Hintergrund zur Region
Hund im Kanton Neuenburg: Was wirklich gilt
Der Neuenburger See liegt blank und silbergrau da, wenn im März die Bise vom Jurakamm bläst. Dann sind die Uferwege fast leer, der Hund rennt, und die Alpen stehen scharf über dem Wasser. Spätestens wenn der April kommt, ändert sich die Rechnung – denn im Wald gilt jetzt die Leine, am Seeufer kommen die Schutzzonenrangerin auf Patrouille, und wer das nicht weiss, zahlt. Der Kanton Neuenburg ist regulatorisch entspannter als Zürich oder Genf, aber entspannt ist nicht dasselbe wie regellos. Wer die Unterschiede kennt, bewegt sich mit Hund freier und sicherer.
Der Kanton ist zweisprachig geprägt – Amtssprache ist Französisch, die Deutschschweiz ist eine Autobahnstunde entfernt. Das Hundegesetz heisst entsprechend «Loi sur les chiens» (LChiens/NE). Für den Alltag als Hündeler ändert das wenig: Die Regeln gelten auf Kantonsboden, egal in welcher Sprache du sie liest. Wer aus dem Aargau oder dem Berner Seeland herüberfährt, merkt schnell, dass Neuenburg regulatorisch anders tickt – manches strenger, manches grosszügiger.
Leinenpflicht in Neuenburg: Drei Ebenen, die zusammenspielen
Neuenburg hat keine einheitliche Leinenpflicht für alle Lagen und das ganze Jahr. Die Pflicht ergibt sich aus drei übereinanderliegenden Schichten: kantonales Hundegesetz, saisonale Waldleinenpflicht und die Schutzgebietsreglemente am See. Jede Schicht hat eigene Regeln – und eigene Bussen.
Ebene 1: Kantonales Hundegesetz – Kontrolle als Grundpflicht
Der Frühling, der Hund ohne Leine im Quartier, die Nachbarin, die erschrickt. Hier greift Art. 12 Abs. 2 LChiens/NE, und er ist deutlich formuliert: Hunde müssen jederzeit durch Stimme oder Gestik unter Kontrolle gehalten werden können – andernfalls muss der Hund an der Leine geführt werden. Das ist keine Kann-Formulierung. Wer einen Hund nicht abrufen kann, muss anleinen. Punkt. Das gilt im Park, auf der Strasse, am Seeufer – überall. Kommunale Gemeindereglemente können darüber hinaus weitere Leinenpflichtbereiche definieren – Spielplätze, Parks, Schulareale. Frag bei deiner Gemeindeverwaltung nach, was lokal gilt.
Ebene 2: Waldleinenpflicht während der Brut- und Setzzeit
Mitte April, die Rehe haben gejungt, die Bodenbrüter sitzen auf dem Nest – und genau jetzt will der Hund am liebsten durch das Unterholz. Neuenburg sieht für die Waldleinenpflicht eine etwas kürzere Zeitspanne vor als viele Deutschschweizer Kantone: Vom 15. April bis zum 30. Juni müssen Hunde in den Neuenburger Wäldern angeleint werden. Das ist weniger als die 1. April bis 31. Juli, die etwa im Aargau oder in Luzern gelten – aber wer am 20. April seinen Labrador durchs Unterholz jagen lässt, riskiert trotzdem eine Busse. Der Verstoss gegen die gesetzlich auferlegten Leinenpflichten stellt eine strafrechtliche Übertretung dar, die mit einer Busse bestraft wird – und zwar unabhängig davon, ob der Hund tatsächlich gejagt oder gewildert hat.
Wichtig zu wissen: Da die Gesetze auf das Wohl der Wildtiere ausgerichtet sind, spielt die Länge oder Art der Leine keine Rolle. Auch die Verwendung einer langen Schlepp- oder Flexileine ist zulässig, solange der Hundehaltende diese festhält und den Hund damit kontrollieren kann. Eine 10-Meter-Schleppleine ist also korrekt – solange du sie in der Hand hältst.
