Hunderasse · FCI-Gruppe 2

Bordeaux Dogge

Schutzbereitschaft, Körperkraft und eine Lebenserwartung von 5–8 Jahren: Wer eine Bordeaux Dogge holt, muss das als Grundbedingung akzeptieren, nicht als Ausnahme.

Grösse 58–69 cmGewicht 45–65 kgLebenserwartung 5–8 JahreFCI-Standard Nr. 116
GrossKurzhaarRuhig
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Foto eines Bordeaux Dogge – KI-generiert (Imagen 4) fĂŒr rundum.dog
Quelle: KI-Symbolbild Rasse
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Rechtlicher Hinweis: Listenhund in Teilen DACH.In mehreren BundeslĂ€ndern und Kantonen unterliegt diese Rasse rassespezifischen Auflagen: Haltungserlaubnis, Wesenstest, Maulkorb- und Leinenpflicht, erhöhte Hundesteuer. Vor dem Kauf verbindlich bei deiner Gemeinde prĂŒfen.
Was bedeutet das? →

01Kurzfazit

In einem Absatz

Wenn du nur 30 Sekunden Zeit hast.

Die Bordeaux Dogge ist ein massiver französischer Molosser mit ausgeprĂ€gtem Schutzverhalten, tiefer Familienbindung und einer der kĂŒrzesten Lebenserwartungen aller Hunderassen. Erfahrene Halter mit stabiler Alltagsstruktur, ausreichend Platz und realistischem Blick auf Gesundheitskosten finden in ihr einen loyalen Begleiter. Wer Kraft, Dominanzpotenzial und Tierarztkosten unterschĂ€tzt, gerĂ€t schnell an Grenzen.

02Einleitung

Was den Bordeaux Dogge ausmacht

Einleitung

Die Bordeaux Dogge (Dogue de Bordeaux) ist ein schwerer französischer Molosser, FCI-Gruppe 2, mit markanter Faltenmaske und sehr kurzer Lebenserwartung, Widerristhöhe 58–69 cm.

03Steckbrief

Eckdaten und Eignung

Steckbrief
Herkunft
Frankreich
UrsprĂŒngliche Aufgabe
Wach- und Schutzhund, Viehtreiber
FCI
Nr. 116 · Gruppe 2 · Sektion 2.1: Molossoide, Doggenartige
Schulterhöhe
58–69 cm
Gewicht
45–65 kg
Lebenserwartung
5–8 Jahre
Felltyp
Kurzhaar
Mindestbewegung
45 min/Tag
Welpenpreis
1'500–3'000 CHF
Wartezeit
9 Monate
Sportarten
Schutzhund
Charakter-Profil
AktivitÀtslevel 2/5
Freundlichkeit zu Fremden 2/5
Bellneigung 2/5
Jagdtrieb 2/5
Spieltrieb 3/5
Erfahrung nötig 4/5
Hitzetoleranz 2/5
KÀltevertrÀglichkeit 2/5

04Wesen

So zeigt sich der Bordeaux Dogge im Alltag

Beim Heimkommen begrĂŒsst die Bordeaux Dogge ihre Bezugsperson ruhig und aufmerksam, kein hektisches Springen, kein aufdringliches Bellen. Sie registriert die Ankunft, positioniert sich und beobachtet. Dieses Verhalten spiegelt ihren hohen Sozialbedarf wider, der sich nicht in HyperaktivitĂ€t Ă€ussert, sondern in enger, stiller PrĂ€senz.

Tritt ein Fremder an die TĂŒr, verĂ€ndert sich das Bild sofort. Die Bordeaux Dogge schaltet auf Wachsamkeit. Ihre Freundlichkeit gegenĂŒber Fremden ist gering ausgeprĂ€gt, sie beobachtet, positioniert sich zwischen Halter und Unbekanntem und signalisiert Schutzbereitschaft. Das ist keine AggressivitĂ€t im Sinne des FCI-Standards, sondern ein tief verankerter Schutztrieb, der ohne klare FĂŒhrung eskalieren kann.

Diese beiden Pole (hohe Bindung an die Familie, niedrige Offenheit gegenĂŒber Fremden) dĂŒrfen nicht verwechselt werden. Ein Hund mit hohem Sozialbedarf ist nicht automatisch umgĂ€nglich mit jedem Menschen. Wer Besuch empfĂ€ngt, muss die Situation aktiv managen: AnkĂŒndigung, ruhige EinfĂŒhrung, klare Körpersprache des Halters.

