
Kurz gesagt
Nasenarbeit aktiviert Hunde körperlich und geistig. Eine Studie aus dem Jahr 2026 zeigt, dass dabei die Herzfrequenz steigt, ohne dass gleichzeitig mehr Stressanzeichen auftreten.
Inhalt
- Was macht die Nasenarbeit mit Herz und Verhalten?
- Gezielte Suche bringt das Hundeherz auf Touren
- Trotz höherer Herzfrequenz bleibt die HRV weitgehend unverändert
- Auch die Rute reagiert auf konzentrierte Suche
- Mehr Aktivierung, aber nicht mehr Stress
- Was bedeuten die Erkenntnisse für die Nasenarbeit im Hundealltag?
Geprüft am 5. November 2026Redaktionell verantwortlich: Roger Klein
Nasenarbeit gilt als eine besonders sinnvolle Beschäftigung für Hunde. Sie fördert die Konzentration, spricht einen wichtigen Sinn an und lässt sich auch problemlos in den Alltag integrieren. Doch was passiert eigentlich im Körper, wenn ein Hund gezielt nach Gerüchen sucht? Steigt dabei die körperliche Aktivität, verändert sich die Herzfrequenz und wie wirkt sich die Suche auf das Verhalten aus? Eine 2026 veröffentlichte Studie ist diesen Fragen nachgegangen. Die Forschenden untersuchten, wie Hunde während einer Suchaufgabe und in den anschliessenden Ruhephasen körperlich und verhaltensbezogen reagieren. Die Ergebnisse liefern interessante Einblicke.
Was macht die Nasenarbeit mit Herz und Verhalten?
Nasenarbeit gilt als sinnvolle Beschäftigung für Hunde. Doch wie reagiert der Körper tatsächlich, wenn ein Hund konzentriert nach bestimmten Gerüchen sucht? Dieser Frage gingen Forschende in einer 2026 veröffentlichten Studie nach.
Sie untersuchten, ob sich die gezielte Geruchssuche auf die Herzfrequenz, die Herzfrequenzvariabilität (HRV) und das Verhalten der Hunde auswirkt. Dabei interessierte sie auch, wie sich die körperlichen Reaktionen nach der Suchaufgabe entwickeln und ob sich Unterschiede zu einer vergleichbaren Aktivität ohne gezielte Geruchssuche zeigen.
Für die Untersuchung werteten die Forschenden die Daten von 21 Hunden aus 15 verschiedenen Rassen aus. Alle teilnehmenden Hunde hatten bereits Erfahrung mit Nasenarbeit.
Hier geht es zur vollständigen Studie: ScienceDirect: Heart rate variability and behaviour in dogs during and after scent work (Fountain et al., 2026)
21 Hunde auf der Suche nach 3 Gerüchen
Die Hunde durchliefen mehrere Versuchsphasen. Zunächst verbrachten sie zehn Minuten mit ihren Bezugspersonen in einem Warteraum. Anschliessend folgte eine fünfminütige Suchaufgabe. Dabei sollten sie drei bestimmte Gerüche finden: Anis, Birke und Nelke. Die Geruchsproben waren an verschiedenen Stellen im Raum versteckt. Für jeden erfolgreichen Fund erhielten die Hunde eine Futterbelohnung.
Als Vergleich diente eine Kontrollaufgabe. Dabei liefen die Hunde fünf Minuten an der Leine durch einen weitgehend leeren Raum. Eine gezielte Suche fand nicht statt. Gelegentlich erhielten sie ebenfalls ein Leckerli.
Während der Versuche erfassten die Forschenden die Herzaktivität mithilfe eines EKG-Messgeräts. Zusätzlich werteten sie Videoaufnahmen aus, um Veränderungen im Verhalten und in der Körperhaltung zu erkennen. Nach beiden Aufgaben folgten jeweils zehnminütige Ruhephasen, in denen die Forschenden die körperlichen Reaktionen weiter beobachteten.
Gezielte Suche bringt das Hundeherz auf Touren
Während der gezielten Geruchssuche schlug das Herz der Hunde etwas schneller als bei der Kontrollaufgabe. Die durchschnittliche Herzfrequenz lag bei 130 Schlägen pro Minute. Beim Gehen durch den Raum ohne gezielte Suche waren es 122 Schläge pro Minute.
Damit konnten die Forschenden zeigen, dass die gezielte Suche mit einer messbaren körperlichen Aktivierung einhergeht.
