Training & Erziehung

Die häufigsten Erziehungsfehler bei Hunden und ihre Folgen

Diese 6 Erziehungsfehler machen fast alle Hundehalter – oft ohne es zu merken. Mit konkreten Trainingsschritten und realistischen Zeitangaben lassen sie sich aber vermeiden.

3 Min Lesezeit
Die häufigsten Erziehungsfehler bei Hunden und ihre Folgen
Inhalt
  1. Die Erziehung von Welpen wird gerne auf später verschoben.
  2. Wie erkenne ich fehlende Konsequenz bei meinem Hund?
  3. Auch Belohnung funktioniert irgendwann nicht mehr, wenn man sie falsch einsetzt.
  4. Erziehen verschiedene Familienmitglieder unterschiedlich, zeigt sich das schnell im Verhalten des Hundes.
  5. Falsche Erziehungsmethoden lassen sich am eigenen Hund gut erkennen.
  6. Warum wird mein Hund durch Abschirmung nicht entspannter?

Du gibst dir Mühe mit der Hundeerziehung, aber dein Hund hört trotzdem nicht? Meiner Erfahrung nach liegt es selten am Hund. Diese sechs Erziehungsfehler begegnen mir in der Hundeberatung immer wieder, dabei sind sie alle vermeidbar.

Die Erziehung von Welpen wird gerne auf später verschoben.

„Der ist ja noch ein Baby“, diesen Satz höre ich ständig. Das Problem: Welpen lernen ab der 8. Woche genauso schnell wie erwachsene Hunde. Sie haben nur eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne.

Ein 12 Wochen alter Welpe kann bereits „Sitz“ und „Hier“ zuverlässig ausführen. Trainingseinheiten dauern nur 2-3 Minuten statt 10-15 Minuten bei erwachsenen Hunden. Das wars schon als Unterschied.

Warte nicht bis zur 20. Woche. Dann ist das Lernfenster für Grundkommandos bereits kleiner geworden. Starte mit dem ersten Tag bei dir zu Hause.

Wie erkenne ich fehlende Konsequenz bei meinem Hund?

Dein Hund springt dich heute an und du sagst „Nein“, morgen findest du es aber süss? Das verwirrt jeden Hund. Er kann nicht unterscheiden zwischen „heute OK“ und „morgen verboten“.

Konkret heisst das: Entscheide einmal, was erlaubt ist. Dann gilt diese Regel für alle in der Familie. Immer. Ein Hund, der montags nicht aufs Sofa darf, versteht nicht, warum er samstags plötzlich doch darf.

Kommandos müssen identisch bleiben. „Komm her“, „Hier“, „Zu mir“, das sind für den Hund drei verschiedene Befehle. Nimm eines und bleib dabei.

Auch Belohnung funktioniert irgendwann nicht mehr, wenn man sie falsch einsetzt.

Gibst du deinem Hund täglich Leberwurst, ist Leberwurst nichts Besonderes mehr. Logisch. Trotzdem machen das 80% aller Hundehalter mit ihren „Trainingsleckerlis“.

Ich empfehle die 80/20-Regel: 80% alltägliche Belohnung (Streicheln, „Gut gemacht“), 20% besondere Leckerlis. Diese besonderen Leckerlis gibt es nur beim Training. Sonst nie.

Ein Hund, der jeden Tag Käse bekommt, wird für Käse keinen Sitz machen. Ein Hund, der Käse nur beim Training bekommt, läuft dir für ein Stückchen hinterher.

Erziehen verschiedene Familienmitglieder unterschiedlich, zeigt sich das schnell im Verhalten des Hundes.

Papa sagt „Runter“, wenn der Hund springt. Mama sagt „Nein“. Der Teenager ignoriert es komplett. Resultat: Der Hund lernt, dass Regeln verhandelbar sind.

Setzt euch einmal für 15 Minuten zusammen. Schreibt auf: Welche Kommandos verwenden wir? Wer füttert wann? Wo darf der Hund schlafen? Wer geht mit ihm Gassi?

Diese Liste hängt ihr in die Küche. Jeder hält sich daran. Keine Diskussionen vor dem Hund, die versteht er sowieso als Unsicherheit von eurer Seite.

Falsche Erziehungsmethoden lassen sich am eigenen Hund gut erkennen.

Schimpfst du mehr, als du lobst? Dann läuft was schief. Hunde lernen über positive Verstärkung zuverlässiger als über Bestrafung.

Ignorieren funktioniert nur bei aufmerksamkeitssuchendem Verhalten. Bei Angst oder Jagdverhalten verstärkt Ignorieren sogar das Problem. Dein Hund denkt: „Herrchen hilft mir nicht, dann muss ich selbst handeln.“

Schreien und Gewalt zerstören Vertrauen. Ein Hund, der aus Angst gehorcht, ist kein gut erzogener Hund. Er ist ein gestresster Hund.

Warum wird mein Hund durch Abschirmung nicht entspannter?

Du gehst anderen Hunden aus dem Weg, weil deiner sich aufregt? Das bestätigt ihm: „Andere Hunde sind gefährlich, Herrchen geht ihnen auch aus dem Weg.“

Besser: Führe deinen Hund kontrolliert an andere Hunde heran. 20 Meter Abstand. Belohne ruhiges Verhalten. Nächste Woche 15 Meter. Dann 10 Meter. So gewöhnt er sich schrittweise daran.

Das dauert länger als Abschirmung, aber es löst das Problem tatsächlich. Ein 6 Monate alter Hund, der konsequent sozialisiert wird, kann mit 1 Jahr entspannter bei Begegnungen sein.

Wie lange dauert es, einen Erziehungsfehler zu korrigieren?

Bei 6 Monaten alten Hunden: 2-4 Wochen tägliches Training. Bei 3 Jahre alten Hunden: 6-12 Wochen. Je länger ein Verhalten eingeübt wurde, desto hartnäckiger sitzt es.

Wann sollte ich einen Hundetrainer hinzuziehen?

Sobald sich ein Problem nach 3 Wochen konsequentem Training nicht verbessert. Oder sofort bei aggressivem Verhalten gegenüber Menschen oder anderen Hunden.

Kann ich mehrere Erziehungsfehler gleichzeitig korrigieren?

Konzentriere dich auf einen Fehler nach dem anderen. Dein Hund kann nicht gleichzeitig lernen, nicht zu springen, an der Leine zu gehen und „Sitz“ zu befolgen. Ein Problem pro Monat ist realistisch.