Scuol liegt im untersten Zipfel des Unterengadins, wo der Inn sich durch enge Felsschluchten drückt und die Dorfhäuser mit ihren Sgrafitto-Fassaden im Morgenlicht leuchten. Die Luft riecht nach Lärche und Harz, die Wege führen steil in Bergwälder oder sanft dem Fluss entlang — für Hunde ist das schlicht Paradies. Wer hier lebt oder auch nur für ein Wochenende anreist, spürt schnell: Scuol gehört zu den schönsten Ecken Graubündens, mit oder ohne vier Pfoten.
Das Dorf ist mehr als eine Kurstadt mit Therme. Es ist Ausgangspunkt für ausgedehnte Wanderungen im Nationalpark-Umfeld, für Touren entlang des Inns und in die abgelegenen Seitentäler des Val S-charl und Val Sinestra. Hunde schätzen die abwechslungsreichen Böden — mal Fels, mal Waldboden, mal Wiesenpfad — und die vielen kleinen Bäche, die als natürliche Tränke unterwegs warten. Die Region empfängt Hundehaltende das ganze Jahr, mit je eigenen Reizen je nach Saison.
Gleichzeitig bringt das Engadin klare Regeln mit sich: Der Schweizerische Nationalpark grenzt unmittelbar ans Gemeindegebiet, und wer dort mit Hund unterwegs ist, bewegt sich in einer der streng geschützten Zonen der Schweiz. Ortskenntnis und ein Blick auf aktuelle Vorschriften sind also Pflicht, bevor du mit deinem Hund losstapfst. Diese Seite gibt dir den lokalen Überblick — und zeigt dir, wo das Abenteuer zu zweit beginnt.
Tagesausflüge mit Hund in Scuol
Der Inn glänzt türkisgrün, Lärchenwälder hängen an steilen Hängen, und hinter jeder Wegbiegung öffnet sich ein neues Bergpanorama — Scuol bietet Ausflugsmöglichkeiten, die selbst anspruchsvolle Wanderer und ihre Hunde restlos begeistern. Die folgenden Ziele liegen alle in Reichweite des Dorfs und decken verschiedene Ansprüche ab.
Innweg und Inn-Schlucht zwischen Scuol und Martina
Der Weg entlang des Inns von Scuol talauswärts bis nach Martina gehört zu den schönsten Flusstouren im Unterengadin. Der Inn-Schlucht-Weg (Via Engiadina) führt dich durch enge Felsdurchgänge, über schmale Steige und vorbei an rauschenden Stromschnellen. Hunde lieben die nahen Wasserstellen und die kühle Luft im Schluchtabschnitt. Die Route ist gut markiert, aber stellenweise schmal und ausgesetzt — halte deinen Hund dort sicher an der Leine.
Die Strecke lässt sich je nach Kondition kürzen oder verlängern. Besonders der Abschnitt rund um Strada und Guarda (oberhalb des Inn-Tals) bietet zusätzliche Schleifen durch typische Engadiner Dörfer. Achte darauf, dass Weiden und Schafherden in diesem Tal häufig sind — Leinenpflicht gilt in Weidnähe grundsätzlich. Prüfe die aktuellen Wegbedingungen beim Engadin Scuol Tourismus.
Val S-charl — das stille Seitental
Das Val S-charl zweigt südlich von Scuol ab und ist eines der wildesten und ruhigsten Täler des Unterengadins. Eine schmale Strasse führt nach S-charl, danach beginnt das Wandergebiet. Von dort aus gibt es Wege ins Hochgebirge, zum Piz Lischana oder in Richtung Reschenpass — allesamt mit grossartigen Aussichten und wenig Menschengedränge.
Das Val S-charl grenzt an den Schweizerischen Nationalpark. Sobald du die Nationalparkgrenze überschreitest, gilt ein absolutes Hundeverbot — kein Ermessensspielraum, keine Ausnahmen. Bleibst du auf den markierten Wegen ausserhalb der Parkgrenze, kannst du mit deinem Hund wunderbar wandern. Die genaue Grenzführung erklärt dir die offizielle Karte des Schweizerischen Nationalparks — unbedingt vor dem Ausflug konsultieren.
Das Dorf S-charl selbst ist ein charmantes Ziel für eine Mittagspause. Die wenigen Gebäude, darunter eine alte Schmelze, erzählen von der Bergbaugeschichte der Region. Hunde können auf den Wiesen rund ums Dorf gut verschnaufen — aber respektiere Weideflächen und Abgrenzungen.
