5-Seen-Wanderung am Pizol: Ein Erlebnis in der Schweizer Bergwelt
Du stehst auf 2223 Meter, dein Hund schnuppert misstrauisch an der dünnen Bergluft, und vor euch liegen 10 Kilometer durch eine der anspruchsvollsten Wanderregionen der Schweiz. Die 5-Seen-Wanderung am Pizol lockt jährlich Tausende Wanderer – aber mit Hund wird sie zu einer völlig anderen Herausforderung.
Die Strecke führt durch das UNESCO-Weltnaturerbe Sardona, vorbei an fünf Bergseen zwischen Wildsee und Baschalvasee. 10,1 Kilometer, 480 Höhenmeter bergauf, 820 bergab – Schwierigkeitsgrad T2-T3. Was Bergführer nicht erwähnen: Ab 2000 Metern arbeitet auch das Hundeherz anders.
Ist mein Hund fit genug für die 5-Seen-Wanderung?
Dein Hund braucht eine Grundkondition für mindestens 15 Kilometer normale Wanderung, bevor er sich an diese Tour wagen sollte. Die Kombination aus Höhe, steinigen Wegen und fehlenden Ausstiegsmöglichkeiten macht jeden Schwächeanfall problematisch.
Problematisch wird es bei: Hunden über 8 Jahren ohne regelmäßiges Bergtraining, brachyzephalen Rassen (Mops, Bulldogge) wegen der dünnen Luft, und Hunden mit Gelenkproblemen. Der Abstieg über 820 Höhenmeter belastet Knie und Hüften extrem.
Ein einfacher Test: Schafft dein Hund eine 3-Stunden-Wanderung mit 400 Höhenmetern, ohne am nächsten Tag zu lahmen? Dann ist die Pizol-Tour machbar.
Welche Ausrüstung braucht mein Hund am Pizol?
Pfotenschutz ist Pflicht. Die Wege zwischen Wildsee und Schottensee führen über scharfen Schiefer, der Hundepfoten aufschneidet wie ein Messer.
Meine Packliste für Hunde:
– Pfotenschuhe oder Pfotenwachs (Musher’s Secret bewährt sich)
– 2 Liter Wasser extra (Hunde brauchen in der Höhe 50% mehr)
– Zusammenklappbarer Napf
– Erste-Hilfe-Set mit Pfotenschutz-Bandagen
– Warme Decke für längere Pausen (Temperatursturz möglich)
– GPS-Tracker oder robuste Leine – Sichtweite kann sich schnell ändern
Die Bergseen sehen verlockend aus, aber nur Schottensee und Baschalvasee sind sicher zugänglich. Am Wildsee sind die Ufer zu steil.
Was passiert wenn mein Hund in der Höhe Probleme bekommt?
Höhenkrankheit trifft auch Hunde. Erste Anzeichen: übermäßiges Hecheln trotz kühler Temperaturen, Verweigerung weiterzulaufen, glasiger Blick.
Sofortmaßnahme: Pause im Schatten, kleine Mengen Wasser, nicht forcieren. Verschlechtert sich der Zustand, gibt es nur einen Weg: zurück zur Bergstation Pizolhütte und mit der Bahn ins Tal.
Das Problem: Zwischen Schwarzsee und Baschalvasee liegt der exponierteste Abschnitt. Hier ist Umkehr schwieriger als Weitergehen. Deshalb die Fitness-Prüfung schon am Wildsee – dem ersten See der Tour.
Wo darf mein Hund im UNESCO-Weltnaturerbe Sardona laufen?
Leinenpflicht herrscht offiziell nicht, aber faktisch ist sie Pflicht. Der Wanderweg führt durch Steinbock- und Murmeltier-Gebiet. Ein Hund, der einem Murmeltier nachstellt, kann über steile Felswände abstürzen.
Besonders kritisch: Der Abschnitt zwischen Schottensee und Schwarzsee. Hier kommen regelmäßig Steinböcke bis an den Weg. Hunde, die Wildtiere verfolgen, können Strafen bis 500 Franken auslösen.
Die Ranger kontrollieren nicht täglich, aber wenn sie da sind, verstehen sie keinen Spass. Ein Rückrufkommando unter Ablenkung ist here überlebenswichtig – im wahrsten Sinne.
Wann ist die beste Zeit für die Wanderung mit Hund?
Früh starten ist mit Hund noch kritischer als ohne. Die erste Bahn um 8:30 Uhr bringt dich vor die Hauptmassen. Nach 11 Uhr wird der Weg zum Stau – für Hunde purer Stress.
Optimal: Wochentage von Juni bis September. Aber Achtung: Im Spätsommer (August/September) können Temperaturschwankungen von 20 Grad auftreten. Morgens 2 Grad, mittags 22 Grad – pack entsprechend.
Meiden solltest du: Wochenenden (überfüllt), Ferienzeiten (Kindergeschrei stresst viele Hunde), und alles nach 15 Uhr (Gewitter-Risiko).
Kann mein Hund die 5-Seen-Wanderung an einem Tag schaffen?
Ja, aber nur mit ausreichend Pausen. Rechne 5-6 Stunden statt der beworbenen 4 Stunden.
Was kostet die Anreise mit Hund?
Hunde fahren in den Pizol-Bahnen zum halben Preis. Tagesticket Mensch: CHF 48, Hund: CHF 24.
Gibt es Notausstiege auf der Strecke?
Nein. Zwischen Bergstation und Bad Ragaz Pardiel (Ziel) gibt es keine Abzweigungen ins Tal. Du musst die Strecke zu Ende gehen.
Dürfen Hunde in die Bergseen?
Baden ist erlaubt, aber nur Schottensee und Baschalvasee sind sicher zugänglich. Das Wasser ist selbst im Sommer eisig – nicht alle Hunde verkraften das.
Was mache ich bei Gewitter?
Sofort den exponierten Grat verlassen und Schutz in Felsmulden suchen. Metalläsgegenstände (auch Hundehalsband mit Metall) ablegen. Bei Gewitter sind Hunde oft panischer als Menschen – kurze Leine verwenden.