Training & Erziehung

Hui oder Pfui? Das Hinternschnüffeln bei Hunden

Hunde schnüffeln am Po anderer Hunde, um lebenswichtige Informationen über Alter, Geschlecht und Gesundheitsstatus zu sammeln. Bei Menschen ist Training sinnvoll, zwischen Hunden solltest du es nicht unterbinden.

3 Min Lesezeit
Hui oder Pfui? Das Hinternschnüffeln bei Hunden
Inhalt
  1. Warum schnüffeln Hunde am Hintern anderer Hunde?
  2. Warum schnüffeln Hunde Menschen im Genitalbereich?
  3. Solltest du das Hinternschnüffeln unterbinden?
  4. Wie trainierst du höflicheres Begrüßungsverhalten?

Dein Hund macht beim Kennenlernen direkt die Nase in den Hintern des anderen – und du stehst daneben und fragst dich, ob irgendetwas mit ihm nicht stimmt. Keine Sorge: Das ist nicht nur völlig normal, für Hunde ist es schlicht unverzichtbar. Sie lesen dort Dinge, die wir mit unseren Sinnen nie erfassen würden.

Warum schnüffeln Hunde am Hintern anderer Hunde?

Im Analbereich eines Hundes sitzen kleine Drüsen, die eine Art persönliche Duftsignatur produzieren. Nicht irgendeine – eine sehr präzise. Alter, Geschlecht, aktueller Gemütszustand, Gesundheitsstatus: Das alles steckt in diesem chemischen Fingerabdruck.

Man könnte sagen, die Analdrüsen sind so etwas wie ein biologischer Ausweis. Binnen weniger Sekunden weiß ein Hund, wer da vor ihm steht – ob Rüde oder Hündin, ob entspannt oder angespannt, ob ranghoher Platzhirsch oder eher unsicherer Zeitgenosse. Für uns ist das unsichtbar. Für den Hund ist es genauso selbstverständlich wie für uns ein Blick ins Gesicht.

Bei läufigen Hündinnen wird das Signal deutlich stärker. Rüden können darüber den Fruchtbarkeitsstatus ziemlich genau einschätzen – ein alter Trick der Evolution, der bei der Partnerwahl seit Jahrtausenden funktioniert.

Warum schnüffeln Hunde Menschen im Genitalbereich?

Menschen senden ähnliche chemische Signale aus wie Hunde – nur eben viel schwächer. Der Hund versucht schlicht dasselbe zu tun wie beim Artgenossen: dich zu „lesen“. Wo genau die meisten Informationen sitzen? Nun ja. Genau da.

Besonders intensiv wird das bei Frauen während der Menstruation oder bei Menschen, deren Körper hormonelle oder gesundheitliche Veränderungen durchmacht. Hunde können Hormonschwankungen erschnüffeln – manche sogar bestimmte Krebsarten oder drohende Epilepsie-Anfälle, bevor irgendein Symptom sichtbar wird. Ihr Geruchssinn ist laut Forschung rund 10.000-mal feiner als unserer. Das ist keine Übertreibung.

Wenn dein Hund immer wieder hartnäckig an derselben Körperstelle schnüffelt, kann das also tatsächlich ein Hinweis auf etwas sein – und nicht nur eine schlechte Angewohnheit.

Solltest du das Hinternschnüffeln unterbinden?

Zwischen Hunden? Bitte nicht. Du würdest ihnen buchstäblich die Sprache verbieten. Das Schnüffeln ist kein lästiges Anhängsel des Begrüßungsrituals – es ist das Begrüßungsritual.

Anders sieht es aus, wenn dein Hund Gästen die Nase in den Schritt drückt. Da ist Training sinnvoll. Nicht weil das Verhalten falsch wäre, sondern weil es – sagen wir mal – sozial nicht überall willkommen ist.

Und bitte: Niemals das Schnüffeln zwischen zwei Hunden abrupt unterbrechen. Gib ihnen 3 bis 5 Sekunden für den Informationsaustausch. Dann ruf deinen Hund zu dir – ruhig, ohne Drama.

Wie trainierst du höflicheres Begrüßungsverhalten?

Das „Schau“-Kommando ist ein guter Einstieg. Dein Hund soll bei Begegnungen zuerst Blickkontakt zu dir aufnehmen, statt sofort loszustürmen. Klingt simpel. Braucht ein bisschen Geduld, aber es funktioniert.

Belohne ihn, wenn er dich zuerst ansieht. Erst wenn du „OK“ gibst, darf er zum anderen Hund. So bleibt die Kontrolle bei dir – ohne dass du ständig verbieten musst.

Bei Begegnungen mit Menschen hilft eine simple Regel: Erst setzen, dann begrüßen. Ein Hund, der sitzt, kann schlecht gleichzeitig seine Nase irgendwo hinstecken, wo sie nicht hingehört.

Was tun wenn Gäste kommen?

Leg deinen Hund an die Leine, bevor der Besuch die Tür öffnet. Führ ihn kontrolliert zum Gast hin und lass ihn erst nach dem „Sitz“-Kommando begrüßen. Das klingt nach viel Aufwand – nach ein paar Mal ist es Routine.

Wie lange dauert das Training?

Plane 4 bis 6 Wochen ein, wenn du wirklich konsequent dranbleibst. Bei Hunden über 2 Jahren kann es länger dauern – das Verhalten ist dann schon tief verwurzelt, aber nicht unveränderbar.

Was wenn der Hund trotzdem schnüffelt?

Ruhig bleiben und umlenken. Schimpfen bringt meistens das Gegenteil von dem, was man will: Der Hund interpretiert deine Aufregung als Reaktion auf ihn – und das kann das Verhalten sogar verstärken.

Ist häufiges Po-Schnüffeln ein Gesundheitsproblem?

Wenn dein Hund obsessiv am eigenen Hintern oder immer an derselben Stelle bei anderen Hunden leckt oder schnüffelt, kann das auf Analdrüsenprobleme hinweisen. In dem Fall: ab zum Tierarzt. Lieber einmal zu viel nachfragen als zu lange warten.