Region Engiadina Bassa / Val Müstair
KI-generiertes Beispielbild für Region Engiadina Bassa / Val Müstair. Du kennst diesen Ort? Schick uns dein Foto – wir tauschen es gerne aus. Hund in der Engiadina Bassa / Val Müstair: Was wirklich gilt
Der Inn schlängelt sich durch ein breites Tal, das sich von Zernez bis zur österreichischen Grenze bei Martina zieht. Die Engiadina Bassa, das Unterengadin, liegt im äussersten Osten Graubündens, eingerahmt von Kalkfelswänden, Bergföhrenwäldern und Alpweiden. Wer das Tal zum ersten Mal durchfährt, fragt sich vielleicht, wieso der Rest der Schweiz so wenig davon weiss. Südlich des Ofenpasses schliesst das Val Müstair an: ein abgelegenes Tal mit einem eigenen Rhythmus, das sich bis zur Grenze nach Südtirol erstreckt.
Verwaltungstechnisch bilden die beiden Täler eine gemeinsame Region im Kanton Graubünden. Scuol ist der grösste Ort und das politische Zentrum. Für Hundehalter heisst das: Der Kanton gibt den Rahmen vor, die Gemeinden konkretisieren. Im Kanton Graubünden gilt es, die jeweiligen Regelungen auf Gemeindeebene zu beachten, die eine generelle Leinenpflicht oder Leinenpflicht im bewohnten Gebiet vorschreiben können. Wer mit dem Hund hierherkommt, muss also die Gemeindevorschriften am jeweiligen Aufenthaltsort kennen, nicht nur das kantonale Recht.
Leinenpflicht in der Engiadina Bassa / Val Müstair: Was kommunal gilt
Das totalrevidierte Veterinärgesetz vom 30. August 2007 enthält Bestimmungen über die Hundehaltung (Art. 64 ff. VetG/GR). Es bildet die kantonale Basis. Auf eine allgemeine Bewilligungspflicht für potenziell gefährliche Hunde oder auf Haltungsverbote wurde verzichtet. Es gilt allerdings, die jeweiligen Regelungen auf Gemeindeebene zu beachten, die eine generelle Leinenpflicht oder Leinenpflicht im bewohnten Gebiet vorschreiben können. Die entscheidende Schicht ist also kommunal.
Gemeinde Scuol
Es ist Marktag in Scuol. Die Gassen im Dorfkern füllen sich, Kinder laufen zwischen den Ständen. Hier merkst du sofort, warum Leinenpflicht im besiedelten Gebiet praktisch gedacht ist. Die Gemeinde Scuol erhebt eine Hundesteuer nach dem eigenen Steuergesetz. Die Gemeinde betreibt einen Online-Schalter, über den du Reglemente und Formulare herunterladen kannst. Ob für den Dorfkern eine generelle Leinenpflicht gilt, steht im kommunalen Polizeireglement. Hol dir die aktuelle Fassung direkt über den Gemeindeschalter Scuol oder frag die Gemeindekanzlei, sie erläutert auch romanischsprachige Dokumente auf Wunsch auf Deutsch.
Wald und Jagdbanngebiete
Die Region liegt im Wildkorridor zwischen Nationalpark und den Bergwäldern der Gemeinde Scuol. Hier zählt auch eidgenössisches Recht. In der Verordnung über die eidgenössischen Jagdbanngebiete (VEJ, SR 922.31) sind konkrete Jagdbanngebiete genannt, in denen Hunde an der Leine zu führen sind (Art. 5 Abs. 1c VEJ). Hunde, die sich unbeaufsichtigt in den Wildeinständen herumtreiben und Wild verfolgen, hetzen oder reissen, gelten als wildernde Hunde. du darfst nur von Wildhütern und Jagdaufsehern erlegt werden, wenn sie Wild gerissen oder wiederholt gewildert haben (Art. 32 RJV/GR). Das ist kein theoretisches Risiko, die Wilddichte im Unterengadin ist hoch. Leinenpflicht besteht während der Jagdzeit im September und ist unbedingt zu beachten. Für Waldbesuche gilt: Beschilderung vor Ort lesen und im Frühling besonders vorsichtig sein.
