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Hund in Bremen: Was wirklich gilt Bremen ist das kleinste Flächenland Deutschlands und gleichzeitig eines der vielseitigsten für Hundehalter. Zwischen Bürgerpark, Weserdeich und Blockland liegen Kilometer, in denen…

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Hintergrund zur Region

Hund in Bremen: Was wirklich gilt

Bremen ist das kleinste Flächenland Deutschlands und gleichzeitig eines der vielseitigsten für Hundehalter. Zwischen Bürgerpark, Weserdeich und Blockland liegen Kilometer, in denen sich Stadt und Marsch innerhalb weniger Minuten ablösen. Morgens hörst du im Bürgerpark noch das Klingeln der Strassenbahn, eine halbe Stunde später knirschen unter den Pfoten deines Hundes nur noch der Schotter eines Deichweges und das Schnattern der Gänse über dem Blockland.

Was Bremen für Hundehalter besonders macht, ist nicht nur die Geografie, sondern die Rechtslage. Bei der Hundesteuer gleiche Regeln für alle, bei den Listenhunden eines der strengsten Regime Deutschlands, und ab Juli 2026 ein neues Hundegesetz mit Sachkundepflicht für Neuhalter. Wer hier mit Hund lebt, kommt um den Blick ins Kleingedruckte nicht herum.

Leinenpflicht in Bremen: drei Regelebenen, die zusammenspielen

In Bremen gibt es keine pauschale Ganzjahresleine, aber drei Ebenen, die du auseinanderhalten musst: die saisonale Pflicht in der freien Landschaft, die Regeln in städtischen Grünanlagen und die besonderen Auflagen für Listenhunde.

Brut- und Setzzeit in der freien Landschaft

Wenn die Kiebitze über dem Blockland kreisen und du im März zum ersten Mal wieder ohne Jacke loswillst, fängt es an: Zwischen 15. März und 15. Juli gilt die Anleinpflicht auch in der freien Landschaft. Das Startdatum ist der 15. März, nicht der 1. März. Geregelt ist das in § 7 Abs. 2 des Bremischen Feldordnungsgesetzes. „Freie Landschaft" meint dabei deutlich mehr als nur den Wald: Äcker, Wiesen, Weiden, Heiden, Moor- und Ödflächen, grössere Baumbestände und Deiche ausserhalb des bebauten Stadtgebietes fallen darunter.

Der Sinn dahinter ist nicht behördliche Schikane. Die Marschen rund um Bremen sind Brutgebiete für Kiebitz, Brachvogel und Uferschnepfe, Vögel, die direkt am Boden brüten und denen ein streunender Hund die Saison ruinieren kann. Wer im April mit freilaufendem Hund durchs Blockland zieht, riskiert nicht nur ein Bussgeld, sondern bringt im schlimmsten Fall ein ganzes Gelege zum Verlassen.

Stadtbereiche, ÖPNV und Schutzgebiete

Im Stadtgebiet selbst greift eine zweite Ebene. In Bremen musst du deinen Hund in gut besuchten Stadtbereichen, im öffentlichen Nahverkehr und auch in allen Natur- und Landschaftsschutzgebieten, abgegrenzten Park-, Garten- und Grünanlagen an der Leine führen. Praktisch heisst das: Strassenbahn, Bahnhofsvorplatz, Schlachte, Wallanlagen, alle als solche ausgewiesenen Parks. Der Bürgerpark spielt eine Sonderrolle, dazu gleich mehr.

