen.
Nicht für Menschen, die einen planbaren Hund brauchen. Ohne Standard sind Endgrösse, Fellstruktur und Arbeitsanlage Variablen: 23 oder 41 Zentimeter, seidig oder wollig, ruhiger Begleithund oder Nase am Boden. Wer aus gesundheitlichen, beruflichen oder wohnrechtlichen Gründen eine verlässliche Grösse braucht, kauft eine Rasse mit Standard.
Nicht für Haushalte ohne Zeitbudget für Fell und Ohren. Zwei- bis dreimal wöchentlich bürsten, dazu Sichtkontrolle der Hängeohren, ist der Grundaufwand; Otitis externa trifft nach einer britischen Auswertung 10,40 Prozent der English Cocker Spaniel, und diese Vorbelastung wandert mit ins Kreuzungsprodukt.
Nicht für Käufer, die den niedrigsten Preis suchen. Ein Wurf ohne Zuchtordnung ist billig zu produzieren, und genau das macht die Kreuzung für Vermehrer attraktiv. Wer beim Preis spart, bezahlt die Differenz erfahrungsgemäss beim Tierarzt und im Training nach.
10Linien-Realität
Show-Linie, Arbeitslinie, Vermehrer-Markt
Linien im zuchtrechtlichen Sinn gibt es beim Havaco nicht. Ohne Zuchtbuch existiert keine Ahnentafel, ohne Verband keine Zuchtordnung, ohne Zuchtordnung keine Auflage, welche Untersuchungen ein Elterntier vorweisen muss. Was als „Linie“ beworben wird, ist eine Selbstauskunft des Anbieters.
Bei den Elternrassen ist die Lage anders. Havaneser werden im VDH und in FCI-Mitgliedsverbänden gezüchtet, der English Cocker Spaniel kennt zusätzlich die Trennung zwischen Ausstellungs- und Arbeitslinien, mit deutlich unterschiedlichem Temperament. Für den Havaco heisst das: Aus welcher dieser Welten das Cocker-Elterntier stammt, entscheidet mehr über Deinen Alltag als der Name der Kreuzung.
Der dritte Weg ist der Vermehrer-Markt. Designerhund-Namen funktionieren dort als Preisargument, weil sie Exklusivität behaupten, ohne dass ein Verband Anforderungen stellt. Der Deutsche Tierschutzbund erfasste 2024 in 224 dokumentierten Fällen illegalen Heimtierhandels 991 Tiere.
Für die Suche folgt daraus eine einfache Prüfung: Frag nach den Papieren der Elterntiere, nicht nach denen des Welpen. Ein Havaco-Welpe wird keine Ahnentafel haben, seine Eltern können eine haben, und mit ihr kommen Zuchtzulassung, Gesundheitsbefunde und ein Verein, bei dem sich das nachprüfen lässt.
11Gesundheit · Realität
Was du beim Havaco medizinisch einplanen musst
Für den Havaco selbst existieren keine Gesundheitsdaten. Es gibt keine Kohorte, keine Prävalenzen, keine Sterbetafel für diese Kreuzung. Jede Zahl auf dieser Seite ist eine Zahl der Elternrassen, und sie gilt für Deinen Hund nur insoweit, als er das jeweilige Erbe mitbringt.
Von der Havaneser-Seite kommen Patellaluxation, Augenerkrankungen und Skelettbefunde. Die OFA erfasst die Patella in den Graden 1 bis 4 und untersucht ab einem Alter von zwölf Monaten; ein DNA-Test existiert dafür nicht. Dazu kommen Katarakt, Netzhautatrophie, Retinafalten, Distichiasis und Cherry Eye, Hüftgelenkdysplasie, Legg-Calvé-Perthes und Taubheit, die über einen BAER-Test erfasst wird. Die Sebaceous Adenitis, eine Entzündung der Talgdrüsen, lag in der Gesundheitsumfrage des amerikanischen Havaneser-Klubs von 2014 bei 0,8 ± 0,2 Prozent.