Motta Naluns — das Wandergebiet oberhalb von Scuol
Mit der Gondelbahn Scuol–Motta Naluns gelangst du rasch ins Wandergebiet auf rund 2100 Metern. Oben erwarten dich weite Alpenmatten, Panoramawege und klare Bergseen. Hunde dürfen die Bahn benutzen — prüfe aber vorab beim Bahnbetreiber, ob eine Leine oder ein Maulkorb gefordert ist und welche Tageskarte für Hunde gilt.
Das Wegenetz auf Motta Naluns ist vielseitig: von einfachen Rundwegen für einen gemütlichen Nachmittag bis zu anspruchsvollen Gipfelrouten. Der Panoramaweg Naluns bietet fantastische Ausblicke ins Unterengadin und ist bei gutem Wetter auch für hundeführende Familien gut geeignet. Bleib auf markierten Wegen und behalte deinen Hund in der Nähe von Alpen mit Viehbestand konsequent an der Leine.
Im Sommer kann es auf der Hochfläche auch windig und kalt werden — bring eine Schicht mehr mit für deinen Hund, wenn er kurzes Fell hat. Die Saison für Bergwanderungen beginnt meist Anfang Juni und endet im Oktober, je nach Schneelage.
Rund um Ftan und die Dörfer des Unterengadins
Scuol liegt inmitten einer Dörferkette — Ftan, Sent, Ramosch, Tschlin — die alle mit alten Engadiner Häusern, Brunnen und kleinen Kapellen aufwarten. Verbindungswege zwischen diesen Dörfern eignen sich hervorragend für Halbtagstouren mit Hund. Die Wege sind meist breit, ruhig und gut beschildert.
Besonders empfehlenswert ist der Weg von Scuol hinauf nach Ftan, ein kleines Dorf mit Aussicht über das ganze Unterengadin. Von dort lässt sich weiter nach Sent wandern und über einen anderen Weg zurück ins Tal absteigen. Die Tour dauert je nach Tempo drei bis fünf Stunden. Wasser unterwegs ist auf den Alpwegen selten — füll die Flasche für deinen Hund in Scuol oder an einem der Dorfbrunnen.
Auf diesen Dorfverbindungswegen begegnest du regelmässig Mountainbikern, vor allem im Sommer. Halte deinen Hund kurz, wenn eine Gruppe bergab kommt — das schützt beide Seiten vor Unfällen.
Hund und lokale Regeln in Scuol
Bergluft, weite Wälder, wenig Trubel — und trotzdem ein klares Regelwerk. Scuol liegt in einem Kanton mit eigenen Vorschriften, und direkt vor der Haustür wartet das strengste Schutzgebiet der Schweiz. Wer die Regeln kennt, ist entspannt unterwegs; wer sie ignoriert, riskiert Bussen und schadet obendrein dem Wildtierschutz.
Leinenpflicht in der Gemeinde Scuol und auf Wanderwegen
Im Kanton Graubünden gilt eine allgemeine Leinenpflicht in Ortschaften. In Scuol bedeutet das: Im Dorfkern, auf Trottoirs, in der Nähe von Spielplätzen und öffentlichen Anlagen führst du deinen Hund an der Leine. Ausserhalb der Bebauung — auf Wanderwegen, in Wäldern — ist das freie Führen in der Regel möglich, sofern keine spezifische Ausnahme gilt.
Wichtige Ausnahmen existieren aber: Auf Alpen mit Nutztieren muss der Hund konsequent angeleint bleiben. Herdenschutzhunde bewachen Schaf- und Ziegenherden — sie greifen an, wenn sie einen fremden Hund als Bedrohung werten. Halte grossen Abstand zu bewachten Herden und geh nie zwischen Herdenschutzhund und Herde. Informationen zur Herdenschutzsituation im Unterengadin gibt das Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit Graubünden.
Prüfe zusätzlich lokale Hinweisschilder an Wegausgängen — Gemeinden können auf bestimmten Gemeindegebieten zusätzliche Leinen- oder Verbotszonen einrichten. Schilder am Wegrand sind massgebend; was hier steht, gilt.
Hundeverbot im Schweizerischen Nationalpark
Das ist die wichtigste Regel für alle, die rund um Scuol mit Hund wandern: Im Schweizerischen Nationalpark gilt ein absolutes Hundeverbot, ohne jede Ausnahme. Der Park beginnt wenige Kilometer südlich von Scuol und umfasst grosse Teile des Val S-charl und des Ofentals. Hunde — egal ob angeleint oder getragen — sind im Parkgebiet nicht erlaubt.
