Neusiedl am See liegt am Nordwestufer des Neusiedler Sees — Österreichs einzigem Steppensee und einem der wenigen Flachseen Europas. Die Stadt ist das Tor zum Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel, einem UNESCO-Welterbe, das Weite, Schilf und Vogelstimmen in sich vereint. Wer hier mit Hund lebt oder zu Besuch ist, spürt sofort: Die pannonische Landschaft denkt in großen Horizonten.
Der See selbst ist selten tiefer als zwei Meter, das Wasser wärmt sich im Sommer schnell auf, und der Schilfgürtel raschelt im Wind wie ein lebendiges Wesen. Zwischen den Weingärten, den Radwegen entlang der Dämme und den weiten Wiesen der Puszta findet ein Hund hier Gerüche, die er nirgendwo sonst kennt. Die Stadt selbst ist überschaubar, die Wege oft eben — ideal für lange Morgenspaziergänge ohne Steigung.
Burgenlands östlicher Landstrich ist dünn besiedelt, weitläufig und ruhig. Das Zusammenleben mit Hund ist hier entspannter als in einer Großstadt, aber es gelten klare Regeln — vor allem im sensiblen Schutzgebiet rund um den See. Dieser Artikel zeigt dir, was du als Hundehaltender in Neusiedl am See wissen musst: von den schönsten Wegen bis zu den lokalen Vorschriften.
Tagesausflüge mit Hund in Neusiedl am See
Tritt aus der Stadt hinaus, und du stehst sofort in einer Landschaft, die wie auf Hunde zugeschnitten wirkt: endlose Dämme, Schotterwege durch Rebzeilen, flache Ufer mit Schilf im Rücken. Aber Achtung — die natürliche Schönheit dieser Region ist auch ihr empfindlichster Punkt. Wer hier mit Hund unterwegs ist, trägt Verantwortung für Brutvögel, Amphibien und das gesamte Ökosystem des Nationalparks.
Am Seeweg entlang des Neusiedler Sees
Der befestigte Seeweg führt von Neusiedl am See nordwärts entlang des Seeufers — zunächst durch Schilf, dann über offene Dammabschnitte mit weitem Blick auf das Wasser. Der Weg ist auch mit Kinderwagen oder Fahrrad nutzbar, was ihn belebt, aber übersichtlich macht. Für Hunde bedeutet das: viele Begegnungen, viele Gerüche, viel frischer Seewind.
Direkt am Ufer gelten jedoch besondere Schutzbestimmungen des Nationalparks und der angrenzenden Naturschutzgebiete. Das Betreten des Schilfs ist streng verboten, und Hunde müssen in Ufernähe angeleint bleiben — unabhängig von ihrem Temperament. Prüfe vor deinem Ausflug die aktuellen Wegführungen und Sperrgebiete beim Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel. Die Schilder vor Ort sind in der Regel gut beschildert, aber gerade in der Brutzeit ändern sich gesperrte Abschnitte kurzfristig.
Außerhalb der Sperrgebiete bietet der Seeweg mehrere Kilometer entspannten Spaziergang auf ebenem Untergrund. Der Untergrund wechselt zwischen Asphalt und verdichtetem Kies — für Pfoten unproblematisch, auch im Sommer wenn die Sonne hochsteht. Frühmorgens ist der Weg am ruhigsten und der See oft spiegelglatt.
Weinviertel-Ausläufer: Weingärten und Feldwege westlich der Stadt
Westlich von Neusiedl am See beginnt das Hügelland der Leithaniederung mit weiten Feldflächen, Weingärten und unbefestigten Wirtschaftswegen. Diese Wege sind in der Regel ganzjährig begehbar und führen durch eine ruhige Agrarlandschaft ohne nennenswerten Verkehr. Für Hunde, die gerne Freilauf haben, ist das eine gute Alternative zu den sensiblen Seeuferzonen — allerdings nur dort, wo keine Ernte oder Feldarbeit läuft.
Achte darauf, Feldfrüchte und Weingärten nicht zu betreten: Die Rebzeilen sind Privatgrund, und gerade in der Lese- und Blütezeit ist das Durchstreifen der Reben verboten. Auf den Feldwegen selbst gelten die allgemeinen österreichischen Regelungen — Hunde müssen ihren Halter begleiten und dürfen Wild und Nist- sowie Setzgebiete nicht gefährden. Im Zweifelsfall gilt: anleinen und Schilder beachten.