Im Alltag zeigt die Bordeaux Dogge wenig Interesse an selbststĂ€ndiger BeschĂ€ftigung. Sie folgt ihrer Bezugsperson durch die Wohnung, legt sich in Sichtweite und wartet. Kopfarbeit benötigt sie in moderatem Mass, intensive Trainingseinheiten ĂŒberfordern sie nicht, motivieren sie aber auch nicht von selbst. Kurze, klare Übungssequenzen mit ruhiger Konsequenz funktionieren besser als lange Sessions.

Auf dem Spaziergang lĂ€uft sie kontrolliert, wenn die LeinenfĂŒhrigkeit frĂŒh und konsequent aufgebaut wurde. Ein Hund mit 54–68 kg, der an der Leine zieht, ist keine Frage des Stils, es ist eine Sicherheitsfrage.

05BedĂŒrfnisse

Was diese Rasse tÀglich benötigt

Die Bordeaux Dogge benötigt tĂ€glich 60 bis 90 Minuten moderate Bewegung. Intensive Ausdauerbelastungen (langer Lauf, Fahrradbegleitung ĂŒber Kilometer) sind nicht rasseadĂ€quat und belasten Gelenke sowie Herz-Kreislauf-System ĂŒberproportionell. SpaziergĂ€nge in ruhigem Tempo, kombiniert mit kurzen Trainingseinheiten, entsprechen ihrem Bewegungsprofil besser als Hochleistungssport.

Im Welpen- und Junghundalter gilt besondere Vorsicht: Die Bordeaux Dogge wĂ€chst schnell und erreicht ihr volles Körpergewicht erst mit etwa 18 bis 24 Monaten. Überlastung der Gelenke in dieser Phase erhöht das Risiko fĂŒr HĂŒft- und Ellbogendysplasie erheblich. Treppen, SprĂŒnge und hartes Untergrund-Training sollten in den ersten 18 Monaten konsequent vermieden werden.

Der Sozialbedarf liegt hoch. Die Bordeaux Dogge benötigt engen Alltagskontakt mit ihrer Bezugsperson, Isolation oder lange Alleinzeiten ĂŒber vier Stunden hinaus sind mit ihrem Wesen nicht vereinbar. Sie ist kein Hund, der sich selbst beschĂ€ftigt; sie benötigt PrĂ€senz, Struktur und klare Alltagsroutinen.

Mentale Auslastung benötigt sie in moderatem Umfang. Kurze GehorsamkeitsĂŒbungen, Nasenarbeit oder kontrollierte Alltagssituationen reichen aus. Überforderung durch zu viele Reize oder zu komplexe Aufgaben destabilisiert sie eher, als dass sie ihr nĂŒtzt.

Ein sicher eingezĂ€untes GrundstĂŒck ist sinnvoll, aber kein Ersatz fĂŒr gemeinsame AktivitĂ€t. Die Bordeaux Dogge nutzt einen Garten nicht zur SelbstbeschĂ€ftigung, sie wartet dort auf ihren Halter.

Bewegung

Mittel

Kopfarbeit

Etwas

Sozialbedarf

Hoch

Erziehung

Anspruchsvoll

06Sport & Auslastung

Wozu sich der Bordeaux Dogge sportlich eignet

Realistisch nach Physiologie und Genetik. Nicht jede Rasse passt zu jedem Sport.

Strukturell-physiologisch passend: kein Ausdauersport (Brachycephalie / BOAS).

07Schnell-Check

08Eignung

FĂŒr wen passt diese Rasse und fĂŒr wen nicht

✓Passt zu

Die Bordeaux Dogge passt zu Haltern mit nachweisbarer Erfahrung in der Haltung grosser, schutztriebbetonter Rassen. Konkret: Wer bereits einen Rottweiler, Cane Corso oder vergleichbaren Molosser gefĂŒhrt hat und die Dynamik von Dominanzpotenzial und FĂŒhrungsarbeit kennt.

Ein stabiles Wohnumfeld mit ausreichend Platz ist Voraussetzung, eine Wohnung ab 80 mÂČ mit direktem Zugang zu GrĂŒnflĂ€chen oder ein Haus mit eingezĂ€untem Garten. Enge Stadtwohnungen ohne RĂŒckzugsmöglichkeit fĂŒr einen Hund dieser Grösse sind nicht geeignet.