Die Parkgrenze ist auf den offiziellen Karten klar eingezeichnet. Wer sie trotzdem übertritt, muss mit einer empfindlichen Busse rechnen. Die Regelung dient dem Schutz von Hirschen, Steinböcken, Gämsrudeln und brütenden Vögeln — der Park ist das älteste und strengste Schutzgebiet der Schweiz. Informiere dich vor jedem Ausflug auf der Website des Schweizerischen Nationalparks über die genaue Grenzführung.
Ausserhalb der Parkgrenze, im Val S-charl-Zugangsbereich, sind Hunde grundsätzlich erlaubt, solange die allgemeinen Regeln eingehalten werden. Plane deine Route deshalb sorgfältig — und lass im Zweifel das Val S-charl als Ziel für den nächsten Urlaub ohne Hund.
Anmeldung und Hundeabgabe in Scuol
Wer mit seinem Hund in der Gemeinde Scuol wohnt, ist verpflichtet, das Tier bei der Gemeindeverwaltung anzumelden. Die Gemeinde erhebt eine Hundeabgabe — die genaue Höhe richtet sich nach der örtlichen Verordnung. Frag direkt bei der Gemeindeverwaltung Scuol nach den aktuellen Ansätzen; diese können sich ändern und variieren nach Anzahl der Hunde im Haushalt.
Auch für Übernachtungsgäste gilt: Manche Unterkunftsbetriebe in Scuol verlangen einen Hundeaufschlag; kläre das bei der Buchung direkt. Eine kantonale Hundetaxe für Touristen gibt es in Graubünden nicht flächendeckend — prüfe aber die Regelung deines Betriebs individuell. Grundsätzlich muss der Hund in der Schweiz überall, wo er sich aufhält, klar einem Haltenden zuzuordnen sein.
Auswärtige Hundehaltende müssen keinen Nachweis über die Anmeldung im Heimatort mitführen — aber ein aktueller Impfausweis ist auf Wanderungen im Grenzgebiet zu Österreich und Italien ratsam, da Scuol nahe an beiden Grenzen liegt.
Gastronomie, Einkauf und öffentlicher Verkehr mit Hund
Scuol ist ein Kurort mit einer funktionierenden Infrastruktur. Mehrere Restaurants und Cafés im Dorf tolerieren Hunde — aber nie automatisch überall. Frag beim Eintreten immer kurz nach, ob dein Hund willkommen ist. Terrassen sind häufig hundefreundlicher als Innenbereiche; im Winter, wenn Terrassen geschlossen sind, wird es schwieriger. Eine feste Liste hundefreundlicher Lokale existiert nicht — erkunde das Angebot direkt vor Ort.
Im öffentlichen Verkehr — Postauto, Regiobus — gilt in der Schweiz einheitlich: Hunde unter einer bestimmten Grösse können in einer Transporttasche gratis mitfahren; grössere Hunde brauchen ein halbes Billett und müssen angeleint sein. Manche Bahnbetreiber verlangen zusätzlich einen Maulkorb. Prüfe die aktuellen Bedingungen bei den SBB oder beim jeweiligen Transportbetrieb, bevor du mit dem Hund die Gondelbahn oder den Bus nimmst. Die Engadin-Bahnlinien (RhB) haben eigene Tierregelungen, die du vorab auf der Webseite der Rhätischen Bahn nachlesen solltest.
Für die Entsorgung von Hundekot gibt es im Dorf Kotbeutelstationen an frequentierten Wegen und im Ortskern. Nutze sie konsequent — gerade in einem Kurort mit vielen Gästen ist das eine Frage des Respekts gegenüber allen Nutzenden. Auf Wanderwegen ausserhalb des Dorfes nimmst du den Beutel bis zur nächsten Entsorgungsmöglichkeit mit.
Praktisches vor Ort in Scuol
Scuol liegt im Unterengadin, weit weg von grossen Zentren — das spürst du, wenn du schnell einen Tierarzt oder eine Hundebetreuung brauchst. Gute Vorbereitung ersetzt hier keine spontane Google-Suche auf 1250 Metern Höhe. Die folgenden Hinweise helfen dir, die wichtigsten Anlaufstellen im Voraus zu kennen.
