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Stuttgart (Kreisfreie Stadt)

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Schwierigkeit
Mittel
Eintritt
Kostenlos

Hund in Stuttgart: Was wirklich gilt

Stuttgart liegt in einem Talkessel, auf allen Seiten von bewaldeten Hängen eingerahmt, mit einem Höhenunterschied von fast 350 Metern allein innerhalb des Stadtgebiets. Das klingt dramatisch, ist aber Alltag. Du wohnst auf 220 Metern im Tal, und zehn Minuten mit dem Stadtbus später knirscht du auf Waldwegen, die schon zum Stadtwald gehören. Stuttgart ist Landeshauptstadt Baden-Württembergs, kreisfreie Stadt, rund 635.000 Einwohner, und eine der walddichtesten Großstädte Deutschlands.

Was das für Hundehalter bedeutet: Die Kulisse stimmt. Aber die Regellage ist komplizierter als der erste Blick vermuten lässt. Wer glaubt, im Stuttgarter Stadtwald einfach die Leine abnehmen zu können, läuft schnell in Konflikte mit Naturschutzgebietsschildern, jagdrechtlichen Pflichten und kommunalen Polizeiverordnungen. Dieser Beitrag zeigt, was konkret gilt, in der Stadt, im Wald, auf den Hundewiesen.

Leinenpflicht in Stuttgart: Was kommunal gilt

Baden-Württemberg hat keine einheitliche landesweite Leinenpflicht für alle Hunde. Das Bundesland hat die Regelungen den Städten und Kommunen überlassen. Für Stuttgart bedeutet das: Die kommunale Polizeiverordnung zählt, und die ist deutlich strenger als viele Hundehalter erwarten.

Stuttgarter Stadtgebiet: Leinenpflicht in der Praxis

Sonntagmorgens am Schlossplatz. Leine locker in der Hand, der Hund läuft frei. Das Ordnungsamt ist unterwegs. Im Stuttgarter Stadtgebiet muss auf allen öffentlichen Straßen und Wegen die Leine angelegt werden. Das gilt auch für alle Grünanlagen. Ausnahme: ausgewiesene Freilaufflächen.

Die Polizeiverordnung nennt diese Bereiche mit Leinenpflicht:

  • Fußgängerzonen, Haupteinkaufsbereiche und vergleichbare Bereiche mit starkem Publikumsverkehr
  • öffentlich zugängliche, umfriedete Park-, Garten- und Grünanlagen einschließlich Kinderspielplätzen
  • öffentliche Versammlungen, Volksfeste und sonstige Veranstaltungen mit Menschenansammlungen
  • öffentliche Gebäude, Schulen und Kindergärten

Kurze Leine heißt kurze Leine. In Naturschutzgebieten wie Rot- und Schwarzwildpark, Büsnauer Wiesental, Weidach- und Zettachwald, Häslachwald, Eichenhain und Unterem Feuerbachertal führst du deinen Hund maximal an einer 1,5-Meter-Leine.

Besondere Veranstaltungsverbote: Während des Stuttgarter Frühlingsfests und des Cannstatter Volksfests sind Hunde auf dem Wasen nicht erlaubt. Ob Hunde in der Mercedes-Benz Arena, im Gazi-Stadion oder im Robert-Schlienz-Stadion zugelassen sind, erfährst du jeweils direkt beim Veranstalter oder Betreiber, die Regeln können sich ändern.

Wald: Was das Landesjagdrecht sagt

Der Stuttgarter Stadtwald macht den Reiz dieser Stadt aus, 4.900 Hektar, direkt ans Stadtgebiet angebunden. Im Wald gilt kein genereller Leinenzwang. Aber der Hund muss stets abrufbar und im Einwirkungsbereich des Halters sein. Wer das nicht sicherstellt, macht sich nach dem Landesjagdgesetz strafbar. Im Extremfall darf ein jagender oder wildernder Hund von einem Jäger erschossen werden, wenn er nicht mehr unter Kontrolle zu bringen ist. Das passiert selten, die Rechtslage ist dennoch eindeutig.

In ausgewiesenen Naturschutzgebieten innerhalb des Stadtwalds gilt zusätzlich Leinenpflicht nach Naturschutzrecht. Das betrifft den Rotwildpark und den Schwarzwildpark. Von März bis Juli, während Brut- und Setzzeit, gilt das Wegegebot besonders streng.

