Wahlkreis Werdenberg
Karte: Wikipedia Commons, Tschubby, CC BY-SA 3.0. Quelle: commons.wikimedia.org Hund im Wahlkreis Werdenberg: Was wirklich gilt
Der Rhein bildet hier die Westgrenze. Drüben liegt Liechtenstein, ein paar Kilometer weiter Vorarlberg. Der Wahlkreis Werdenberg im Kanton St. Gallen streckt sich vom flachen Rheintal hinauf in die steilwandigen Täler der Voralpen – Buchs und Sevelen unten, Grabs und Gams in der Hügelzone, Weisstannen oben, wo der Wald dichter wird und der Mobilfunk schwächer. Neun Gemeinden, rund 21’000 Stimmberechtigte, eine Topographie, die an einem einzigen Wandertag drei Klimazonen zeigt.
Für Hundehalter ist diese Mischung reizvoll und rechtlich komplex. Das Kantonale Hundegesetz St. Gallen (sGS 456.1, kurz HuG/SG) gilt als Basis. Die Gemeinden schichten darüber ihre eigenen Polizeireglements. Und im Alpenbereich greift zusätzlich Bundesrecht: Das Jagdbanngebiet Graue Hörner, das zwischen Weisstannen- und Calfeisental liegt, bringt ganzjährige Leinenpflicht auch ohne kommunales Reglement. Das erfährt man nicht immer von der Wanderkarte.
Leinenpflicht im Wahlkreis Werdenberg: Was kommunal gilt
Wer im Kanton St. Gallen einen Hund ausführt, hält diesen an der Leine, wenn andere wirksame Kontrollmöglichkeiten fehlen (Art. 8 HuG/SG). Das klingt flexibler als es ist. An besonderen Orten wie Schulanlagen, öffentlichen Spiel- und Sportplätzen, öffentlich zugänglichen Gebäuden, öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Bahnhöfen und Haltestellen müssen Hunde stets an der Leine gehalten werden. Die kantonale Grundregel ist damit bereits ziemlich konkret. Was darüber hinaus gilt, regeln die Gemeinden.
Buchs – Zentrum und Bahnknoten
Buchs ist das wirtschaftliche Zentrum des Werdenbergs. Bahnhof, Fussgängerzone, Freizeitanlagen, das sind Orte, an denen die Leinenpflicht nach Art. 8 HuG/SG unbedingt gilt. Die politische Gemeinde kann durch Reglement oder durch Verfügung und entsprechende Signalisation an weiteren Orten die Leinenpflicht oder ein Zutrittsverbot für Hunde vorschreiben (Art. 9 und 10 HuG/SG). Ob und wo Buchs zusätzliche Zonen definiert hat, klärst du direkt bei der Gemeindeverwaltung Buchs. Auf Beschilderungen vor Ort achten, das gilt in allen neun Gemeinden des Wahlkreises.
Wald, Brut- und Setzzeit
Im Wald ist St. Gallen liberaler als manche Nachbarkantone. Kantone wie Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Thurgau und Zug schreiben vom 1. April bis zum 31. Juli Leinenpflicht in Wäldern und an Waldrändern vor. Kanton St. Gallen gehört nicht zu dieser Liste. Eine generelle saisonale Waldleinenpflicht existiert kantonsweit nicht. Trotzdem gilt: Wildernde Hunde können folgenreich aufgehalten werden. Wildernde Hunde dürfen durch die Wildhut und Mitglieder der Jagdgesellschaften abgeschossen werden, wenn der Hund das Wild unmittelbar gefährdet oder trotz Ermahnung erneut wildert (Art. 42 Abs. 1 lit. a JV/SG). Das ist kein Papierparagraph.
Wer mit dem Hund in den Wäldern rund um Grabs oder Gams unterwegs ist, sollte ausserdem wissen: April bis Juli ist Brut- und Setzzeit. Rehkitze liegen reglos im hohen Gras. Freilaufende Hunde finden sie, bevor du es tust. Auch ohne Leinenpflicht ist das ein guter Grund, die Leine anzulegen.
