Potsdam (Kreisfreie Stadt)
Hund in Potsdam: Was wirklich gilt
Potsdam liegt dort, wo die Havel sich in Seen aufweitet und preußische Gartenanlagen bis an die Wasserufer reichen. Die Stadt ist Landeshauptstadt Brandenburgs, grenzt im Nordosten direkt an Berlin und zieht sich über rund 188 Quadratkilometer Havelland, Wälder und dicht gebaute Stadtteile. Für Hundehalter klingt das nach viel Freiraum. Tatsächlich ist Potsdam eine der reguliertesten Hundestädte Brandenburgs, mit einer kommunalen Stadtordnung, die das Landesrecht erheblich verschärft.
Der Kern des Problems: Die Leinenpflicht der Hundehalteverordnung wird in Potsdam durch die Stadtordnung in bestimmten Teilen der Innenstadt und im Stadtteil Babelsberg auf einen ständigen Leinenzwang ausgedehnt. Wer das nicht kennt, läuft in Bußgelder. Das Ordnungsamt kontrolliert aktiv. Die Pflicht besteht sofort, nicht erst nach einer Abmahnung.
Leinenpflicht in Potsdam: Was kommunal gilt
Brandenburg setzt den gesetzlichen Rahmen. Generelle Leinenpflicht besteht für Hunde in Fußgängerzonen, Mehrfamilienhäusern, Verwaltungsgebäuden und öffentlichen Verkehrsmitteln, bei Volksfesten, Demonstrationen und anderen Ansammlungen sowie in Parks und Grünanlagen und auf Sport- und Campingplätzen. Die Leine muss dabei reißfest sein. Sie darf eine Länge von maximal zwei Metern nicht überschreiten. Das ist die Landesebene. Potsdam geht kommunal weiter.
Innenstadt und Babelsberg: ständiger Leinenzwang
Hier wird es konkret. Die Leinenpflicht gilt nicht nur in den Potsdamer Schlösserparks oder in öffentlichen Gebäuden, sondern auch in großen Teilen Babelsbergs, der Innenstadt und der Jägervorstadt. Die Potsdamer Stadtordnung dehnt den Leinenzwang auf alle stark bebauten Stadtteile aus. Eine aktuelle Leinenzwang-Karte stellt die Stadt unter potsdam.de/hundehaltung bereit. Dort lässt sich genau ablesen, welcher Straßenzug betroffen ist.
In Verwaltungsgebäuden und in öffentlichen Verkehrsmitteln müssen die Tiere einen Maulkorb tragen. Auf Spielplätzen oder an öffentlichen Badestellen sind Hunde komplett verboten.
Wald: Landesforstrecht mit Setz- und Brutzeit
Sobald du den Stadtrand hinter dir lässt und in die Wälder rund um Potsdam gehst, greift das Brandenburgische Waldgesetz. In der Brut- und Setzzeit, 1. April bis 15. Juli, gilt erhöhte Vorsicht. Rehkitze liegen in dieser Zeit flach im Unterholz. Im Wald gilt das Gebot, Hunde so zu führen, dass Wild nicht aufgescheucht wird. Freilauf im Wald ist außerhalb ausgewiesener Gebiete nicht erlaubt. Wer im Juni mit seinem Hund durch Kiefernschläge streift, sollte ihn nahe bei sich halten.
Schlossparks der SPSG: eigene Parkordnung
Die Parks der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten (SPSG), darunter Park Sanssouci, Neuer Garten und Babelsberger Park, unterliegen eigenen Parkordnungen, die von der kommunalen Stadtordnung abweichen können. Ob und unter welchen Bedingungen Hunde in den jeweiligen SPSG-Parks erlaubt sind, klärst du direkt auf der offiziellen SPSG-Webseite. Die Bedingungen können je nach Parkteil und Saison variieren. Vor Ort gibt es Beschilderung, die liest du besser vor dem Eingang als danach.
Hundeauslaufwiese Babelsberg
Die Wiese südlich des Babelsberger Parks zwischen Mühlenstraße und Weg am Babelsberger Park ist Ende 2003 als Hundeauslauf eingerichtet worden. Die 0,9 Hektar große Anlage ist umzäunt und beinhaltet eine „Agility“-Strecke mit den Elementen Dach, Tunnel, Reifen, Hürden, Balancierbalken und einer Slalomstrecke. Das ist die einzige offiziell ausgewiesene Hundeauslaufstelle in der Landeshauptstadt. Die Leinenpflicht gilt nicht in den als Hundeauslaufgebiet gekennzeichneten Gebieten.