Ebene 3: Naturschutzgebiete Grande Cariçaie – ganzjährig Leine
Südlich von Neuenburg Stadt, wo das Schilf breit und dicht am Seeufer steht: Das ist die Grande Cariçaie – und hier gelten andere Regeln als im Rest des Kantons. Ein wichtiger Teil der Reglementierung in diesen Naturschutzgebieten betrifft die Hunde. du kannst Brut zerstören, seltene Arten verletzen oder töten, gewisse Tiere verfolgen und damit einen gefährlichen Energieaufwand verursachen. Hunde müssen daher im gesamten Perimeter der Naturschutzgebiete an der Leine geführt werden. Ganzjährig – also auch im Oktober, wenn du meinst, die Brutsaison sei vorbei. Das Nicht-Einhalten des Leinenzwangs stellt aktuell den häufigsten Verstoss gegen die Reglemente der Naturschutzgebiete dar – und dabei handelt es sich nicht um einen harmlosen Verstoss. Die Ranger kontrollieren regelmässig. Wer im Schilfgürtel seinen Hund freilaufen lässt, darf mit einer Anzeige rechnen.
Listenhunde in Neuenburg: Keine Rasseliste
Wer mit einem American Pit Bull Terrier, einem Rottweiler oder einem Dogo Argentino in der Schweiz unterwegs ist, muss je nach Kanton Bewilligungen vorweisen, Wesenstests nachweisen oder bestimmte Rassen ganz zu Hause lassen. Nicht so in Neuenburg. Der Kanton Neuenburg verfügt bislang über keine Liste mit bewilligungspflichtigen oder verbotenen Rassen. Das macht ihn zu einem der entspannteren Kantone der Schweiz – in Neuenburg wird komplett auf rassebezogene Einschränkungen verzichtet.
Das bedeutet aber nicht, dass ein aggressiver Hund keine Konsequenzen hat. Die Gemeindeverwaltung, die Neuenburger Polizei und der Veterinärdienst können sofort eingreifen, wenn sich ein Hund gegenüber einer Person oder einem Tier aggressiv zeigt. du kannst das Tier beschlagnahmen und in einem Tierheim unterbringen. Das Verhalten des einzelnen Tieres zählt – nicht die Rasse. Wer mit einem Listenhund aus einem anderen Kanton nach Neuenburg kommt: Im Kanton Neuenburg selbst brauchst du keine spezielle Bewilligung. Trotzdem musst du prüfen, ob dein Heimkanton besondere Anforderungen für Auslandsaufenthalte – auch kantonale – vorschreibt.
Hundesteuer und Anmeldung in Neuenburg
Du bist neu im Kanton, du hast gerade einen Welpen geholt, oder du ziehst von Bern nach Neuenburg um: Was gilt? Für jeden Hund im Alter von mindestens drei Monaten, der im Kanton Neuenburg gehalten wird, ist grundsätzlich eine Hundesteuer von jährlich maximal 120 Franken zu bezahlen. Die Steuer wird auf Gemeindeebene erhoben; der kantonale Maximalbetrag von 120 Franken ist die Obergrenze, einzelne Gemeinden können darunter liegen. Melde dich direkt bei der Gemeindeverwaltung deines Wohnorts, um den genauen Betrag und die Anmeldefrist zu erfahren. Der Kantonstierärztliche Dienst Neuenburg ist die zuständige kantonale Behörde für alle Fragen zur Hundehaltung.
Zur Anmeldung beim eidgenössischen System: Alle Hunde in der Schweiz müssen in der Datenbank AMICUS registriert werden. Das geschieht in der Regel beim Tierarzt zusammen mit der Chipimplantation. Dein Hund braucht den Chip, bevor er in AMICUS eingetragen werden kann.