Listenhunde: Maulkorb plus Leine, ohne Wenn

Für die vier Bremer Listenrassen gilt im öffentlichen Raum durchgehend Leinen- und Maulkorbpflicht. Ab dem 6. Lebensmonat müssen gefährliche Hunde einen Maulkorb tragen, solange keine Ausnahme hierfür bei der Ortspolizeibehörde beantragt und genehmigt wird. Eine Ausnahme vom Maulkorbzwang in Bremen kann erteilt werden, wenn der Hund bisher nicht auffällig war und durch einen Wesenstest oder eine Begleithundeprüfung nachgewiesen wird, dass er keine über das natürliche Maß hinausgehende Angriffslust, Kampfbereitschaft oder Schärfe aufweist. Der Weg zur Maulkorbbefreiung läuft also über einen bestandenen Wesenstest oder eine Begleithundeprüfung, beides per Antrag bei der Ortspolizeibehörde.

Listenhunde in Bremen: das strengste Regime Deutschlands

Wer in Bremen lebt und sich für eine der vier Rassen interessiert: vergiss es. Auf dessen Rasseliste befinden sich vier Hunderassen, die als gefährlich gelten. Die Haltung dieser Hunde ist in Bremen verboten. Aufgrund dieser rigorosen Regelung gilt Bremen als die deutsche Region mit der strengsten Vorgehensweise, wenn es um sogenannte Kampfhunde-Rassen geht.

Konkret betroffen: Pit-Bull-Terrier, Bullterrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier sowie Kreuzungen und Mischlinge dieser Rassen. Zucht, Handel und Erwerb sind verboten. Es ist rechtlich nur erlaubt einen Hund der vier Rassen – und ihrer Kreuzungen – aus dem Tierheim zu holen. Die Ausnahmeregelung soll verhindern, dass das Bremer Tierheim auf seinen Listenhunden sitzen bleibt.

Wichtig für die Hundesteuer: Es gibt in Bremen keinen erhöhten Steuersatz für Listenhunde. Auch ein als gefährlich eingestufter Hund wird mit den gleichen 150 Euro besteuert wie ein Golden Retriever. Pflicht ist allerdings eine Hundehaftpflichtversicherung, ein polizeiliches Führungszeugnis und Microchip-Kennzeichnung. Details stehen im Bremischen Hundegesetz.

Hundesteuer und Anmeldung

Hier wird Bremen erfreulich übersichtlich. Steuerschuldner sind die Hundehalter. Die Steuer beträgt 150 Euro je Hund und Kalenderjahr. Auf Antrag kann die Steuer in bestimmten Fällen erlassen oder ermäßigt werden. Keine Staffelung nach Anzahl, kein Aufschlag für Listenhunde, kein Mehrhundezuschlag. Drei Hunde kosten dreimal 150 Euro, fertig.

Im bundesweiten Vergleich liegt Bremen damit über dem Schnitt: In Hamburg bezahlt man zum Beispiel 90 Euro, in Berlin 120 und in München 100. Wer in Bremerhaven lebt, zahlt weniger, beide Stadtgemeinden verwalten ihre Hundesteuer eigenständig.

Anmelden musst du den Hund innerhalb von 2 Wochen nach Aufnahme oder Zuzug oder nach Vollendung des dritten Lebensmonats des Hundes. Das geht schriftlich, persönlich oder über „Mein ELSTER". Verlierst du die Steuermarke, kostet die Ersatzmarke 10,50€. Für 2026 bis 2029 gibt es übrigens eine neue Marke: Die vom 01.01.2026 bis zum 31.12.2029 gültige Hundesteuermarke ist rund und grün.

Wer den Hund nicht anmeldet, spielt mit hohem Einsatz. Wer die Steuer nicht zahlt oder seinen Hund nicht anmeldet, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Das Bußgeld kann bis zu 10.000 Euro betragen. Befreiungen gibt es für Blinden- und Diensthunde, Ermäßigungen für Zwinger-, Hilfs- und Wachhunde, und die Steuerbefreiung für Hunde aus dem Tierschutz wird für ein Jahr gewährt, wenn der oder die Hunde aus dem Tierheim Bremen übernommen wurden. Alle Formulare findest du auf finanzen.bremen.de.