Von der Cocker-Seite kommen zwei erbliche Erkrankungen und ein Ohrenproblem. Die prcd-Form der progressiven Retinaatrophie wird autosomal-rezessiv vererbt, die verursachende Mutation ist identifiziert. Die Familiäre Nephropathie, ein Defekt im COL4A4-Gen, wird ebenfalls autosomal-rezessiv vererbt und wurde 1957 erstmals beim English Cocker Spaniel beschrieben; in einer brasilianischen Stichprobe von 221 English Cocker Spaniels lag die Allelfrequenz der ursächlichen Variante c.115A>T bei 0,9 Prozent. Die Arbeit beschreibt sie als fortschreitend und im Jugendalter tödlich; die Variante ist per DNA-Test erfassbar. Otitis externa wurde bei 10,40 Prozent der English Cocker Spaniel erfasst, Keratoconjunctivitis sicca mit einer Odds Ratio von 7,64. Bemerkenswert ist der Gegenbefund: Für atopische Dermatitis und Allergie liegt der English Cocker Spaniel mit einer Odds Ratio von 0,14 am unteren Ende, das betrifft die Haut des Hundes, nicht die Allergie seines Halters.
Ein Sonderfall ist die Körpergrösse der Havaneser-Hälfte. Das FGF4-Retrogen auf Chromosom 18 ist beim Havaneser praktisch fixiert: Die Allelfrequenz von 0,975 ist das Komplement des gemessenen Wildtyp-Anteils von 0,025; Träger des Wildtyps massen im Mittel 31,3 Zentimeter gegenüber 26,4 Zentimetern bei den übrigen Tieren. Praktisch heisst das: Diese Variante steuert beim Havaneser die Grösse, sie erzeugt keine Dackel-Proportionen, und sie ist ein Grund mehr, die Endgrösse eines Havaco nicht vorherzusagen.
Zur Lebenserwartung gibt es nur Elternwerte, und auch die nur zur Hälfte. Für den English Cocker Spaniel kommt eine britische Auswertung der Primärversorgung ab Geburt gerechnet auf 11,23 Jahre. Für den Havaneser existiert kein Studienwert. Deshalb nennt diese Seite keine Lebenserwartung für den Havaco: Eine Spanne aus einem halben Elternwert wäre geraten, nicht belegt.
12Strukturdaten
Gesundheit nach Zahlen
Anfällige Erkrankungen
Otitis externa, Patellaluxation, Progressive Retinaatrophie (prcd-PRA), Familiäre Nephropathie (COL4A4), Katarakt
Empfohlene Gesundheitstests
Patella-Untersuchung (OFA, ab 12 Monaten), jährliche Augenuntersuchung (ACVO/CAER), DNA-Test Familiäre Nephropathie (COL4A4), HD-Röntgen
13Mythen ↔ Realität
Was über diese Rasse oft falsch erzählt wird
Fünf Mythen, fünf Realitäten, fünf Quellen.
Ein Havaneser-Mix ist allergikergeeignet.
Hypoallergene Hunderassen gibt es nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie nicht; in einer Untersuchung an 60 Rassen zeigten die elf als hypoallergen vermarkteten keinen Vorteil.
Mischlinge sind automatisch gesünder als Rassehunde.
Eine Auswertung von 27’254 Fällen an der UC Davis verglich 24 Erbstörungen: 13 zeigten keinen Unterschied, 10 traten bei Rassehunden häufiger auf, eine (der Kreuzbandriss) häufiger bei Mischlingen. Der Vorteil hängt an der einzelnen Erkrankung, nicht am Status als Mischling.
Ein kleiner Hund braucht wenig Auslauf.
Der FCI-Standard führt den English Cocker Spaniel unter den Stöberhunden mit Arbeitsprüfung und beschreibt ein Wesen, das sich hauptsächlich beim Folgen einer Spur zeigt, unerschrocken in unwegsamem Dickicht. Diese Anlage verschwindet nicht, wenn der Hund kleiner ausfällt.
Ohne Zuchtordnung braucht es auch keine Gesundheitstests.