Gefährliche Hunde in Potsdam: Was seit Juli 2024 gilt
Brandenburg hat seine Hundehalteverordnung zum 1. Juli 2024 grundlegend geändert. Mit der neuen Verordnung schafft das Land Brandenburg die Einstufung von Hunden als unwiderlegbar gefährliche und widerlegbar gefährliche Hunde aufgrund der Rasse ab. Keine Rasseliste mehr. Hunde werden seit dem 1. Juli 2024 nicht mehr aufgrund ihrer Rasse, sondern aufgrund ihres Verhaltens als gefährlich eingestuft.
Ein Hund gilt demnach als gefährlich, soweit die Prüfung eines ganz konkreten Vorfalls der örtlichen Ordnungsbehörde ergibt, dass eine Gefährlichkeit vorliegt, die dann auch festgestellt wird. Das Ordnungsamt Potsdam entscheidet das im Einzelfall, etwa nach einem Beißvorfall. Für gefährliche Hunde gilt fast ausnahmslos Leinenpflicht und Maulkorbzwang. Die Leine darf dabei zwei Meter nicht überschreiten.
Wer vorsätzlich oder fahrlässig einen gefährlichen Hund ohne die erforderliche ordnungsbehördliche Erlaubnis hält oder abrichtet, handelt ordnungswidrig. Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro geahndet werden. Das ist kein Druckmittel, das kommt zur Anwendung.
Mehr zur Rechtslage in Brandenburg findest du in der Übersicht Brandenburg.
Kennzeichnung und Anmeldung in Potsdam
Seit Juli 2024 gibt es zwei getrennte Pflichten. Potsdamer Hundebesitzer sind seit Juli 2024 dazu verpflichtet, ihren Hund zusätzlich zur steuerlichen Anmeldung auch bei der Ordnungsbehörde der Landeshauptstadt zu registrieren. Angezeigt werden müssen die Rasse, das Wurfdatum, die Farbe des Hundes sowie die Chipnummer und die Personalien des Halters.
Neu ist die für alle Hunde ab einem Alter von acht Wochen geltende Kennzeichnungspflicht durch einen Mikrochip-Transponder. Diese Pflicht gilt landesweit. Für die ordnungsbehördliche Anmeldung erhebt Potsdam eine Gebühr. Nach Tarifstelle 8.4.1 liegt diese Gebühr bei 15,00 bis 300,00 Euro. Konkret: 20,00 Euro für einen Hund, 15,00 Euro für jeden weiteren Hund bei gleichzeitiger Anmeldung. Bei zusätzlichem Verwaltungsaufwand kann ein Aufschlag anfallen. Nach Aufnahme oder Zuzug des Hundes reichst du den Antrag unverzüglich schriftlich, online oder persönlich bei der zuständigen Stelle ein.
Hundesteuer in Potsdam
Die Hundesteuer setzt Potsdam durch eigene Satzung fest. Die Landeshauptstadt Potsdam besteuert das Halten von Hunden im Stadtgebiet. Die Besteuerung richtet sich nach der Anzahl und gegebenenfalls nach den rassespezifischen Merkmalen der gehaltenen Hunde. Die Höhe der Hundesteuer variiert in Brandenburg und liegt zwischen 24 und 120 Euro für den ersten Hund. Den genauen Potsdamer Steuersatz erfährst du aus der aktuellen Hundesteuersatzung der Landeshauptstadt Potsdam oder direkt beim Steuerbereich der Stadt. Die Anmeldung der Hundesteuer ist gebührenfrei. Nach der Anmeldung werden Hundesteuermarken ausgegeben, die bei Abmeldung des Hundes wieder abzugeben sind.
Von der Steuer befreit sind Hunde, die ausschließlich dem Schutz und der Hilfe von hilflosen Personen dienen. Eine Ermäßigung gibt es zum Beispiel für Hunde, die der Bewachung einzelstehender Gebäude dienen, oder für Halter mit geringem Einkommen. Den Antrag stellst du schriftlich bei der Landeshauptstadt.
