Region Bernina
Karte: Wikipedia Commons, Tschubby, CC BY-SA 3.0. Quelle: commons.wikimedia.org Hund in der Region Bernina: Was wirklich gilt
Der Berninapass liegt auf 2.328 Metern. Wer von Pontresina aus loszieht, hat nach einer Stunde Granit unter den Sohlen, der Bach riecht nach Gletscherschmelze und das Gras hört irgendwann einfach auf. Die Region Bernina umfasst zwei sehr verschiedene Welten: das Oberengadin im Norden mit Pontresina, Samedan und dem Morteratsch-Tal, und das Puschlav (Val Poschiavo) im Süden, wo die Sprache wechselt, die Vegetation dichter wird und das Dorf Poschiavo fast schon italienisch wirkt. Beides gehört zum Kanton Graubünden.
Für Hundehalter ist dieser Doppelcharakter wichtig. Der Kanton Graubünden führt kein eigenes kantonales Hundegesetz, sondern ermächtigt die Gemeinden, eigene Hundeverordnungen für das Halten und Führen von Hunden zu erlassen. Das bedeutet: Pontresina, Poschiavo, Samedan und die anderen Gemeinden der Region können, und tun das auch, ihre eigenen Regeln setzen. Wer die Lage kennt, spart sich den Ärger.
Leinenpflicht in der Region Bernina: Was kommunal gilt
Im Kanton Graubünden gilt es, die jeweiligen Regelungen auf Gemeindeebene zu beachten, die eine generelle Leinenpflicht bzw. eine Leinenpflicht im bewohnten Gebiet vorschreiben können. Der Kanton gibt keinen einheitlichen Rahmen vor. Jede Gemeinde entscheidet selbst. Das klingt nach Freiheit, ist aber eher Pflicht zur Vorbereitung.
Pontresina und Samedan
Pontresina ist die grösste Gemeinde auf der Nordseite des Passes. Der Ort liegt auf 1.805 Metern, der Föhrenwald beginnt direkt hinter den letzten Häusern. Für Graubünden gilt: Es sind die jeweiligen Regelungen auf Gemeindeebene zu beachten, die eine generelle Leinenpflicht bzw. Leinenpflicht im bewohnten Gebiet vorschreiben können. Ob und wo Pontresina oder Samedan eine Leinenpflicht im Ortskern vorschreibt, erfährst du direkt bei der jeweiligen Gemeindeverwaltung, deren aktuelle Polizeireglements sind der verbindliche Stand. Für Samedan gibt die offizielle Gemeinde-Webseite Samedan Auskunft, für Pontresina die Gemeindewebseite Pontresina.
In allen Schweizer Kantonen herrscht eine generelle Maulkorbpflicht für «bissige» Hunde und für solche, bei denen eine Maulkorbpflicht behördlich angeordnet ist. Im Zweifelsfall gilt bezüglich der Leinen- und Maulkorbpflicht sowie Zutrittsverboten immer das, was vor Ort ausgeschildert ist. Diese schweizweite Regel gilt also auch in Pontresina und Poschiavo.
Wald und Weide: Der entscheidende Punkt
Wer mit dem Hund die grossen Wanderwege der Region läuft, Morteratsch, Rosegtal, Alp Grüm, trifft unweigerlich auf Alpweiden. Auf den Weiden werden Kühe und Kälber gemeinsam gehalten, Hunde an der Leine halten! Das gilt auf sämtlichen Weidewegen der Region. Ein freilaufender Hund auf einer Kuhweide ist kein Spassstopper, sondern ein Sicherheitsproblem, für Kalb, Kuh und Hund.
Der Kanton Graubünden verfügt über keine einschränkenden Bestimmungen zu Listenhunden oder Kampfhunden auf kantonaler Ebene. Die Gemeinden behalten sich jedoch unterschiedliche Hundeverordnungen vor, die innerhalb des Kantons von Ort zu Ort differenziert aussehen können. Für Listenhunde gilt: Das Führen im öffentlichen Raum des Kantons Graubünden richtet sich nach den kommunalen Polizeireglements, vor der Reise bei der Wohngemeinde und der Zielgemeinde nachfragen.