Halter, die tĂ€glich 60 bis 90 Minuten fĂŒr moderate Bewegung einplanen können und bereit sind, Besuchssituationen aktiv zu managen, finden in der Bordeaux Dogge einen ruhigen, loyalen Begleiter. Familien mit Kindern ab etwa 10 Jahren, in denen alle Haushaltsmitglieder im Umgang mit dem Hund geschult sind, kommen ebenfalls in Betracht, sofern die Erfahrungsvoraussetzung erfĂŒllt ist.

Finanziell sollte ein Jahresbudget von mindestens 3.000–4.500 EUR fĂŒr Futter, Pflege und Tierarztkosten realistisch eingeplant sein. Wer bereit ist, in Gesundheitsvorsorge zu investieren und regelmĂ€ssige Kontrolluntersuchungen (Herz, Gelenke, Atemwege) als festen Bestandteil der Haltung versteht, ist gut aufgestellt.

×Passt nicht zu

Die Bordeaux Dogge passt nicht zu Haltern, die zum ersten Mal einen Hund halten. Auch wer zwar Hundeerfahrung hat, aber ausschliesslich mit kleinen oder mittelgrossen, triebschwachen Rassen, sollte die Anforderungen dieser Rasse nicht unterschÀtzen.

Wer tÀglich mehr als vier Stunden ausser Haus ist und keine verlÀssliche Betreuungslösung hat, entspricht nicht dem Haltungsprofil, der hohe Sozialbedarf der Rasse vertrÀgt keine regelmÀssige Isolation.

Wer den ruhigen, familiĂ€ren Charakter der Bordeaux Dogge mit allgemeiner UmgĂ€nglichkeit gegenĂŒber Fremden gleichsetzt, begeht einen hĂ€ufigen Fehler. Niedrige Fremdfreundlichkeit und hohe Familienbindung sind zwei verschiedene Dinge, wer das nicht trennt, unterschĂ€tzt den Managementaufwand bei Besuch, in der Öffentlichkeit und in Begegnungssituationen.

Urbane Hochreizumgebungen (dichte InnenstÀdte, belebte MÀrkte, enge TreppenhÀuser) sind mit einem Hund dieser Grösse und dieses Schutzprofils dauerhaft schwer zu managen. Wer keine Möglichkeit hat, Begegnungen kontrolliert zu gestalten, sollte eine andere Rasse wÀhlen.

Auch wer finanzielle EngpÀsse hat oder Tierarztkosten als Ausnahme betrachtet, ist mit der Bordeaux Dogge falsch beraten: Herzscreening, Gelenkkontrollen und mögliche Notfallinterventionen bei Magendrehung gehören zum statistisch erwartbaren Kostenrahmen dieser Rasse.

09Linien-RealitÀt

Show-Linie, Arbeitslinie, Vermehrer-Markt

Die Bordeaux Dogge weist keine klassische Arbeitslinie/Showlinie-Trennung auf, wie sie etwa beim Deutschen SchĂ€ferhund oder Labrador Retriever bekannt ist. Der FCI-Standard sieht keine ArbeitsprĂŒfung vor, die Rasse wird ausschliesslich nach Exterieur und Wesen bewertet.

In der Praxis existieren dennoch Zuchtunterschiede, die Halter kennen sollten. Französische Zuchtlinien, die eng am ursprĂŒnglichen Standard der SociĂ©tĂ© des Amateurs de Dogues de Bordeaux (SADB) orientiert sind, legen Wert auf Gesundheitsuntersuchungen (HD, ED, Herzscreening) und Wesensbeurteilung. Diese Linien produzieren tendenziell Hunde mit stabilerer Gesundheitsgrundlage.

DemgegenĂŒber stehen Linien, die primĂ€r auf den imposanten Kopf und die extreme Körpermasse ausgerichtet sind, oft auf Kosten von Atemfunktion und Gelenksgesundheit. Der brachyzephale SchĂ€del der Bordeaux Dogge ist rassetypisch, doch ĂŒbertriebene Zucht in Richtung noch kĂŒrzerer Fang und noch stĂ€rkerer Faltenbildung verstĂ€rkt atemwegsbedingte Probleme.

Regional finden sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz ZĂŒchter, die dem VDH bzw. der SKG angeschlossen sind und Mindestanforderungen an Gesundheitsuntersuchungen stellen. Ausserhalb dieser Strukturen, insbesondere im osteuropĂ€ischen Importmarkt, ist die QualitĂ€tskontrolle deutlich geringer. Wer eine Bordeaux Dogge sucht, sollte Zuchtlinien aktiv hinterfragen und Gesundheitsnachweise der Elterntiere einfordern.