Die besten Routen im Kanton Neuenburg – mit korrekter Rechtslage
Neuenburger Seeufer – Nordufer zwischen Stadt und Colombier
Morgens kurz nach Sieben, wenn der Morgendunst noch über dem Wasser liegt und die Bise schläft: Das Nordufer des Neuenburger Sees gehört dann dir und deinem Hund. Der Uferpfad zwischen der Stadt Neuenburg und Colombier führt durch Weinberge, an Schilfzonen vorbei und bietet auf klaren Tagen freien Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Das Nordufer ist weniger verbaut als das Waadtländer Südufer – mehr Naturkontakt, weniger Rummel. Rechtlich: Ausserhalb der Naturschutzzonenperimeter ist Freilauf auf kontrollierbarem Terrain möglich, solange du Art. 12 LChiens/NE einhältst. Sobald der Pfad in Richtung der Schilfflächen führt, achte auf die Beschilderung der Grande Cariçaie-Schutzzonen. Leine parat.
Creux du Van – das Jurafelstheater
Der Sandstein riecht nach Feuchtigkeit, auch im August noch, wenn du die letzten Meter auf den Felskranz des Creux du Van hochsteigst und plötzlich in den runden Kessel hinunterschaust, als hätte jemand eine Schale aus dem Jura herausgeschnitten. Das Naturamphitheater im Val-de-Travers ist mit rund 1463 Metern der bekannteste Aussichtspunkt des Neuenburger Juras und mit Hund gut erreichbar. Der Anstieg von Noiraigue dauert je nach Kondition zwei bis drei Stunden. Zwischen 15. April und 30. Juni gilt im Wald Leine – das betrifft den grössten Teil des Aufstiegs. Oben auf dem freien Felskranz ausserhalb des Waldes kannst du lockern; halte den Hund aber vom Absatz fern, die Felsen fallen senkrecht ab.
Chaumont (1087 m) – der Hausberg mit Seilbahn
Die Neuenburger Standseilbahn auf den Chaumont nimmt Hunde mit. Oben auf dem Aussichtsgipfel über der Stadt öffnet sich der See wie auf einem Tablett, die Alpen dahinter. Das Waldgebiet rund um den Chaumont bietet gut ausgebaute Wanderwege. Auch hier: Zwischen 15. April und 30. Juni Leinenpflicht im Wald. Ausserhalb dieser Zeit sind die Wege gut für Freilauf geeignet – der Hund soll, er kann. Die Bergwirtschaft am Gipfel ist hundezugänglich; prüf kurz vorher, ob aktuell geöffnet.
Hochmoor La Brévine – das «sibirische Dorf»
La Brévine, auf gut 1000 Metern in einem abgeschlossenen Tal hinter dem Jurakamm: Im Winter wird es hier kälter als fast überall sonst in der Schweiz, im Sommer liegen Moorpfade durch eine stille, weite Landschaft. Das intakte Hochmoor gehört zu den seltenen seiner Art in der Schweiz. Mit Hund bist du willkommen – aber bleib auf den ausgewiesenen Pfaden. Moorflächen können trotz trockener Oberfläche tief und weich sein; ein Hund, der ins offene Moor läuft, kann einsinken. Dazu schützt die Wegegebotspflicht das sensible Ökosystem. Früh im Vorfrühling, wenn Zugvögel zurückkehren, ist La Brévine besonders beeindruckend – und genau dann zählt gute Hundekontrolle am meisten.
Was in Neuenburg anders ist als im Rest der D-A-CH-Region
Wer aus der Deutschschweiz kommt, staunt erst: Keine Rasseliste, keine kantonale Bewilligungspflicht für Listenhunde, eine vergleichsweise kurze Waldleinenpflicht von nur sechseinhalb Wochen. Neuenburg sieht für die Leinenpflicht eine etwas kürzere Zeitspanne vor als die meisten Deutschschweizer Kantone. Während du in Zürich deinen Rottweiler gar nicht mehr legal halten kannst und in Aargau vom 1. April bis 31. Juli die Leine nicht locker darfst, hast du in Neuenburg mehr Spielraum – sofern du deinen Hund wirklich unter Kontrolle hast.