Neues Hundegesetz ab Juli 2026: Sachkunde wird Pflicht

Bremen baut um. Die Bremische Bürgerschaft hat am 18. Juni 2025 mit den Stimmen der rot-grün-roten Koalition sowie CDU und weiterer Abgeordneter das neue Gesetz über das Halten von Hunden beschlossen. Es wurde am 24. Juni 2025 im Gesetzblatt veröffentlicht (GBl. S. 598) und tritt zum 1. Juli 2026 in Kraft.

Auslöser war ein konkreter Vorfall, kein abstrakter Lobbyentscheid. Hintergrund war ein schwerer Beißvorfall im November 2023, bei dem ein Rottweiler in Bremen einer Sechsjährigen in den Kopf gebissen und sie schwer verletzt hatte. Allein zwischen 2021 und 2023 wurden in Bremen 150 Beißvorfälle mit Personenschäden registriert.

Was sich für dich ändert: Wer vor dem 1. Juli 2026 bereits einen Hund hält, ist von der Sachkundeprüfungspflicht ausgenommen. Der Hundeführerschein gilt nur für Personen, die nach diesem Stichtag erstmals einen Hund anschaffen. Ausnahmen gelten außerdem für Tierärzte, Jagdhundeführer mit anerkannter Prüfung und Halter von Blindenhunden. Dazu kommt eine Hundehaftpflicht-Pflicht für alle, nicht mehr nur für Halter gefährlicher Hunde.

Die besten Routen in Bremen – mit korrekter Rechtslage

Bürgerpark und Stadtwald

Sonntagmorgen, halb acht, der Nebel hängt noch über dem Emmasee und ein Hund sprintet durch das nasse Gras, als hätte er die Wiese gerade erfunden. Der Bürgerpark, 1866 vom Bürgerpark-Verein angelegt, ist Bremens Wohnzimmer für Hundehalter. Auf den ausgewiesenen Freilaufflächen ist Rennen erlaubt, in den Kernbereichen rund um Spielplätze, Restaurants und Hauptwege gilt Leine. Die Beschilderung ist eindeutig, aber sie steht eben nicht überall, wo du sie gerade brauchst. Wer durchs ganze Park-Areal spaziert, kommt zwangsläufig durch beide Zonen.

Praxis: Früh dran sein zahlt sich aus. Ab zehn Uhr füllt sich der Park mit Joggern, Familien und Radfahrern, und der Hund, der um halb acht souverän abrufbar war, ist um elf einfach nur überreizt.

Weserdeich Richtung Habenhausen

Südlich des Stadtzentrums zieht die Weser ihre Schleifen und der Deich gibt dir lange, übersichtliche Wege ohne Wald, ohne Wild, mit Sicht bis zum Horizont. Für Hunde mit Bewegungsdrang ist das ideal, weil du sehen kannst, was kommt, bevor es da ist. Ausserhalb der Brut- und Setzzeit ist Freilauf hier weitgehend unproblematisch, sofern dein Hund im Abruf sitzt. Achtung im Sommer: An warmen Wochenenden teilen sich Spaziergänger, Skater und Radfahrer denselben Asphalt, und der Hund auf der Mitte des Weges ist niemandes Freund.

Blockland

Das Blockland nördlich der Stadt ist Bremens stilles Versprechen. Flache Marsch, schwarze Entwässerungsgräben, Schafe und Rinder auf den Weiden, mehr Himmel als Land. Wer mit dem Auto kommt und früh aufsteht, hat ganze Deichabschnitte für sich. Vom 15. März bis 15. Juli gilt hier konsequent Leine, weil das Blockland Brutgebiet ist. Ausserhalb der Saison darf der Hund laufen, aber: Wenn Vieh auf den Weiden steht, muss der Abruf sitzen. Hetzen von Schafen ist in Deutschland eine Ordnungswidrigkeit, und Schäfer haben das Recht, einen Hund, der ihre Herde reisst, zu erschiessen. Das ist nicht Drohung, das ist Gesetz.