Jagdbanngebiet Graue Hörner – Bundesrecht gilt direkt
Wer von Weisstannen oder dem Calfeisental aus aufsteigt, betritt ein Schutzgebiet mit eigenem Rechtsstatus. Das eidgenössische Jagdbanngebiet Graue Hörner besteht seit mehr als hundert Jahren und erlangte internationale Bedeutung, als hier 1911 die Wiederansiedlung von Steinböcken im schweizerischen Alpenraum erfolgte. Die Verordnung über die eidgenössischen Jagdbanngebiete (VEJ, SR 922.31) schreibt in diesen Gebieten Leinenpflicht vor (Art. 5 Abs. 1c VEJ). Das betrifft im Kanton St. Gallen konkret das Gebiet Graue Hörner (Anhang 1 VEJ). Diese Pflicht gilt ganzjährig, nicht nur saisonal. Die Beschilderung beginnt nicht immer am offensichtlichsten Punkt. Im Zweifel: Leine anlegen.
Listenhunde im Wahlkreis Werdenberg: Was gilt?
Es gibt Kantone wie Bern, Graubünden oder St. Gallen, die weder pauschale Verbote noch eine Bewilligungspflicht für gewisse Rassen kennen. Das ist eine wichtige Eigenheit. Im Werdenberg hältst du einen American Staffordshire Terrier oder einen Rottweiler ohne rassespezifische Zusatzhürden, sofern du die allgemeinen Pflichten erfüllst. Keine kantonale Rasseliste, kein Bewilligungsformular allein aufgrund der Rasse.
Was trotzdem gilt: Wer einen Hund hält, muss eine Haftpflichtversicherung abschliessen. Die Versicherungsdeckung schliesst die Haftpflicht des Hundehalters sowie derjenigen Person, die den Hund tatsächlich beaufsichtigt, mit ein (Art. 7 HuG/SG). Das ist seit dem 1. Januar 2020 kantonale Pflicht. Im Kanton St. Gallen gilt zudem keine generelle Maulkorbtragepflicht. Ein Maulkorb kann aber behördlich angeordnet werden, wenn ein Hund auffällig oder aggressiv geworden ist.
Wenn du mit einem Hund einreist, der in deinem Wohnkanton auf einer Rasseliste steht: Ist das Halten des Hundes im Wohnkanton bewilligt und sind alle Auflagen erfüllt, kann kein anderer Kanton die Einreise, Durchreise oder den zeitweisen Aufenthalt verbieten, auch wenn die Rasse in diesem Kanton auf einer verbotenen Liste steht. Es gelten die Regelungen des Wohnkantons. Vor Ort gelten aber die St. Galler Regeln für Leinenpflicht und ähnliches.
Mehr zur Rassenregelung im Kanton St. Gallen findest du in unserer Übersicht Kanton St. Gallen.
Hundesteuer und Anmeldung
Die Gemeinden sind weiterhin für die Erhebung der Hundesteuer zuständig. Im Wahlkreis Werdenberg variieren die Ansätze von Gemeinde zu Gemeinde. Als Orientierung aus einer Umfrage von 2020: In Gams sind CHF 100 pro Hund fällig, in Grabs ebenfalls CHF 100 pro Hund, in Sennwald CHF 80. In der Region haben Hundehalter in Buchs die höchsten Abgaben zu entrichten. Diese Zahlen stammen aus 2020 und können sich geändert haben. Aktuelle Ansätze erfragst du direkt bei deiner Wohngemeinde, die Tarife werden nicht kantonal einheitlich festgelegt.
