Wiki · Gesundheit & Pflege

Afterkralle

2 Min Lesezeit
Afterkralle
Definition

Die Afterkralle ist eine zusätzliche Kralle höher am Hundebein, die keinen Bodenkontakt hat und bei den meisten Hunden evolutionär zurückgebildet ist.

Inhalt
  1. Warum haben manche Hunde Afterkrallen an allen vier Pfoten?
  2. Wie oft muss ich die Afterkralle schneiden?
  3. Welche Hunderassen haben standardmäßig Afterkrallen?
  4. Wann sollte die Afterkralle entfernt werden?
  5. Kann sich eine Afterkralle regenerieren?
  6. Was passiert bei Verletzungen der Afterkralle?

Die Afterkralle ist eine zusätzliche Kralle höher am Hundebein, die keinen Bodenkontakt hat und bei den meisten Hunden evolutionär zurückgebildet ist.

Der Name „Afterkralle“ ist irreführend – sie sitzt nicht am After, sondern seitlich am Bein. Andere Bezeichnungen sind Wolfskralle oder Daumenkralle. An Vorderpfoten haben etwa 85% aller Hunde Afterkrallen, an Hinterpfoten nur etwa 15%.

Warum haben manche Hunde Afterkrallen an allen vier Pfoten?

Afterkrallen an Hinterpfoten sind genetisch bedingt und kommen gehäuft bei Arbeitshunderassen vor. Der Pyrenäenberghund hat sogar doppelte Afterkrallen (zwei pro Hinterpfote) – ein Zuchtmerkmal seit Jahrhunderten.

Bei Hütehunden wie dem Briard oder Beauceron dienten sie ursprünglich als zusätzlicher Grip beim schnellen Richtungswechsel auf rutschigem Untergrund. Heute haben sie diese Funktion weitgehend verloren.

Wie oft muss ich die Afterkralle schneiden?

Alle 3-4 Wochen – häufiger als normale Krallen, da sie sich nicht durch Bodenkontakt abnutzen. Bei älteren Hunden teilweise alle 2-3 Wochen, da das Krallenwachstum zunimmt.

Zu lange Afterkrallen rollen sich ein und können ins Fleisch wachsen. Das passiert schleichend – der Hund zeigt erst Schmerzen, wenn die Kralle bereits eingewachsen ist.

Verwende eine scharfe Krallenschere und schneide nur die weiße Spitze. Der rosafarbene Bereich enthält Blutgefäße – ein Schnitt dort blutet stark und schmerzt.

Welche Hunderassen haben standardmäßig Afterkrallen?

An Vorderpfoten: praktisch alle Rassen. An Hinterpfoten nur bestimmte:

  • Pyrenäenberghund: Doppelte Afterkrallen hinten (Zuchtstandard)
  • Briard: Einzelne oder doppelte Afterkrallen hinten
  • Beauceron: Doppelte Afterkrallen hinten (Pflicht im Standard)
  • Berner Sennenhund: Einzelne Afterkrallen hinten möglich
  • Isländischer Schäferhund: Afterkrallen hinten erlaubt

Bei Ausstellungshunden dieser Rassen ist die Entfernung ein Ausschlussgrund.

Wann sollte die Afterkralle entfernt werden?

Nur bei medizinischen Problemen – nicht vorbeugend. Etwa 5% der Hunde mit Afterkrallen entwickeln wiederkehrende Verletzungen oder Entzündungen.

Entfernung macht Sinn bei:

  • Häufigen Rissen oder Brüchen (mehr als 2x pro Jahr)
  • Chronischen Entzündungen am Krallenansatz
  • Sehr lockeren Afterkrallen, die nur durch Haut hängen
  • Eingewachsenen Krallen trotz regelmäßiger Pflege

Der Eingriff kostet 150-300 Euro pro Pfote und erfolgt unter Vollnarkose. Bei Welpen unter 5 Tagen ist nur eine örtliche Betäubung nötig – danach wird es ein komplexerer Eingriff.

Kann sich eine Afterkralle regenerieren?

Nein, bei fachgerechter Entfernung wächst sie nicht nach. Der Tierarzt entfernt die gesamte Krallenwurzel inklusive dem ersten Zehenglied.

Unsaubere Entfernungen können zu Nachwuchs von Krallenresten führen – dann ist ein Zweiteingriff nötig.

Was passiert bei Verletzungen der Afterkralle?

Afterkrallen reißen leichter als normale Krallen, da sie nur seitlich am Bein hängen. Typische Unfälle: Hängenbleiben an Ästen, Zäunen oder beim Toben mit anderen Hunden.

Bei einem Riss blutet die Kralle stark. Erste Hilfe: Pfote mit sauberem Tuch umwickeln und zum Tierarzt. Meist muss der abgerissene Teil chirurgisch entfernt werden.

Die Heilung dauert 10-14 Tage. In dieser Zeit Pfotenschutz beim Gassigehen und tägliche Wundkontrolle.