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Bradyarrhythmie

4 Min Lesezeit
Bradyarrhythmie
Inhalt
  1. Ursachen der Bradyarrhythmie bei Hunden
  2. Symptome der Bradyarrhythmie bei Hunden
  3. Diagnose der Bradyarrhythmie
  4. Behandlung der Bradyarrhythmie bei Hunden
  5. Prognose

Eine Bradyarrhythmie ist eine Herzrhythmusstörung, bei der das Herz nicht nur langsamer als üblich schlägt (Bradykardie), sondern obendrein unregelmässig. Die Herzfrequenz rutscht dabei unter die artspezifische Norm von etwa 60–140 Schlägen pro Minute – wobei kleine und grosse Rassen hier merklich voneinander abweichen. Das Tückische: Der zu langsame und holprige Puls kann dazu führen, dass der Körper schlicht zu wenig Blut bekommt.

Ursachen der Bradyarrhythmie bei Hunden

Hinter einer Bradyarrhythmie steckt selten nur eine Sache. Herzerkrankungen und allgemeine Gesundheitsprobleme können gleichermassen schuld sein:

Herzerkrankungen:

  • Sick-Sinus-Syndrom: Der Sinusknoten – der natürliche Taktgeber des Herzens – arbeitet nicht mehr zuverlässig und stolpert beim Rhythmusgeben.
  • Atrioventrikulärer Block (AV-Block): Die elektrischen Signale zwischen Vorhöfen und Herzkammern werden gestört oder ganz unterbrochen.

Hypothyreose:

  • Eine Schilddrüsenunterfunktion bremst den Stoffwechsel – und damit häufig auch den Herzschlag spürbar aus.

Elektrolytstörungen:

  • Stimmt das Verhältnis von Kalium und Kalzium im Blut nicht, gerät die elektrische Aktivität des Herzens ins Wanken.

Vagusreizungen:

  • Ein überaktiver Vagusnerv – Teil des parasympathischen Nervensystems – kann das Herz regelrecht abbremsen. Auslöser sind zum Beispiel heftiges Erbrechen, anhaltender Husten oder starker Druck auf den Bauch.

Medikamente:

  • Betablocker, Kalziumkanalblocker oder Sedativa können als Nebenwirkung den Herzrhythmus verlangsamen – das ist manchmal beabsichtigt, manchmal aber auch problematisch.

Alterung:

  • Bei älteren Hunden lässt die Leistungsfähigkeit des Herzmuskels und des elektrischen Leitungssystems mit den Jahren nach. Das ist ein schleichender Prozess, der sich oft erst spät zeigt.

Vergiftungen:

  • Bestimmte Gifte oder unverträgliche Medikamente können die Herzfunktion direkt beeinträchtigen.

Symptome der Bradyarrhythmie bei Hunden

Die Symptome hängen von der Schwere der Störung und der zugrunde liegenden Ursache ab:

  1. Schwäche oder Müdigkeit: Unzureichende Sauerstoffversorgung des Körpers führt zu allgemeiner Müdigkeit und Schwäche.
  2. Ohnmachtsanfälle (Synkope): Bei schwerer Bradyarrhythmie treten Ohnmachtsanfälle oder Schwindel auf, besonders bei Anstrengung oder plötzlichem Aufstehen.
  3. Atembeschwerden: Verringerte Sauerstoffzufuhr zu Muskeln und Organen kann sich in Atemnot äussern.
  4. Kalte Gliedmassen: Beeinträchtigte Durchblutung der Pfoten und Gliedmassen.
  5. Verändertes Verhalten: Hunde erscheinen träge, unwillig zur Bewegung oder verwirrt, wenn der Blutfluss zum Gehirn beeinträchtigt ist.
  6. Blasses Zahnfleisch: Zahnfleisch kann blass oder bläulich erscheinen bei mangelhafter Sauerstoffversorgung.

Diagnose der Bradyarrhythmie

Um eine Bradyarrhythmie sicher festzustellen, braucht es mehr als ein kurzes Abhorchen. Tierärzte setzen dabei auf mehrere Untersuchungsschritte:

  1. Klinische Untersuchung: Zuerst prüft der Tierarzt Puls, allgemeine Verfassung und typische Anzeichen wie Schwäche oder Apathie – der erste wichtige Hinweis.
  2. Elektrokardiogramm (EKG): Das wichtigste Werkzeug überhaupt. Das EKG zeigt, ob das Herz zu langsam schlägt und ob die elektrische Aktivität unregelmässig ist – schwarz auf weiss.
  3. Blutuntersuchungen: Damit lassen sich Schilddrüsenprobleme, Elektrolytstörungen oder andere Grunderkrankungen nachweisen oder ausschliessen.
  4. Röntgen und Ultraschall: Herzgrösse und -funktion lassen sich so beurteilen; strukturelle Veränderungen oder Anomalien werden sichtbar.
  5. Holter-Monitoring: Tauchen die Symptome nur phasenweise auf, trägt der Hund einen kleinen EKG-Monitor über einen längeren Zeitraum – so gehen auch kurze Aussetzer nicht verloren.

Behandlung der Bradyarrhythmie bei Hunden

Was genau behandelt wird und wie, richtet sich nach der Ursache und danach, wie stark der Hund beeinträchtigt ist. Im Vordergrund stehen immer: Herzrhythmus stabilisieren und Beschwerden lindern.

Medikamentöse Therapie:

  • Liegt eine Schilddrüsenunterfunktion vor, helfen Schilddrüsenhormone oft sehr gut.
  • Antiarrhythmika oder herzstärkende Präparate können den Rhythmus stabilisieren und die Herzfrequenz anheben.
  • Bei Elektrolytstörungen erfolgt die Korrektur meist über intravenöse Flüssigkeiten oder gezielte Nahrungsergänzung.

Herzschrittmacher:

  • Bei schweren Bradyarrhythmien – vor allem beim Sick-Sinus-Syndrom oder einem höhergradigen AV-Block – kann ein implantierter Herzschrittmacher nötig werden. Er sendet elektrische Impulse und übernimmt sozusagen die Rolle des versagenden Taktgebers.

Behandlung der Grunderkrankung:

  • Steckt eine systemische Erkrankung – etwa eine Infektion oder Vergiftung – hinter der Bradyarrhythmie, steht deren Behandlung an erster Stelle. Ist die Ursache behoben, normalisiert sich der Herzrhythmus oft von selbst.

Anpassung von Medikamenten:

  • Ist ein Medikament der Auslöser, wird die Dosierung überprüft, reduziert oder durch eine verträglichere Alternative ersetzt.

Prognose

Wie es weitergeht, hängt stark davon ab, was hinter der Bradyarrhythmie steckt und wie ausgeprägt sie ist:

  • Leichte Verläufe ohne nennenswerte Symptome haben in der Regel gute Karten – viele Hunde kommen damit gut zurecht.
  • Ist ein Herzschrittmacher nötig, braucht es lebenslange Kontrollen und eine dauerhafte Betreuung. Das ist ein Engagement, das Tierhalter nicht unterschätzen sollten.
  • Steckt eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Elektrolytstörung dahinter, kann die Prognose mit der richtigen Behandlung durchaus günstig ausfallen.