Die Wege westlich der Stadt sind kaum ausgeschildert, was sie für Ortsunkundige manchmal unübersichtlich macht. Nimm eine Karte oder eine Offline-Navigation mit, wenn du tiefer ins Hinterland willst. Belohnt wirst du mit Panoramaausblicken auf den Seewinkel und einer Stille, die in dieser Dichte selten ist.
Nationalpark-Besucherzentrum und die Wege Richtung Illmitz
Das Nationalpark-Zentrum in Neusiedl am See ist der offizielle Einstiegspunkt für alle, die das Schutzgebiet erkunden wollen — auch mit Hund. Hier erfährst du aktuell, welche Wege hundefreundlich begehbar sind und wo Leinenpflicht oder Sperrung gilt. Die Mitarbeiter des Nationalparks stehen für Fragen bereit, und es gibt Infomaterial speziell zur Verhaltensweise im Schutzgebiet.
Von Neusiedl am See führt der Radweg Richtung Illmitz durch Salzlacken, Trockenrasen und offene Puszta — eine der beeindruckendsten Kulturlandschaften Mitteleuropas. Hunde reagieren auf die Weite oft mit deutlich gesteigerter Aufmerksamkeit: Das Gelände ist reich an Hasen, Fasanen und Greifvögeln. Gerade deshalb ist Leinenpflicht in weiten Teilen des Nationalparks nicht nur Pflicht, sondern schlicht vernünftig.
Der Weg nach Illmitz ist gut zwölf Kilometer lang — einfache Strecke — und führt größtenteils auf asphaltiertem oder festem Schotterweg. Für trittsichere Hunde kein Problem, aber plane Wasser ein: An vielen Abschnitten gibt es keine Versorgungsmöglichkeiten. Die offizielle Nationalpark-Seite listet aktuelle Wegsperrungen und Hinweise für Besucher.
Rund um den Kirchensee und die Salzlacken im Seewinkel
Wer mit Hund die Salzlacken im Seewinkel erkunden möchte, betritt eines der vogelreichsten Gebiete Österreichs. Die flachen Salztümpel zwischen Podersdorf, Illmitz und Apetlon sind Rastplatz für Flamingos, Limikolen und hunderte weiterer Arten — ein Naturschauspiel ersten Ranges. Für Hunde bedeutet das: maximale Leinenpflicht, kein Verlassen der markierten Wege, kein Schwimmen in oder nahe den Lacken.
Der Kirchensee bei Illmitz ist eine der bekanntesten Salzlacken und hat einen gut ausgebauten Rundweg, der auch mit Hund begehbar ist — solange die Leine sitzt. Die Salzlacken stehen unter strengem Naturschutz, und Verstöße werden aktiv geahndet. Informiere dich vor dem Besuch unbedingt beim Nationalpark über aktuelle Regeln, die sich saisonal ändern können.
Trotz der Einschränkungen ist ein Ausflug hierher mit Hund möglich und lohnend — der Kontrast aus weißem Salzspiegel, Schilf und blauem Himmel ist einmalig. Plane den Besuch für frühe Morgenstunden, wenn Besucherandrang und Hitze gering sind. Halte deinen Hund dabei immer im Blick und reagiere sofort, wenn er auf Wild oder Vögel anspringt.
Hund und lokale Regeln in Neusiedl am See
Das Hundhalten im Burgenland folgt einem klaren rechtlichen Rahmen — auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene. Wer hier neu anzieht oder nur zu Besuch ist, sollte die wichtigsten Pflichten kennen: von der Anmeldung über Leinenpflicht bis zum Verhalten im Schutzgebiet. Die Regeln sind nicht kompliziert, aber sie gelten.
Leinenpflicht in Neusiedl am See und im Nationalpark
Im Ortsgebiet von Neusiedl am See gilt generell Leinenpflicht an öffentlichen Orten — auf Gehsteigen, in Parks und auf Spielplätzen. Das Burgenländische Hundehaltegesetz schreibt vor, dass Hunde im öffentlichen Raum so zu führen sind, dass sie niemanden gefährden oder belästigen. Die genauen Regelungen der Gemeinde Neusiedl am See findest du auf der offiziellen Stadtwebsite.