Tierärzte und tierärztlicher Notfall
In Scuol selbst gibt es tierärztliche Praxen, die Kleintiere betreuen — prüfe jedoch vorab die aktuellen Öffnungszeiten und Notfalldienste direkt bei der jeweiligen Praxis. Ausserhalb der Öffnungszeiten ist der Weg zum nächsten Notfalldienst unter Umständen länger: Die nächstgelegenen grösseren Tierkliniken befinden sich in Richtung Chur oder im Inntal auf österreichischer Seite. Speichere dir die Telefonnummer deiner Praxis und des regionalen Notfalldienstes bereits vor der Anreise im Handy. Den kantonalen Veterinärdienst Graubünden findest du unter gr.ch — Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit; dort sind auch Auskunftsstellen für Tierhalter gelistet.
Für Wanderungen in abgelegenem Gelände rund um Scuol lohnt es sich, ein tierärztliches Notfallset im Rucksack zu haben: Verbandsmaterial, Zeckenzange und die wichtigsten Medikamente deines Hundes. Die Wege ins Val S-charl oder auf die Ftan-Alp sind wunderschön, aber abseits jeder schnellen Versorgung. Im Zweifelsfall erreichst du über die Tierarztpraxis in Scuol den aktuellen Notfalldienst — ruf immer zuerst an.
Hundeschulen und Training
Ein ausgedehnter Bergurlaub bietet sich an, um mit deinem Hund an neuen Reizen und Impulsen zu arbeiten — unbekannte Gerüche, Wildtierwitterung, ungewohntes Gelände. Feste Hundeschulen direkt in Scuol sind rar; das Angebot wechselt. Erkundige dich bei der Gemeindeverwaltung Scuol oder beim lokalen Tourismus nach aktuellen Kursangeboten, die auch für Feriengäste zugänglich sind. Einige Trainer aus dem Engadin bieten Einzelstunden oder Wanderbegleitung mit Trainingscharakter an — das ist besonders wertvoll, wenn dein Hund im Berggelände noch unsicher ist.
Wer mit dem Hund in den Schweizerischen Nationalpark möchte, sollte wissen: Hunde sind dort grundsätzlich nicht zugelassen — das ist eine der strengsten Schutzregelungen der Schweiz. Umso wichtiger ist ein gut ausgebildeter Hund auf den zahlreichen anderen Wegen im Unterengadin, wo Begegnungen mit Schafen, Ziegen und Wildtieren alltäglich sind. Solides Abrufverhalten und Gehorsam im Freilauf sind hier kein Luxus, sondern Notwendigkeit.
Auslaufzonen und Freilaufflächen
Scuol ist keine Grossstadt mit ausgewiesenen Hundewiesen oder eingezäunten Auslaufarealen — das Angebot verteilt sich auf die weitläufige Naturlandschaft rund um den Ort. Innerhalb des Dorfes gelten örtliche Regelungen für Leinenpflicht; prüfe aktuelle Schilder und frag im Zweifel bei der Gemeindeverwaltung Scuol nach, welche Flächen für freilaufende Hunde vorgesehen sind. Die Gemeinde ist erreichbar über scuol.ch.
Ausserhalb des Siedlungsgebietes stehen dir ausgedehnte Wälder, Alpweiden und Flussufer zur Verfügung — aber achte auf Weidetierschutz und Schalenwild. Auf bewirtschafteten Alpen gilt Leinenpflicht, auch wenn kein Schild steht; der gesunde Menschenverstand schützt Tier und Mensch. Der Inn (En) bietet im Sommer naturnahe Uferabschnitte, wo Hunde plantschen können — die Zugänglichkeit variiert je nach Wasserstand und Jahreszeit. Vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung empfiehlt sich Leine, weil Wildwechsel im Tal häufig sind.
Pensionen, Betreuung und Unterkunft mit Hund
Scuol zieht Gäste aus ganz Europa an — im Winter als Skigebiet Motta Naluns, im Sommer als Wander- und Wellnessdestination. Die Unterkunftssituation für Reisende mit Hund ist grundsätzlich vorhanden, aber nicht selbstverständlich: Nicht alle Hotels und Ferienwohnungen im Ort akzeptieren Hunde, und wer einen akzeptiert, erhebt oft eine Reinigungspauschale. Kläre das immer schriftlich vor der Buchung — frag explizit nach Grösse und Anzahl der Hunde, denn viele Unterkünfte haben Beschränkungen.