Hundewiesen und Freilaufzonen in Stuttgart

Stuttgart hat das Netz an offiziell ausgewiesenen Hundeauslaufflächen in den vergangenen Jahren ausgebaut, auch wenn viele Hundehalter es angesichts der Stadtgröße noch als zu dünn empfinden. Zu den städtischen Freilaufflächen gehören:

  • Zuffenhausen, Tappachtal: eingezäunte Wiese mit Agility-Angebot, 560 m², Sitzbank
  • Fasanenhof, Logauweg: eingezäunte Wiese, ca. 3.740 m², selbstschließende Tür, Zugang von der Gartenanlage „Fasanenhofstraße Süd“
  • Wangen, Helfenstein-/Giengener Straße: eingezäunte Wiese
  • Weitere ausgewiesene Standorte in Sternhäule, Weinsteige und Bad Cannstatt

Die aktuelle Gesamtliste der städtischen Freilaufflächen findest du direkt beim Gartenamt Stuttgart auf stuttgart.de.

Listenhunde in Stuttgart: BW-Recht und kommunale Praxis

In Baden-Württemberg regelt die Polizeiverordnung über das Halten gefährlicher Hunde (PolVOgH, zuletzt geändert 2021) den Umgang mit bestimmten Rassen. Die Verordnung teilt sie in zwei Kategorien ein.

Zur Kategorie 1 mit Kampfhundvermutung zählen nach § 1 Abs. 2 PolVOgH: American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pit Bull Terrier sowie deren Kreuzungen. Zur Kategorie 2 gehören weitere neun Rassen, darunter Bullmastiff, Staffordshire Bullterrier, Dogo Argentino, Bordeaux Dogge, Fila Brasileiro, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Mastiff und Tosa Inu. Sie gelten erst dann als gefährlich, wenn die Ortspolizeibehörde die Kampfhundeeigenschaft amtlich festgestellt hat.

Wichtig: Anders als in anderen Bundesländern ist keine Rasse von vornherein definitiv gefährlich eingestuft. Hunde der Kategorie 1 können durch einen Wesenstest entlastet werden. In Stuttgart ist das Amt für öffentliche Ordnung zuständig.

Für mehr als sechs Monate alte Kampfhunde und sonstige gefährliche Hunde im Sinne der PolVOgH gilt Leinen- und Maulkorbpflicht in der Öffentlichkeit. Wer einen Kampfhund halten will, braucht eine Erlaubnis der Ortspolizeibehörde. Voraussetzungen: berechtigtes Interesse, keine Zweifel an Zuverlässigkeit und Sachkunde, keine Gefahr für Dritte durch den Hund.

Die Hundesteuer für gefährlich eingestufte Hunde fällt erheblich höher aus, dazu mehr im nächsten Abschnitt. Die vollständige BW-Rasseliste und Informationen zu Wesenstests findest du in der Übersicht Baden-Württemberg.

Hundesteuer und Anmeldung in Stuttgart

Das Stuttgarter Steueramt ist hier klar strukturiert. Für den ersten Hund zahlst du 108 Euro Hundesteuer pro Jahr, solange der Hund nicht als gefährlich gilt. Beim Zweithund steigt die Steuer auf 216 Euro. Für jeden weiteren Hund werden ebenfalls 216 Euro fällig. Für Kampf- und Listenhunde liegt die erhöhte Hundesteuer bei 612 Euro pro Hund. Das regelt die Hundesteuersatzung der Stadt Stuttgart.

Wer seinen Hund aus dem Stuttgarter Tierheim oder einer anerkannten Einrichtung mit Sitz in Stuttgart holt, bekommt eine Ermäßigung. 50 Prozent Rabatt auf die Hundesteuer, aber nur für Hunde, die erstmalig in den Haushalt aufgenommen werden.

Du meldest deinen Hund innerhalb eines Monats nach Beginn der Hundehaltung an, oder nachdem der Hund das steuerbare Alter von drei Monaten erreicht. Die Anmeldung geht online, persönlich im Bürgerbüro oder per Post. Nach der Anmeldung erhält der Hund eine Steuermarke. Bei Verlust kostet eine Ersatzmarke 5 Euro. Die Marke befestigst du außerhalb des Privatgrundstücks gut sichtbar am Halsband. Alle Infos und das Online-Formular findest du bei der Landeshauptstadt Stuttgart – Hundesteuer.

Die besten Routen im Stuttgarter Stadtgebiet, mit korrekter Rechtslage

Rotwildpark und Glemstal, wenn der Morgennebel noch in den Tälern hängt

Im Oktober liegt feuchtes Laub auf den Wegen. Wildschweine haben die Erde am Wegrand aufgewühlt. Der Rotwildpark westlich von Stuttgart zieht Hundehalter immer wieder an. Der Weg ins Glemstal führt durch alte Laubwälder, an Fischteichen vorbei, und endet an Lichtungen, die sich im Frühjahr gelbgrün öffnen.