Im Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel gilt Leinenpflicht auf allen Wegen ohne Ausnahme. Das betrifft auch Bereiche, die nicht explizit ausgeschildert sind: Im Zweifel ist die Leine die sichere Wahl. Hunde, die im Nationalpark frei laufen, können Bruten von Boden- und Wasservögeln gefährden — mit ernsthaften ökologischen Folgen und empfindlichen Strafen für den Halter.
Außerhalb des Nationalparks — etwa auf Feldwegen und in Weingärten — gelten die allgemeinen österreichischen Regelungen. Das Österreichische Tierschutzgesetz und das Burgenländische Hundehaltegesetz verlangen, dass Hunde jederzeit unter Kontrolle ihres Halters sind. Eine Freifläche ohne Leinenpflicht-Pflicht ist das nicht gleichbedeutend mit einem Freischein zum unkontrollierten Freilaufen.
Anmeldung und Hundeabgabe in der Gemeinde
Wer seinen Hund in Neusiedl am See hält, muss ihn beim zuständigen Gemeindeamt anmelden. Diese Pflicht gilt unmittelbar nach dem Zuzug oder nach dem Erwerb eines Hundes. Die Gemeinde erhebt eine Hundeabgabe — die genaue Höhe richtet sich nach der örtlichen Verordnung und ist bei der Stadtgemeinde zu erfragen. Genaue Beträge nenne ich hier nicht, da sie sich ändern können und nur die offizielle Quelle verbindlich ist.
Zusätzlich schreibt das Burgenländische Hundehaltegesetz eine Haftpflichtversicherung für Hunde vor. Diese muss bei der Anmeldung nachgewiesen werden. Wer ohne Versicherung erwischt wird, riskiert eine Verwaltungsstrafe. Prüfe die aktuellen Anforderungen direkt beim Gemeindeamt Neusiedl am See oder beim Land Burgenland.
Die Anmeldepflicht gilt auch für vorübergehende Aufenthalte, wenn du deinen Hauptwohnsitz nach Neusiedl am See verlegst. Touristen und Tagesgäste sind von der Anmeldepflicht ausgenommen, müssen aber alle anderen Verhaltensregeln — Leinenpflicht, Entsorgungspflicht — einhalten.
Öffentlicher Verkehr und Gastronomie mit Hund
Die ÖBB erlaubt Hunde im Zug unter bestimmten Bedingungen: Kleine Hunde in geeigneten Transportbehältern reisen oft zum Kinderpreis oder kostenlos, größere Hunde benötigen einen eigenen Fahrschein und müssen in der Regel einen Maulkorb tragen. Die genauen Regelungen variieren je nach Zugtyp und können sich ändern — prüfe sie direkt bei der ÖBB vor deiner Reise. Neusiedl am See ist per Bahn gut erreichbar (Linie nach Wien Hauptbahnhof), was Tagesausflüge aus der Hauptstadt sehr einfach macht.
In der Gastronomie rund um den See gibt es keine einheitliche Regelung: Manche Heurigen und Seegasthäuser begrüßen Hunde auf der Terrasse ausdrücklich, andere bitten darum, Tiere draußen zu lassen. Frag beim Reservieren oder beim Betreten kurz nach — das wird fast überall als selbstverständlich akzeptiert und beugt Missverständnissen vor. Im Innenbereich sind Hunde in der Regel nicht erlaubt, was österreichischem Standard entspricht.
Auf dem Wochenmarkt und bei lokalen Veranstaltungen gelten eigene Regelungen, die der Veranstalter festlegt. Gerade beim Seefest oder ähnlichen Großveranstaltungen kann es sein, dass Hunde bestimmte Bereiche nicht betreten dürfen. Informiere dich vorab und plane eine ruhige Alternative ein, falls dein Hund stressanfällig ist.
Listenhunde, Maulkorb und Entsorgungspflicht
Das Burgenländische Hundehaltegesetz kennt eine Liste von Hunden mit erhöhtem Gefährdungspotenzial. Für diese Rassen — darunter etwa American Pit Bull Terrier, Rottweiler oder Bullmastiff — gelten verschärfte Auflagen: Leinenpflicht und Maulkorb im gesamten öffentlichen Raum, ein Sachkundenachweis für den Halter und in manchen Fällen eine behördliche Genehmigung zur Haltung. Die vollständige Liste und alle aktuellen Anforderungen findest du beim Amt der Burgenländischen Landesregierung.
