9 Notfallzeichen, bei denen dein Hund sofort zum Tierarzt muss
Neun Zeichen, bei denen du nicht abwarten solltest. Mit Infografik zum Herunterladen, Ausdrucken und Teilen, damit sie im Ernstfall griffbereit ist.

Kurz gesagt
Ein Notfall beim Hund liegt vor, wenn er erfolglos würgt, Gift gefressen hat, schlecht Luft bekommt, nach Hitze taumelt, länger als fünf Minuten krampft, keinen Urin absetzt, einen Unfall hatte, wiederholt erbricht oder nicht mehr aufsteht. In diesen Fällen rufst du die Praxis oder Notfallklinik an und fährst sofort los.
Inhalt
- Was tun, wenn dein Hund würgt, aber nichts kommt?
- Was tun, wenn dein Hund etwas Giftiges gefressen hat?
- Woran erkennst du, dass dein Hund schlecht Luft bekommt?
- Was tun, wenn dein Hund nach Hitze taumelt?
- Wann ist ein Krampfanfall beim Hund ein Notfall?
- Was tun, wenn dein Hund presst, aber kein Urin kommt?
- Muss dein Hund nach einem Unfall zum Tierarzt, wenn er munter wirkt?
- Wann wird Erbrechen beim Hund zum Notfall?
- Was tun, wenn dein Hund plötzlich nicht mehr aufsteht?
- Was tun, wenn du unsicher bist?
- Häufige Fragen
- Quellen
Stand 29. Oktober 2026Redaktionell verantwortlich: Roger Klein
Infografik von rundum.dog, Illustrationen KI-generiert.
Bei manchen Symptomen zählt jede Stunde. Wer abwartet, ob es von allein besser wird, verliert bei einer Magendrehung, einer Vergiftung oder einem Harnverschluss die Zeit, in der die Behandlung noch gut ausgeht. Bei den folgenden neun Zeichen rufst du die Praxis oder die Notfallklinik an und fährst los.
Was tun, wenn dein Hund würgt, aber nichts kommt?
Fahr sofort in die Praxis oder Notfallklinik, denn unproduktives Würgen mit prallem, hartem Bauch ist das Leitsymptom der Magendrehung. Der Magen dreht sich um die eigene Achse, Gas staut sich, und die Blutversorgung von Magen und Milz bricht ab. Ohne sofortige Behandlung stirbt der Hund am Kreislaufschock, und jede Stunde Verzögerung verschlechtert die Aussichten. Betroffen sind vor allem grosse Rassen mit tiefem Brustkorb wie Deutsche Dogge, Schäferhund, Weimaraner oder Bernhardiner, häufig nach einer grossen Mahlzeit oder wenn der Hund direkt nach dem Fressen tobt. Typisch sind Unruhe, Speicheln, ein aufgeblähter Bauch und Würgen, bei dem höchstens etwas Schaum kommt. Manche Hunde stehen mit gekrümmtem Rücken da oder legen sich immer wieder hin und stehen sofort wieder auf. Diese Zeichen reichen als Grund loszufahren, eine sichere Diagnose braucht es dafür nicht. Ruf unterwegs an, damit das Team den Operationssaal vorbereiten kann.
Was tun, wenn dein Hund etwas Giftiges gefressen hat?
Ruf sofort die Praxis an und fahr hin, auch wenn dein Hund noch munter wirkt. Schokolade, Trauben und Rosinen, Xylit (Birkenzucker in Kaugummi und zuckerfreien Süssigkeiten), Rattengift und Medikamente aus der Hausapotheke gehören zu den häufigsten Vergiftungen. Schon kleine Mengen können reichen, gerade bei kleinen Hunden. Viele Gifte wirken erst Stunden später, Rattengift sogar erst nach Tagen, weil es die Blutgerinnung langsam ausschaltet. Wer wartet, bis Symptome auftreten, verschenkt die Zeit, in der sich das Gift noch aus dem Magen holen lässt.
Lass deinen Hund nicht selbst erbrechen. Salzwasser und Wasserstoffperoxid schaden mehr, als sie nützen. Die Praxis löst das Erbrechen mit einem Medikament kontrolliert aus, wenn es sinnvoll ist. Nimm die Verpackung oder einen Rest mit und schätze ab, wie viel gefehlt hat und wann dein Hund es gefressen hat.
Woran erkennst du, dass dein Hund schlecht Luft bekommt?