Stadtwald und Knoops Park (Bremen-Nord)

Im Norden, zwischen Lesum und Weser, liegt mit Knoops Park ein historischer Landschaftsgarten, der morgens nach Buche und feuchtem Laub riecht. Auf den Hauptwegen gilt Leine, in den Seitenbereichen lassen die meisten Hundehalter den Hund laufen, wenn niemand sonst da ist. Die saisonale Anleinpflicht in grösseren Baumbeständen greift auch hier zwischen 15. März und 15. Juli.

Was in Bremen anders ist als im Rest Deutschlands

Drei Dinge fallen auf. Erstens: Die Hundesteuer ist flach. Keine Staffelung, kein Listenhundzuschlag, kein Aufschlag für den Zweithund. Das ist in deutschen Grossstädten ungewöhnlich, in den meisten anderen Städten zahlst du für den Zweithund das Doppelte, für einen Listenhund teils das Sechsfache.

Zweitens: Die Listenhundregelung ist eine der härtesten. Während Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen ihre Rasselisten abgeschafft haben, hält Bremen am pauschalen Haltungsverbot fest. Wer aus Niedersachsen mit einem American Staffordshire Terrier nach Bremen zieht, hat ein Problem.

Drittens: Das Startdatum der Brut- und Setzzeit. Während Sachsen-Anhalt und das Saarland am 1. März beginnen und viele andere Bundesländer erst am 1. April, liegt Bremen mit dem 15. März dazwischen. Wer aus Niedersachsen rüberfährt, wo grosse Teile des Waldes ohnehin ganzjährig leinenpflichtig sind, erlebt in Bremen eher eine Lockerung. Wer aus Berlin kommt, wundert sich, dass es im Sommer überhaupt Wald ohne Leine gibt.

Häufig gestellte Fragen

Gilt in Bremen Waldleinenpflicht?

Ja, aber nicht nur im Wald. Vom 15. März bis 15. Juli gilt Anleinpflicht in der freien Landschaft, das schliesst Wald, grössere Baumbestände, Äcker, Wiesen, Weiden und Deiche ausserhalb der bebauten Stadt ein. Rechtsgrundlage ist § 7 Abs. 2 des Bremischen Feldordnungsgesetzes. Ausserhalb dieser Zeit ist Freilauf im Wald erlaubt, sofern der Hund unter Kontrolle ist.

Wie hoch ist die Hundesteuer in Bremen?

Die Steuer beträgt grundsätzlich 150 Euro je Hund und Kalenderjahr. Einheitlich, ohne Staffelung nach Anzahl der Hunde oder nach Rasse. Listenhunde werden steuerlich genauso behandelt wie andere Hunde. In Bremerhaven gelten eigene Sätze, dort liegt der Satz aktuell bei 90 Euro pro Hund.

Darf mein Hund im Bürgerpark frei laufen?

Auf den ausgewiesenen Freilaufflächen ja, in den anderen Bereichen nicht. Die Zonen sind beschildert. An stark frequentierten Tagen ist Leine ohnehin die freundlichere Option für alle Beteiligten.

Sind Listenhunde in Bremen erlaubt?

Nein, mit einer Ausnahme: Es ist rechtlich nur erlaubt einen Hund der vier Rassen – und ihrer Kreuzungen – aus dem Tierheim zu holen. Zucht, Handel, Erwerb und Weitergabe sind verboten. Wer einen Tierheim-Hund übernimmt, braucht eine Genehmigung der Ortspolizeibehörde, ein Führungszeugnis und eine Hundehaftpflichtversicherung.

Was ändert sich ab Juli 2026?

Wer nach dem 1. Juli 2026 erstmals einen Hund in Bremen anschafft, muss eine Sachkundeprüfung ablegen (Hundeführerschein). Wer vorher schon Hundehalter ist, ist davon ausgenommen. Zusätzlich wird die Hundehaftpflichtversicherung für alle Hunde Pflicht, nicht mehr nur für gefährliche.

Quellen