Für Tagesausflüge, bei denen dein Hund nicht mitkommen kann — etwa eine geführte Klettertour oder ein Besuch im Bogn Engiadina Scuol (das Thermalbad lässt keine Hunde zu) — brauchst du eine verlässliche Betreuungslösung. Lokale Hundesitter oder Betreuungsplätze in der Region Scuol sind dünn gesät; informiere dich frühzeitig, etwa über Aushänge im Dorf oder Empfehlungen der Unterkunft. Eine weitere Option ist, deinen Hund sicher im Fahrzeug zu lassen — aber nur bei kühlen Temperaturen und nie im Sommer. Plane solche Tage lieber grundsätzlich hundefreundlich oder finde im Voraus eine Betreuungsperson.
Wer mit dem Hund längere Zeit im Unterengadin verbringt, profitiert davon, sich im Dorf bekannt zu machen. Lokale Kontakte — Landwirte, Pensionsbetreiber, Wanderführer — kennen die besten hundefreundlichen Routen und aktuelle Regelungen besser als jede Webseite. Das gilt besonders für Wege, die durch Weidegebiete führen oder an den Nationalpark grenzen.
Saisonal in Scuol
Das Unterengadin kennt keine halben Sachen: Die Sommer sind kurz und intensiv, die Winter lang und schneereich, und Frühling wie Herbst können innerhalb einer Woche sämtliche Wetterlagen durchspielen. Für Hundehaltende bedeutet das: Saisonales Denken ist hier kein Tipp, sondern Pflicht.
Frühling: Schneeschmelze, Setzzeit und aufgeweichte Wege
Der Frühling kommt ins Engadin spät — oft erst ab April in die Tallagen, auf den Alpen noch Wochen später. Die Schneeschmelze verwandelt viele Wege in rutschige Schlammpisten; Pfoten leiden unter nassem, aufgeweichtem Boden, und Schotterwege können abschüssig und unberechenbar sein. Reinige die Pfoten deines Hundes nach jedem Ausgang gründlich, und prüfe die Zwischenpfoten auf eingedrungene Steinchen oder kleine Wunden.
Gleichzeitig beginnt die Setz- und Brutzeit der Wildtiere. Rehe, Gämsen und Murmeltiere setzen ihren Nachwuchs ab, Bodenbrüter wie Birkhuhn und Schneehuhn brüten in geschützten Mulden — oft dicht neben beliebten Wanderwegen. Halte deinen Hund in dieser Zeit konsequent an der Leine, auch auf scheinbar menschenleeren Alpwegen. Der Kanton Graubünden schreibt Leinenpflicht im Wald generell vor; im Frühjahr ist die Gefahr für Wildtiere besonders hoch. Informiere dich über aktuelle kantonale Regelungen unter gr.ch — Amt für Jagd und Fischerei.
Im Frühjahr sind ausserdem viele Bergbahnen noch nicht in Betrieb oder in der Revision. Das bedeutet: Aufstiege musst du zu Fuss bewältigen, was mit Hund meist angenehmer ist — aber auch mehr Kondition fordert. Prüfe Öffnungszeiten der Motta Naluns Bahn frühzeitig, wenn du den Aufstieg nicht scheust.
Sommer: Hitze, Gewitter und Wasserfreuden
Der Sommer im Unterengadin lockt mit langen Tagen, klarer Luft und kühlen Nächten — für Hunde deutlich angenehmer als in tieferen Lagen. Trotzdem kann es zur Mittagszeit auch in Scuol auf 1250 Metern unangenehm heiss werden, vor allem in geschützten Tallagen. Starte Wanderungen früh am Morgen, plane ausreichend Trinkwasser ein (für dich und deinen Hund) und nutze schattige Wälder statt offener Südhänge für die Mittagsstunden.
Der Inn (En) bietet im Sommer mehrere naturnahe Badestellen, wo Hunde ins Wasser können — ein Highlight für wasserbegeisterte Hunde. Achte dabei auf die Strömung: Der Inn kann nach Gewittern rasch anschwellen und reissend werden. Lass deinen Hund nie unbeaufsichtigt ins Wasser, und meide Badestellen unmittelbar nach starken Regenfällen. An offiziellen Badeplätzen für Menschen prüfe die Beschilderung — nicht überall sind Hunde willkommen.
Gewittergefahr ist im Engadin besonders ernst zu nehmen: Gewitter entstehen schnell und können Wanderer auf exponierten Graten oder Gipfeln überraschen. Für Hunde bedeuten Gewitter zusätzlichen Stress; viele Bergwanderhunde reagieren empfindlich auf Donner in engen Tälern. Plane deine Touren mit einer klaren Rückkehrzeit am frühen Nachmittag, beobachte die Wolkenentwicklung und kehre bei Anzeichen von Gewitterbildung frühzeitig um.