Bläuliches, graues oder kreideweisses Zahnfleisch zeigt, dass zu wenig Sauerstoff im Blut ankommt oder der Kreislauf versagt. Ein zweites Zeichen ist die Atmung in Ruhe. Der Hund liegt still, atmet aber angestrengt, streckt den Hals vor, und der Bauch pumpt bei jedem Atemzug mit. Schau dir das Zahnfleisch deines Hundes einmal an, wenn er gesund ist. Dann erkennst du im Ernstfall den Unterschied. Bei Atemnot zählt jede Minute, fahr direkt los und halte den Hund ruhig.
Was tun, wenn dein Hund nach Hitze taumelt?
Kühl ihn ab und fahr danach in die Praxis, denn heftiges Hecheln, Schwäche, Taumeln oder Erbrechen nach einer Autofahrt oder einer Runde in der Sommerhitze deuten auf einen Hitzschlag. Hunde kühlen fast nur über das Hecheln ab, und das reicht bei Hitze und Belastung schnell nicht mehr. Bring den Hund in den Schatten, befeuchte ihn mit kühlem, nicht eiskaltem Wasser und fahr dann zur Praxis, auch wenn er sich zu erholen scheint. Organschäden an Nieren, Leber und Gerinnung zeigen sich oft erst Stunden später.
Wann ist ein Krampfanfall beim Hund ein Notfall?
Ein Krampfanfall, der länger als fünf Minuten dauert, ist ein Notfall. So definiert der Konsens der amerikanischen Fachgesellschaft für Veterinär-Innere Medizin (ACVIM, 2023) den Status epilepticus. Dasselbe gilt für mehrere Anfälle hintereinander, ohne dass der Hund dazwischen wieder zu sich kommt, und für mehrere Anfälle innert 24 Stunden (Cluster-Anfälle). Je länger ein Anfall andauert, desto schwerer lässt er sich mit Medikamenten stoppen, und das Gehirn kann durch Überhitzung und Sauerstoffmangel bleibend Schaden nehmen. Schau auf die Uhr, sobald der Anfall beginnt. Zwei Minuten fühlen sich im Ernstfall wie zehn an, und die genaue Dauer hilft der Praxis bei der Entscheidung. Fass dem Hund nicht ins Maul, er verschluckt seine Zunge nicht, kann im Krampf aber ungewollt zubeissen. Räum Möbel und Treppenkanten aus dem Weg, dunkle den Raum ab und filme den Anfall, wenn jemand die Hände frei hat. Das Video zeigt der Praxis mehr als jede Beschreibung.
Was tun, wenn dein Hund presst, aber kein Urin kommt?
Fahr sofort in die Praxis, denn kein Urin trotz wiederholter Versuche kann einen Harnverschluss bedeuten. Rüden trifft das häufiger, weil ihre Harnröhre länger und enger ist und Harnsteine darin stecken bleiben. Die Blase füllt sich weiter, die Nieren stauen, und giftige Stoffe sammeln sich im Blut. Ein vollständiger Verschluss endet ohne Behandlung innert weniger Tage tödlich. Der Harnverschluss wird leicht mit Verstopfung verwechselt, weil der Hund in beiden Fällen presst und sich quält. Achte deshalb darauf, ob er beim Pressen Harn- oder Kotstellung einnimmt, und ob überhaupt Tropfen kommen. Auch ein paar Tropfen mit Blut sind kein normales Wasserlassen. Weitere Zeichen sind Unruhe, Lecken an der Genitalregion, ein schmerzhafter Bauch und später Erbrechen und Teilnahmslosigkeit. Gib keine Schmerzmittel aus der eigenen Hausapotheke.
Muss dein Hund nach einem Unfall zum Tierarzt, wenn er munter wirkt?
Ja, jeder Hund gehört nach einem Unfall untersucht, auch wenn er gesund wirkt. Nach einem Zusammenstoss mit einem Auto oder einem Sturz stehen viele Hunde auf und laufen weiter. Das Adrenalin verdeckt Schmerzen. Innere Blutungen, ein Riss in der Lunge oder eine verletzte Blase zeigen sich oft erst Stunden später, etwa durch blasses Zahnfleisch, schnelle Atmung oder einen dicker werdenden Bauch. Leg verletzte Hunde für den Transport flach auf eine Decke und sichere sie, denn auch ein sanfter Hund kann vor Schmerz schnappen.
Wann wird Erbrechen beim Hund zum Notfall?
