Hyperkaliämie
Hyperkaliämie bezeichnet einen erhöhten Kaliumspiegel im Blut des Hundes. Der Normbereich liegt bei 3,5–5,5 mmol/l; Werte darüber stören die elektrischen Aktivitäten von Herz und Muskeln. Hyperkaliämie ist ein medizinischer Notfall.
Ursachen der Hyperkaliämie
Beim Hund entwickelt sich eine Hyperkaliämie meist aus einer der folgenden Ursachen:
- Nierenversagen: Die Nieren scheiden überschüssiges Kalium aus. Bei eingeschränkter Nierenfunktion sammelt sich Kalium im Blut an.
- Addison-Krankheit (Hypoadrenokortizismus): Bei dieser Nebenniereninsuffizienz fehlen Hormone, die Kalium und Natrium regulieren. Der Kaliumspiegel steigt, der Natriumspiegel sinkt.
- Traumatische Verletzungen: Schwere Verbrennungen, Muskeltrauma oder massiver Zellzerfall setzen Kalium aus den Zellen in den Blutkreislauf frei.
- Harnverhaltung: Harnwegverschlüsse (z. B. durch Blasensteine) verhindern die Kaliumausscheidung über den Urin.
- Überdosierung kaliumhaltiger Medikamente: Eine fehlerhafte intravenöse Kaliumgabe kann akut zu Hyperkaliämie führen.
Symptome der Hyperkaliämie
Das klinische Bild hängt vom Schweregrad ab:
- Schwäche und Lethargie: Ein gestörter Kaliumhaushalt beeinträchtigt die Muskelfunktion.
- Muskelschwäche oder Lähmung: In schweren Fällen kommt es zu Lahmheit bis hin zur Lähmung.
- Herzrhythmusstörungen: Erhöhtes Kalium stört die elektrischen Impulse des Herzens. Mögliche Folge: Kammerflimmern oder Herzstillstand.
- Schwacher, verlangsamter Puls: Bradykardie (langsamer Herzschlag) tritt typischerweise bei ausgeprägter Hyperkaliämie auf.
- Erbrechen und Durchfall: Gastrointestinale Symptome treten gelegentlich auf.
Unbehandelt kann Hyperkaliämie innerhalb kurzer Zeit zum Herzstillstand führen.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose erfolgt über eine Blutuntersuchung (Kaliumspiegel-Messung). Zusätzlich werden Nierenwerte (Kreatinin, Harnstoff) und bei Verdacht auf Addison-Krankheit die Elektrolyte Natrium und Kalium im Verhältnis geprüft. Ein EKG zeigt typische Veränderungen: verlängerte PR-Intervalle, verbreiterte QRS-Komplexe, hochgipflige T-Wellen.
Die Behandlung richtet sich nach Schwere und Ursache:
- Intravenöse Flüssigkeitstherapie: Verdünnt das Kalium im Blut und fördert die renale Ausscheidung.
- Kalziumgluconat: Stabilisiert das Herz (Membranpotenzial), senkt aber nicht den Kaliumspiegel. Notfallmassnahme bei lebensbedrohlichen EKG-Veränderungen.
- Glukose und Insulin: Insulin transportiert Kalium in die Zellen zurück; Glukose verhindert Hypoglykämie.
- Natriumbikarbonat: Bei metabolischer Azidose kann es die Kaliumverschiebung in die Zellen unterstützen.
Bei Addison-Krankheit wird langfristig mit Mineralokortikoid- und Glukokortikoid-Substitution behandelt. Bei Nierenversagen kann Dialyse notwendig sein.
Prognose
Bei rechtzeitiger Behandlung ist die Prognose gut, insbesondere wenn eine akute Ursache wie Harnverhaltung vorliegt. Bei chronischen Grunderkrankungen (Niereninsuffizienz, Addison-Krankheit) hängt die Langzeitprognose von der Kontrollierbarkeit der Grunderkrankung ab. Regelmässige Blutkontrollen sind bei Risikopatienten unerlässlich.
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