10Gesundheit · RealitÀt

Was du beim Bordeaux Dogge medizinisch einplanen musst

Die Lebenserwartung der Bordeaux Dogge liegt bei 5 bis 8 Jahren, damit gehört sie zu den Rassen mit der kĂŒrzesten Lebensspanne ĂŒberhaupt. Zum Vergleich: Der Durchschnitt mittelgrosser Hunderassen liegt bei 10 bis 13 Jahren.

HĂŒftdysplasie (HD) und Ellbogendysplasie (ED) zĂ€hlen zu den hĂ€ufigsten orthopĂ€dischen Erkrankungen der Rasse. Studien der OFA (Orthopedic Foundation for Animals, Stand 2023) weisen bei der Bordeaux Dogge HD-Raten von ĂŒber 40 % der untersuchten Hunde aus, einer der höchsten Werte unter den grossen Rassen. RegelmĂ€ssige Röntgenkontrollen ab dem 12. Monat sind daher Standard in seriösen Zuchten.

Herzprobleme, insbesondere dilatative Kardiomyopathie (DCM), treten rassetypisch auf und sollten ab dem zweiten Lebensjahr jĂ€hrlich echokardiografisch kontrolliert werden. Das Risiko einer Magendrehung (Gastric Dilatation-Volvulus, GDV) ist aufgrund des tiefen Brustkorbs erhöht; GDV ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der innerhalb von Stunden zum Tod fĂŒhren kann.

Der brachyzephale SchĂ€del der Bordeaux Dogge kann zu AtemeinschrĂ€nkungen fĂŒhren. Hitzekollaps ist bei körperlicher Belastung im Sommer ein reales Risiko, AktivitĂ€ten in der Mittagshitze sollten vermieden werden.

Vorsorge-Untersuchungen, die Halter einplanen sollten: jĂ€hrliches Herzscreening, Gelenkkontrollen im Wachstum, Gewichtskontrolle (Übergewicht verstĂ€rkt Gelenkbelastung erheblich), Augenuntersuchung sowie Kontrolle der Hautfalten auf EntzĂŒndungen.

11Strukturdaten

Gesundheit nach Zahlen

Gesundheit

AnfÀllige Erkrankungen

Herzprobleme (Dilatativen Kardiomyopathie), HĂŒftdysplasie, Ellbogendysplasie, Hautfalteninfektionen, Atemprobleme

Empfohlene Gesundheitstests

Herzuntersuchung, HĂŒft- und Ellbogenröntgen, BOAS-Screening

12Mythen ↔ RealitĂ€t

Was ĂŒber diese Rasse oft falsch erzĂ€hlt wird

FĂŒnf Mythen, fĂŒnf RealitĂ€ten, fĂŒnf Quellen.

1

„Die Bordeaux Dogge ist wegen ihrer Grösse ein idealer Aussenhund und kann problemlos im Zwinger gehalten werden.

Die Bordeaux Dogge hat einen hohen Sozialbedarf und ist eng auf ihre Bezugspersonen fixiert. Isolierte Haltung im Zwinger fĂŒhrt bei dieser Rasse regelmĂ€ssig zu VerhaltensauffĂ€lligkeiten wie ĂŒbersteigerter Schutzbereitschaft oder Apathie. Der FCI-Standard beschreibt sie ausdrĂŒcklich als anhĂ€nglich und ihrem Herrn gegenĂŒber liebevoll, das setzt engen Alltagskontakt voraus.

rundum.dog

2

„Grosse Hunde benötigen weniger Erziehungsaufwand, weil sie von Natur aus ruhig sind.

Die Bordeaux Dogge ist zwar von Natur aus ruhig und hat eine hohe Reizschwelle, doch ihr dominantes Wesen, besonders beim RĂŒden, verlangt konsequente, frĂŒhzeitige Erziehung. Ohne klare FĂŒhrung kann ein Hund mit 54–68 kg Körpergewicht und ausgeprĂ€gtem Schutztrieb zur ernsthaften Gefahr werden. Ruhig bedeutet nicht selbststĂ€ndig erzogen.

rundum.dog

3

„Die Bordeaux Dogge ist aggressiv und fĂŒr Familien ungeeignet.

Der FCI-Standard beschreibt die Bordeaux Dogge als ausgeglichen mit hoher Reizschwelle, AggressivitĂ€t entspricht ausdrĂŒcklich nicht dem Rassestandard. In erfahrenen, strukturierten Haushalten zeigt sie sich als ruhiger, loyaler Begleiter. Die Eignung fĂŒr Familien hĂ€ngt nicht von der Rasse allein ab, sondern von Erfahrung, Sozialisierung und Alltagsmanagement der Halter.

rundum.dog

4

„5 bis 8 Jahre Lebenserwartung ist normal fĂŒr grosse Hunde, das ist kein besonderes Risiko.