Naturschutzgebiete und NSG im Bezirk
Die Region Bernina liegt in unmittelbarer Nähe zum Schweizerischen Nationalpark (Gemeindegrenzen Zernez, nördlich der Region). Im Nationalpark selbst gilt ein striktes Hundeverbot, das ist eine der wenigen absoluten Regeln. Kantone haben die Möglichkeit, gewisse Bestimmungen betreffend Hundehaltung den einzelnen Gemeinden zu überlassen. Es gilt, sich bei der jeweiligen Gemeinde zusätzlich über das kommunale Recht zu informieren und örtliche Beschilderungen zu befolgen. Ob für spezifische Schutzgebiete innerhalb der Berninaregion besondere Hunde-Regelungen gelten, erfährst du über das Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit Graubünden (ALT).
Listenhunde in der Region Bernina: Graubünden ohne Rasseliste
Das ist ein Unterschied zu vielen anderen Kantonen. Der Kanton Graubünden verfügt über keine einschränkenden Bestimmungen zu Listenhunden oder Kampfhunden. Es gibt keine kantonale Rasseliste. Das heisst nicht, dass alles erlaubt ist, die Gemeinden können eigene Regelungen treffen. Und: Wenn das Halten eines Listenhundes im Wohnkanton bewilligt ist und alle Auflagen erfüllt werden, kann kein anderer Kanton das Einreisen, die Durchreise oder den zeitweisen Aufenthalt verbieten, auch wenn der Hund in diesem Kanton auf einer Liste verbotener Rassen steht. Es gelten die Regelungen des Wohnkantons.
Während des Aufenthalts im Kanton Graubünden müssen jedoch die auf dem Kantonsgebiet geltenden Hundegesetze und -verordnungen eingehalten werden, also beispielsweise eine Leinen- oder Maulkorbpflicht. Wer mit einem Hund unterwegs ist, für den im Wohnkanton ein Maulkorb vorgeschrieben ist, muss diesen im öffentlichen Raum auch in Graubünden tragen. Mehr zu den kantonalen Regeln findest du in unserem Artikel zu Graubünden.
Hundesteuer und Anmeldung
Neu in der Region Bernina? Dann gilt: Hund anmelden, Chip prüfen, Steuer bezahlen. Gemäss Regierungsbeschluss vom 22. Februar 2005 (RB Nr. 231) müssen im Kanton Graubünden alle Hunde spätestens drei Monate nach der Geburt mit einem Mikrochip gekennzeichnet und in der Datenbank AMICUS registriert werden.
Die Hundesteuer setzt jede Gemeinde selbst fest. Als Orientierung: Für über drei Monate alte Hunde, welche auf dem Gebiet der Gemeinde Thusis (Graubünden) gehalten werden, beträgt die Steuer für den ersten Hund CHF 100.– und für jeden weiteren im selben Haushalt gehaltenen Hund CHF 180.– jährlich. Dieses Bündner Beispiel zeigt die ungefähre Grössenordnung, die konkreten Beträge in Pontresina, Samedan, Poschiavo oder Brusio können abweichen. Den aktuellen Tarif erfragst du direkt bei der Gemeindeverwaltung.
Der Hund wird über den Mikrochip sowie die Datenbank AMICUS registriert und identifiziert. Die Anmeldung läuft über die Einwohnerkontrolle der jeweiligen Wohngemeinde.
Die besten Routen in der Region Bernina, mit korrekter Rechtslage
Gletscherweg Morteratsch: Eis und Kies im September
Ab der Bahnstation Morteratsch riecht die Luft nach feuchtem Granit. Der Föhrenwald lässt kaum Schatten durch, die Steine unter den Pfoten werden grösser. Die Wanderung von der RhB-Station Morteratsch bei Pontresina zum Ende des Morteratschgletschers ist ein Weg, der durch Jahrtausende der Erdgeschichte führt. Bereits nach knapp 50 Gehminuten ab dem Bahnhof Morteratsch erblickt man das Ziel: den milchigen Gletschersee und die Gletscherzunge. Im Oktober liegt oft schon der erste Schnee auf den seitlichen Moränenrücken, während der Weg selbst noch trocken ist.
