Basiswissen zu Bikejöring
Bikejöring verbindet Mountainbiking mit der Energie lauffreudiger Hunde. Der ultimative Guide für Ausrüstung, Training und den sicheren Einstieg in diesen rasanten Hundesport.
Inhalt
Bikejöring ist im Grunde ein Pakt: Du trittst in die Pedale, dein Hund zieht – und zusammen seid ihr auf Waldwegen und Feldpfaden deutlich schneller unterwegs, als beide es alleine je wären. Mountainbike plus lauffreudiger Hund, das ist die kurze Formel dahinter.
Wie entstand Bikejöring als Hundesport?
Die Idee kam aus der Not. Schlittenhundeführer in Alaska standen jeden Sommer vor demselben Problem: Ein Husky, der im Winter locker 40 Kilometer am Tag läuft, kann einfach nicht vier Monate lang auf der Couch liegen. Also befestigten die Musher ihre Hunde schon in den 1960ern vor Mountainbikes – pragmatisch, zweckorientiert, und es funktionierte.
Was als Sommertraining begann, entwickelte sich zum eigenständigen Sport. Ende der 1980er kam Bikejöring nach Europa, zuerst nach Skandinavien, dann in den deutschsprachigen Raum. Heute organisiert die Internationale Federation of Sleddog Sports (IFSS) seit 1992 Weltmeisterschaften – und auf den Startlisten stehen längst nicht mehr nur Huskys.
Border Collies, Weimaraner, gut trainierte Mischlinge – wer Lust aufs Ziehen hat und den Körper dafür mitbringt, ist dabei.
Welche Ausrüstung brauchst du für den Einstieg?
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Ein normales Stadtrad reicht nicht. Du brauchst ein Mountainbike mit stabilem Rahmen – mindestens Aluminium, besser Stahl oder Carbon. Klingt nach Overkill, ist es aber nicht: Ein 25-Kilogramm-Hund, der mit 25 km/h zieht, entwickelt Kräfte, die einen billigen Rahmen auf Dauer zerstören.
Das wichtigste Einzelteil ist der Bikejöring-Arm. Diese Metallkonstruktion wird am Lenker oder Sattelrohr befestigt und hält die Zugleine vom Vorderrad fern – ohne sie wärst du nach der ersten Kurve weg vom Rad. Gute Arme kosten zwischen 80 und 150 Euro. Dazu kommt eine elastische Zugleine von etwa zwei Metern Länge, die abrupte Rucke abfedert.
Für den Hund ist das Zuggeschirr der entscheidende Punkt. Ein normales Brustgeschirr schnürt bei echter Zugarbeit die Brust ab – das tut weh und ist auf Dauer schädlich. Spezielle Zuggeschirre verteilen den Druck auf Brust und Schultern gleichmässig. Kostet 60 bis 120 Euro, ist aber kein Bereich, wo man sparen sollte.
Schutzausrüstung: Helm ist Pflicht, keine Diskussion. Dazu Handschuhe mit verstärkten Handflächen. Wer noch keine Erfahrung mit schnellen Teamfahrten hat, legt sich Knie- und Ellbogenschützer hin. Bei 20 km/h auf Schotter stürzen ist kein Spass.
Wie trainierst du deinen Hund für Bikejöring?
Vier Kommandos muss der Hund blind beherrschen, bevor ihr das erste Mal gemeinsam losfahrt: „Voraus“ (geradeaus laufen), „Rechts“, „Links“ und „Stop“. Ohne diese Grundlage wird jede Fahrt zum Zufallsergebnis.
Der Einstieg passiert zu Fuss. Lass den Hund das Zuggeschirr kennenlernen, gewöhn ihn daran, vor dir zu laufen statt neben dir. Erst wenn er 15 Minuten entspannt vor dir trabt, ohne ständig seitlich auszuscheren, steigst du aufs Rad. Klingt langsam – ist aber schneller als ein Neustart nach einem Sturz.
Die ersten Fahrten: maximal 2 Kilometer, Tempo unter 15 km/h. Es geht darum, dass der Hund die Bewegungsabläufe versteht, nicht darum, ihn an seine Ausdauergrenze zu bringen. Nach etwa zwei Wochen kannst du auf 5 Kilometer und 20 km/h steigern.
Ein ausgewachsener, gesunder Hund schafft nach rund drei Monaten Training 15 bis 20 Kilometer. Für Hobbysportler ist das eine gute Obergrenze – längere Strecken belasten Gelenke und Pfoten übermässig.
Bei welchen Temperaturen ist Bikejöring möglich?
Ab 20 Grad Celsius wird es heikel. Hunde kühlen sich fast ausschliesslich über Hecheln und die Pfoten ab – bei körperlicher Anstrengung überhitzen sie schnell. Über 18 Grad solltest du nur früh morgens oder am späten Abend fahren, wenn die Luft noch kühl ist.
Das ideale Fenster liegt zwischen 5 und 15 Grad. Da läuft der Hund auf Volllast, ohne ins Überhitzen zu geraten. Im Winter geht Bikejöring bis etwa minus 10 Grad – aber achte dann auf Streusalz auf befestigten Wegen, das greift die Pfoten an.
Ein simpler Praxistest für heisse Tage: Hand fünf Sekunden flach auf den Asphalt legen. Kannst du sie nicht dort lassen, ist der Boden zu heiss für Hundepfoten.
Gibt es Wettkämpfe im Bikejöring?
Ja, und es sind mehr als die meisten erwarten. Der Deutsche Schlittenhunde-Sport Verband (DSSV) organisiert jährlich rund 20 Rennen zwischen März und Oktober. Die Distanzen reichen von 5 bis 15 Kilometern, gestartet wird in Klassen nach Alter und Erfahrung.
Wer wissen will, wo die Obergrenze liegt: Bei der Weltmeisterschaft laufen Spitzenteams 20 Kilometer in unter 45 Minuten – Durchschnittsgeschwindigkeiten von knapp 27 km/h. Bei Hobbyrennen geht es deutlich entspannter zu.
Selbst ohne Wettkampfambitionen lohnt sich ein Besuch. Du siehst verschiedene Techniken in der Praxis, kannst Ausrüstung aus der Nähe begutachten und redest mit Leuten, die dasselbe durchgemacht haben wie du gerade.
Welche Hunde eignen sich für Bikejöring?
Als grobe Richtlinie gilt: mindestens 20 Kilogramm, ausgewachsen. Kleinere Hunde bringen schlicht nicht die Zugkraft, die den Unterschied macht. Sehr grosse, schwere Rassen dagegen sind oft zu unbeweglich für enge Kurven und schnelle Richtungswechsel.
Lauffreudige Rassen wie Border Collies, Australian Shepherds oder Weimaraner bringen die nötige Motivation fast automatisch mit. Aber auch Mischlinge können hervorragende Bikejöring-Partner sein – entscheidend ist der Bewegungsdrang, nicht der Stammbaum.
Klar ausgeschlossen sind Hunde mit Gelenkproblemen, Herzerkrankungen oder Atemwegsproblemen. Brachycephale Rassen – also Möpse, Bulldoggen und ähnliche – kommen durch ihre eingeschränkte Atmung für diesen Sport grundsätzlich nicht in Frage. Und bevor ihr das erste Mal lostrefft: Lass den Hund vom Tierarzt durchchecken. Das ist kein bürokratischer Aufwand, sondern schlicht vernünftig.