Schweizer Nationalpark, absolutes Hundeverbot
Das Nationalparkzentrum liegt in Zernez, am westlichen Eingang der Region. Die Val Cluozza riecht im August nach heissem Stein und trockenem Gras. Aber deinen Hund lässt du zu Hause. Hunde dürfen im Nationalpark nicht mitgeführt werden, auch nicht an der Leine. Wer mit einem zertifizierten Führhund in den Nationalpark möchte, wendet sich direkt an die Parkleitung. Hunde sind im Nationalpark generell nicht erlaubt. Ausnahmebewilligungen sind auf Anfrage möglich. Das gilt für das gesamte Nationalparkgebiet. Dogs are prohibited in the Swiss National Park, even when kept on a lead. Offences will be fined. Die Parkwächter kontrollieren aktiv. Das Nationalparkzentrum in Zernez selbst: Hunde sind in den Ausstellungsräumen nicht erlaubt. Plane deine Touren so, dass du das Nationalparkgebiet mit dem Hund umgehst, die Wanderwege ausserhalb des Perimeters sind zahlreich.
Listenhunde in der Engiadina Bassa / Val Müstair: Keine kantonale Rasseliste
Gute Nachricht für Halter von Rassen, die anderswo auf einer Liste stehen. Über keinerlei Rasseliste verfügen unter anderem die Kantone Bern, Graubünden, Luzern, Neuenburg und St. Gallen. Auf eine allgemeine Bewilligungspflicht für potenziell gefährliche Hunde oder auf Haltungsverbote sowie auf ein allgemeines Haftpflichtobligatorium wurde in Graubünden verzichtet. Kein Rassenverbot, keine kantonsweite Bewilligungspflicht allein wegen der Rasse.
Das ändert sich aber, wenn dein Hund verhaltensauffällig wird. Hundehalter können verpflichtet werden, Ausbildungskurse zu besuchen, eine Haftpflichtversicherung abzuschliessen, dem Tier in Siedlungsgebieten einen Maulkorb anzulegen oder an der Leine zu führen (Art. 66 VetG/GR). Seit März 2008 gibt es beim Bündner Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit eine spezielle Anlaufstelle für den Schutz der Bevölkerung vor potenziell gefährlichen Hunden. Die zuständige Fachstelle erreichst du über das Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit Graubünden.
Wichtig: Wer aus einem anderen Kanton mit Rasseliste einreist, muss die Auflagen des eigenen Wohnkantons weiterhin erfüllen. Alle geltenden Hundegesetze und -verordnungen des Kantons Graubünden gelten für alle sich auf dem Kantonsgebiet Graubünden aufhaltenden Hundehalter. Unseren Artikel zu Graubünden findest du mit dem vollständigen kantonalen Überblick.
Hundesteuer und Anmeldung
Jede Gemeinde in der Region erhebt ihre Hundesteuer eigenständig. Die Höhe der Steuer kann von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich sein. Sie beläuft sich aber ungefähr auf 100 bis 200 Franken. Die Steuer kann je nach Grösse oder Gewicht des Hundes unterschiedlich ausfallen. Blindenhunde und Rettungshunde sind oft von der Steuer befreit. Aktuelle Tarife erfragst du direkt beim Gemeindesteueramt Scuol oder bei der jeweiligen Gemeinde deines Wohnorts in der Region.
Du meldest deinen Hund nach dem Erwerb zeitnah bei deiner Wohngemeinde an. Die Anmeldefrist und das Formular findest du im kommunalen Reglement. Alle Hunde müssen in der Datenbank AMICUS registriert sein, das ist eidgenössische Pflicht.