Die Lebenserwartung der Bordeaux Dogge liegt tatsĂ€chlich am unteren Ende des Spektrums grosser Rassen. Hinzu kommen rassetypische Erkrankungen wie HĂŒft- und Ellbogendysplasie, Herzprobleme, Magendrehung und atemwegsbedingte EinschrĂ€nkungen durch den brachyzephalen Kopf. Diese Kombination bedeutet nicht nur emotionale Belastung, sondern auch erhebliche Tierarztkosten ĂŒber die gesamte Lebensspanne.

www.bordeauxdoggen.ch

5

„Nach dem Film ‚Turner & Hooch' weiss jeder, wie diese Rasse wirklich ist.

Der Film von 1989 vermittelte ein verzerrtes Bild der Rasse und löste einen Nachfrageboom aus, der zu unkontrollierter Vermehrung und QualitĂ€tsverlust in der Zucht fĂŒhrte. Die echte Bordeaux Dogge ist kein Filmhund: Sie verlangt konsequente FĂŒhrung, strukturierten Alltag und einen Halter mit Molosser-Erfahrung, weit entfernt vom komödiantischen Charakter der Filmfigur.

www.bordeauxdoggen.ch

13Tierschutz

Die Tierschutz-Perspektive

Vermehrer-Markt, Designer-Versionen, Tierheim-RealitÀt: was niemand auf der Welpen-Anzeige schreibt.

Die Bordeaux Dogge gehört zu den Rassen, die ĂŒberdurchschnittlich hĂ€ufig in Tierheimen und Auffangstationen landen. Die GrĂŒnde sind dokumentiert und wiederkehrend: unterschĂ€tzte Körperkraft, hohe Tierarztkosten, mangelnde Erfahrung mit schutztriebbetonten Rassen und die kurze Lebenserwartung, die Halter emotional und finanziell unvorbereitet trifft.

Der Vermehrer-Markt reagiert auf Nachfrage, und die Bordeaux Dogge erzeugt durch ihr imposantes Erscheinungsbild regelmĂ€ssig NachfrageschĂŒbe. Nach dem Film „Turner & Hooch" (1989) stieg die Welpenzahl unkontrolliert an. Ähnliche Muster zeigen sich bei Social-Media-Trends. Wer einen Welpen ausserhalb anerkannter ZuchtverbĂ€nde kauft, finanziert Strukturen, die Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere systematisch umgehen.

Zuchtbedingte Probleme betreffen vor allem den brachyzephalen SchĂ€del: Übertriebene Selektion auf kurzen Fang und starke Faltenbildung verstĂ€rkt Atemprobleme, Hautfalten-EntzĂŒndungen und Geburtsschwierigkeiten. Kaiserschnitte sind bei der Rasse keine Seltenheit. Wer einen Welpen kauft, sollte die Elterntiere persönlich auf AtemgerĂ€usche und Körperkondition prĂŒfen, nicht nur Fotos beurteilen.

Haltungsbedingte Probleme entstehen hĂ€ufig durch falsche Erwartungen: Ein ruhiger Hund wird mit einem anspruchslosen Hund verwechselt. Die Bordeaux Dogge ist ruhig, aber nicht selbsterziehend, nicht alleinlasstauglich ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume und nicht geeignet fĂŒr Halter ohne FĂŒhrungserfahrung.

Die Vermittlung eines erwachsenen Hundes aus dem Tierschutz ist eine vollwertige Alternative zum Welpenkauf. Erwachsene Bordeaux Doggen aus der Vermittlung haben ein einschÀtzbares Wesen, sind oft bereits grundsozialisiert und benötigen ein erfahrenes Zuhause, das genau das bieten kann, was viele Interessenten ohnehin mitbringen sollten.

14Kosten · Transparenz

Was diese Rasse realistisch kostet

Ein Welpe aus seriöser, VDH- oder SKG-angeschlossener Zucht kostet in der Regel zwischen 1.800 und 3.000 EUR. Angebote deutlich darunter, insbesondere aus dem osteuropÀischen Importmarkt oder von Plattformen ohne Zuchtverbandsanbindung, gehen hÀufig mit fehlenden Gesundheitsnachweisen der Elterntiere einher.

