Gelenkersatz
Gelenkersatz bezeichnet den operativen Ersatz eines geschädigten oder zerstörten Gelenks durch ein künstliches Implantat, um Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit wiederherzustellen.
Inhalt
Beim Gelenkersatz wird ein erkranktes Gelenk operativ entfernt und durch ein künstliches Gelenk, die sogenannte Endoprothese, ersetzt. Ziel des Eingriffs ist es, starke Schmerzen zu lindern und die Bewegungsfähigkeit des Tieres wiederherzustellen. Am häufigsten kommt der Gelenkersatz bei Hunden und Katzen zum Einsatz, etwa am Hüft-, Ellbogen- oder Kniegelenk.
Welche Arten von künstlichen Gelenken gibt es bei Tieren?
Bei der Endoprothetik in der Tiermedizin kommen je nach Gelenk und Tierart unterschiedliche Implantatsysteme zum Einsatz. Am häufigsten werden vollständige Gelenkersatzsysteme verwendet, bei denen beide Gelenkflächen durch künstliche Komponenten ersetzt werden.
Beim Hüftgelenkersatz wird beispielsweise eine künstliche Hüftpfanne im Becken und ein Schaft mit Kugelkopf im Oberschenkelknochen eingesetzt. Dieses System entspricht funktionell dem menschlichen Hüftgelenk und wird vor allem bei grossen Hunden angewendet.
Für das Ellenbogengelenk stehen spezielle Teil- oder Totalprothesen zur Verfügung, die die komplexe Gelenkmechanik nachbilden und insbesondere bei schweren Arthrosen eingesetzt werden.
Im Bereich des Kniegelenks (Stifle) werden in der Tiermedizin derzeit noch deutlich weniger standardisierte Prothesensysteme eingesetzt. Häufig erfolgen hier eher Teilersatzverfahren oder alternative chirurgische Stabilisierungsmethoden, da die anatomischen und biomechanischen Anforderungen besonders komplex sind.
Grundsätzlich lassen sich Implantate zudem nach ihrer Bauweise unterscheiden: Es gibt modulare Systeme, bei denen einzelne Komponenten individuell kombiniert werden können, sowie standardisierte Prothesen mit fest vorgegebenen Grössen und Formen.
Wie wird ein Gelenkersatz bei Tieren durchgeführt?
Die Operation findet unter Vollnarkose statt. Das betroffene Gelenk wird steril vorbereitet: Das Tier wird rasiert, gewaschen und desinfiziert. Anschliessend öffnet der Tierarzt das Gelenk, entfernt die beschädigten Gelenkanteile und setzt die Endoprothese ein.
Unterschieden wird zwischen zementierten und zementfreien Implantaten. Beim zementierten Verfahren dient der Knochenzement als Verbindungsschicht zwischen Knochen und Implantat, während bei zementfreien Implantaten der Knochen direkt in die speziell beschichtete Oberfläche einwächst.
Nach dem Einsetzen wird die Wunde vernäht. Das Tier erhält Schmerzmittel und Antibiotika; der korrekte Sitz des Implantats wird per Röntgen kontrolliert. In den ersten Wochen nach dem Eingriff sind abrupte Bewegungen zu vermeiden. Vorsichtige Krankengymnastik unterstützt die Heilung. Regelmässige Röntgenkontrollen sind notwendig, um den Verlauf zu beobachten und Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
Wann wird ein Gelenkersatz bei Tieren angewandt?
Ein Gelenkersatz ist angezeigt, wenn das Gelenk stark geschädigt ist und konservative Massnahmen wie Schmerzmittel oder Krankengymnastik nicht mehr ausreichen.
Typische Erkrankungen, die einen solchen Eingriff nötig machen können, sind Arthrose und andere degenerative Gelenkerkrankungen. Häufig betroffen sind ausgewachsene Hunde grosser Rassen mit ausgeprägten Beschwerden.
Bei noch nicht ausgewachsenen Tieren sowie bei Tieren mit zusätzlichen orthopädischen oder chronischen Infektionserkrankungen ist ein Gelenkersatz in der Regel nicht empfehlenswert.
Welche Risiken birgt ein Gelenkersatz bei Tieren?
Der Gelenkersatz bei Tieren geht mit einer relativ hohen Komplikationsrate von bis zu 30 Prozent einher. Mögliche Komplikationen umfassen:
- Lockerung des Implantats
- Infektionen
- Luxationen (Ausrenkungen)
- Brüche der beteiligten Knochen (z.B. Oberschenkelknochen bei Hüftgelenksersatz)
- Bruch des Implantats selbst
Wie hoch das Risiko ausfällt, hängt massgeblich von der Erfahrung des operierenden Tierarztes ab. Gelingt der Eingriff, kann das künstliche Gelenk dem Tier eine deutlich verbesserte Lebensqualität und Beweglichkeit zurückgeben. Vorteile und Risiken sollten im Gespräch mit dem Tierarzt sorgfältig abgewogen werden.
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