Zur Anmeldung: Die Wohngemeinde kontrolliert, ob der Hund und die Hundehaltung korrekt in der nationalen Hundedatenbank AMICUS erfasst sind. Du meldest deinen Hund bei der Einwohnerkontrolle deiner Gemeinde an. Der Tierarzt erledigt dann die Chip-Eintragung in AMICUS. Seit 2007 gilt gemäss der Tierseuchenverordnung für alle Hunde ab einem Alter von drei Monaten die Mikrochip-Pflicht. Wer dieser Pflicht nicht nachkommt, riskiert eine Busse.
Die besten Routen im Wahlkreis Werdenberg, mit korrekter Rechtslage
Rheinspaziergang Buchs–Haag: Flacher Talboden, freier Blick
Im November liegt Morgennebel über den Riet-Flächen zwischen Buchs und Haag. Der Rhein rauscht, der Kies ist nass. Das ist kein Wander-Prospekt, das ist Werdenberg im echten Betrieb. Der Rheinweg entlang des regulierten Flusses ist flach, gut begehbar und bietet weite Sicht auf die Liechtensteiner Flanken. Hunde profitieren vom Platz, Halter von der kurzen Anfahrt.
Rechtslage: Im freien Gelände ausserhalb von Siedlungen gilt Art. 8 HuG/SG, Kontrolle statt generelle Pflicht. Sobald du einen Weg durch eine Ortszone nimmst, gelten die kommunalen Regeln der jeweiligen Gemeinde. Aktuelle Routen und Wegzustände findest du auf SchweizMobil.
Werdenberger Hügelzone: Grabs, Gams, Sennwald
Die Hügelzone östlich des Rheintals riecht im Mai nach Gras und feuchtem Boden. Die Wege steigen sanft an, führen durch Streuobstwiesen und kleinere Waldstücke. Wer früh morgens geht, trifft selten Menschen. Rehe stehen noch in den Feldern.
Genau deshalb: April bis Juli ist Vorsicht geboten. Keine kantonale Saisonleinenpflicht im Wald, aber der Hund, der ein Reh stellt, hat ein Problem, und du auch. Auf Weiden mit Nutztieren gilt ausserdem absolute Vorsicht. Allein die Präsenz von Hunden kann viele Alpenbewohner in Stress versetzen. Die Beschilderung auf den Wegen beachten. Ob und wo konkrete Leinenzonen ausgeschildert sind, erfährst du bei den Gemeindeverwaltungen Grabs, Gams oder Sennwald.
Calfeisental und Aufstieg Richtung Graue Hörner
Das Calfeisental ist eng. Die Felswände sind im Frühsommer noch feucht von schmelzendem Schnee. Der Weg steigt rasch an, die Luft kühlt mit jedem Höhenmeter. Wer hier unterwegs ist, ist weit weg vom Rheintal-Alltag, und betritt bald Bundesschutzgebiet.
Das Jagdbanngebiet Graue Hörner beginnt nicht erst am Gipfel. Leinenpflicht nach Art. 5 Abs. 1c VEJ (SR 922.31) gilt ganzjährig. Beschilderung beachten. Wer den Hund trotzdem freilaufen lässt, riskiert eine Busse. Details zum Gebiet findest du beim Kanton St. Gallen, Jagdbanngebiet Graue Hörner.
Werdenberger See und Schloss Werdenberg
Der Werdenberger See bei Buchs ist der einzige natürliche See im Kanton St. Gallen. Im Sommer schwimmen Enten, am Ufer sitzen Familien. Das Schloss Werdenberg thront direkt daneben. Das Ensemble zieht Besucher an, und damit gelten dort die kommunalen Regeln von Buchs uneingeschränkt.
Ob Hunde am Seeufer bestimmte Zonen betreten dürfen und welche Einschränkungen rund ums Schloss bestehen, klärst du vor Besuch auf der offiziellen Gemeinde-Website Buchs. Beschilderungen vor Ort massgeblich.