Der Weg führt durch ein Gebiet mit aktiver Beweidung. Auf den Weiden werden Kühe und Kälber gemeinsam gehalten, Hunde an der Leine halten. Beschilderungen vor Ort sind verbindlich. Aktuelle Routendetails und Wegbedingungen findest du auf SchweizMobil.
Rosegtal: Lärchenwald und Stille
Das Rosegtal beginnt hinter dem Bahnhof Pontresina. Letzte Schneeflocken begleiten einen auf dem Weg vom Bahnhof Pontresina ins Rosegtal. Neben der gekiesten Pferdekutschenstrasse gibt es links und rechts vom Bach schöne Fusspfade und Picknickplätze. Im Juni, wenn die Lärchen noch jung-grün sind und die Kutschenpferde ihren ersten Arbeitstag haben, zieht der Weg sehr viel Besuch an. Im September ist das Tal ruhiger, die Lärchen leuchten gelb, der Boden federt.
Das Tal liegt ausserhalb des Nationalparks. Trotzdem gilt: Das Rosegtal ist Teil des Engadiner Berggebiets mit Wildtierbestand. Ob auf bestimmten Abschnitten saisonale Leinenpflicht oder Wildruhegebiete ausgewiesen sind, klärst du vor dem Ausflug bei der Gemeindeverwaltung Pontresina oder anhand der Wegbeschilderung vor Ort.
Puschlav: Lago di Poschiavo und Val da Camp
Südlich des Berninapasses wechselt das Bild schlagartig. Das Val Poschiavo liegt in der Schweiz, ist aber italienischsprachiges Gebiet. Die Luft ist wärmer, die Vegetation üppiger. Der Lago di Poschiavo liegt auf 962 Metern, fast 1.400 Meter tiefer als der Pass. Die Wanderung von Miralago am Lago di Poschiavo entlang nach Le Prese führt durch ein eindrückliches Bergsturzgebiet mit Felsbrockenhalden und Tunnels. Unterwegs und am Ende des Sees passiert man schöne Feuerstellen.
Weiter oben im Val da Camp liegt der Lagh da Saoseo. Lagh da Saoseo und Lagh da Val Viola sind zwei Bergsee-Juwelen im Val da Camp, Valposchiavo. Das Gebiet ist alpwirtschaftlich genutzt. Leine anlegen, auch ohne Schild, ist auf Wegen durch beweidete Zonen Pflicht und Anstand.
Ob und wo am Lago di Poschiavo Hunde-Regeln der Gemeinde Poschiavo gelten, klärst du direkt bei der Gemeindeverwaltung Poschiavo oder über die Beschilderung vor Ort.
Hospiz Bernina und Lago Bianco: Hochpass ohne Schatten
Auf dem Pass selbst gibt es kein Baumgewächs mehr. Der riesige Stausee Lago Bianco am Berninapass beeindruckt mit seiner Grösse, dem klaren Wasser und einer hochalpinen Landschaft. Im Juli ist der Pass tagsüber überlaufen, früh am Morgen oder Mitte September ist er wieder sich selbst. Der Weg vom Ospizio Bernina Richtung Diavolezza folgt der Rhätischen Bahn. Der Bernina Trek führt durchs Albulagebiet bis ins Puschlav und ist einer der eindrücklichsten Weitwanderwege Graubündens. Die Route besticht mit imposanten geologischen Formationen und eindrücklichen Panoramen.
Ob die Bergbahnen Diavolezza Hunde an Bord nehmen, klärst du auf der offiziellen Seite der Diavolezza, solche Regeln ändern sich saisonal. Aktuelle Routen-Empfehlungen für die gesamte Region findest du bei SchweizMobil, inklusive Bernina-Tour Nr. 53.
Was in der Region Bernina anders ist als im Rest Graubündens
Zwei Faktoren machen die Berninaregion für Hundehalter besonders: der Tourismus und der Übergang.