Die besten Routen in Potsdam, mit korrekter Rechtslage
Haveluferwege: breite Flussufer, wechselndes Recht
Im Oktober, wenn der Morgendunst über der Havel liegt und die Buchen am Ufer kupferrot leuchten, ist die Strecke vom Glienicker Horn entlang des Griebnitzees eine der stillsten in der ganzen Stadt. Kies und feuchter Sand unter den Pfoten, das Rauschen der Schleuse in der Ferne. Hier trifft Stadtgebiet auf Landeswald, und die Regeln wechseln abrupt. Im Bereich der Stadtordnung gilt Leinenpflicht; im angrenzenden Wald greift das Landesforstrecht. Schilder zeigen den Wechsel an. Achte darauf, nicht alle Übergänge sind offensichtlich.
Aktuelle Wegbedingungen und Hinweise auf gesperrte Abschnitte findest du beim Umweltamt der Landeshauptstadt Potsdam.
Nuthe-Nieplitz-Niederung: südlich der Stadt, weites Offenland
Wer von Potsdam aus Richtung Süden fährt, kommt schnell in die Nuthe-Niederung. Flache Teiche, nasses Wiesenland, im Herbst Zugvögel in großen Schwärmen. Das zieht. Das Gebiet ist gleichzeitig Naturschutzgebiet. Brut- und Aufzuchtzeiten sind hier besonders ernst zu nehmen. Von April bis Mitte Juli sind freilaufende Hunde eine reale Gefahr für Bodenbrüter. Leine anlegen, Wege nicht verlassen. Die Beschilderung vor Ort zeigt an, welche Zonen besonders schutzbedürftig sind. Wer die Schilder ignoriert, riskiert eine Ordnungswidrigkeit.
Babelsberger Park und Hundeauslaufwiese: das Duo am Stadtrand
Der Babelsberger Park liegt auf einem Plateau über der Havel. Im Juni riecht es nach gemähtem Gras und aufgewärmtem Kalkstein. Hunde sind im Park selbst an der Leine zu führen, hier gilt die SPSG-Parkordnung, die von der städtischen Stadtordnung getrennt zu betrachten ist. Was Hunde in den einzelnen Parksektoren konkret dürfen, klärst du auf der offiziellen SPSG-Seite.
Unmittelbar angrenzend liegt die einzige offizielle Hundeauslaufwiese der Stadt. Die Wiese südlich des Babelsberger Parks ist Ende 2003 als Hundeauslauf eingerichtet worden und ist 0,9 Hektar groß und umzäunt. Hier darf der Hund ohne Leine. Frühmorgens, bevor die Pendler kommen, ist die Anlage oft leer. Das ist die beste Zeit.
Templiner See und Schwielowsee: Wasser ja, Badestelle nein
Im Sommer zieht es Potsdam an die Seen. Der Templiner See und der Schwielowsee südwestlich der Stadt sind Naturgewässer mit langen, wenig belebten Ufern. Entlang der Uferstreifen gibt es Abschnitte, die deutlich ruhiger sind als die Badestellen. Aber: An offiziellen öffentlichen Badestellen sind Hunde in Brandenburg generell verboten. Auf Kinderspielplätzen, ausgewiesenen Liegewiesen, in Badeanstalten sowie an öffentlichen Badestellen besteht ein generelles Hundeverbot in Brandenburg. Welche Uferabschnitte außerhalb der Badeverbotszonen liegen, erkennst du an der Beschilderung vor Ort. Sicher gehen: vor dem Ausflug bei der zuständigen Gemeinde nachfragen.
Was in Potsdam anders ist als im Rest Brandenburgs
Potsdam ist das einzige Stadtgebiet Brandenburgs mit einer derart kleinräumig geregelten kommunalen Leinenpflicht. Landkreisgemeinden in Brandenburg haben oft weniger strenge Lokalverordnungen. In Potsdam hingegen zieht das Ordnungsamt aktiv durch die Stadtteile und verhängt Bußgelder. Das Ordnungsamt stellt zunehmend Verstöße gegen den Leinenzwang bei Hunden fest. Die Kontrollen sind kein Ausnahme-Ereignis, sie sind Alltag.
