Wiki · Gesundheit & Pflege

Kortisol

4 Min Lesezeit
Kortisol
Inhalt
  1. Was Kortisol im Hundekörper alles tut
  2. Wenn der Kortisolspiegel aus dem Gleichgewicht gerät
  3. Wie der Kortisolspiegel gemessen wird
  4. Behandlung und langfristiges Management

Kortisol ist ein Steroidhormon, das in den Nebennieren gebildet wird – und das im Körper eines Hundes deutlich mehr leistet, als der Name „Stresshormon“ vermuten lässt. Es reguliert den Stoffwechsel, steuert die Stressreaktion und hält das Immunsystem in der Spur. Gerät ein Hund in eine belastende Situation, schiesst die Kortisolproduktion hoch, damit der Körper blitzschnell reagieren kann. Darüber hinaus ist Kortisol entscheidend für die Aufrechterhaltung des Energiehaushalts, die Kontrolle von Entzündungen und die Regulierung des Blutzuckerspiegels.

Was Kortisol im Hundekörper alles tut

Kortisol ist kein Einzweck-Hormon. Es greift an mehreren Stellen gleichzeitig ein:

Stoffwechsel und Blutzucker: Kortisol kurbelt die Umwandlung von Proteinen und Fetten in Glukose an und sorgt so dafür, dass genug Energie bereitsteht – gerade wenn es drauf ankommt, etwa bei körperlicher Anstrengung oder Stress.

Kampf oder Flucht: Sobald eine bedrohliche Situation auftaucht, produziert der Körper mehr Kortisol. Das erhöht die Energieverfügbarkeit und fährt gleichzeitig weniger dringliche Prozesse – darunter Teile des Immunsystems – vorübergehend herunter, damit alle Ressourcen für die unmittelbare Reaktion frei sind.

Entzündungshemmung: Kortisol wirkt entzündungshemmend und dämpft überschiessende Immunreaktionen. In der Tiermedizin macht man sich genau das zunutze: Corticosteroide gehören zu den meisteingesetzten Medikamenten, wenn es darum geht, Entzündungen zu bremsen oder Immunreaktionen zu kontrollieren.

Blutdruck: Das Hormon beeinflusst die Blutgefässe und verstärkt die Wirkung von Adrenalin – beides zusammen trägt dazu bei, dass der Blutdruck stabil bleibt.

Immunregulation: In hohen Konzentrationen bremst Kortisol das Immunsystem gezielt aus. Das klingt zunächst nachteilig, ist aber therapeutisch wertvoll: Genau dieser Mechanismus wird genutzt, um Autoimmunerkrankungen zu behandeln.

Wenn der Kortisolspiegel aus dem Gleichgewicht gerät

Zu viel oder zu wenig – beides ist problematisch. Die zwei häufigsten Störungen im Zusammenhang mit Kortisol beim Hund sind das Cushing-Syndrom und die Addison-Krankheit.

Cushing-Syndrom (Hyperadrenokortizismus)

Beim Cushing-Syndrom produziert der Körper dauerhaft zu viel Kortisol. Auslöser ist meistens ein Tumor – entweder in der Hypophyse oder direkt in den Nebennieren –, der die Hormonproduktion unkontrolliert antreibt.

Typische Symptome

  • Starker Durst und häufiges Urinieren (Polydipsie/Polyurie)
  • Gewichtszunahme, vor allem am Bauch
  • Haarausfall oder dünnes, struppiges Fell
  • Lethargie und spürbare Muskelschwäche
  • Vermehrtes Hecheln, auch ohne körperliche Anstrengung
  • Veränderungen der Haut – sie wird dünner und anfälliger für Infektionen

Behandlung

In den meisten Fällen werden Medikamente eingesetzt, die die Kortisolproduktion hemmen. Nur in seltenen Fällen – wenn ein Tumor in den Nebennieren klar lokalisiert ist – kommt eine chirurgische Entfernung in Frage.

Addison-Krankheit (Hypoadrenokortizismus)

Das genaue Gegenteil: Bei der Addison-Krankheit produzieren die Nebennieren zu wenig Kortisol. Häufig liegt eine Schädigung der Nebennieren vor, oft ausgelöst durch Autoimmunerkrankungen, seltener durch andere Ursachen.

Typische Symptome

  • Schwäche und anhaltende Lethargie
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
  • Erbrechen und Durchfall
  • Dehydration
  • Niedriger Blutdruck und Herzrhythmusstörungen
  • Kollaps oder eine akute Addison-Krise – ein lebensbedrohlicher Zustand, wenn der Kortisolspiegel dramatisch abfällt

Behandlung

Hunde mit Addison-Krankheit sind auf eine lebenslange Hormonersatztherapie angewiesen. Sie erhalten synthetisches Kortisol oder andere Nebennierenhormone, die den Mangel ausgleichen.

Wie der Kortisolspiegel gemessen wird

Zur Diagnose stehen mehrere Tests zur Verfügung – keiner davon ist allein ausreichend, weshalb Tierärzte sie oft kombinieren:

ACTH-Stimulationstest: Dem Hund wird synthetisches ACTH (adrenocorticotropes Hormon) verabreicht, das die Nebennieren zur Kortisolproduktion anregt. Der Kortisolspiegel wird vor und nach der Injektion gemessen. Der Test eignet sich sowohl zur Diagnose von Cushing als auch von Addison.

Dexamethason-Suppressionstest: Hier bekommt der Hund Dexamethason, ein synthetisches Glukokortikoid, das die Kortisolproduktion eigentlich unterdrücken sollte. Hunde mit Cushing-Syndrom zeigen diese Suppression häufig nicht – das ist der entscheidende Hinweis.

Basale Kortisolbestimmung: Ein einfacher Bluttest im Ruhezustand. Für sich allein reicht er selten für eine eindeutige Diagnose, weil der Kortisolspiegel schon durch alltäglichen Stress schwanken kann – aber als Ausgangswert ist er trotzdem nützlich.

Behandlung und langfristiges Management

Die Therapie richtet sich immer nach der konkreten Erkrankung:

Cushing-Syndrom

  • Medikamente: Mittel wie Trilostan oder Mitotan hemmen die Kortisolproduktion in den Nebennieren und sind die erste Wahl.
  • Operation: Eine chirurgische Entfernung des Tumors – an der Nebenniere oder der Hypophyse – bleibt die Ausnahme, kann aber in bestimmten Fällen sinnvoll sein.
  • Dauerkontrolle: Hunde mit Cushing müssen regelmässig kontrolliert werden, weil die Medikamentendosis oft angepasst werden muss, um die Symptome stabil zu halten.

Addison-Krankheit

  • Hormonersatz: Betroffene Hunde erhalten lebenslang synthetische Steroide wie Prednisolon sowie Mineralokortikoide – etwa Fludrocortison oder Desoxycorticosteron –, um Kortisol- und Elektrolytwerte zu stabilisieren.
  • Addison-Krise: Im Notfall zählt jede Minute. Der Hund braucht sofort intravenöse Flüssigkeitszufuhr und hochdosiertes Kortison, um einen lebensbedrohlichen Kollaps abzuwenden.