Der Tourismus ist intensiv. Pontresina und Samedan ziehen Bergwanderer, Kletterer und Bahntouristen an. Die Gemeinden sind es gewohnt, viele ortsfremde Besucher zu haben. Das kann bedeuten: Gemeinden reagieren mit klareren Reglements. Kantone können gewisse Bestimmungen betreffend Hundehaltung den einzelnen Gemeinden überlassen. Es gilt daher, sich bei der jeweiligen Gemeinde zusätzlich über das kommunale Recht zu informieren und örtliche Beschilderungen zu befolgen. Wer im August mit dem Hund auf dem Berninapassweg wandert, ist nicht allein, die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung mit Wildtier, Weidetier oder Schäfer ist hoch.
Der Übergang ist wörtlich gemeint: Auf dem Pass wechseln Sprachregion, Klima und Verwaltungslogik. Das Puschlav ist zwar Graubünden, aber die Gemeinde Poschiavo erlässt ihr eigenes Polizeireglement. Wer an einem Tag Pontresina und am nächsten Poschiavo wandert, bewegt sich durch zwei verschiedene kommunale Rechtssphären. Alle Ausführungen zu den aktuell geltenden Hundegesetzen und -verordnungen des Kantons Graubünden gelten nicht nur für Hunde(halter), die im Kanton Graubünden wohnhaft sind, sondern für alle sich auf dem Kantonsgebiet aufhaltenden Hunde(halter). Dieser Grundsatz gilt für die ganze Schweiz. Auswärtige Besucher müssen also lokales Recht respektieren.
Häufig gestellte Fragen
Gibt es im Kanton Graubünden eine Leinenpflicht im Wald?
Graubünden kennt keine kantonale Leinenpflicht im Wald während der Brut- und Setzzeit, anders als etwa die Kantone Aargau oder Basel-Landschaft. Die Regelung obliegt den Gemeinden. Einzelne Gemeinden der Berninaregion können eine Leinenpflicht im bewohnten Gebiet oder in bestimmten Zonen vorschreiben. Vor dem Ausflug die aktuelle Regelung bei der jeweiligen Gemeindeverwaltung nachfragen. Im Zweifel: Leine anlegen, Wildtiere schützen.
Darf ich meinen Hund am Lago di Poschiavo freilaufen lassen?
Das hängt von den Regelungen der Gemeinde Poschiavo ab. Diese können sich saisonal und nach Zone unterscheiden. Vor Ort die Beschilderung beachten. Für verbindliche Auskunft wende dich direkt an die Gemeindeverwaltung Poschiavo.
Muss ich meinen Hund in der Berninaregion neu anmelden?
Ja, wenn du deinen Wohnsitz in die Region verlegst. Gemäss Regierungsbeschluss vom 22. Februar 2005 müssen im Kanton Graubünden alle Hunde spätestens drei Monate nach der Geburt mit einem Mikrochip gekennzeichnet und in der Datenbank AMICUS registriert werden. Die Anmeldung als Hundehalter erfolgt bei der Einwohnerkontrolle der Wohngemeinde. Als Feriengast oder Besucher brauchst du keine separate Anmeldung, aber du bist an die lokalen Hundegesetze gebunden.
Ist mein Listenhund in der Berninaregion willkommen?
Der Kanton Graubünden verfügt über keine einschränkenden Bestimmungen zu Listenhunden oder Kampfhunden auf kantonaler Ebene. Wenn das Halten eines Listenhundes im Wohnkanton bewilligt ist und alle Auflagen erfüllt werden, kann kein anderer Kanton das Einreisen, die Durchreise oder den zeitweisen Aufenthalt verbieten. Es gelten die Regelungen des Wohnkantons. Kommunale Reglements einzelner Gemeinden können aber zusätzliche Anforderungen enthalten. Vor der Reise bei der Wohngemeinde und der Zielgemeinde nachfragen.
Quellen
- Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit Graubünden (ALT), Fachstelle Hundewesen: gr.ch, Hundewesen Graubünden
- Gemeindeverwaltung Samedan, Hundesteuer: samedan.ch, Hundesteuer
- Gemeinde Thusis, Hundesteuer Graubünden (Orientierungswert): thusis.ch, Hundesteuer
- SchweizMobil, Wanderrouten Berninaregion inkl. Bernina-Tour Nr. 53: schweizmobil.ch
Saisonale Hinweise
Beste Jahreszeit: Sommer