Tierhortung
Tierhortung (international als Animal Hoarding bekannt) bezeichnet das krankhafte Ansammeln von Tieren, bei dem zu viele Tiere auf zu wenig Platz mit zu wenig Ressourcen gehalten werden.
Inhalt
Tierhortung, international als Animal Hoarding bezeichnet, beschreibt eine Situation, in der eine Person eine grosse Anzahl von Tieren hält oder wiederholt Tiere aufnimmt, obwohl sie nicht mehr in der Lage ist, deren grundlegende Bedürfnisse angemessen zu erfüllen. Häufig bestehen gleichzeitig Probleme bei der Hygiene, der Ernährung, der tierärztlichen Versorgung und der Unterbringung. Die Situation kann sowohl für die Tiere als auch für die betroffene Person erhebliche gesundheitliche und soziale Folgen haben.
Tierhortung unterscheidet sich von einer gewöhnlich grossen Tierhaltung vor allem dadurch, dass die vorhandenen Ressourcen nicht mehr ausreichen, um die Tiere angemessen zu versorgen. Die Anzahl der Tiere allein ist kein ausreichendes Kriterium.
Merkmale von Tierhortung
Eine Tierhortung entwickelt sich häufig über einen längeren Zeitraum. Mit zunehmender Tierzahl können die räumlichen, finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten der betroffenen Person überschritten werden. Dadurch verschlechtern sich die Haltungsbedingungen schrittweise.
Typische Merkmale sind eine Überbelegung der Räume, unzureichende Hygiene sowie eine unzureichende Versorgung mit Futter und Wasser. Auch notwendige tierärztliche Behandlungen werden teilweise nicht oder verspätet durchgeführt. Bei stark ausgeprägten Fällen können sich Krankheiten und Verletzungen unter den Tieren ausbreiten und die Sterblichkeit erhöhen.
Ein weiteres häufig beschriebenes Merkmal ist eine eingeschränkte Wahrnehmung oder Verkennung der tatsächlichen Haltungsbedingungen. Betroffene Personen sind überzeugt, den Tieren zu helfen oder sie vor einem schlechteren Schicksal zu bewahren, obwohl die vorhandenen Möglichkeiten zur Versorgung nicht mehr ausreichen.
Ursachen und Hintergründe
Tierhortung hat in der Regel keine einzelne Ursache. In wissenschaftlichen Untersuchungen wurden unter anderem psychische Erkrankungen, soziale Isolation, belastende Lebensereignisse und traumatische Erfahrungen als mögliche Einflussfaktoren beschrieben.
Bei einigen Betroffenen besteht eine starke emotionale Bindung an die Tiere. Die Aufnahme weiterer Tiere wird teilweise als Möglichkeit wahrgenommen, Tiere zu retten oder ihnen ein Zuhause zu geben. Gleichzeitig fällt es schwer, Tiere abzugeben oder die eigene Tierhaltung zu begrenzen.
Tierhortung kann mit verschiedenen psychischen Erkrankungen oder Verhaltensmustern verbunden sein. Dazu gehören unter anderem Zwangssymptome, depressive Erkrankungen und bestimmte Persönlichkeitsmerkmale. Es handelt sich jedoch nicht um eine einheitliche psychische Erkrankung, und nicht jede Person mit einer psychischen Erkrankung entwickelt eine Tierhortung.
Die Situation kann sich dadurch weiter verschärfen, dass die Betroffenen den Umfang der Probleme nicht erkennen oder ihre Lebensbedingungen gegenüber anderen Personen nicht offenlegen.
Folgen für die Tiere
Für die Tiere kann Tierhortung erhebliche Folgen haben. Bei unzureichender Versorgung treten Unterernährung, Austrocknung, Parasitenbefall, Infektionen oder unbehandelte Verletzungen auf. Eine hohe Tierdichte begünstigt zudem die Übertragung von Krankheitserregern.
Auch die Haltungsbedingungen können das Wohlbefinden beeinträchtigen. Überbelegung, fehlende Rückzugsmöglichkeiten, mangelnde Hygiene und dauerhaft hoher Stress können zu Verhaltensveränderungen führen. Bei Hunden und anderen sozialen Tieren können beispielsweise Angst, Rückzug oder aggressives Verhalten auftreten.
In schweren Fällen sterben Tiere aufgrund von Krankheit, Verletzungen, Unterversorgung oder fehlender Behandlung. Bei behördlichen Kontrollen werden deshalb teilweise auch bereits verstorbene Tiere vorgefunden.
