Abort
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Ein Abort – im Alltag meist Fehlgeburt genannt – bedeutet, dass eine tragende Hündin ihre Föten vor dem Ende der normalen Trächtigkeitszeit verliert. Das kann früh passieren, dann spricht man von einem Frühabort, oder erst gegen Ende der Trächtigkeit beim sogenannten Spätabort. Die Ursachen reichen von natürlichen Vorgängen bis hin zu äusseren Einflüssen. Tückisch: Viele Fehlgeburten verlaufen völlig unbemerkt – andere hingegen machen sich mit deutlichen Anzeichen bemerkbar.
Ursachen eines Aborts bei Hunden
Die möglichen Auslöser sind vielfältig. Grob lassen sie sich in infektiöse, hormonelle, genetische und umweltbedingte Ursachen einteilen:
Infektionen
- Bakterielle Infektionen: Erkrankungen wie Brucellose (Brucella canis) oder Leptospirose greifen das Fortpflanzungssystem direkt an und können die Föten ernsthaft schädigen – mit einer Fehlgeburt als möglicher Folge.
- Virale Infektionen: Das Canine Herpesvirus oder eine Parvovirose können Plazenta und Föten schädigen und so den Verlust der Trächtigkeit auslösen.
- Parasitäre Infektionen: Auch Toxoplasmose und Neosporose stehen im Verdacht, die Fötenentwicklung zu stören und einen Abort auszulösen.
Hormonelle Störungen
- Progesteron hält die Trächtigkeit aufrecht. Fällt der Spiegel – vor allem in der zweiten Hälfte – zu stark ab, kann die normale Entwicklung der Föten ins Stocken geraten und eine Fehlgeburt die Folge sein.
Genetische Defekte
- Manchmal liegt das Problem bei den Föten selbst: Genetische Anomalien können dazu führen, dass die Entwicklung nicht gelingt – der Körper der Hündin reagiert dann mit einem spontanen Abort.
Trauma oder starker Stress
- Schwere Verletzungen, Stürze oder anhaltender extremer Stress belasten eine tragende Hündin erheblich. Auch übermässige körperliche Aktivität oder schlechte Haltungsbedingungen können die Trächtigkeit gefährden.
Ernährungsdefizite
- Fehlen wichtige Nährstoffe – etwa Folsäure, Kalzium oder andere Vitamine und Mineralstoffe – kann die Fötenentwicklung beeinträchtigt werden. Eine konsequent mangelhafte Ernährung ist damit ein ernstzunehmender Risikofaktor.
Vergiftungen und ungeeignete Medikamente
- Toxische Substanzen und Medikamente, die für tragende Hündinnen nicht geeignet sind, können die Entwicklung der Föten stören und eine Fehlgeburt begünstigen. Welche Präparate in der Trächtigkeit tabu sind, sollte immer mit dem Tierarzt besprochen werden.
Gebärmuttererkrankungen
- Entzündungen der Gebärmutter wie Endometritis oder Pyometra, aber auch strukturelle Auffälligkeiten, können ebenfalls zu einem Abort führen.
Symptome eines Aborts bei Hunden
Was zu sehen – oder eben gerade nicht zu sehen – ist, hängt stark davon ab, wann in der Trächtigkeit der Abort eintritt. Die häufigsten Anzeichen im Überblick:
- Blutungen: Vaginale Blutungen gelten als eines der deutlichsten Warnsignale. Sie können von leicht und punktuell bis hin zu stärker ausfallen.
- Abgang von Gewebe oder Föten: Mitunter scheidet die Hündin abgestorbenes fötales Gewebe oder bereits vollständige Föten aus – ein klares Zeichen für eine Fehlgeburt.
- Verhaltensveränderungen: Lethargie, Unruhe, Schmerzzeichen oder sichtbares Unwohlsein können auftreten, weil der Abort körperlich sehr belastend ist.
- Fieber und allgemeine Krankheitszeichen: Steckt eine Infektion dahinter, können Fieber, Appetitlosigkeit oder Erbrechen hinzukommen.
- Verkleinerter Bauchumfang: Sind die Föten im fortgeschrittenen Trächtigkeitsstadium abgestorben, kann der Bauch der Hündin plötzlich kleiner wirken – ein Befund, der Halter oft irritiert.
- Plötzliches Verschwinden der Trächtigkeitszeichen: Wenn typische Anzeichen wie verminderter Appetit oder reduzierte Aktivität von heute auf morgen nicht mehr zu beobachten sind, kann das auf einen Abort hindeuten.
Diagnose eines Aborts bei Hunden
Für eine gesicherte Diagnose zieht der Tierarzt verschiedene Untersuchungsmethoden heran:
- Klinische Untersuchung: Zunächst erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung, bei der auf Blutungen, Fieber und weitere körperliche Symptome geachtet wird.
- Ultraschall: Mittels Ultraschall lässt sich der Zustand der Föten beurteilen – ob sie noch lebensfähig sind oder nicht.
- Blutuntersuchungen: Über Laborwerte können Infektionen oder hormonelle Ungleichgewichte aufgedeckt werden, die als Ursache infrage kommen.
- Abstriche und Kulturen: Vaginale Abstriche und mikrobiologische Kulturen klären, ob eine bakterielle oder virale Infektion vorliegt.
Behandlung eines Aborts bei Hunden
Was therapeutisch sinnvoll ist, richtet sich ganz nach dem, was den Abort ausgelöst hat. Im Vordergrund steht zunächst immer die Stabilisierung der Hündin:
- Behandlung von Infektionen: Bei nachgewiesener bakterieller oder viraler Infektion werden Antibiotika beziehungsweise antivirale Mittel eingesetzt, um die Infektion zu bekämpfen.
- Hormonelle Behandlung: Besteht ein Progesteronmangel, kann eine Hormonbehandlung die Trächtigkeit stützen. Häufiger wird sie aber vorbeugend vor einem erneuten Zuchteinsatz eingesetzt, um künftige Fehlgeburten zu vermeiden.
- Chirurgische Eingriffe: Bei schwerwiegenden Komplikationen – etwa einer massiven Gebärmutterentzündung – kann ein operativer Eingriff nötig werden, um fötales Gewebe zu entfernen und die Gebärmutter zu reinigen.
- Schmerzlinderung und Flüssigkeitstherapie: Zeigt die Hündin Schmerzen oder Zeichen einer Dehydration, können Schmerzmittel und eine Infusionstherapie zur Stabilisierung beitragen.
Umgang mit einem Abort bei Hunden
Der Verlust einer Trächtigkeit trifft – das sollte man nicht kleinreden – oft nicht nur die Hündin, sondern auch die Menschen, die sich auf die Welpen gefreut hatten. Die Hündin braucht jetzt vor allem Ruhe in einer ruhigen, stressfreien Umgebung. Regelmässige tierärztliche Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um den Gesundheitszustand zu verfolgen und mögliche Komplikationen rechtzeitig zu erkennen.
Ist geplant, die Hündin erneut zu decken, empfiehlt sich vorher eine umfassende Gesundheitschecks beim Tierarzt – damit eventuelle Risikofaktoren erkannt und wenn möglich ausgeschlossen werden, bevor die nächste Trächtigkeit beginnt.
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