Die besten Routen in der Engiadina Bassa / Val Müstair, mit korrekter Rechtslage
Inn-Promenade Scuol und der Talweg entlang des Inns
Morgens, wenn der Nebel noch in den Seitentälern hängt, liegt der Talboden still. Die Ufer des Inns zwischen Scuol und Sent sind offen und weit. Kies unter den Pfoten, der Fluss riecht nach Kalkstein und kaltem Gebirgsschmelzwasser. Der Talwanderweg entlang des Inns verbindet mehrere Dörfer und bietet Hundemeilen ohne die Steilheit der Bergwege. Ob auf einzelnen Abschnitten Leinenpflicht oder besondere Restriktionen gelten, erfährst du beim Gemeindepolizeireglement oder vor Ort an der Beschilderung. Aktuelle Routendetails gibt es bei SchweizMobil.
Piz Lad und das Berggebiet der Val S-charl
Im Oktober, wenn der erste Reif auf den Alpweiden glitzert und die Lärchen nach Orange kippen, zieht das Tal S-charl seinen eigenen Schatten. Der Weg ins Hochtal führt durch dichte Bergföhren. Hier liegt das ehemalige Bergbauzentrum S-charl mit dem Museum Schmelzra. Der Aufstieg zum Piz Lad gibt Sicht bis nach Südtirol. Jagdbanngebiet und Wildkorridor: In diesem Bereich gilt die VEJ-Leinenpflicht in ausgewiesenen Jagdbanngebieten (Art. 5 Abs. 1c VEJ, SR 922.31). Leinenpflicht besteht während der Jagdzeit im September, und im Frühjahr schützt du mit der Leine aktiv die Rehkitze, die im hohen Gras liegen. Beschilderung vor Ort beachten.
Val Müstair und das Münstertal
Hinter dem Ofenpass wird die Luft wärmer, der Hang sonnenexponierter. Das Münstertal gehört klimatisch und botanisch zu einem anderen Graubünden. Die Lärchen stehen weiter auseinander, Wiesen mit Orchideen folgen auf den Weg. Das Kloster St. Johann in Müstair ist UNESCO-Welterbe. Ob du deinen Hund auf das Klostergelände mitnehmen kannst, klärst du direkt auf der offiziellen Website des Klosters St. Johann. Im Tal selbst findest du breite Wanderwege mit wenig Wildkonflikten, trotzdem gilt: Beschilderung lesen und im April bis Juli im Waldrandbereich anleinen.
Umgebung Zernez ausserhalb des Nationalparks
Zernez liegt am Eingang des Nationalparks. Das Dorf selbst, die Wege Richtung Flüelapass und das Engadin östlich von Zernez lassen sich mit Hund begehen. Entscheidend ist die Grenze des Nationalparkperimeters: Innerhalb des Parks, absolutes Verbot. Ausserhalb, kantonales und kommunales Recht. Der Nationalpark bildet die Kernzone des Biosphärenreservats Engiadina Val Müstair; die Kulturlandschaft der Val Müstair und Teile der Gemeinde Scuol bilden die Pflege- und Entwicklungszone. Hier gelten andere, weniger strenge Regeln, aber Beschilderung und Schutzzonenmarkierungen immer prüfen. Routen in der Umgebung findest du bei SchweizMobil.
Was in der Engiadina Bassa / Val Müstair anders ist als im Rest Graubündens
Diese Region ist das einzige Gebiet in der Schweiz mit einem vollständigen Nationalpark-Hundeverbot mitten im Herzen. Andere Graubündner Regionen haben Schutzgebiete, aber keine mit dieser Konsequenz. Im Winter ist der Nationalpark geschlossen, als Wildruhezone. Das schränkt die Winteroptionen für Hundehalter im Tal Zernez spürbar ein.
Dazu kommt die Grenzlage. Die Region grenzt an Österreich (Vinschgau, Arlberg-Vorarlberg) und an Südtirol. Wer mit dem Hund über die Grenze will, tritt in österreichisches oder italienisches Recht ein. Andere Regeln, andere Leinenpflichten. Vor einem Grenzübertritt informieren.