Allerdings sollte man die Grösse des Effekts nicht überschätzen. Die Herzfrequenz stieg zwar an, die Veränderung fiel im Durchschnitt aber eher moderat aus.
Trotz höherer Herzfrequenz bleibt die HRV weitgehend unverändert
Die HRV beschreibt, wie stark die zeitlichen Abstände zwischen zwei aufeinanderfolgenden Herzschlägen schwanken. Sie wird unter anderem durch das autonome Nervensystem beeinflusst, das viele unbewusst ablaufende Körperfunktionen steuert. Vereinfacht gesagt, liefert sie zusätzliche Informationen darüber, wie der Körper seine Aktivität reguliert.
Obwohl das Herz während der Nasenarbeit etwas schneller schlug, zeigte sich bei der Herzfrequenzvariabilität (HRV) kein entsprechender Unterschied.
Dass die HRV trotz der etwas höheren Herzfrequenz weitgehend unverändert blieb, ist ein interessantes Ergebnis. Es zeigt, dass die körperliche Reaktion auf Nasenarbeit nicht anhand eines einzelnen Messwerts beurteilt werden kann. Eine höhere Herzfrequenz bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich auch die HRV verändert oder der Hund unter stärkerer Belastung steht.
Auch die Rute reagiert auf konzentrierte Suche
Nicht nur die Messwerte des Herzens veränderten sich während der Suchaufgabe. Auch bei der Körperhaltung stellten die Forschenden Unterschiede fest. Die Hunde hielten ihre Rute während der gezielten Geruchssuche häufiger höher als bei der Kontrollaufgabe.
Die Rutenhaltung gehört zur Körpersprache des Hundes und gibt Hinweise auf seine aktuelle Erregung und Stimmung. Eine höher getragene Rute kann beispielsweise mit erhöhter Aufmerksamkeit, Aufregung oder Erwartung verbunden sein.
Die Beobachtung passt zu den Ergebnissen der Herzfrequenzmessung: Die gezielte Suche ging mit einer stärkeren körperlichen Aktivierung einher, die sich nicht nur am Herzschlag, sondern auch im Verhalten zeigte.
Mehr Aktivierung, aber nicht mehr Stress
Obwohl die Herzfrequenz während der Nasenarbeit anstieg, beobachteten die Forschenden keine entsprechende Zunahme typischer Stressverhaltensweisen. Verhaltensweisen wie Lippenlecken, Winseln oder Abschütteln traten insgesamt selten auf. Zwischen der Suchaufgabe und der Kontrollaufgabe fanden sich dabei keine statistisch signifikanten Unterschiede.
Die Ergebnisse zeigen, warum körperliche Aktivierung und negativer Stress nicht gleichbedeutend sind.
Ein Hund kann bei einer Aufgabe konzentriert, aufgeregt und motiviert sein, ohne dass er dabei Anzeichen von Überforderung zeigt.
Was bedeuten die Erkenntnisse für die Nasenarbeit im Hundealltag?
Die Ergebnisse zeigen, dass gezielte Nasenarbeit den Hund nicht einfach nur beschäftigt. Sie geht auch mit messbaren körperlichen Reaktionen einher.
Während der Suche stieg die Herzfrequenz an, und die Hunde hielten ihre Rute häufiger höher. Gleichzeitig stellten die Forschenden keine Zunahme der erfassten Stressanzeichen fest. Das spricht dafür, dass eine intensive körperliche Aktivierung nicht mit negativem Stress gleichzusetzen ist.
Für den Hundealltag ist das eine interessante Erkenntnis. Nasenarbeit bietet Hunden die Möglichkeit, ihren Geruchssinn gezielt einzusetzen und sich konzentriert mit einer Aufgabe auseinanderzusetzen. Sie kann deshalb eine sinnvolle Ergänzung zu Spaziergängen und anderen Beschäftigungsformen sein.
Dabei muss es nicht immer eine aufwendige Suche sein. Schon versteckte Futterstücke, ein Suchteppich oder kleine Geruchsspiele können den Hund fordern.
Da an der Studie nur 21 erfahrene Hunde teilnahmen, lassen sich die Ergebnisse allerdings nicht uneingeschränkt auf alle Hunde übertragen.
Entscheidend bleibt deshalb, den einzelnen Hund zu beobachten. Hat er Freude an der Suche? Kann er sich auf die Aufgabe einlassen und danach wieder zur Ruhe kommen? Dann spricht vieles dafür, dass Nasenarbeit eine passende Beschäftigung ist.
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