Die Rechtslage verlangt hier Aufmerksamkeit. Der Rotwildpark ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Damit gilt Leinenpflicht nach § 23 BNatSchG, unabhängig von der kommunalen Polizeiverordnung. Du führst deinen Hund an einer Leine von maximal 1,5 Metern. Wer die Schilder ignoriert, riskiert ein Bußgeld durch den Feldschutz. Außerhalb der Naturschutzgebietszonen, auf regulären Waldwegen des Stadtwalds, verlangt das Landesjagdgesetz jederzeit Einwirkbarkeit. Leine ist dort keine Pflicht, aber der Hund muss abrufbar sein.

Praxis-Tipp: Einstieg am Parkplatz Glemseck (Leonberger Straße), von dort erschließt sich das gesamte Wegesystem Richtung Solitudesee, ohne zwingend durch Schutzzonenkerne zu führen. Aktuelle Routen-Empfehlungen für das Glemstal und den Stuttgarter Raum findest du bei Visit Baden-Württemberg.

Bärensee, Mittlerer See, Solitudesee, der Sog des Wassers im Sommer

An heißen Augusttagen riecht der Weg schon nach Wasser, bevor man den See sieht. Bärensee, Mittlerer See und Solitudesee liegen wie aufgefädelte Perlen am westlichen Stadtrand. Die befestigten Uferwege knirschen unter dem Kies, der Hund zieht zur Wasseroberfläche, und die Versuchung ist groß.

Ein generelles Badeverbot für Hunde gibt es an den Glemstal-Seen nicht. Aber Teile des Uferbereichs liegen in Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebietszonen, wo Leinenpflicht und Wegegebot gelten. Ob Hunde an einem bestimmten Uferabschnitt ins Wasser dürfen, zeigt die Beschilderung vor Ort, die ist verbindlich und aktueller als jede Faustregel.

Praxis-Tipp: Wer vor 9 Uhr an den Seen ist, hat deutlich weniger Konkurrenz durch Jogger und Radfahrer auf den Uferwegen. Im Sommer ist das kein Luxus, sondern Überlebensstrategie.

Tapachtal in Zuffenhausen – Stuttgarts grüne Lunge im Norden

Das Tapachtal ist ein naturbelassenes Kerbtal im Stuttgarter Norden. Die Wege sind schmaler, das Grün dichter. Erle und Esche stehen so nah am Weg, dass die Blätter im Regen tropfen. Das Tal führt von Zuffenhausen bis Korntal-Münchingen. Kaum Autoverkehr. Der Asphalt hört nach wenigen hundert Metern auf.

Genau hier liegt auch eine der städtischen Freilaufflächen. Die eingezäunte Wiese im Tappachtal bietet 560 m² mit Agility-Angebot und Sitzbank. Nicht viel für eine Großstadt, aber offiziell ausgeschildert und legal. Für Hunde mit starkem Jagdtrieb ist der eingezäunte Bereich der einzig wirklich sichere Ort. Das offene Tal lockt mit Wild, das die Hunde direkt an die jagdrechtliche Grenze bringt.

Karlshöhe und Weinbergswege – Weinleseduft und Stadtpanorama

Ende September läuft die Weinlese. Die Südhänge riechen nach gärendem Most. Die Karlshöhe im Stuttgarter Süden ist dann ein ganz anderes Erlebnis als im Hochsommer. Die weitläufige Parkanlage öffnet sich zum Stadtpanorama, Weinbergslagen ziehen sich nach Untertürkheim und Rotenberg hinüber.

Die Karlshöhe ist eine öffentliche Grünanlage im Sinne der Stuttgarter Polizeiverordnung. Hunde müssen dort angeleint sein. Auf den angrenzenden Weinbergswegen, die als landwirtschaftliche Wege gelten, greift die Parkverordnung nicht. Aber das Wegegebot auf bewirtschafteten Flächen gilt: Weinberge sind während der Nutzzeit von März bis Oktober ausdrücklich nur auf Wegen zu begehen.

Praxis-Tipp: Der Weg von der Karlshöhe über Heslach und den Haigst ins Bärental ist einer der wenigen zusammenhängenden Spazierwege im Stuttgarter Kessel, der sich ohne komplizierte Naturschutzgebiet-Navigation begehen lässt.