Wer einen gelisteten Hund nach Burgenland mitbringt oder hier zuzieht, sollte sich vor der Einreise oder dem Zuzug über die aktuell gültigen Regelungen informieren. Die Vorschriften unterscheiden sich von anderen Bundesländern, und was in Wien gilt, muss in Neusiedl am See nicht identisch sein. Im Zweifelsfall ist das Gemeindeamt der richtige Ansprechpartner.
Die Entsorgungspflicht gilt in Neusiedl am See wie überall in Österreich: Hundekot auf öffentlichen Wegen, Parks und Grünanlagen ist sofort zu beseitigen. In der Stadt gibt es Spender mit Kotbeuteln und entsprechende Abwurfbehälter — nutze sie konsequent. Im Nationalpark gilt dasselbe, und das Entsorgungsgebot ist dort auch Teil des Schutzgebietsetiketts: Hinterlasse keinen Abfall, auch nicht biologisch abbaubaren.
Praktisches vor Ort in Neusiedl am See
Wer mit Hund in Neusiedl am See unterwegs ist, merkt schnell: Die Stadt ist überschaubar, aber die Infrastruktur für Vierbeiner ist solide. Ein kurzer Check vorab spart Überraschungen — besonders rund um den See und im Nationalpark.
Tierärzte und Notfallversorgung
In Neusiedl am See gibt es niedergelassene Tierarztpraxen, die Routineversorgung und allgemeine Behandlungen abdecken. Für Notfälle außerhalb der Sprechzeiten solltest du dir vorab die Rufnummer deiner Praxis und einer Notfallklinik im Raum Wien oder Eisenstadt notieren — diese sind in der Regel rund um die Uhr erreichbar. Die Anfahrt nach Eisenstadt oder Wien dauert mit dem Auto je nach Route zwischen 30 und 60 Minuten. Halte außerdem den Impfpass und die E-Card deines Hundes griffbereit, falls du unterwegs auf eine fremde Praxis angewiesen bist. Eine aktuelle Liste der Tierärzte im Bezirk Neusiedl am See findest du beim Österreichischen Tierärztekammern.
Wenn du im Sommer an den See fährst, bedenke: Algenblüten und stehende Gewässer können Hunde krank machen. Zeigt dein Hund nach einem Seebad Erbrechen, Durchfall oder Zittern, suche sofort eine Tierarztpraxis auf. Vergiftungssymptome nach Kontakt mit Blaualgen entwickeln sich schnell — hier zählt jede Minute.
Hundeschulen und Training in der Region
Im Raum Neusiedl am See und im angrenzenden Seewinkel gibt es einige Hundeschulen und Trainingsplätze, die Grundausbildung, Welpenspielgruppen und weiterführende Kurse anbieten. Gerade für Hunde, die zum ersten Mal auf das belebte Seeufer oder auf viele Radfahrer treffen, lohnt sich gezieltes Impulskontrolltraining im Vorfeld. Frag bei der Stadtgemeinde Neusiedl am See oder dem lokalen Hundehalterverein nach aktuellen Kursangeboten — das Angebot wechselt saisonal. Eine Grundausbildung zahlt sich auch deshalb aus, weil der Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel klar definierte Verhaltensregeln für Besucher mit Hund hat und ein verlässliches Rückrufkommando dort unverzichtbar ist.
Für fortgeschrittene Hunde bieten manche Anbieter in der Region auch Nasenarbeit und Fährtensuche an — ideal für die flache, geruchsreiche Landschaft des Seewinkels. Informiere dich direkt bei den Schulen über aktuelle Termine und Platzverfügbarkeit.
Auslaufzonen und eingezäunte Bereiche
Die Freilaufflächen in und um Neusiedl am See sind begrenzt. Abseits des Nationalparks und der ausgewiesenen Schutzzonen gibt es im Stadtgebiet vereinzelte Bereiche, in denen Hunde sich freier bewegen dürfen — prüfe jedoch die aktuelle Beschilderung vor Ort, da sich Regelungen ändern können. Die Stadtgemeinde informiert auf ihrer Website neusiedlamseewien.gv.at über lokale Vorschriften und ausgewiesene Zonen. In den Randbereichen der Stadt, etwa entlang von Feldwegen und Weingärten, ist oft weites Laufen möglich — aber achte auf Wildschutzzeiten und landwirtschaftliche Nutzung. Eingezäunte Hundewiesen nach Schweizer oder deutschem Vorbild sind hier weniger verbreitet; der Raum selbst ist die Freilauffläche.