Mehrmals hintereinander erbrechen, Blut im Erbrochenen oder im Kot oder ein Hund, der zusätzlich schlapp wird, sind Gründe für die Praxis. Einmal erbrechen kommt vor und ist meist harmlos. Welpen und alte Hunde haben aber wenig Reserven und trocknen schnell aus. Hinter wiederholtem Erbrechen kann auch ein verschluckter Fremdkörper stecken, etwa ein Socken, ein Spielzeugteil oder ein Maiskolben, der den Darm verschliesst. Hat dein Hund kurz vorher etwas Ungewöhnliches gefressen oder zerkaut, sag das am Telefon gleich dazu.
Was tun, wenn dein Hund plötzlich nicht mehr aufsteht?
Fahr ohne Umweg in die Praxis, denn schleifende oder wegknickende Hinterbeine deuten häufig auf einen Bandscheibenvorfall. Rassen wie Dackel, Französische Bulldogge oder Beagle sind besonders oft betroffen. Die Chancen auf vollständige Erholung hängen davon ab, wie schnell der Hund behandelt wird. Manchmal entscheiden wenige Stunden über eine Operation. Trag ihn so ruhig und gerade wie möglich, am besten auf einem Brett oder einer straff gehaltenen Decke, und lass ihn nicht selbst Treppen steigen.
Was tun, wenn du unsicher bist?
Ruf an. Keine Liste deckt jeden Notfall ab, und die Praxis entscheidet am Telefon, ob es warten kann. Ein Anruf zu viel kostet dich ein paar Minuten, einer zu wenig im schlimmsten Fall deinen Hund. Speichere die Notfallnummer deiner Praxis und der nächsten Tierklinik mit Nachtdienst jetzt im Handy, sonst suchst du im Ernstfall unter Stress danach. Was du bis zur Praxis selbst tun kannst, steht in der Notfallkarte für Hunde.
Tierarzt in deiner Nähe finden, mit Sprechzeiten und Notfalldienst im Verzeichnis von rundum.dog
Häufige Fragen
Wann muss ich mit meinem Hund in die Notfallklinik?
Sofort, wenn dein Hund erfolglos würgt und der Bauch hart wird, wenn er Gift gefressen hat, schlecht Luft bekommt, nach Hitze taumelt, länger als fünf Minuten krampft, keinen Urin mehr absetzt, einen Unfall hatte, wiederholt oder blutig erbricht oder plötzlich nicht mehr aufstehen kann. Ausserhalb der Sprechzeiten ist die Notfallklinik oder der tierärztliche Notdienst deiner Region zuständig.
Soll ich meinen Hund nach einer Vergiftung erbrechen lassen?
Nein. Hausmittel wie Salzwasser oder Wasserstoffperoxid können selbst vergiften oder die Speiseröhre verätzen. Bei manchen Giften, etwa ätzenden Stoffen, schadet Erbrechen zusätzlich. Die Praxis entscheidet, ob Erbrechen sinnvoll ist, und löst es mit einem Medikament kontrolliert aus. Ruf sofort an und nimm die Verpackung mit.
Wie lange darf ein Krampfanfall beim Hund dauern?
Die meisten Anfälle hören nach wenigen Minuten von selbst auf. Dauert er länger als fünf Minuten, gilt er als Status epilepticus und braucht sofort Medikamente. Ebenso dringend sind mehrere Anfälle kurz hintereinander, zwischen denen der Hund nicht zu sich kommt. Nach einem kurzen, ersten Anfall solltest du am selben Tag in der Praxis anrufen.
Darf ich die Infografik weitergeben?
Ja. Du darfst sie ausdrucken, aufhängen, in Chats und sozialen Netzwerken teilen und in deiner Hundeschule, im Verein oder in der Praxis auslegen, solange sie unverändert bleibt und rundum.dog als Quelle sichtbar ist. Die Grafik ersetzt keine tierärztliche Beratung, sie hilft nur, einen Notfall früher zu erkennen.
Quellen
- Charalambous M. et al. (2023). ACVIM consensus statement on the management of status epilepticus and cluster seizures in dogs and cats. Journal of Veterinary Internal Medicine.
- DocCheck Flexikon. Magendrehung (Hund).
- PetMD. Urinary Tract Blockage in Dogs.
- Österreichischer Tierschutzverein, Presseaussendung. Für Hunde gefährliche Lebensmittel (PDF).
