Wiki · Hunderassen

Wie vermehren sich Hunde?

4 Min Lesezeit
Wie vermehren sich Hunde?
Definition

Hunde vermehren sich durch geschlechtliche Fortpflanzung, wobei der weibliche Zyklus den Zeitpunkt bestimmt.

Inhalt
  1. Wann wird eine Hündin das erste Mal läufig?
  2. Wie läuft der Deckakt bei Hunden ab?
  3. Wie lange dauert die Trächtigkeit?
  4. Was passiert bei der Geburt?
  5. Wie lange bleiben Welpen bei der Mutter?
  6. Warum sollten Hunde kastriert werden?

Hunde entstehen durch geschlechtliche Fortpflanzung – und wann das passiert, bestimmt allein der weibliche Zyklus. Was dahinter steckt, folgt klaren biologischen Mustern, die sich aber je nach Rasse und Körpergrösse teils erheblich unterscheiden.

Wann wird eine Hündin das erste Mal läufig?

Die erste Läufigkeit tritt meist irgendwann zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat auf. Das klingt nach einer weiten Spanne – und die ist tatsächlich riesig. Kleine Rassen wie Chihuahuas können bereits mit 5 Monaten so weit sein, während Riesenrassen wie Deutsche Doggen die Geschlechtsreife oft erst mit 18 bis 24 Monaten erreichen. Wer einen grossen Hund hat, wartet also deutlich länger.

Der Zyklus kehrt alle 4 bis 12 Monate wieder, bei den meisten Hündinnen ungefähr alle 6 Monate. Eine interessante Ausnahme: Nordische Rassen und Basenji-Hündinnen werden häufig nur einmal im Jahr läufig – das überrascht viele Halter beim ersten Mal.

Erkennbar ist die Läufigkeit an einer geschwollenen Vulva, blutigem Ausfluss und spürbaren Verhaltensänderungen. Die Hündin wirkt unruhiger als sonst, markiert öfter und zeigt plötzlich deutlich mehr Interesse an Rüden.

Wie läuft der Deckakt bei Hunden ab?

Der günstigste Zeitpunkt für den Deckakt liegt etwa am 10. bis 14. Tag der Läufigkeit – dann hat die Hündin sogenannte Stehzeit. Sie steht ruhig, legt die Rute zur Seite, sobald ein Rüde sich nähert. Ein klares Signal.

Nach dem Eindringen schwillt der Bulbus glandis des Rüden an, und es kommt zu dem, was Züchter das „Hängen“ nennen. Diesen Zustand halten beide Hunde 10 bis 30 Minuten durch – das klingt unangenehm, ist evolutionär aber sinnvoll: Es verhindert das Auslaufen des Spermas und erhöht die Befruchtungschance spürbar.

Ein Irrtum, der hartnäckig kursiert: Das Hängen ist kein Beweis für eine erfolgreiche Befruchtung. Auch ohne diese Verknotung kann eine Trächtigkeit entstehen – und umgekehrt.

Wie lange dauert die Trächtigkeit?

Die Tragezeit liegt zwischen 58 und 68 Tagen, im Durchschnitt bei 63 Tagen. Warum die Schwankung? Spermien können bis zu 7 Tage in der Gebärmutter überleben, der genaue Befruchtungszeitpunkt lässt sich daher oft nicht auf den Tag genau bestimmen.

Ab dem 25. Tag lässt sich die Trächtigkeit per Ultraschall nachweisen. Wie viele Welpen unterwegs sind, zeigt sich ab Tag 45 im Röntgenbild. Kleine Rassen bringen meist 1 bis 4 Welpen zur Welt, grosse Rassen dagegen häufig 8 bis 12.

Wichtig für die Fütterung: Der Kalorienbedarf steigt erst ab der 6. Trächtigkeitswoche wirklich deutlich an. Viele Halter fangen viel früher damit an, die Futtermenge zu erhöhen – das ist nicht nötig und kann sogar problematisch werden.

Was passiert bei der Geburt?

Kurz vor der Geburt wird die Hündin unruhig, hechelt und fängt an, ein Nest zu bauen. Ein zuverlässiges Zeichen: Die Körpertemperatur sinkt 12 bis 24 Stunden vor der Geburt um 1 bis 2 Grad auf unter 37 °C. Wer das im Blick behält, ist kaum je überrascht.

Jeder Welpe kommt in einer Fruchtblase zur Welt. Die Mutter reisst diese normalerweise sofort auf, durchtrennt die Nabelschnur und regt das Neugeborene durch kräftiges Lecken zum Atmen an. Zwischen den einzelnen Welpen liegen typischerweise 30 Minuten bis 2 Stunden.

Dauert die Geburt eines einzelnen Welpen länger als 2 Stunden, oder vergehen mehr als 4 Stunden zwischen zwei Welpen, sollte sofort ein Tierarzt kontaktiert werden. Hier zählt jede Minute.

Wie lange bleiben Welpen bei der Mutter?

Mindestens 8 Wochen sollten Welpen bei der Mutter bleiben – in Deutschland ist eine frühere Abgabe gesetzlich verboten. In den ersten drei Wochen sind die Kleinen vollständig auf die Muttermilch angewiesen, daran führt kein Weg vorbei.

Ab der 3. bis 4. Woche beginnt die sogenannte Prägungsphase. Jetzt lernen Welpen den sozialen Umgang mit Artgenossen und Menschen und entwickeln ihre Persönlichkeit. Eine Trennung vor der 8. Woche kann langfristig zu Verhaltensproblemen führen – das ist in der Forschung gut belegt.

Seriöse Züchter geben Welpen übrigens frühestens mit 10 bis 12 Wochen ab, bei grossen Rassen oft noch später. Wer früher abgibt, sollte kritisch hinterfragt werden.

Warum sollten Hunde kastriert werden?

Ungeplante Würfe belasten Tierheime massiv und verschärfen das Überpopulationsproblem – das ist keine Übertreibung. Eine nicht kastrierte Hündin kann theoretisch zweimal im Jahr 6 bis 10 Welpen bekommen. Über ihr gesamtes Leben hinweg summiert sich das auf mehrere hundert Nachkommen.

Die Kastration verhindert aber nicht nur unerwünschten Nachwuchs. Sie senkt auch das Risiko für Gebärmutterentzündungen, Mammatumore und – beim Rüden – Prostataprobleme. Der optimale Zeitpunkt liegt je nach Tier vor der ersten Läufigkeit oder nach Abschluss des Wachstums. Der Tierarzt kann hier individuell beraten.