Im Siedlungsgebiet gilt: Öffentliche Grünanlagen, Spielplätze und der Seebereich unterliegen häufig Leinenpflicht oder Betretungsverboten für Hunde. Halte dich an die Hinweisschilder und frag im Zweifel beim Gemeindeamt nach.
Pensionen, Betreuung und hundefreundliche Unterkünfte
Wer länger in der Region bleibt, findet im Seewinkel und rund um den Neusiedler See Ferienwohnungen, Bauernhöfe und kleinere Hotels, die Hunde willkommen heißen. Kläre vor der Buchung immer konkret: Ist der Hund im Zimmer erlaubt? Gibt es eine Größen- oder Rassenbeschränkung? Fallen Zusatzgebühren an? Manche Unterkünfte verlangen eine Schutzdecke oder eine Hundebox. Der Burgenland Tourismus listet auf seiner Plattform burgenland.info hundefreundliche Betriebe in der Region — ein guter Ausgangspunkt für die Suche.
Für die Tagesbetreuung deines Hundes, wenn du etwa eine Weinverkostung ohne Vierbeiner planst, gibt es in der Region einzelne Dogsitta-Dienste und Hundehotels. Informiere dich rechtzeitig, besonders in der Hochsaison von Mai bis September, da Plätze schnell vergeben sind. Eine lokale Tierarztpraxis oder die Stadtgemeinde kann oft weiterhelfen und Kontakte vermitteln.
Saisonal in Neusiedl am See
Der Neusiedler See und der Seewinkel verändern ihr Gesicht mit jeder Jahreszeit drastisch — und was im Oktober harmlos war, kann im April lebenswichtig sein. Wer saisonal denkt, schützt seinen Hund und die einzigartige Natur dieser Gegend.
Frühling: Brut- und Setzzeit im Nationalpark
Von März bis Juni ist der Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel der empfindlichste Ort der Region. Tausende Zugvögel rasten und brüten hier — Löffler, Seidenreiher, Säbelschnäbler und viele weitere Arten nutzen die Lacken und Schilfflächen als Rückzugsraum. Ein frei laufender Hund kann in dieser Zeit enormen Schaden anrichten, selbst wenn er nicht jagt: schon das Aufscheuchen brütender Vögel reicht, um Gelege aufzugeben. Die Leinenpflicht gilt im Nationalpark ganzjährig, im Frühling ist sie aber besonders streng zu nehmen. Halte dich ausschließlich auf markierten Wegen und beachte Absperrungen. Das Nationalparkzentrum Illmitz informiert über aktuelle Sperrgebiete und Verhaltensregeln.
Auch außerhalb des Nationalparks lauert im Frühjahr eine Gefahr, die viele unterschätzen: Zecken. Die feuchte, warme Landschaft des Seewinkels ist ein ideales Habitat. Schütze deinen Hund mit geeigneten Mitteln und überprüfe ihn nach jedem Ausgang gründlich — besonders an Ohren, Achseln, Zwischenzehen und am Bauch. Frag deine Tierarztpraxis nach der aktuell empfohlenen Prophylaxe.
Der Frühling bringt außerdem aufgeweichte Feldwege und überflutete Uferabschnitte. Was trocken gut begehbar ist, kann nach Regenfällen tief verschlammt sein. Festes Schuhwerk und eine Leine mit gutem Griff sind keine schlechte Idee — auch für dich.
Sommer: Hitze, Wasser und Trubel am Seeufer
Der Sommer am Neusiedler See ist heiß, trocken und belebt. Temperaturen von über 35 Grad Celsius sind keine Seltenheit, und die flache, schattenarme Landschaft bietet wenig Abkühlung. Plane Spaziergänge konsequent in die frühen Morgenstunden oder den späten Abend — tagsüber heizt sich der Untergrund auf ein Niveau auf, das Pfoten verbrennt. Der Asphalttest gilt: Ist der Boden zu heiß für deine Handfläche, ist er zu heiß für Hundepfoten.