Folgen für die betroffenen Menschen
Auch für die betroffenen Personen kann eine Tierhortung erhebliche gesundheitliche und soziale Folgen haben. Die Versorgung einer grossen Zahl von Tieren führt zu einer starken zeitlichen und finanziellen Belastung. Gleichzeitig können soziale Kontakte abnehmen, insbesondere wenn sich die Lebensbedingungen zunehmend verschlechtern oder Konflikte mit Angehörigen und Nachbarn entstehen.
Unzureichende Hygiene verursacht zudem gesundheitliche Risiken. Dazu gehören beispielsweise die Belastung durch Ammoniak aus Urin, Kontakt mit Krankheitserregern sowie Schimmelbildung in feuchten oder schlecht belüfteten Räumen.
Hinzu kommen mögliche rechtliche Konsequenzen, wenn die Haltung gegen tierschutzrechtliche oder andere gesetzliche Vorgaben verstösst.
Rechtliche Lage in Deutschland, Österreich und der Schweiz
In Deutschland, Österreich und der Schweiz bestehen gesetzliche Vorschriften zur artgerechten Haltung und Versorgung von Tieren. Wenn die Haltung diesen Anforderungen nicht entspricht und dadurch Tiere leiden oder geschädigt werden, können die zuständigen Behörden Massnahmen anordnen.
In Deutschland können die zuständigen Behörden unter den gesetzlichen Voraussetzungen unter anderem Auflagen erteilen, Tiere fortnehmen oder ein Tierhalte- beziehungsweise Betreuungsverbot aussprechen. Bei entsprechenden Verstössen können zusätzlich Ordnungswidrigkeiten- oder Strafverfahren folgen.
In Österreich können die Behörden bei Verstössen gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen ebenfalls Anordnungen treffen und Tiere abnehmen. Unter den gesetzlichen Voraussetzungen sind auch Tierhalteverbote und verwaltungsstrafrechtliche Sanktionen möglich.
In der Schweiz können die zuständigen Behörden bei nicht tierschutzkonformer Haltung ebenfalls einschreiten. Dazu gehören je nach Situation Anordnungen zur Verbesserung der Haltung, die Beschlagnahmung von Tieren und ein Tierhalteverbot. Verstösse können zudem strafrechtliche Folgen haben.
Die rechtlichen Voraussetzungen und das konkrete Vorgehen unterscheiden sich zwischen den Ländern und hängen vom Einzelfall ab.
Prävention und Hilfe
Eine Tierhortung lässt sich häufig nicht allein durch die Entfernung der Tiere dauerhaft lösen. Werden Tiere beschlagnahmt, ohne gleichzeitig die Ursachen der Situation zu berücksichtigen, besteht das Risiko, dass die betroffene Person später erneut Tiere aufnimmt.
Deshalb ist eine Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche sinnvoll. Dazu gehören je nach Situation Veterinärbehörden, Tierschutzorganisationen, Tierärzte, Sozialdienste und psychologische oder psychiatrische Fachstellen.
Eine wichtige Rolle spielt auch die frühzeitige Wahrnehmung problematischer Entwicklungen. Hinweise können beispielsweise von Angehörigen, Nachbarn, Tierärzten oder sozialen Einrichtungen kommen. Eine möglichst frühe Intervention kann dazu beitragen, eine weitere Verschlechterung der Haltungsbedingungen zu verhindern.
Für die betroffene Person sind psychologische oder psychiatrische Unterstützungsangebote sinnvoll, insbesondere wenn eine zugrunde liegende psychische Erkrankung oder eine ausgeprägte soziale Belastung besteht.
Gleichzeitig müssen die Versorgung und der Schutz der betroffenen Tiere sichergestellt werden.
Tierhortung und Tierquälerei
Tierhortung ist nicht automatisch mit vorsätzlicher Tierquälerei gleichzusetzen. In vielen Fällen besteht bei den betroffenen Personen durchaus die Absicht, die Tiere zu versorgen oder zu retten. Entscheidend für die Beurteilung der Situation sind jedoch die tatsächlichen Haltungsbedingungen und die Auswirkungen auf das Wohlergehen der Tiere.
Auch wenn eine bewusste Schädigung nicht beabsichtigt ist, kann eine Überforderung der Halterperson zu erheblichem Tierleid führen.
Tierschutzrechtliche Massnahmen können deshalb unabhängig davon erforderlich sein, welche Absichten hinter der Haltung stehen.
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