Von der Cocker-Seite kommt die Familiäre Nephropathie mit Defekt im COL4A4-Gen, autosomal-rezessiv vererbt; die Arbeit beschreibt sie als fortschreitend und im Jugendalter tödlich. Ein Gentest existiert unabhängig davon, ob ein Verband ihn vorschreibt.
Schlappohren sind nur eine Frage der Optik.
In einer Auswertung von 905’554 Hunden lag die Jahresprävalenz der Otitis externa bei 7,30 Prozent, und Hängeohren erhöhten das Risiko um den Faktor 1,76. Beim English Cocker Spaniel wurde Ohrenausfluss mit einer Odds Ratio von 14,66 erfasst. Der Havaco erbt die Ohrform von beiden Seiten.
14Tierschutz
Die Tierschutz-Perspektive
Vermehrer-Markt, Designer-Versionen, Tierheim-Realität — was niemand auf der Welpen-Anzeige schreibt.
Ein Designerhund entsteht, weil jemand ihn nachfragt. Wer einen Welpen kauft, trägt Verantwortung für die Nachfrage, die er erzeugt, nicht als Vorwurf, sondern als Rechnung: Jeder verkaufte Wurf finanziert den nächsten, und wer nach Verfügbarkeit statt nach Herkunft entscheidet, finanziert den falschen.
Die Zahlen zum illegalen Heimtierhandel liefert der Deutsche Tierschutzbund: 2024 erfasste er 224 dokumentierte Fälle mit 991 Tieren. Der Havaco gehört in dieselbe Marktlogik: ein Kreuzungsname, der sich verkaufen lässt, ohne dass ein Verband Anforderungen an die Elterntiere stellt, auch wenn für ihn keine eigenen Zahlen vorliegen.
Wo solche Tiere landen, zahlen andere: Beschlagnahmte Tiere kommen in Tierheime, die nicht Verursacher sind. Das ist der Teil der Rechnung, der nie beim Käufer ankommt und trotzdem bezahlt wird.
Ein Begriff verdient dabei besondere Vorsicht. „Teacup“ ist nach Einschätzung der Welttierschutzgesellschaft „eine reine Marketing-Erfindung“ und beschreibt keine Grösse, sondern ein Verkaufsversprechen, für das Tiere gezielt untergewichtig gezüchtet oder als solche verkauft werden. Wer ein Angebot für einen „Teacup Havaco“ liest, hat die Antwort auf die Frage nach der Seriosität bereits vor sich.
15Kosten · Transparenz
Was diese Rasse realistisch kostet
Für den Welpenpreis eines Havaco gibt es keinen belastbaren Beleg. Kursierende Zahlen stammen von Verkaufsplattformen und Anbieterseiten, nicht aus einer Erhebung. Als Anker taugt der Schweizer Referenzwert: Die SKG nennt für einen Welpen mit FCI-Papieren 1’500 bis 3’000 Franken, Papiere, die ein Havaco per Definition nicht mitbringt. Ein Preis in dieser Höhe ohne Ahnentafel ist deshalb kein Qualitätssignal, sondern eine Frage an den Anbieter.
Die laufenden Kosten sind besser dokumentiert. Für die Schweiz werden im Anschaffungsjahr rund 4’500 Franken veranschlagt und in den Folgejahren rund 2’000 Franken. Darin enthalten sind Futter mit 50 bis 200 Franken pro Monat, die Hundesteuer mit 80 bis 200 Franken pro Jahr und die Hundeschule mit 30 bis 60 Franken in der Gruppe beziehungsweise 80 bis 160 Franken im Einzelunterricht. Hundesalon und Ohrenkontrollen sind in diesen Summen nicht ausgewiesen, beim Havaco fallen sie zusätzlich an.
Für die Behandlungskosten liefert die deutsche Gebührenordnung für Tierärzte amtliche Anker, jeweils zum einfachen Satz und mit zulässiger Steigerung bis zum dreifachen. Die allgemeine Untersuchung steht mit 23,62 Euro in der Anlage, die Video-Otoskopie mit 16,00 Euro je Ohr, die Spülung bei Otitis externa mit 19,65 Euro. Das sind die Positionen, die bei einem Hängeohr-Mix regelmässig wiederkehren, nicht die Ausnahme.