Im Sommer ist der Schweizerische Nationalpark stark frequentiert — und das Hundeverbot gilt ganzjährig für alle Bereiche des Parks. Informiere dich über die genauen Parkgrenzen unter nationalpark.ch, um unbeabsichtigte Verstösse zu vermeiden. Die Wege ausserhalb des Nationalparkperimeters sind hingegen zahlreich und für Hunde zugänglich — mit den üblichen Rücksichten gegenüber Weidetieren.
Herbst: Brunftzeit, Nässe und kurze Tage
Der Herbst gehört im Engadin zu den schönsten Reisezeiten — goldene Lärchen, klare Bergluft, weniger Betrieb auf den Wegen. Für Hundehaltende bringt er aber eine ernste Einschränkung: Rot- und Gamswild haben Brunft, und die Tiere sind aussergewöhnlich aufgewühlt und fluchtbereit. Freilaufende Hunde können Wildtiere in dieser Phase in lebensbedrohliche Situationen treiben — ein Hirsch in Panik kann sich verletzen oder in unwegsames Gelände flüchten. Die Leinenpflicht im Wald gilt auch im Herbst; in der Brunftzeit ist sie jedoch moralisch und ökologisch besonders relevant.
Gleichzeitig beginnt die Jagdsaison: In Graubünden wird im Herbst gejagt, auch in der Region Scuol und im Val S-charl. Informiere dich beim Amt für Jagd und Fischerei oder der Gemeindeverwaltung über aktuelle Jagdzeiten und -gebiete. Trage deinen Hund mit einer leuchtenden Warnweste aus, wenn du abseits markierter Wege unterwegs bist — das schützt ihn vor Verwechslungen und macht euch für Jäger und andere Wanderer besser sichtbar.
Die Tage werden im Oktober rasch kürzer, Schnee auf den Höhenlagen ist ab September möglich. Lass dich von herbstlichem Sonnenschein nicht täuschen: Temperaturstürze kommen schnell, und nasse Pfoten bei Kälte können Hunde auch auf kurzen Ausflügen erschöpfen. Packe eine Hundedecke oder ein leichtes Hundemantel-System ein — besonders für kurzhaarige Rassen oder ältere Hunde.
Winter: Schnee, Kälte und Skibetrieb
Im Winter verwandelt sich Scuol in einen ruhigeren Skiort mit echtem Alpincharakter. Das Skigebiet Motta Naluns zieht Wintersportler an, die Pisten und präparierten Wege sind für Hunde meist nicht zugänglich — die Bergbahnen haben eigene Reglemente, und auf Skipisten besteht erhebliche Kollisionsgefahr. Erkundige dich direkt bei Bergbahnen Scuol nach der aktuellen Regelung, bevor du mit dem Hund zur Talstation gehst.
Winterwanderungen auf geräumten Talwegen entlang des Inns oder durch den Dorfbereich von Scuol sind mit Hund gut möglich. Das Licht im Engadin ist im Winter magisch klar — kurze Spaziergänge in der Mittagssonne können sehr stimmungsvoll sein. Achte auf Streusalz und Splitt: Viele Dorfwege werden im Winter gestreut, und Streugut kann Pfoten reizen oder zwischen den Ballen eingedrungen Schmerzen verursachen. Spül die Pfoten nach jedem Winterspaziergang mit lauwarmem Wasser ab.
Bei starkem Schneefall oder Lawinengefahr gelten in der Region Sperrungen, die auch beliebte Wanderwege betreffen. Lawinenbulletins liest du täglich auf slf.ch; miss dem aktuellen Bulletin Vertrauen, nicht der gestrigen Wettereinschätzung. Für Hunde bedeuten tiefe Temperaturen unter minus zehn Grad zusätzliche Belastung: Kurze, häufige Ausflüge sind dann besser als lange Märsche. Lass alte, sehr junge oder kurzhaarige Hunde bei Extremkälte lieber in der warmen Unterkunft und gehe selbst nur kurz heraus.
Die Schneedecke im Unterengadin kann den Geruchssinn eines Hundes irritieren — bekannte Wege erscheinen ihm völlig neu und verleiten zum Weglaufen. Übe Rückruf und Sichtverbindung gerade im Winter bewusst ein, bevor du deinen Hund im Schneegelände freilaufen lässt. Mit guter Vorbereitung ist der Winter in Scuol aber eine aussergewöhnlich schöne Zeit für Hund und Mensch gemeinsam.
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