Was im Wahlkreis Werdenberg anders ist als im Rest des Kantons
Der Werdenberg hat eine Randlage, die ihn prägt. Liechtenstein liegt direkt dahinter, Vorarlberg wenige Kilometer weiter. Wer mit dem Hund von Buchs über die Grenze nach Vaduz fährt, wechselt sofort Rechtssystem. Liechtenstein und Österreich kennen eigene Hundegesetze. Wer das nicht weiss, steht plötzlich mit einem unangeleinten Hund in einem Land, das das anders regelt als St. Gallen.
Die zweite Eigenheit: Die Topographie erzwingt Rechtswechsel innerhalb einer einzigen Wandertour. Rheinebene, Hügelzone, Voralpen, Jagdbanngebiet, das ist alles an einem Tag möglich. Wer morgens locker im Talgrund läuft, steht nachmittags im Bundesschutzgebiet. Karte studieren, Beschilderung lesen, Leine griffbereit halten.
Drittens: Sennwald hat im Wahlkreis Werdenberg am meisten, Buchs am wenigsten Hunde. Das zeigt, wie unterschiedlich die Gemeinden trotz räumlicher Nähe geprägt sind. Ländliche Gemeinden wie Sennwald oder Wartau haben anderen Charakter als das städtischere Buchs. Kommunale Reglements spiegeln das. Immer die jeweilige Gemeinde direkt kontaktieren.
Häufig gestellte Fragen
Gilt im Kanton St. Gallen eine saisonale Leinenpflicht im Wald?
Nein. Kanton St. Gallen kennt keine kantonale Waldleinenpflicht von April bis Juli, wie sie etwa Aargau, Thurgau oder Basel-Landschaft kennen. Das Hundegesetz (Art. 8 HuG/SG) verlangt Kontrolle, keine generelle Leinenpflicht im Wald. Trotzdem: Wildernde Hunde können durch Wildhut und Jagdgesellschaften abgeschossen werden (Art. 42 Abs. 1 lit. a JV/SG). Und im Jagdbanngebiet Graue Hörner gilt ganzjährige Bundesrechtspflicht (Art. 5 Abs. 1c VEJ, SR 922.31).
Was kostet die Hundesteuer in den Werdenberger Gemeinden?
Die Tarife unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde. Als Orientierungswert aus 2020 lagen sie zwischen CHF 80 und über CHF 100 pro Hund und Jahr – Buchs hatte die höchsten Abgaben in der Region. Diese Zahlen können sich geändert haben. Aktuelle Beträge erfragst du direkt bei der Gemeindeverwaltung deines Wohnorts.
Brauche ich im Kanton St. Gallen eine Haftpflichtversicherung für meinen Hund?
Ja. Seit dem 1. Januar 2020 ist eine Haftpflichtversicherung für alle Hundehalter im Kanton St. Gallen gesetzlich vorgeschrieben (Art. 7 HuG/SG). Die Versicherung muss sowohl den Halter als auch jede Person abdecken, die den Hund tatsächlich führt.
Gibt es im Kanton St. Gallen verbotene Hunderassen?
Nein. St. Gallen kennt weder pauschale Rassenverbote noch eine rassespezifische Bewilligungspflicht. Das unterscheidet den Kanton von Zürich, Genf oder Wallis. Was gilt: Haftpflichtversicherung, Leine bei fehlender Kontrollmöglichkeit, Anmeldepflicht in AMICUS. Bei auffälligem Verhalten kann der Kanton individuelle Massnahmen anordnen (Art. 17 HuG/SG), unabhängig von der Rasse.
Was gilt, wenn ich mit meinem Hund von Werdenberg nach Liechtenstein oder Vorarlberg gehe?
Beim Grenzübertritt wechselst du sofort in ein anderes Rechtssystem. Liechtenstein und Österreich haben eigene Hundegesetze, die sich vom St. Galler Recht unterscheiden können. Informiere dich vor dem Ausflug über die aktuellen Regeln im Zielland. Die Grenze verläuft teilweise mitten durch beliebte Wandergebiete.
Quellen
Saisonale Hinweise
Beste Jahreszeit: Sommer