Der See selbst klingt nach idealer Abkühlung — aber nicht überall ist das Baden mit Hund erlaubt oder sinnvoll. Ausgewiesene Badebereiche und Strandabschnitte haben oft eigene Regeln für Hunde; manche Bereiche sind im Sommer komplett gesperrt. Erkundige dich vor Ort an der Seenpromenade oder bei der Stadtgemeinde. Wenn dein Hund ins Wasser geht, spüle ihn danach mit klarem Wasser ab — das Wasser des Neusiedler Sees ist alkalisch und kann bei empfindlicher Haut reizen. Außerdem: Blaualgen-Warnungen im Hochsommer ernst nehmen. Bei einer offiziellen Warnung gilt: kein Seebad für den Hund.
Der Seewinkel zieht im Sommer viele Radfahrer, Wanderer und Ausflügler an. Dein Hund sollte sicher an der Leine gehen und auf Fahrräder und Kinderwagen gut sozialisiert sein. An belebten Tagen — besonders an Wochenenden und Feiertagen — kann es auf den Seewegen eng werden.
Herbst: Weinlese, Vogelzug und goldene Wege
Der Herbst gehört zu den schönsten Jahreszeiten für Hund und Mensch rund um den Neusiedler See. Die Temperaturen werden angenehm, das Licht ist weich, und die Weinreben färben sich tief rot und gold. Zwischen September und November zieht außerdem eine zweite große Welle von Zugvögeln über den Seewinkel — Kraniche, Gänse und Enten rasten auf den Lacken. Der Nationalpark bleibt auch im Herbst Schutzgebiet mit Leinenpflicht; Vogelbeobachter sind in dieser Zeit besonders aktiv, also halte Rücksicht auf andere Besucher.
Während der Weinlese sind viele Feldwege zwischen den Weingärten mit Erntemaschinen und Traktoren befahren. Geh nicht davon aus, dass ein Weg, der im Sommer ruhig war, im Oktober noch sicher zu begehen ist. Halte deinen Hund in dieser Zeit besonders nah bei dir. Trauben, die am Wegrand liegen, können für Hunde gefährlich sein — Weintrauben sind giftig für Hunde und sollten konsequent gemieden werden.
Der Herbst ist auch die Zeit, in der Pilze aus dem Boden kommen. Obwohl der Seewinkel keine ausgedehnte Waldlandschaft ist, gibt es in den Hecken und Windschutzgürteln vereinzelt Pilze, die für Hunde toxisch sind. Halte deinen Hund davon ab, am Boden zu schnüffeln und zu fressen, wenn du die Region nicht gut kennst.
Winter: Stille Wege und besondere Vorsicht beim Eis
Im Winter verwandelt sich der Neusiedler See in eine fast surreal stille Landschaft. Wenn der See zufriert — was in manchen Wintern passiert, in anderen nicht — lockt das blanke Eis Schlittschuhläufer und Spaziergänger. Lass deinen Hund niemals allein auf zugefrorene Flächen: Die Eisdicke ist ungleichmäßig, besonders in Ufernähe und über Schilfzonen. Ein eingebrochener Hund ist nur schwer zu retten, und die Situation wird für dich sofort lebensgefährlich, wenn du hinterherspringst. Betrete Eisflächen nur dann mit deinem Hund, wenn die zuständigen Behörden das Eis offiziell freigegeben haben.
Abseits des Sees bietet der Winter ruhige Ausflüge auf wenig frequentierten Feldwegen und durch die Weingärten. Die meisten Touristen sind weg, der Seewinkel gehört euch fast allein. Für Hunde, die die Hitze des Sommers meiden, ist diese Jahreszeit oft die entspannteste. Achte auf Streusalz auf asphaltierten Wegen im Ort — es greift die Pfoten an. Spüle die Pfoten nach jedem Stadtspaziergang mit lauwarmem Wasser ab oder verwende Pfotenschutzwachs.
Die Tage sind kurz, und Wildtiere sind im Winter besonders gestresst. Fasane, Hasen und Rehe haben wenig Energiereserven und leiden unter jedem unnötigen Fluchtreflex. Halte deinen Hund auch im Winter konsequent unter Kontrolle — eine gute Leinenführigkeit ist kein Sommerthema, sondern das ganze Jahr gefragt.
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