Das Val Müstair ist ausserdem romanischsprachig und ladinisch geprägt. Gemeindedokumente liegen zum Teil nur auf Rumantsch vor. Im Online-Schalter der Gemeinde Scuol finden sich Gesetze, Reglemente und Formulare; die Gemeindekanzlei erläutert romanische Dokumente und übersetzt einzelne Passagen. Wer die Hausordnung einer Alpweide oder ein Schutzzonenreglement lesen will, braucht manchmal Geduld oder einen Anruf bei der Gemeinde.
Die Wildhüterdichte ist hoch. Parkwächter überwachen die Einhaltung der Naturschutzbestimmungen und sind befugt, Vergehen zu ahnden. Auch ausserhalb des Nationalparkperimeters kontrolliert die Kantonspolizei Graubünden. Wer seinen Hund frei laufen lässt und dabei Wildschäden verursacht, riskiert Konsequenzen nach Art. 32 RJV/GR.
Häufig gestellte Fragen
Darf ich meinen Hund in den Schweizer Nationalpark mitnehmen?
Nein. Hunde sind im Schweizer Nationalpark vollständig verboten, auch an der Leine. Das gilt für das gesamte Nationalparkgebiet rund um Zernez. Ausnahmen für zertifizierte Führhunde sind auf Anfrage beim Nationalpark möglich. Aktuelle Informationen findest du auf nationalpark.ch.
Gibt es in Graubünden eine Rasseliste für gefährliche Hunde?
Nein. Der Kanton Graubünden kennt keine Rasseliste und keine generelle Bewilligungspflicht allein wegen der Rasse. Das kantonale Veterinärgesetz (Art. 64 ff. VetG/GR) regelt verhaltensauffällige Hunde individuell. Wer aus einem Kanton mit Rasseliste einreist, muss trotzdem die Auflagen des eigenen Wohnkantons einhalten. Mehr dazu beim Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit Graubünden.
Wann gilt Leinenpflicht im Wald in der Region?
In ausgewiesenen eidgenössischen Jagdbanngebieten gilt ganzjährig Leinenpflicht (Art. 5 Abs. 1c VEJ, SR 922.31). Während der Jagdzeit im September gilt ebenfalls Leinenpflicht. Im Frühjahr (Brut- und Setzzeit) empfehlen Wildhüter und Kantonspolizei dringend, Hunde an der Leine zu führen, besonders im Waldrandbereich. Beschilderung vor Ort hat immer Vorrang.
Wie hoch ist die Hundesteuer in Scuol und der Region?
Die Hundesteuer legt jede Gemeinde eigenständig fest. In der ganzen Schweiz liegen die Beträge erfahrungsgemäss zwischen etwa 100 und 200 Franken pro Jahr, können aber nach Grösse oder Gewicht des Hundes variieren. Aktuelle Tarife für deine Wohngemeinde erfragst du direkt beim Steueramt der Gemeinde Scuol oder bei der entsprechenden Gemeindeverwaltung.
Was gilt auf Alpweiden mit Herdenschutzhunden?
In der Engiadina Bassa und im Val Müstair sind Herdenschutzhunde auf Alpweiden präsent. Führe deinen Hund an der Leine, sobald du Nutztiere siehst. Umgehe Herden, die von Herdenschutzhunden bewacht werden, möglichst grossräumig. Ist das nicht möglich, dreh um. Die Herden und Hunde sind rechtlich geschützt, Schäden durch wildernde Haushunde gehen zu deinen Lasten.
Quellen
- Gemeinde Scuol – Online-Schalter (Reglemente und Formulare)
- Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit Graubünden – Hundewesen
- Stiftung Tier im Recht – Hunderecht Kanton Graubünden
- Schweizerischer Nationalpark – Schutzbestimmungen (Hundeverbot)
- Verordnung über die eidgenössischen Jagdbanngebiete VEJ (SR 922.31)
Saisonale Hinweise
Beste Jahreszeit: Sommer