Der teure Fall ist die Patella. Die Operation steht in der Gebührenordnung unter Position 872 mit 192,00 Euro zum einfachen Satz, also 192 bis 576 Euro allein für diese Position, ohne Narkose, Material, Bildgebung und Stationäres. Das Universitäre Tierspital Zürich weist für die Operation einer medialen Patellaluxation ab 1’250 Franken aus, Anästhesie, Material und Hospitalisation ausdrücklich nicht enthalten. Wer keine Rücklage in dieser Grössenordnung hat, braucht eine Krankenversicherung für den Hund.
16Welpensuche
Worauf du bei der Zuchtwahl achten musst
- Verlang zwei vollständige Testsätze, nicht einen.
- Von der Cocker-Seite gehört der DNA-Test auf Familiäre Nephropathie dazu, dazu der Augenbefund beider Elterntiere wegen der prcd-Form der Netzhautatrophie; beide Erkrankungen werden autosomal-rezessiv vererbt.
- Von der Havaneser-Seite gehören die Patella-Untersuchung nach OFA-Schema ab zwölf Monaten, die Hüftauswertung und die jährliche Augenuntersuchung nach ACVO-Standard dazu, deren Befund zwölf Monate gültig ist.
- Weil für Havaco-Würfe keine verbindliche Zuchtordnung existiert, ist der Kaufvertrag der einzige Standard, den Du durchsetzen kannst.
- Lass Dir die Befunde im Original zeigen, mit Datum, Untersucher und Chipnummer des Elterntiers, statt Dich auf die Aussage zu verlassen, es sei „alles getestet“.
- Eine Kopie, die keinen Namen trägt, belegt nichts.
- Sieh beide Elterntiere, und sieh sie dort, wo die Welpen aufwachsen.
- Die Hündin gehört zum Wurf, der Rüde steht oft anderswo: Dann lass Dir Bilder, Papiere und Kontakt des Besitzers geben.
- Schau bei beiden in die Ohren: gerötete, riechende oder verkrustete Gehörgänge bei einem Elterntier sind bei diesem Mix der aussagekräftigste Befund, den Du ohne Labor erheben kannst.
- Zieh die Reissleine bei diesen Signalen: mehrere Kreuzungsnamen gleichzeitig im Angebot, Abgabe vor der achten Lebenswoche, Übergabe auf einem Parkplatz oder an der Autobahn, fehlende Bereitschaft zum Besuch, und „allergikergeeignet“ als Verkaufsargument.
- Der letzte Punkt ist der einfachste Test: Wer damit wirbt, hat entweder nicht nachgelesen oder rechnet damit, dass Du es nicht tust.
FAQ
Häufige Fragen zum Havaco
Ist Havaco für Anfänger geeignet?
Havaco ist für Ersthundehalter nur bedingt geeignet und passt besser zu Menschen mit Hundeerfahrung.
Ist Havaco ein Familienhund?
Havaco gilt bei guter Sozialisierung und artgerechter Haltung als familientauglich.
Passt Havaco in eine Wohnung?
Mit genügend Auslauf und Beschäftigung lässt sich Havaco auch in einer Wohnung halten.
Welche Grösse und welches Gewicht hat Havaco?
Ausgewachsen erreicht Havaco etwa 23–41 cm Widerristhöhe und wiegt rund 4–14 kg.
Welche Krankheiten treten bei Havaco häufig auf?
Otitis externa, Patellaluxation, Progressive Retinaatrophie (prcd-PRA), Familiäre Nephropathie (COL4A4), Katarakt
17Rasseclubs
Offizielle Rasseclubs in DACH
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Passt diese Rasse zu dir?
Kleiner bis mittelgrosser Begleithund mit Stöberhund-Erbe. Stadtgeeignet, menschenbezogen, braucht Nasenarbeit und konsequente Ohrenkontrolle.