Das kantonale Hundegesetz setzt auf Verhaltenskontrolle statt Rassendiskriminierung. Das ist der entscheidende Unterschied zu Kantonen wie Zürich, Genf oder dem Tessin: Nicht die Rasse ist das Kriterium, sondern das Verhalten des einzelnen Tieres und die Kontrollfähigkeit seiner Halterin oder seines Halters. Wer einen gut erzogenen Hund hat, profitiert davon spürbar. Wer einen unkontrollierten Hund hat, dem nützt auch keine Rassenfreiheit – die Behörden greifen bei Aggressivität konsequent ein.
Im Vergleich zu Deutschland fällt auf: In vielen deutschen Bundesländern gibt es umfangreichere Leinenpflichten in öffentlichen Parks und auf Gehwegen. Neuenburg – und die Schweiz generell – lässt Hundehaltern auf offenen Wegen und Waldwegen mehr Freiraum, knüpft diesen Freiraum aber klar an die tatsächliche Kontrolle des Tieres.
Häufig gestellte Fragen
Gilt in Neuenburg das ganze Jahr Waldleinenpflicht?
Nein. In den Wäldern rund um Neuenburg müssen Hunde vom 15. April bis 30. Juni stets an der Leine geführt werden. Ausserhalb dieses Zeitraums gibt es keine kantonale Waldleinenpflicht – aber du musst deinen Hund jederzeit unter Kontrolle haben.
Darf mein Hund am Neuenburger See schwimmen?
Ausserhalb der Naturschutzzonenperimeter ja. Innerhalb des Schutzgebiets der Grande Cariçaie gilt ganzjährig Leinenpflicht, und das Betreten bestimmter Uferzonen ist ganz verboten. Achte auf die Beschilderung vor Ort – sie ist klar und regelmässig aufgestellt.
Gibt es in Neuenburg Rassenverbote oder Bewilligungspflichten für Listenhunde?
Nein. Der Kanton Neuenburg verfügt bislang über keine Liste mit bewilligungspflichtigen oder verbotenen Rassen. Alle Rassen sind ohne spezielle kantonale Bewilligung haltbar.
Wie hoch ist die Hundesteuer in Neuenburg?
Der Kanton sieht einen jährlichen Maximalbetrag von 120 Franken vor. Den genauen Betrag legt die jeweilige Gemeinde fest. Erkundige dich direkt bei deiner Gemeindeverwaltung.
Darf ich mit einem Listenhund aus einem anderen Kanton nach Neuenburg einreisen?
Im Kanton Neuenburg selbst brauchst du keine spezielle Bewilligung für deinen Hund, unabhängig von seiner Rasse. Überprüf trotzdem, ob dein Heimkanton besondere Auflagen für das Mitführen von Listenhunden ausserhalb des Wohnkantons vorschreibt.
Was passiert, wenn mein Hund im Wald jagt?
Beisst ein Hund ein Reh oder ein anderes Tier, müssen die betreffenden Hundehaltenden für den durch ihren Hund verursachten Wildschaden aufkommen. Wer während der Leinenpflichtzeit die Leine verweigert, riskiert eine strafrechtliche Übertretungsbusse – auch wenn der Hund kein Wild erwischt hat.
Quellen
- Stiftung für das Tier im Recht (TIR): Hunderecht Kanton Neuenburg
- Grande Cariçaie: Verhalten in den Naturschutzgebieten – Regelungen für Hunde
- Hundeherz.ch / TIR: Kantonale Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit (Stand März 2026)
- Kanton Neuenburg – Service cantonal de la sécurité alimentaire et des affaires vétérinaires (SCAV)