Die jĂ€hrlichen Lebenshaltungskosten fĂŒr eine Bordeaux Dogge liegen realistisch bei 3.000 bis 4.500 EUR. Futter fĂŒr einen Hund mit 54–68 kg Körpergewicht schlĂ€gt mit 80 bis 150 EUR monatlich zu Buche, je nach QualitĂ€t und Futterform. Pflege (Faltenreinigung, Krallenpflege, gelegentliche Fellpflege) ist vergleichsweise gĂŒnstig, aber zeitintensiv.

Tierarztkosten sind bei dieser Rasse ĂŒberdurchschnittlich: JĂ€hrliches Herzscreening (Echokardiografie) kostet 150–300 EUR, Gelenkkontrollen 100–200 EUR. Eine Magendrehungs-Operation (GDV) kostet je nach Klinik 2.000 bis 5.000 EUR, ohne Garantie auf Erfolg. Eine Tierkrankenversicherung mit OP-Kostendeckung ist fĂŒr diese Rasse dringend empfehlenswert; monatliche PrĂ€mien liegen je nach Anbieter und Deckungsumfang bei 80 bis 150 EUR.

Wer diese Kostenstruktur nicht als festen Bestandteil der Haltung einplant, riskiert, im Ernstfall vor einer Entscheidung zwischen Tierwohl und Finanzierbarkeit zu stehen.

15Welpensuche

Worauf du bei der Zuchtwahl achten musst

  • Seriöse ZĂŒchter der Bordeaux Dogge sind in Deutschland dem VDH angeschlossen, in der Schweiz der SKG bzw.
  • dem Bordeaux-Doggen-Klub der Schweiz (BDKS).
  • Diese Mitgliedschaft verpflichtet zu Mindeststandards bei Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere, HD, ED und Herzscreening sind Pflichtbestandteile in seriösen Zuchten.
  • Konkrete Hinweise auf SeriositĂ€t: Der ZĂŒchter lĂ€sst Besuche beim Wurf zu, zeigt die Mutter mit Welpen gemeinsam, hĂ€ndigt vollstĂ€ndige Gesundheitsnachweise beider Elterntiere aus und stellt Fragen zur Haltungserfahrung des Interessenten.
  • Wer einen Welpen ohne Besichtigung, ohne Papiere oder zu einem auffĂ€llig niedrigen Preis anbietet, agiert ausserhalb seriöser Zuchtstrukturen.
  • Welpen aus dem osteuropĂ€ischen Importmarkt oder von Plattformen ohne Zuchtverbandsanbindung tragen ein erhöhtes Risiko fĂŒr unzureichend geprĂŒfte Gesundheitsgrundlagen.
  • Die Vermittlung ĂŒber Tierschutzorganisationen oder Rasserettungen ist eine gleichwertige Option.
  • Bordeaux Doggen werden ĂŒberdurchschnittlich hĂ€ufig abgegeben, oft wegen unterschĂ€tzter Grösse, Kraft oder Gesundheitskosten.
  • Ein erwachsener Hund aus der Vermittlung bringt den Vorteil eines bereits einschĂ€tzbaren Wesens.
  • ĂŒber den BDKS oder spezialisierte Molosser-Auffangstationen.

FAQ

HĂ€ufige Fragen zum Bordeaux Dogge

Ist Bordeaux Dogge ein Familienhund?

Bordeaux Dogge gilt bei guter Sozialisierung und artgerechter Haltung als familientauglich.

Wie hoch ist der Bewegungsbedarf von Bordeaux Dogge?

Mindestens rund 45 Minuten Bewegung pro Tag.

Welche Grösse und welches Gewicht hat Bordeaux Dogge?

Ausgewachsen erreicht Bordeaux Dogge etwa 58–69 cm Widerristhöhe und wiegt rund 45–65 kg.

Wie hoch ist die Lebenserwartung von Bordeaux Dogge?

Die Lebenserwartung von Bordeaux Dogge liegt bei etwa 5–8 Jahren.

Welche Krankheiten treten bei Bordeaux Dogge hÀufig auf?

Herzprobleme (Dilatativen Kardiomyopathie), HĂŒftdysplasie, Ellbogendysplasie, Hautfalteninfektionen, Atemprobleme

16Rasseclubs

Offizielle Rasseclubs in DACH

FCI-Rassestandard (PDF)

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Fazit

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Charaktervoller Molosser mit extrem kurzer Lebenserwartung. Massenhafte Hautfalten und brachyzephale Struktur belasten die Gesundheit erheblich.