Was in Stuttgart anders ist als im Rest von Baden-Württemberg

Stuttgart ist die einzige Großstadt Baden-Württembergs, die mitten in einem dichten Naturschutzgebiets-Netzwerk liegt. Im ländlichen BW bist du oft kilometerlang auf Feldwegen unterwegs, ohne ein Verbotsschild zu sehen. Im Stuttgarter Stadtgebiet wechseln Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete und kommunale Grünanlagen auf wenigen hundert Metern. Die NSG-Liste umfasst Rot- und Schwarzwildpark, Büsnauer Wiesental, Weidach- und Zettachwald, Häslachwald, Eichenhain und Unteres Feuerbachertal, alles Gebiete mit Leinenpflicht, auch wenn der Stadtwald drumherum freier zugänglich ist.

Dazu kommt die Topografie. Stuttgart ist keine Flachlandstadt. Der Kessel erzwingt kurze, steile Zugänge. Wer vom Talgrund in den Wald will, geht oft direkt durch Hangweinberge oder Naturschutzgebietspuffer. Das Risiko, versehentlich in eine Schutzzone zu geraten, ist hier deutlich höher als anderswo. Freilaufflächen gibt es mehrere, aber im Verhältnis zur Hundepopulation sind sie knapp. Wer regelmäßig echten Freilauf will, plant den Ausflug in den Schönbuch oder ins Remstal ein. Saisonale Streckentipps für die Region findest du bei Visit Baden-Württemberg.

Häufig gestellte Fragen

Gilt in Stuttgart für alle Hunde Leinenpflicht?

Nicht überall und nicht pauschal, aber de facto in fast allen öffentlich zugänglichen Bereichen. Laut Polizeiverordnung muss auf allen öffentlichen Straßen und Wegen sowie in allen Grünanlagen die Leine angelegt werden. Ausgenommen sind ausgewiesene Freilaufflächen. Im Stadtwald gilt kein genereller Leinenzwang, aber das Landesjagdgesetz verlangt jederzeit Einwirkbarkeit. In Naturschutzgebieten wie dem Rotwildpark gilt Leinenpflicht.

Wie viel kostet die Hundesteuer in Stuttgart?

Für den ersten Hund zahlst du 108 Euro pro Jahr. Beim Zweithund steigt die Steuer auf 216 Euro. Für jeden weiteren Hund werden ebenfalls 216 Euro fällig. Für Kampf- und Listenhunde liegt die erhöhte Hundesteuer bei 612 Euro. Hunde aus dem Stuttgarter Tierheim können für die Erstaufnahme eine Ermäßigung von 50 Prozent erhalten. Du meldest deinen Hund innerhalb eines Monats nach Beginn der Hundehaltung bei der Stadtkämmerei an.

Darf mein Hund in den Glemstal-Seen schwimmen?

Ein generelles Badeverbot für Hunde gibt es an den Glemstal-Seen (Bärensee, Mittlerer See, Solitudesee) nicht. Allerdings liegen Teile des Uferbereichs in Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebietszonen, wo Leinenpflicht und Wegegebot gelten. Ausgewiesene Badebereiche für Menschen solltest du meiden. Die Beschilderung vor Ort ist verbindlich.

Welche Rassen gelten in Stuttgart als Kampfhunde?

Das BW-Recht unterscheidet zwei Kategorien nach der PolVOgH (Stand 2021). Kategorie 1 mit Kampfhundvermutung: American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pit Bull Terrier und Kreuzungen. Kategorie 2 umfasst weitere neun Rassen, u. a. Bullmastiff, Staffordshire Bullterrier, Dogo Argentino, Bordeaux Dogge, Fila Brasileiro, wenn die Ortspolizeibehörde die Kampfhundeeigenschaft amtlich festgestellt hat. Hunde beider Kategorien können durch einen Wesenstest entlastet werden. Zuständig in Stuttgart ist das Amt für öffentliche Ordnung.

Kann ich meinen Hund im Stuttgarter VVS mitnehmen?

Im Verbundnetz des VVS (Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart) können Hunde mitgenommen werden. Kleine Hunde in geschlossenen Transportboxen gelten als Gepäck. Größere Hunde benötigen ein eigenes Ticket, in der Praxis zum Kindertarif. In Bussen und Bahnen der SSB müssen Hunde angeleint sein. Die aktuellen Tarifbedingungen findest du unter vvs.de.

Quellen

Saisonale Hinweise

Beste Jahreszeit: Frühling|Sommer|Herbst