Gleichzeitig ist die Stadt arm an Freilaufmöglichkeiten. Die Stadt verfügt nur über eine einzige Hundeauslaufstelle, am Park Babelsberg. Einige wenige Möglichkeiten, die Tiere frei laufen zu lassen, gibt es auch auf der Wiese nördlich des Hauptbahnhofs oder entlang der Nuthe. Für einen Hund, der täglichen Auslauf braucht, ist das knapp. Viele Potsdamer Hundehalter weichen in die umliegenden Kreise oder nach Berlin aus. Das lohnt sich oft schon nach 15 Minuten Fahrt.
Die SPSG-Parkanlagen sind ein eigenes Kapitel. Sie gehören zur UNESCO-Welterbestätte und werden von einer Stiftung mit eigenen Regeln verwaltet. Parkordnungen der SPSG gelten unabhängig von der städtischen Stadtordnung. Wer mit Hund in den Schlossparks unterwegs ist, muss beide Regelwerke kennen.
Häufig gestellte Fragen
Gilt im Park Sanssouci Leinenpflicht für Hunde?
Park Sanssouci wird von der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten (SPSG) verwaltet und hat eine eigene Parkordnung. Ob Hunde dort mitdürfen und unter welchen Bedingungen, klärst du direkt auf der offiziellen SPSG-Seite. Vor Ort gibt es Beschilderung. Die städtische Stadtordnung gilt in den SPSG-Parks nicht als alleinige Grundlage.
Muss ich meinen Hund in Potsdam zweimal anmelden?
Ja. Seit dem 1. Juli 2024 gibt es zwei getrennte Anmeldepflichten. Die steuerliche Anmeldung beim Finanzbereich der Stadt ist eine Pflicht. Die ordnungsbehördliche Anzeige beim Ordnungsamt ist eine zweite, davon unabhängige Pflicht. Beide müssen unverzüglich nach Aufnahme oder Zuzug des Hundes erfolgen. Die ordnungsbehördliche Anmeldung kostet eine Gebühr (Stand 2024: 20 Euro für den ersten Hund). Details unter vv.potsdam.de.
Gilt die Rasseliste noch in Brandenburg?
Nein. Mit der Abschaffung der sogenannten Rasseliste stellt Brandenburg das Verhalten des Hundes in den Vordergrund. Seit dem 1. Juli 2024 gibt es keine rassebasierte Einstufung als gefährlich mehr. Die Ordnungsbehörde stellt Gefährlichkeit im Einzelfall fest, zum Beispiel nach einem Beißvorfall. Hunde, die früher allein wegen ihrer Rasse als gefährlich galten, sind seither nicht mehr automatisch als solche eingestuft.
Gibt es in Potsdam Hundeauslaufgebiete ohne Leinenpflicht?
Es gibt genau eine offiziell ausgewiesene, eingezäunte Hundeauslaufwiese in Potsdam: Die Wiese südlich des Babelsberger Parks wurde Ende 2003 als Hundeauslauf eingerichtet. Dort entfällt die Leinenpflicht. Weitere eingezäunte Freilaufflächen gibt es im Stadtgebiet nicht. Für ausgedehnte leinenfreie Runden weichen viele Potsdamer in umliegende Brandenburger Kreise aus.
Darf mein Hund mit an die Seen rund um Potsdam?
An offiziellen Badestellen gilt in Brandenburg ein generelles Hundeverbot. Das betrifft Badeanstalten, ausgewiesene Liegewiesen und öffentliche Badestellen. Natürliche Uferstreifen abseits der Badeabschnitte können zugänglich sein, die Beschilderung vor Ort ist maßgeblich. Vor dem Ausflug empfiehlt sich eine kurze Rückfrage bei der jeweils zuständigen Gemeinde, da sich Regelungen saisonal ändern können.
Quellen
- Landeshauptstadt Potsdam – Hundehaltung (Stand: September 2024)
- Potsdam Serviceportal – Hundehaltung, Anzeige nach Hundehalteverordnung (Stand: 2024)
- Ministerium des Innern Brandenburg – Neue Hundehalteverordnung ab 1. Juli 2024
- GVBl. Brandenburg Teil II Nr. 42 vom 25. Juni 2024, Hundehalteverordnung HundehV (Volltext)
- Landeshauptstadt Potsdam – Hundesteuer
Saisonale Hinweise
Beste Jahreszeit: Sommer|Herbst
Bild: Wikimedia Commons –